Leserunde

Leserunde zu "Agathe" (Anne Cathrine Bomann)

Agathe
von Anne Cathrine Bomann

Bewerbungsphase: 31.01. - 14.02.

Beginn der Leserunde: 21.02. (Ende: 14.03.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir 20 Freiexemplare von "Agathe" (Anne Cathrine Bomann) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

Wer dieses Buch liest, möchte es sofort weiterempfehlen – Anne Cathrine Bomanns Roman zeigt, wie neue Freundschaften ein Leben verändern. 
Ein alternder Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis für immer hinter sich schließen.. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Und die Gespräche mit Agathe verändern alles: Neue Freundschaften scheinen plötzlich möglich, neue Wege, neue Zuversicht. Eine universelle Geschichte über Nähe und Freundschaft, Liebe und Verbindlichkeit – elegant und zeitlos, voll meditativer Zärtlichkeit und subtilem Humor.

ÜBER DIE AUTORIN:

Anne Cathrine Bomann, geboren 1983, arbeitet als Psychologin. Sie lebt in Kopenhagen mit ihrem Freund, einem Philosophen, und dem Hund Camus. Eine Saison lang spielte sie Tischtennis in Fontenay-sous-Bois, einem Vorort von Paris. Dort lebte sie in der 9, rue des rosettes, genau wie die Hauptfigur aus Agathe.

14.03.2019

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Menette kommentierte am 23. Februar 2019 um 13:53

Das Buch ist heute angekommen, die ersten 52 Seiten habe ich gelesen. Es wird ein ziemlich trostloser Alltag eines Psychiaters dargestellt. Dieser hat kaum mehr Lust zu arbeiten, nimmt seine Patienten und seinen Beruf auch gar nicht mehr so ernst. Es scheint aber so, dass die neue Patientin Agathe wider Willen mehr Leben in die Praxis bringen wird. Bis jetzt frei von Lebensweisheiten und gut lesbar.

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Leia Walsh kommentierte am 24. Februar 2019 um 12:37

Hm ... so zwischen den Zeilen sind da aber schon ein paar Lebensweisheiten zu finden, oder?

Manchmal ist in solchen Büchern gerade das, was nicht da steht, wichtig. Beispielsweise das mit dem nicht genannten Namen des Psychiaters.

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 11:44

Hmm. Findest du, dass er keine Lust mehr hatte? Er hat ja nun schon lange praktiziert und will in den Ruhestand gehen um endlich 'leben' zu können... Ich wüsste jetzt nicht, dass er die Arbeit blöd findet. Es ist ja irgendwie sein einziger Kontakt zu Menschen.
 

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 11:59

Na ja - er hört ja nicht wirklich zu und zeichnet stattdessen Karrikaturen. Für mich sieht das zumindest nicht danach aus, als hätte er noch großes Interesse an seinem Job.

Auch das endlich leben können - das heißt ja im Umkehrschluss, dass der Job ihm das Leben nimmt, es aus ihm heraussaugt.

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herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:37

Hmm... naja. Wenn man bedenkt, dass er nun mal seinen Job schon ewig macht. Die Probleme kehren ja immer wieder.... es ist ja nicht wirklich was neues und auch so, zeig mir mal einen Psychiater/Psychologen, der wirklich auf seinen Patienten im vollen Umfang eingeht. Das ist dann eher ein 'ach immer das gleiche' und doch ist er ja schon 71, er könnte seine Tätigkeit also auch schon längst beenden.

Und dein Umkehrschluss... klar, kann man so sehen. Welcher Job hindert einen nicht am eigentlichen leben? Man geht irgendwo morgens hin und abends wieder nach Hause und hat häufig gar nichts für sich selbst in dieser Zeit gemacht. Nicht jeder hat seine Verwirklichung gefunden.

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:50

Natürlich bremst ein Job das Privatleben. Aber doch nicht so, wie hier. Das geht weit über das normale Maß hinaus.

Doch, ich denke, dass ein Psychiater sehr wohl in vollem Umfang auf seine Patienten eingeht, wenn er seinen Job richtig macht. Anders hat es ja keinen Sinn.

