FIRIEL fragte am 02.03.2019 | Fragen zur Community

Private Leserunde

Es ist mal wieder Zeit für eine private Leserunde. Gittenen und ich haben uns gerade ausgetauscht und schon mal zwei Titel als Vorschlag: "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse oder "Professor Unrat" von Heinrich Mann (verfilmt unter dem Titel "Der blaue Engel").

Wer hat Interesse? An welchem Buch? Oder habt ihr einen anderen Vorschlag? Wenn wir uns auf einen Titel geeinigt haben, legen wir den Starttermin fest - und dann geht es wieder los! Ich freue mich auf interessante Diskussionen.

Kommentare

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FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:13

Im Amte

lesesafari kommentierte am 15. April 2019 um 22:34

Josef bekommt einen Stellvertreter, er lässt ihn von den anderen wählen. Und gegen all seinen Überzeugungen wird es... TEGULARIUS! -- Der Faulpelz.

Josef fühlt sich nun wie das Gehirn von Waldzell. Sein Mitgefühl wird immer weniger.

Das Glasperlenspiel wird immer näher umschrieben. Es muss dauernd aktualisiert werden, alle neuen Erkenntnisse müssen integriert werden, damit seine Einheit stets erhalten bleibt. Vllt. wird das Fest der Einheit mit dem großen Spiel bald nicht mehr für die Außenwelt wichtig, zu sehen sein. Vllt wird es selbst in Waldzell nicht mehr stattfinden.

Josef hat eine Neigung vor allem jüngere Studenten zu unterrichten, am liebsten sogar die ANfänger oder sogar Schüler. Und das, obwohl er sich um die Elite kümmern  muss. Ganz wie sein Musikmeister, der mochte die jüngeren Schüler auch am liebsten.

Dann gibt es so ein Jahrbuch (100-jähriger Kalender) mit Tipps vom alten Meister für die Nachfolger. ---- Die Idee fand ich rochtig cool, erinnert mich aber an diese neumodischen Bulletjournals, in denen jeden Tag eine Aufgabe drin steht, die man erfüllen kann.--- Josef schläft zufällig an ddem Tag auf, wo steht, er solle sich schon mal um das nächste öffentliche Fest mit dem Glasperlenspiel kümmern. Und er hat auch eine Idee: EIn Spiel a la "back to the chinese roots".  Und Tegularius soll ihm helfen und es herrichten, es soll ihre vergessene Freundschaft wieder aufleben lassen. ABER: Tegularius kann kein Chinesisch!! Und der alte Chinese aus der Bambushütte will es ihm nicht beibringen. T. ist aber trotzdem bemüht.

Dann bekommt JOsef Besuch von einem neuen Schüler/ Diener des alten Musikmeisters. Der Musikmeister wandelt sich und spricht nicht mehr. ABER: ER LECUHTET!! Was hat das zu bedeuten???? Josef will sich mit ihm unterhalten, plappert drauf los, aber der Musikmeister antwortet nur mit magischen Blicken. Bis auf einen Satz " Josef, du ermüdest dich!" Josef und der Schüler fragen sich, was dieses Phänomen bedeuten soll. SIe lehnen Personenkult ab, aber der Meister ist verwandelt. Es wäre eine Entgleisung, wenn er jetzt "heilig" oder so wäre, weil die Glasperlenspieler keiner KOnfession/Glauben/Religion anhängen.  IDEE: DER MUSIKMEISTER IST ZUR PERSONIFIKATION DER MUSIK GEWORDEN!--- Wow!

FIRIEL kommentierte am 19. April 2019 um 19:37

Der alte Musikmeister ist für mich zum Idealbild geworden. Er hat nie nach Äußerlichkeiten gestrebt, und nun ruht er ganz in sich. So zufrieden möchte ich auch mal sein!

Ich habe die Stellung von Tegularius anders empfunden als du. Ich habe gelesen, dass man Josef einen anderen zuordnet und dass er sich Tegularius nun aus eigener Initiative für diese Sonderaufgabe holt. Das würde auch zu seiner Person passen. Ich sehe ihn zwar nicht als Faulpelz, aber er eignet sich nicht als Stellvertreter und Offizieller. Er ist eher so ein freischaffender Künstler.