Du vergisst, dass das Buch in den Nachkriegsjahren spielt, Und in Frankreich. Wie lange da ein Arzt arbeiten musste, weiß ich nicht so genau. Vermutlich aber eben doch sehr lange. Er sagt ja auch, er kann das zusätzliche Geld für die Sitzungen mit Agathe schon brauchen. Da gab es wohl nicht so ein gutes Rentensystem und Familie hat er keine.

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herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 15:00

Hmm... ich weiß ja nicht wo/was du arbeitest, aber es gibt nun mal auch Jobs wo du eigentlich gar kein Privatleben mehr hast und nur noch dem Job 'angehörst'.

Und natürich erwartet man das bei einem Psychiater, dass er sich komplett auf seine Patienten einlässt und auf sie ein geht.... das ist trotzdem eher selten der Fall. Das kannst du dann höchstens bei einem Psychologen erwarten, der unendlich viel Zeit für seine Patienten hat und selbst dann ähneln sich die Fälle und das Interesse lässt nach.

Ach stimmt, ich hab an Deutschland gedacht. Aber das Rentenalter steigt doch nach und nach, da wird das gesetzliche Rentenalter ja nicht bei 72 gelegen haben. Das wurde ja aktuell auch erst in Frankreich auf 67 festgesetzt.

Und ich muss nochmal ganz doof fragen, vielleicht hab ichs ja überlesen... Aber wo steht das, dass es in den Nachkriegsjahren spielt? Ich hab da igentlich nur die 1935 aus dem Anamnese-Ausschnitt gefunden. Und da war sie ja gerade mal 25. Später heißt es ja, dass sie schon zu alt wäre... 

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 20:24

Lach ... was hat MEIN Job denn damit zu tun, was ich vom Leben weiß?

Eben: 1935 war Agathe 25 Jahre. Sie ist seit vielen Jahren in Behandlungen. Sie sagt, sie ist zu alt für Neuanfänge. Also sind mindestens 10 Jahre dazwischen. Auf Seite 56 ist der Brief von der Sekretärin. Datum: 1948. Für mich Nachkriegszeit.

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julemaus94 kommentierte am 28. Februar 2019 um 15:13

Auf mich macht er auch nicht gerade den Eindruck, dass er seinen Patienten wirklich hilfreich ist. Für ihn zählt die ständig schrumpfende Zahl der noch vor ihm liegenden Gespräche, als seinen Patienten zu helfen.

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Lillymaus kommentierte am 01. März 2019 um 05:52

Ich finde schon, dass das Buch Lebensweisheiten enthält, besonders was das Altern angeht, z.B. auf S.25, als er feststellt, dass das Älterwerden daraus besteht, immer weiter zu beobachten, wie die Kluft zwischen dem Selbst und dem Körper größer wird.

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einstein kommentierte am 24. Februar 2019 um 10:08

der psychiater führt ein sehr zurückgezogenes leben, ohne familie und freunde. seine arbeitsabläufe in der praxis, und auch das verhältnis zwischen ihm und seiner sekretärin sind über das halbe jahrhundert arbeitsleben exakt strukturiert. über den psychiater selbst, seine lebensgeschichte erfahren wir im ersten teil kaum etwas. er hat nicht mal einen namen in der geschichte!

mir scheint, dass er seinen beruf (mittlerweile?) als belastung empfindet, er respektiert seine patienten nicht, hört ihnen kaum zu. er kommt mir selbst sozial gestört vor, ihm fehlt jegliches einfühlungsvermögen. so ist er völlig hilflos und ungelenk als sein patient im erzählt, dass er gerade seine geliebte ehefrau verloren hat. das finde ich überaus seltsam und frage mich, ob der psychiater schon immer so gewesen ist und warum er diesen beruf gewählt hat.

mir gefallen die kurzen kapitel, die in die eher ruhige geschichte bewegung bringen. auffällig und schön finde ich bisher die metaphern und bilder, die die autorin verwendet: die zeit, die durch ihn hindurch rinnt wie einen rostigen filter, der alternde körper als graues gefängnis, das taschentuch als wasserlilie ... und so regen die metaphern zum weiterdenken an, obwohl die kapitel und beschreibungen so kurz und knackig sind. 

eine spannende idee sind auch die vogelkarikaturen, die der psychiater während seiner sitzungen zeichnet, die immer auch etwas mit seinen patienten zu tun haben. nun erklärt sich auch das cover!

mir gefällt das buch bisher sehr gut.

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Leia Walsh kommentierte am 24. Februar 2019 um 12:40

Ja, der Doktor weiß nicht, mit dem Tod eines geliebten Menschen umzugehen bzw. wenn dies jemandem widerfährt. Das liegt sicher auch mit daran, dass er allein druchs Leben gegangen ist - zumindest deutet nichts darauf hin, dass er eine Frau hatte. Oder genau umgekehrt - es ist auch denkbar, dass er den Schmerz um den Verlust seiner eigenen Frau nur erträgt, indem er bei diesem Thema mauert. Ob nun bei sich selbst oder bei anderen. 

Die Jahreszahlen lassen bei mir die Alarmglocken ganz laut schrillen.

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Lillymaus kommentierte am 01. März 2019 um 05:43

Dass er ausgerechnet Vögel kritzelt, ist mir auch aufgefallen, und ich musste sofort an das Cover denken. Jedoch haben die Patientenkritzeleien ja alle einen Makel, z.b. die kahle Stelle auf dem Kopf, während der Vogel auf dem Cover makellos erscheint und in die Natur eingepasst. Vielleicht sieht er Agathe im weiteren Verlauf so.....?

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Leia Walsh kommentierte am 24. Februar 2019 um 12:35

Wir erfahren den Namen des Psychiaters nicht. Er ist immer nur „Herr Doktor“.  Seine Sprechstundenhilfe Madame Surrugue scheint die einzige Person außer seinen Patienten zu sein, mit der er direkten Kontakt hat. Sogar seinen Nachbarn kennt er nur von Geräuschen – er hat nicht mal eine Ahnung, wie er aussieht. Das alles ist sehr traurig, zumal man merkt, dass er wirklich müde ist, seinen Ruhestand dringend braucht – nur fragt man sich automatisch: Wozu? Was macht er dann? Braucht er diese festen Strukturen, die er in der Praxis hat, nicht dringend selbst?

                             

Ich finde ihn nicht frustriert, aber „verbraucht“. Dass er teils einfach nur abschaltet, statt wirklich zuzuhören, ist für mich nicht Ignoranz oder so, sondern ein Zeichen dafür, wie müde und abgeschafft er ist. Die kleinen Vogelkarikaturen finde ich sehr amüsant. Seine Zählung der noch kommenden Sitzungen ist etwas, das mich zum Schmunzeln bringt, aber auch nachdenklich macht.

 

Agathe ist eine seltsame Person, aber ich glaube, sie wird noch Überraschungen bringen. Vielleicht ist sie die Patientin, die der Doktor (wie bei Doktor Who …) braucht, um sein eigenes Glück zu finden. Spät, aber besser als nie.

 

Ich finde das Büchlein bisher zauberhaft. Besonders dass es um 1935 spielt, macht mich aufmerksam und vorsichtig. Liegt darin die Müdigkeit des Psychiaters? Trotz allem hat er sich eine eigene Art von Philosophie erhalten. Die kleinen Bilder, die er aufkommen lässt, wenn er vor sich hin sinniert, sind zauberhaft. Auch ein klein wenig Humor schimmert immer wieder durch. Aber insgesamt ist für mich eine große Müdigkeit zu sehen und ich möchte dem Psychiater so gern ein bisschen Lebensmut geben.

 

Dieser Abschnitt war trotz aller Traurigkeit auch sehr schön zu lesen und ich mag das Buch bisher sehr.