Die Idee, dass ein langjähriger Glasperlenspielmeister sich das Jahr einteilt und nicht allein auf eine plötzliche Inspiration für das große Spiel vertraut, gefällt mir. Zumindest muss er sich für die Inspiration bereithalten. 

lesesafari kommentierte am 19. April 2019 um 22:21

Aber auch nicht nach dem innersten Innern! Er hat sich ja auch wie Josef gerne den jüngsten Schülern hingegeben. Sehr schön. Nicht hochmütig, aber vollends erfüllt.

Ich las es so, dass Josef Tegularius auch gar nicht als Stellvertreter haben wollte, weil er eben so "unzuverlässig" und anhänglich war. Aber dann oh Wunder, oh Wunder, ist er doch noch zum Stellvertreter gewählt worden. Wie er seine AUfgabe erledigt hat, wird nicht berichtet. Um Tegularius aber das Abschiednehmen zu vereinfachen und ihn davon abzulenken, hat er ihm die Aufgabe mit dem Kastalien-Historie-Studium auferlegt. Vllt auch um ihn auf die Zeit nach Josef vorzubereiten. Denn Tegularius konnte ja ein Vorgänger des neuen Kastaliens sein, meinte Josef. (uuuups: Sind wir schon beim Geschichtsstudium oder noch bei der chinesischen Bauart für die erste Festlichkeit unteer Josefs Leitung?----- OHH, ich glaube das kommt noch.)

Den Auftrag mit dem chinesischen Bau goibt er ihm ja, damit er sich nicht so vernachlässigt vorkommt, quasi ein Freundschaftsdienst.

Aber die Vorgabe mit dem Jahrbuch widerspricht ja irgendwie dem Kastaliertum, es klingt mehr so klösterlich- der Hundertjährige Kalender eben. Kastalier sind ja wahre, erwachte geistig Geistliche, voller höherem Talent, die können ja alles!! Das sind die Genies der Genies! ;D - Als Idee zur Anleitung für einen neuen Spielmeister gefiel mir das Buch aber auch erstmal. Es war ja auch klug, weil Josef der jüngste Meister aller Zeiten war und sich irgendwie Wissen aneignen musste.

schwadronius erwähnte am 07. September 2019 um 19:39

habe ich hier gar nicht kommentiert? hm.

knecht übt es sehr gut aus. mit ihm zog die revolution ein.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 21:37

und doch stimmte sein meister schon dazu an. nur war er zu tiefenentspannt. erleuchtet.

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:13

Die beiden Pole

lesesafari kommentierte am 18. April 2019 um 20:41

- Josef entdeckt für sich die Vergänglichkeit von Kastalien

- er analysiert das Kränkliche Tegularius´: er ist gegen Harmonie und Ordnung (die höchsten Prinzipien Kastaliens), er ist Individualist bzw. Nihilist,macht nur das Nötigste und könnte ein Vorläufer des neuen Kastaliens werden

- Josef entdeckt hingegen sein Talent als Pädagoge, er weiß genau wie er welchen Zögling behandeln muss, um ihn zum Richtigen anzuleiten

-er studiert die Geschichte Kastaliens: es zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück und ist überzüchtet!!!

- Tegularius finder Geschichte öde!!!: es geht immer nur um Machtkämpfe, "Sekten" im 19./20. Jh. entdeckten, dass Götter aus Not entstanden sind, die KUNST/ der GEIST stehen dieser Geschichte entgegen, sie hebt sich ab, ist zeitlos, aber göttlich!!!