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soulfire kommentierte am 24. Februar 2019 um 23:34

Ich habe nun auch den ersten Leseabschnitt durch, und bin vom Buch auch bisher sehr begeistert! Der Therapeut schreibt wirklich ein wenig frustriert und der müde zu sein! Sein eigener Blick auf seiner Arbeit wiegt genervt und ermüdend! Wie man aber schon spürt, bringen seine Patienten aber die einzige Farbe in sein Leben! Ansonsten ist er ja ein ziemlich vereinsamte Mensch! Mit viel Humor und Herzenswärme bringt uns die Autorin die Romanfiguren näher. Ganz besonders bin ich gespannt wie es mit Agathe weitergeht! Ich denke auch, dass sie noch ein wenig Leben Handy Geschichte des Psychiaters bringt!

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nachtfledermäuschen kommentierte am 25. Februar 2019 um 23:52

Der Ich-Erzähler ist seit 50 Jahren praktizierender Psychiater. Er lebt allein, ist 71 Jahre alt und zählt nicht nur die Zeit bis zu seiner Rente in 5 Monaten, sondern auch die Menge an Therapiestunden, die er bis dahin noch zu bewältigen hat. Er kann mit Menschen auf persönlicher Ebene eigentlich gar nicht agieren. Er bleibt still für sich und macht Probleme oder Emotionen mit sich selbst aus, statt sie einfach rauszulassen. So wartet er geduldig, bis sie ihre Sachen am Ende des Tages zusammengepackt hat, hält ihr die Tür auf und wünscht ihr einen schönen Abend - und lässt mit keiner Regung erkennen, dass er wütend auf sie ist. Es wirkt ein wenig als würde er alles durch einen Fernseher sehen - er kann alles sehen und hören, aber ist absolut machtlos etwas zu ändern. Das könnte er in seiner Kindheit so gelernt haben. Auf Seite 24 schreibt er, dass er als Kind solche Schmerzen in den Knien hatte, dass er weinte. Seinen Vater hat das nicht gekümmert, sein einziger Kommentar dazu: Das geht vorbei.

Als Psychiater bemerkt er auch selbst, dass er in eine Depression rutscht, ist aber unfähig etwas dagegen zu tun.

Die große Frage, die sich mir bisher stellt: Warum um Himmels Willen wird jemand mit so geringer Sozialkompetenz Psychiater?

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 10:21

Vielleicht war er ja früher anders. Das Leben rauscht so erstaunlich schnell an einem vorbei und man merkt gar nicht, wie man sich verändert.

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nachtfledermäuschen kommentierte am 26. Februar 2019 um 23:33

Hmm. ich denke irgendwie nicht, dass er früher anders war.

Auf Seite 50 erzählt er von seiner Beobachtung eines Paares in einem Café vor Jahren. Das ihm seither als Hintergrund für eine Fantasie dient, in der er sich selbst an der Stelle des Mannes sieht. Er stellt sich vor, dass auch er möglicherweise eines Tages dort sitzen würde.

Das sagt meiner Meinung nach, dass er noch keine wirklichen Beziehungen hatte und noch von einer Liebe träumt. Ich denke in theoretischen Dingen war er schon immer intelligent. Nur im sozialen nicht.

Ich bin mal gespannt, ob man da im Verlauf des Buchs noch mehr erfährt :)

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 09:34

Das meine ich nicht in Bezug auf Beziehungen, sondern auf seinen Beruf. 

Er hatte sicher anfangs mehr Freude daran, war noch nicht so abgestumpft, hatte mehr Elan, mehr Energie, mehr Interesse.

Seine Fantasie ist ja nur der Wunsch nach einer Beziehung - die er aus vielen Gründen einfach nicht hat. Aber er wünscht sie sich. Das ist doch normal.

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cosmea kommentierte am 27. Februar 2019 um 20:34

Der Psychiater ist tatsächlich ein Mensch, der außerhalb seiner Praxis keinerlei soziale Kontakte hat. Auch sein Verhältnis zu seiner Sekretärin, die immerhin seit 35 Jahren für ihn arbeitet, ist ungewöhnlich distanziert. Er zählt die bis zum Ruhestand anstehenden Gespräche rückwärts, hat aber keine Pläne, keine Vorstellung, wie das "richtige Leben" außerhalb der Praxis nach Erreichen der "Null" aussehen könnte. "Was, wenn sich heraustellte, dass das Dasein außerhalb der Mauern meiner Praxis ebenso sinnlos war wie hier drinnen? (S. 51). Ein plötzlicher Herztod kann ihn auch nicht schrecken. Dann wäre wenigstens alles vorbei (S. 49). Er findet sich selbst armselig: "Ich bin genau wie sie." (S. 52). Als Leser hat man jetzt schon das Gefühl, dass sich durch Agathe etwas ändern wird in seinem Leben.

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Mara S. kommentierte am 28. Februar 2019 um 22:23

Schön zusammengefasst. Mich hat das ein wenig erschreckt, wie zurückgezogen und eingekapselt dieser Erzähler ist. Auf der anderen Seite kenne ich das von mir auch, dass ich den ganzen Tag im Job funktioniere, kommuniziere, mich anpasse, gestresst bin, nicht alles sagen kann, was ich vielleicht gerne würde etc. Da bin ich heilfroh in meine eigenen ruhigen vier Wände zurück zu kommen und nichts mehr zu müssen. Aber wenn dieser Wechsel zwischen Job und Ruhe, das einzige in meinem Leben wäre, dann kann das nicht lange gut gehen. Man kann sich doch nicht den ganzen Tag die Sorgen und Nöte seiner Patienten anhören und sich sonst von der Welt abkapseln ohne Ausgkeich, ohne andere soziale Kontakte. Kein Wunder, dass er die Patientenstunden im Countdown zählt. Wobei danach offensichtlich nur Leere kommt. Keine schöne Vorstellung vom Rentendasein.

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Leia Walsh kommentierte am 01. März 2019 um 10:05

Ich möchte daran erinnern, in welcher Zeit das alles spielt. Da war so vieles so anders. Das Frauenbild allgemein, die Rechte und Pflichten der Frauen, das Arbeitsleben an sich und überhaupt.

Freizeitangebote gab es nicht so, wie bei uns heute. Ein Arzt war ein Arzt - der durfte nicht so einfach in "niederen Kreisen" einkehren. Seine Erziehung war noch mal anders und es gibt so vieles, das ihn eingeschränkt hat. 

Heute wäre hier so gut wie alles anders. Aber damals brauchte es eine Agathe.

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Mrs Plant kommentierte am 26. Februar 2019 um 09:13

Ein Psychiater,der kurz vor seinem Ruhestand steht, und die Stunden bis zu der Zeit zählt, in der er endlich von den Patientengesprächen befreit sein wird.

Er kommt mir resigniert vor, hadert mit seinem hohen Alter und der Tatsache,dass seine Lebenszeit bald um sein wird. Er scheint zwar nicht direkt vereinsamt, aber scheut Kontakt zu den Menschen um ihn herum, fantasiert aber davon “auch mal(mit jemandem) in einem Cafe zu sitzen.

Irgendwie finde ich seinen Alltag deprimierend, er hat zwar die Vorstellung wie es sein könnte, schafft es aber nicht eingefahrene Strukturen zu überwinden.

Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, die Patientenakten zwischendurch sind interessant, und geben vor allem Auskunft über die Zeit in der die Geschichte spielt.

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 10:23

Ist es nicht erstaunlich - damals hat er so lange gearbeitet, freiwillig. Heute geht die Tendenz dazu, dass man gezwungenermaßen so lange arbeiten werden wird.

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Mrs Plant kommentierte am 26. Februar 2019 um 11:06

So ganz freiwillig scheint es aber nicht zu sein, sonst würde er sofort aufhören und nicht ständig die Stunden zählen und das Ende herbeisehnen... 

Ich habe mich aber auch gefragt, warum hiergerade 72 das Rentenalter ist. Hat er es sich selbst gesetzt? Da fehlen mir Hintergrundinformationen aus der Zeit.

Aber ehrlich, da sitzen, ab und zu brummen und Vögel zeichnen, könnte man heute auch noch mit Ü70, allerdings würde kein Psychiater heute damit durchkommen. ;)

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 11:21

Na, er will ja wohl vermutlich erst die Therapien beenden (deshalb ist er ja auch nicht erfreut darüber, dass die Sekretärin Agathe aufnimmt) und einen "Stichtag" braucht der Mensch. Bei ihm ist es eben der 72. Geburtstag.