- Josef: Kunst ist nur das Endresultat aus der Geschichte!, Kastalien hingegen kann diese nur reproduzieren!!!, nicht schaffen, da sie nur abstrahieren, können sie die Wirklichkeit nicht erreichen/schaffen: Geschichte ist Wirklichkeit

- dann stirbt der alte Musikmeister ;( (ich mochte ihn sehr gern), sein junger Schüler schafft einen Totenkult (ähnlich Ahnenverehrung, vor  Buddhismus) mit "Haustempel", Josef holt ihn daraus und sorgt dafür, dass er nicht in einer Irrenanstalt landet

- Josef braucht die Gefahr von unbeugsamen Studenten in seiner Umgebung zur Motivation, Debatten sind wichtig, aber sie müssen mit Höflichkeit!! geführt werden

 

 

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 12:07

Was meinst du mit "Josef braucht die Gefahr"? 

Kastalien ist in Gefahr steril zu werden. Es gibt keine Ehe und keine natürlichen Nachkommen, es gibt keine neuen Schöpfungen in der Kunst (außer neuartige Zusammenstellungen im Glasperlenspiel), es gibt kaum Leidenschaften (außer der Hingabe an eine Aufgabe). Das ist nicht ausgeglichen; hier stimmen Yin und Yang nicht überein.

schwadronius erwähnte am 07. September 2019 um 19:36

sie arbeiten beziehungsweise studieren und lernen permanent.

yin & yang sind ja hier mehr in einem selbst. zum beispiel: arbeiten - meditieren.  oder in den personen: knecht - tegularius. 

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 21:41

und ständig muss man in der übung bleiben. neue unknackbare rätsel, die zum nichts führen oder in trance.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 21:41

die sind überall überall überall. pantheismus.

schwadronius fragte am 07. September 2019 um 19:29

reproduziert sich geschichte nicht auch?

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 21:42

sagt man. aber wir entwickeln uns ja weiter, so wird immer ein teil abgewandelt, ergänzt, erweitert, ausgetauscht, übertroffen.

schwadronius erwähnte am 09. September 2019 um 21:48

das ist doch bei kunst nicht anders. der erschaffer bringt sich mit ein.

schwadronius erwähnte am 07. September 2019 um 19:28

unser knecht ist nun mutter teresa.

ziemlich deutlich wird, daß es ein ganzes mit ecken und kanten gibt, aus dem niemand ausgesondert wird. tegularius, kastalischer querulant, bekommt aufgaben, um in schach gehalten zu werden. ebenfalls petrus, der selbstaufgeber. therapie.

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:13

Ein Gespräch

lesesafari kommentierte am 18. April 2019 um 21:00

Wohl mein Lieblignskapitel: soo traurig, soo ehrlich und wiederum soo schön :D

- beim 1. Wiederteffen mit Plinio bleibt dieser für Josef unerkannt und leidet sehr darunter, sie haben ein peinliches Gespräch, sie haben sich entfremdet

- nun gibt es ein 2. Gespräch und eine AUssprache

- Plinio trägt sein Leid vor: die alten Freunde leben in zwei unterschiedlichen Welten mit anderen Themen und derselben Sprache mit unterschiedlichen Vokabular: PLinio hat Familie und Heimat, aber das Glück bedeutete für ihn immer Kastalien, so hatte er sich dort von seiner Welt entfremdet und konnte als Student keinen Anschluss an den Hochschulen finden, er wollte stets die Welt und Kastalien vereinen!!!!---- und deshalb kehrte er während seiner Studentenzeit zu Ferienkursen nach Kastalien zurück, doch ohne Josef beflügelten ihn diese nicht mehr!

- Plinio steckte all seine Hoffnung in das 1. Gespräch, doch Josef erkannte ihn gar nicht, und als er Josef sah, erkannte er diesen Freund, so maskenhaft und kalt wie er geworden ist, auch nicht mehr wieder---- Josef hat immernoch die Maske der Höflichkeit auf und schiebt die Schuld auf Plinio: er hatte auch eine Maske auf!! es war seine Aufgabe diese aufzugeben!!! dabei lacht er stets, obwohl Plinio ziemlich sauer und verletzt ist----- nach dem 1. Gespräch wollte Plinio Kastalien vergessen!!! und hassen!! es war ein GROßER BRUCH in seinem Leben, aber bei Josef hat sich ja NICHTS VERÄNDERT--- Josef: Plinio stand es nie zu Kastalier zu sein, das sei ein EGOISTISCHER ANSPRUCH (das kommt später in einem Kapitel nochmal)

- jetzt versucht Josef um Plinio zu werben, wie er es auch manipulativ mit seinen Schülern tut und laaaaannnnngsam hat er Erfolg

- Plinio: Kastalier sind ewige KInder!!, sie bekämpfen jedes Gefühl mit Meditation, sie leben OHNE FRAUEN!!, Plinio begann sich der Welt anzupassen: Suff und Rumhurerei, dann war er zu stolz, um sich wieder der Meditation zu widmen und an Kastalien zu wenden, dass er schmerzhaft vermisste

- Josef erklärt sein Lachen: IM HELLEN STECKT HEITERKEIT UND TIEFE! Der alte Musikmeister verkörperte zum Ende hin die Tugend der Heiterkeit, deshlab strahlte er!!! Dies ist das edelste Ziel und die höchste Erkenntnis, Liebe, Wachsein, das Geheimnis allen Schönen, die Substanz aller KUnst. 

Der Dichter= trauriger Einsamer--- Musiker: schwermütiger Träumer ---- beide verbindet das reine Licht, das Göttliche in ihrer Kunst!!!!

Das Glasperlenspiel: Vereinigung von Wissenschaft, Schönem, Meditation..... aber die Musik ist Tapferkeit

 

 

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 00:23

die heiterkeit führt also zur tranzendenz. mit sich im reinen (licht) sein. traurigkeit zu - aber vor allem hinter sich lassen.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:04

heiterkeit? RAUSCH. die transzendenz ist heiterkeit. oder eben reinigung von allem. pustekuchen, nicht sein und nicht nicht-sein. trans eben.

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 12:14

In dieser Heiterkeit "schwebt" man über den Dingen, man hat sie losgelassen. Das ist vermutlich interesseloses Wohlgefallen nach Kant; ohne Begierde.

Aber diese Heiterkeit von Josef wirkt auf Plinio verletzend; es wirkt auf ihn kalt, desinteressiert, ohne Beziehung zu seiner Person. 

Ich finde es etwas schade, dass der Gegenpart hier nicht ausgeführt wird. Plinio muss sich gedulden, bis er erfährt, dass Josef sein Kastalien auch einseitig einschätzt und ihm hier etwas fehlt, genau wie Plinio in der "Welt" etwas vermisst. Sein Versuch, beide Bereiche zu vereinen, ist nicht geglückt. Ob es Josef besser gelingen wird??

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 00:18

kastalien ist verstand, klarheit. nicht - kastalien ist emotion, chaos. beides getrennt.

wenn man sich selbst nicht sieht, bedarf es eines freundes. knecht und designori reflektieren sich selbst.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:06

ja, ganz toll, was? und so eine uralte erkenntnis jeder glaubensrichtung.
blöde rätsel, (werk)tagebücher, beichte...

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:14

Vorbereitungen

lesesafari kommentierte am 18. April 2019 um 21:07

Auch ein schönes Kapitel so als Nachhang vom vorherigen!

Die Freunde sprechen sich weiter aus und versöhnen sich!!!!

- Plinio Vater war ein politisch KOnservativer--- Plinio hat sich dem linken Flügel der Partie angeschlossen und die Tochter des Anführers geehelicht und einen Sohn Tito gezeugt --------> BRUCH MIT FAMILIE

- Josef will sein AMT NIEDERLEGEN, er führt PLinio zurück zu den Praktiken Kastaliens und besucht ihn IN DER WELT

- es gibt einen neuen Ordensleiter, es ist der Yogameister Alexander, der für Josef nahbar ist seit jener Zeit

- Tegularius soll erst später von seinem Wunsch erfahren, als er es erfährt, findet er die Amtsniederlegung okay, T. erhält den Auftrag eine Kritik gegen Kastalien zu verfassen, dafür muss er die Geschichte Kastaliens ebenfalls stuideren