Ich kann den Mann aber schon verstehen. Ein so langes Berufsleben die Probleme anderer zu sehen und hören und lösen zu versuchen, das geht an die Substanz.

Meine (inzwischen auch im Ruhestand befindliche) Hausärztin war auch noch "nebenbei" Therapeutin. Sie sagte, sie könnte nicht jeden Tag diese Tätigkeit ausüben, so sehr sie sie liebt. Sie bräuchte dazwischen immer genug Abstand, um nicht alles "mit nach Hause zu nehmen". So hatte sie nur an bestimmten Tagen ein paar Therapiestunden und konnte beide Tätigkeiten genießen. Eine glich die andere aus. Fand ich sehr logisch. Ich spiele mit dem Gedanken, ihr das Büchlein zu schenken. Sie fände es sicher genauso reizend, wie ich.

"Unser" Doc hat aber eine Sitzung nach der anderen. Ich kann schon verstehen, dass das beeinflusst und irgendwann eben Auswirkungen hat.

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Lillymaus kommentierte am 28. Februar 2019 um 20:24

Da bin ich mir nicht sicher, ob er aktuell nicht damit durchkäme, denn wer kontrolliert das, und wer kontrolliert den Erfolg der Behandlung? Das könnte sich höchstens herumsprechen oder seinen Weg in die Internetbeurteilungen finden, so dass die Patienten ausblieben.......

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herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:32

Ach, bisher mag ich die Geschichte um diesen doch recht verschrobenen Psychiater recht gern. Er hat so ein kleines Bindungs- und Gefühlsproblem, so scheint es. Und das, obwohl er ja eigentlich dafür da ist, den Menschen zu helfen. Mit seinen 71 Jahren ist er ja schon weit über seinen eigentichen Dienstjahren hinaus und er öffnet ja nun quas sein 'Patientenregister'. Während Agathe ihn ja in diesem Moment sehr fasziniert und vielleicht auch irgendwas in ihm bewegen wird, so erfährt man ja eigentlich gar nicht so recht, wann es diese anderen 'Fälle' nun genau gab. War er also schon immer so? Hat es sich erst entwickelt? Und was bewegt ihn mit 72 in den Ruhestand zu gehen. Zuerst meint er ja noch, dass er den Ruhestand braucht um 'zu leben', doch dann wird ihm ja eigentlich beusst, dass es da gar nicht mehr so viel gibt. Hmm...

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:55

Wie meinst Du das? Diese anderen "Fälle" sind seine aktuellen Patienten. Die genau zur selben Zeit wie Agathe zu ihm kommen. Die er mit seinem Countdown runterzählt, bis zu seinem 72. Geburtstag. Dem Tag, an dem er in den Ruhestand gehen möchte.

Heute darf ein Arzt ja nur Privatpatienten betreuen, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat. Also zumindest in Deutschland. Wie es in Frankreich ist, weiß ich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass er einfach denkt, dass er ja nicht ewig leben wird, sein Erspartes noch eine "passende Zeit" reicht und er nicht bis zu seinem Tod arbeiten will.

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herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 15:07

Der Fall mit Monsieur Ansell-Henry und seiner toten Frau ist z.B. schon älter. Steht da ja auch, dass es sein erster 'Kontakt' mit dem Thema war. Und irgendwo anders war das auch kein 'Runterzählfall'. Es spielt sich ja auch alles in der Vergangenheit ab, aber er scheint da schon ein bisschen in seinen Erinnerungen zu springen.

Also da, wo ich herkomme, gibt es auch Ärzte, die ganz normal ein paar Jahre weiterpraktizieren, wenn sie keinen finden, der ihre Praxis übernimmt.Und selbst wenn, die Menschen die zu ihm kommen, bezahlen ihn ja. 

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 20:30

Das war sein erster Kontakt mit dem Thema Tod und daran dachte er, als er Thomas besucht und mit ihm geredet hat. Das hat nichts mit seinen Fällen zu tun. Und kommt übrigens erst im nächsten Abschnitt vor ...!

Ich verstehe Dein Problem aber nicht. Soll der Psychiater denn arbeiten, bis er tot umfällt? Warum soll er nicht in den Ruhestand gehen wollen? Er hat für sich halt den 72. Geburtstag gewählt, aber er hätte auch den 68. nehmen können. Ist nun aber nicht so, sondern so.

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julemaus94 kommentierte am 28. Februar 2019 um 15:24

Dieses Büchlein lässt sich so angenhem leicht und schnell lesen, dass ich das Ende des ersten Abschnittes beinahe überblättert hätte.

Der namenlose Psychiater ist für meinen Geschmack in seiner Rolle als Beobachter gefangen und hat dieses Rollenspiel auch in seinen Alltag übernommen. Er hat scheinbar keinerlei familiäre oder auch nur freundschaftliche Beziehungen zu irgendwem aufgebaut, nicht einmal seinen Nachbarn kennt er. Er hat aber scheinbar auch kein Bedürfnis nach Nähe oder will es sich zumindest nicht eingestehen. Ich finde seine Situation traurig, zumal ihm (erst jetzt im Alter?) auch die Fähigkeit abgeht, seinen Patienten wirklich zuzuhören und auf ihre Probleme einzugehen. Nur Agathe scheint diesen Schleier zwischen ihm und der Welt durchdringen zu können.

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Lillymaus kommentierte am 28. Februar 2019 um 19:49

Der Psychiater kann einem nur Leid tun, denn er ist einsam und gelangweilt. Das trifft besonders auf sein Privatleben zu, denn es besteht nur aus stereotypen Wiederholungen, die keine neuen Erfahrungen bringen. So kurz vor dem Ruhestand scheint ihm das bewusst zu werden, denn so langsam kommen Überlegungen auf, wie er seine 'Zeit danach' gestalten könnte. Freunde hat er offensichtlich nicht, auch anscheinend keine Hobbys, die Zukunft sieht trostlos aus....ich hoffe, dass Agathe ihm eine Inspiration geben kann, wie er seinen Ruhestand sinngebend gestalten kann....

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Ichwilllesen kommentierte am 02. März 2019 um 14:03

Ein alternder Psychiater fristet ein trostloses Dasein. Er zählt die Tage und Stunden bis zu seiner bevorstehenden Pensionierung. Die Aussicht darauf scheint das einzige zu sein,  was ihn noch bei der Stange hält. Ansonsten verläuft sein Tag in Eintönigkeit und seiner Arbeit als Psychiater kann er nichts Positives mehr abringen, geschweige denn,  die nötige Empathie für seine Patienten aufbringen. Am Ende eines jeden Arbeitstages kehrt er in seine Wohnung zurück, in der niemand auf ihn wartet. Einsam verbringt er hier seine Abende und hofft auf ein erfüllteres Leben, wenn er erst mal in Rente ist. Gleichzeitig hadert er mit dem Älterwerden und dem physischen Verfall seines Körpers. Da schneit eines Tages eine neue Patientin in seine Praxis - Agathe,  die sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt und auf eine Behandlung von ihm besteht. 

Das Buch liest sich sehr gut und hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Beim Lesen entstand sofort ein Kopfkino und man kann sich durchaus mit der Hauptfigur identifizieren und empfindet fast Mitleid mit ihr. Die Sprache ist poetisch und schärft den Blick für kleine Details .

Mit viel Neugier werde ich weiterlesen um zu erfahren,  welche Rolle besagte, titelgebende Agathe im weiteren Verlauf der Geschichte im Leben des Psychiaters spielen word. 

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
Kristall86 kommentierte am 03. März 2019 um 12:12

Ich hab das Buch auch bereits durch und schreibe hier nun auch noch etwas dazu....zu Anfang: die Aufmachung des Buches ist wunderschön! Ich liebe Bücher die in Leinen gebunden sind. Der Vögel wirkt sehr floral und Frühlingshaft. 