- die Freunde Plinio und Josef schmieden die Idee, dass Josef der Lehrer von Tito werden soll, Tito steht im Konflikt mit seinen Vater, weil er das Familienerbe (Haus des väterlichen Großvaters) behalten wollte (und er ist wohl in der Pubertät :D ), durch das Klavierspiel gewinnt Josef das Vertrauen Titos

- nach dem Besuch hat sich Josef schon innerlich vom Orden verabschiedet, aber sicherlich werden sie ihn nicth so einfach ziehen lassen; aber das Glasperlenspiel: ERFÜLLT SEIN LEBEN NICHT, IST VERZICHT UND GEFANGENSCHAFT

 

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 12:47

ich finde eher, knecht ist das glasperlenspiel. und er möchte es allen zugänglich machen beziehungsweise bei ihnen anwenden, nicht nur den bestimmten.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:08

hach, welch geistreiche idee! ich denke eher zugänglich machen. anwenden klingt zu sehr nach gott spielen.

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 13:14

Es ist schon sehr folgerichtig, dass Josef nicht nach einem herausragenden Amt wie einer Professur sucht, sondern lieber als Erzieher wirken möchte. Da kann sich Plinio ja freuen, wenn er seinen Sohn in so gute Hände geben kann. Schön, dass auch seine Frau Vertrauen fasst.

schwadronius meinte am 08. September 2019 um 12:44

knecht möchte die symbiose wagen. die tür zwischen beiden häusern öffnen und offen lassen.

außerdem ist er marionettenspieler im positiven sinne. die anderen wisen nicht, daß es auch für sie positiv ausgehen wird.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:09

aber wird es das?

schwadronius erwähnte am 09. September 2019 um 22:12

sie "wachsen" doch an seinen aufgaben und werden heiterer.

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:14

Das Rundschreiben

lesesafari kommentierte am 18. April 2019 um 21:26

- Josef schickt seinen Abschieds-Kritik-Brief ab:

- er sieht den Untergang Kastaliens nahen, die Elite ist an die oberste Hybris gelangt, sehen nicht, dass sie von der Gönnerschaft der Außenwelt (Steuergelder???) leben 

- die Geschichtsschreibung wurde im 17. Jh. gesplittet, für die Geschichtsphilosophen ist es die "feuilletonistische Epoche" (verschönert), für die anderen das Kriegsjahrhundert "die kriegerische Epoche" gewesen-------- Kastaliern fehlt das Bewusstsein und die Verantwortung für die Geschichtsschreibung

- Ungeistigkeit führte zum 1. Weltkrieg, alle Geistigen wurden in den Märtyrertod getrieben--- die Geschichtsschreibung wurde für Propagandazwecke missbraucht---------- JETZT SIEHT JOSEF GEFAHR VOM OSTEN HER DROHEN!! (was mag sich Hesse da in 30ern bei gedacht haben??) aber in dieser Zeit gibt es nur noch wenige Geistige, weniger als vor dem 1. WK

- Kastalier sind nicht zum Herrschen gemacht, dafür braucht es Entscheidungsfreude und Tatendrang--- sie ANALYSIEREN

- DAS GLASPERLENSPIEL GEHT ALS ERSTES BEI EINEM NEUEN KRIEG VERLOREN, es ist am meisten von der weltlichen Kunst entfernt und wird nicht wieder zurückkehren oder zumindest nie mehr so werden wie zuvor (wie die verloren gegangene Musik von 1700 ?)

- Josef ist Magister Ludi, am Anfang des Buches hieß es immer SPIELMEISTER (die Übersetzung müsste auch korrekt sein), seitdem er jedoch Spielmeister ist, wird Magister Ludi immer mit SCHULMEISTER übersetzt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

- und er unterschreibt das Ganze mit DER GLASPERLENSPIELMEISTER

- sein neues Ziel: ER WILL DAS GEISTIGE UND UNVERFÄLSCHTE IN DIE WELT TRAGEN! ( nur so kann ein Teil von Kastalien und das Glasperlenspiel überleben oder??????????)

und die ANTWORT:

- man nahm die Bedrohung ernst, sie ist aber nicht überzeugend geung, der Schutz davor ist nicht die Aufgabe Kastaliens!!!!!!! KASTALIEN HAT MIT DER WELTGESCHICHTE NICHTS ZU TUN! es hat seine eigene Geschichte, die Geistesgeschichte!! sie ist unabhängig von der wirklichen, Weltgeschichte

- Josef ist zu pessimistisch!!!!!!!! Austrittsversuch wird VERNEINT!!!- NIEMAND DARF SICH POSITION SELBST AUSSUCHEN!

- es wird um ein GESPRÄCH GEBETEN

---- Josef merkt, dass er vor dem Antwortschreiben von einem Spion bespitzelt worden sein muss, auch die Unterschrift des Schreibens fehlt, er denkt, es komtm vom Ordens-Yogameister-Vertrauten Alexander

 

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 22:08

ich bin kein freund von geschichte. und von philosophie. ... aber beides zusammen wertet zumindest das eine für mich auf. :).

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:10

das ist aber doof. ist dich ein sehr hilfreicher zugang, der hilfreichste?, zu mythisch anklingenden geschichten.

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 22:11

"glasperlenspielmeister" war geschickt gewählt, anderenfalls hätte die behörde vielleicht denken können, knecht leitet ein spiel ... (das er tat.)

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:12

?? ein spielmeister leitet/moderiert doch ein spiel. später tat es knecht, zunächst musste er spielen.
mich erinnert es an schach. auch wenn ich das nicht kann.

schwadronius meinte am 09. September 2019 um 22:15

hätter er mit "spielmeister" unterzeichnet, wäre es zu offensichtlich gewesen. so versteckt er sich zwischen den kastaliern.

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 14:03

Mich hat auch bei dieser historischen Einbeziehung die (außertextliche) Frage bewegt, wie denn Hesses Gedanken in seine Gegenwart passen und wie sie aufgenommen wurden. Entstanden ist das Buch (laut einer Vorbemerkung in meiner Ausgabe) 1931 bis 1942 und wurde 1943 veröffentlicht. Wie mögen die Nazis das wohl aufgenommen haben? Wie haben sie die Bewertung von Krieg als geistlos, als sinnlos gelesen? Das Buch durfte jedenfalls in Deutschland nicht gedruckt werden.

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 14:12

@lesesafari: Die Übersetzung von magister ludi ist schon korrekt. ludus bedeutet Spiel, aber magister ludi war auch die Bezeichnung für einen Lehrer. Schule als Spiel im Gegensatz zur Arbeit - dem würden Schüler vermutlich nicht zustimmen, Schule ist auch nicht zweckfrei und schon gar nicht ohne Druck. Aber freigestellt sein von der Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, das ist schon ein Vorzug in unserer Kindheit, den es noch nicht lange gibt und der auch heute noch in vielen Ländern bei weitem nicht selbstverständlich ist.

P.S.: Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der magister ludi der Leiter der Ausbildungsstelle der Gladiatoren war, also der Garant für gute Spiele. Ob magister ludi daher die Bedeutung von Ausbildner, Lehrer gewonnen hat? "Ludus latinus" hieß übrigens mein altes Lateinbuch.

schwadronius erwähnte am 08. September 2019 um 22:06

knecht hatte recht, im krieg geht "kunst" und somit wissen verloren.

lesesafari kommentierte am 09. September 2019 um 22:13

hp: after all this time? - always.
und revolutionäre ideen verschwinden wieder für lange zeit.

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:14

Die Legende

lesesafari kommentierte am 18. April 2019 um 21:43

- Josef ist verschwunden und zurück blieb nur seine Legende:

- auf dem Weg zum Ordensleiter ist ihm ein Vers in den Sinn gekommen, der aus seinem eigenen Jugendgedicht stammt, früher "Transzendieren!"= AUfforderung, dann "Stufen"- gefällt auch Tegularius besser.... heiter alle Räume durchschreiten und Erinnerung schaffen.................