Nun zum Inhalt: sehr imteressant das wir den Namen des Psychaters nicht erfahren. Das lässt Raum für Spekulationen, genau wie die generelle Handlung. Es ist sofort ersichtlich das dieser Mann einfach durch ist mit sich und der Welt. Er ist regelrecht ausgebrannt...bis Agathe auftaucht und sein Leben durcheinander wirbelt.

 

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
pegchen80 kommentierte am 04. März 2019 um 16:52

Es geht um einen Therapeuten, der allein lebt und einsam ist. Sein Name wird nicht erwähnt. Er erzählt von seinem trostlosen Alltag. Er hat keinen Kontakt bis auf seine Patienten und seine Sekretärin. Er zählt seine Termin bis zum Ruhestand. Doch dann kommt Agathe. Ihre Akte klingt nach einer Frau, der er nicht helfen kann. Aber sie will unbedingt zu ihm und lässt sich nicht abwimmeln. 

Bisher lässt es sich gut lesen, auch wenn es bisher etwas "trostlos" ist, wie das Leben des Therapeuten. 

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
ulrike rabe kommentierte am 04. März 2019 um 23:09

Der Ich Erzähler ist Psychiater, wir erfahren seinen Namen nicht. Er sdteht kurz vor dem Ruhestand. Er zählt die Tage, die Anzahl der Sitzungen, die er bis dahin noch absolvieren muss. Es wirkt auf mich so wie in den Witzbildchen über Gefängnisinsassen die Striche in die Wand ritzen. Er hadert  mit dem Altern "wie die Kluft zwischen Selbst und Körper immer größer wird". Er lebt alleine, hat keine Familie keine Kinder, außer den Patienten und der Sprechstundenhilfe keine Kontakte. Die Stille, vor der es kein Entrinnen gibt, lässt in wie in einem "verräterischen Gefängnis" festsitzen, auf den Tod wartend.

"Waren nicht Angst und Einsamkeit die einzigen Konstanten, derer ich mir sicher sein konnte?

Tür an Tür wohnt er mit einem Nachbarn, den er nicht beschreiben könnte. Ein Fremder, um den er sich sorgt, wenn er einmal für einige Zeit keine Geräuschen aus der Nebenwohnung hört. Wie mag es wohl dem Nachbarn umgekehrt mit dem Doktor ergehen?

Er sträubt sich zunächts, die neue Patientin aufzunehmen. Nicht genug Zeit wäre für eine ordentliche Behandlung. Doch während er bei der lauten unmöglichen Madame Almeida, deren Tiraden er für Jammern auf sehr hohem Niveau hält, verächtliche Karrikaturen mit einem glatzköpfigen Vogel Strauß zeichnet, macht er für Agathe eine Vögelchen mit gebrochenem Flügel. Agathes Duft erinnert ihn an seine Kindheit. Irgendetwas scheint seinen Panzer zu durchdringen.

 

Thema: Lektüre, Teil I; Seite 1 - 52
smberge kommentierte am 09. März 2019 um 14:12

Ich habe jetzt auch den ersten Abschnitt beendet und tue mich mit dem Buch etwas schwer. Ich habe das Gefühl, keine richtige Geschichte zu lesen, sondern immer kurze Episoden zu lesen, die sich nur schwer zu einem Ganzen zusammen finden. 

Der Psychater lebt ein ruhiges, zurückgezogenes Leben und bereitet sich auf den Ruhestand vor. Es wundert mich, dass er dem verletzten Kind nicht hilft, in meinen Augen ein sehr seltsames Verhalten, besonders für jemanden, der im medizinischen Bereich arbeitet. 

Von seinem Beruf scheint er sich schon verabschiedet zu haben, zählt er doch schon die Tage und ist froh, wenn er den letzten Patienten des Tages verabschieden kann. Die neue Patientin nimmt er nur sehr widerwillig auf, auch wenn ihn ihr Fall doch interessiert. Sie scheint ja, im Gegensatz zu einigen anderen Patienten, wirkliche Problem zu haben. 

Ich hoffe, das Buch wird jetzt etwas flüssiger und wir erfahren mehr über die Patientin und ihre Geschichte. 

 

 

 

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