- der Ordensleiter lässt ihn frei, wenn er seinen Abfall von Kastalien erklärt

- Josef: seit dem "Jahrbuch" hegt er Zweifel an der Erfüllung als Glasperlenspielmeister, er hat nie ein Erwachen erlebt, aber nun spürt er sowas

- Ordensleiter: das sind EGOISTISCHE GRÜNDE, PRIVATE, SUBJEKTIVE, das entspricht nicht Kastalien

- Josef erklärt ihm das Gedicht "Stufen", so stellt er sich sein Leben vor, so war es, es beudetet ERWACHEN, 1. Stufe: Debatten mit Plinio, 2. Stufe: Klosteraufenthalt, dort lernte er die Welt, den Mensch und die menschlichen Bedürfnisse ansatzweise kennen-------------Kastalien aber ist schon vollendet und kann nicht mehr wachsen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

-O: Josef ist schon PRIVATMANN, er kann das niemals, wundert sich, warum J. sein Amt würdevoll bis zum letzten Tag ausgeführt hat

- J: will kein Verräter sein und nicht als Verrückter dar stehen, ist Pflicht bewusst

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- Josef zieht los, zweitbestes Kapitel!!!! das Ende jedenfalls:

- heiter beschreitet er zu Fuß den Weg in die Welt und spielt dabei Flöte, die er von seinem Bibliotheksfreund Ferromonte bekam...

- ein neuer Raum wird beschritten: Josef soll Tito in den bergen unterrichten, aber Tito ist schon alleine vorgereist, so kann Josef noch frei in Plinios Regalen stöbern und ein Buch (Lyrik der Brahmanen) frei wählen und mit Plinio darüber diskutieren// vorher will Josef noch die Eltern besänftigen, dass dem Sohn nichts passiert ist, heute würde man es so sagen DEN WELTMENSCHEN FEHLT ES AN RESILIENZ!

- es entsteht die Idee. JAA, Josef möchte mal ein Buch für Freunde schreiben ((wie der letzte Papst-- legt sein Amt nieder um Bücher zu schreiben, aht er eigentlich noch was veröffentlicht??)

- von der Reise in die Berge fühlt sich Josef schlapp, aber Tito erwartet ihn fröhlich, höflich: und so will Josef die Botanik von Tito kennenlernen (sein Hobby), seiner Sportbegeisterung ansatzweise nachgehen und die Natur erleben------------ > er erlebt die FREIHEIT

- und dann am nächsten Tag kurz vor Sonnenaufgang am See hinterm Haus, erlebt Tito etwas besonderes: aus heiterem Himmel macht er den SONNENGRUß, tanzt und hüpft und wie man das eben beim Yoga macht, noch nie hat er davon gehört oder ihn sogar ausgeübt, um ihm herum hat er alles ausgeblendet........ Josef ist entzückt von diesem ERWACHEN, DIESER FESTLICHKEIT.... kaum wacht aber Tito wieder auf, vergräbt er sich in jugendliche Scham er weiß nicht wie ihm geschah und versucht es zu vertuschen....

- Mein Herz blieb stehen als da plötzlich kam: und rasch hob er die rechte Hand zum Kopf..... ABER DAS WAR EIN IRRTUM MEINERSEITS

DOCH DAS ENDE WAR TROTZDEM SO .....

(jetzt kommt also noch der "Anhang", gut, dass ich demn nicht zwischendurch gelesen ahbe, dann wäre ich wohl gespoilert worden)

FIRIEL kommentierte am 21. April 2019 um 17:15

Ja, Josef geht heiter in sein neues Leben. Und dass er auf einer Blockflöte spielt, passt da auch gut für mich - das ist so einfach und unstilisiert, wirkt eher kindlich und naturverbunden. (Ist aber ein Vorurteil: Auch auf der Blockflöte kann man höchst virtuos und mit vielen künstlichen Verzierungen spielen.) Aber es klingt nach: Zurück zu den Wurzeln.

Das Gedicht ist auch sehr passend. Aber woher stammt es denn eigentlich? Das Buch heißt "Weisheit des Brahmanen", aber nachher wird Rückert als Verfasser genannt, der doch kein Brahmane war. Es sind die drei Aufgaben, deren Erfüllung früher ein geglücktes Leben bedeuten sollte in dem Sinne - einen Baum pflanzen - ein Haus bauen - einen Sohn zeugen. Hier sind sie abgewandelt; es muss kein Baum sein, ein seltenes Gewächs (oder vielleicht allgemein die Pflege der Natur) ist auch möglich; der Sohn (oder hoffentlich auch ein Mädchen) muss nicht leiblich sein, das Kind erziehen, einen positiven Einfluss auf es gewinnen, ihm bei seiner Entwicklung helfen; ein Buch (oder Büchlein) schreiben heißt etwas Geistiges hinterlassen, nicht etwas Materielles wie ein Haus. Im Grunde ist es die große Frage an jeden Erwachsenen: Was willst du der Welt geben? Und ältere Menschen fragen sich: Was bleibt von mir? Es ist im Übertragenen die Frage nach dem Sinn des Lebens. Josef möchte sich vor allem der pädagogischen Aufgabe widmen und vielleicht auch einmal etwas schreiben, was ja auch pädagogisch wirken kann. Aber sein Leben ist zu kurz. War es deshalb sinnlos??

Womit die Frage nach dem Schluss aufgeworfen wird. lesesafari, du hast oben Kästner angesprochen. Fabian ertrinkt wie Josef, aber das habe ich als völlig anders eingeordnet. Fabian möchte jemanden retten, doch derjenige braucht gar keine Rettung; und er selbst kann gar nicht schwimmen, er hätte also gar nicht die Möglichkeit. Beide Voraussetzungen zu einer Rettung sind nicht gegeben. Fabian verkennt also die Situation völlig. Im Grunde ist er realitätsfern und (zumindest in der beschriebenen Großstadtwelt im aufkommenden Nationalsozialismus) nicht lebensfähig.

Josef schätzt seine Kraft falsch ein; in dieser neuen Umgebung hat er sie nicht. Es gibt eine natürliche Erklärung; er müsste sich erst an die Höhenlage gewöhnen. Vielleicht ist das auch symbolisch und er müsste sich erst in dieser für ihn neuen Welt einfinden, ehe er wirken kann. Oder soll es bedeuten, dass die beiden Welten unvereinbar sind? Das denke ich nicht. Denn ich verstehe den Schluss so, dass Josef durch seinen Tod Einfluss auf Tito hat und dass das weiterwirkt.

schwadronius meinte am 09. Oktober 2019 um 02:57

wer hätte gedacht, daß knecht dem weltlichen nicht gewachsen wäre? gut, der leser, aber daß er gleich bei erster berührung stirbt?! andereseits hätte er nicht besser auf den jungen tito einwirken können.

ich hätte knecht mehr irdische freuden gewünscht. er war so hoffnungsvoll. umso mehr sollte jeder tag wie der letzte gelebt werden.

lesesafari kommentierte am 26. Oktober 2019 um 17:34

er war so weise, dass er kopfüber-naiv-übermütig den Sprung gewagt hat.
wahrscheinlich ist er nie irdisch gewesen und gar nicht aufnahmefähig.

FIRIEL kommentierte am 20. März 2019 um 20:15

Josef Knechts hinterlassene Schriften

Die Gedichte des Schülers und Studenten

FIRIEL kommentierte am 31. März 2019 um 09:18

13 Gedichte, Josef Knechts Waldzeller Zeit zugeschrieben. Berühmt ist das vorletzte, "Stufen".

Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 01. April 2019 um 15:04

Das erste Gedicht habe ich gelesen.

Hier kann man schön die Nöte des jungen Knechts sehen und dass er keinen Halt findet auch nicht bei Gott, da er ihm ja keine Antwort geben kann.

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