Leserunde

Leserunde zu "Agathe" (Anne Cathrine Bomann)

Agathe
von Anne Cathrine Bomann

Bewerbungsphase: 31.01. - 14.02.

Beginn der Leserunde: 21.02. (Ende: 14.03.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir 20 Freiexemplare von "Agathe" (Anne Cathrine Bomann) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

Wer dieses Buch liest, möchte es sofort weiterempfehlen – Anne Cathrine Bomanns Roman zeigt, wie neue Freundschaften ein Leben verändern. 
Ein alternder Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis für immer hinter sich schließen.. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Und die Gespräche mit Agathe verändern alles: Neue Freundschaften scheinen plötzlich möglich, neue Wege, neue Zuversicht. Eine universelle Geschichte über Nähe und Freundschaft, Liebe und Verbindlichkeit – elegant und zeitlos, voll meditativer Zärtlichkeit und subtilem Humor.

ÜBER DIE AUTORIN:

Anne Cathrine Bomann, geboren 1983, arbeitet als Psychologin. Sie lebt in Kopenhagen mit ihrem Freund, einem Philosophen, und dem Hund Camus. Eine Saison lang spielte sie Tischtennis in Fontenay-sous-Bois, einem Vorort von Paris. Dort lebte sie in der 9, rue des rosettes, genau wie die Hauptfigur aus Agathe.

14.03.2019

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 53 - 106

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 53 - 106
Menette kommentierte am 24. Februar 2019 um 13:18

Der Psychiater erkennt zumindest in dem Duft von Agathe Züge seiner Mutter, anscheinend einer der wenigen Personen, die er liebte. So erklärt sich zum Teil auch seine Neigung zu Agathe. Im Grunde könnte der Psychiater sich selbst analysieren nach Freud. 

Lese das Buch gerne und vermute, dass mit letzten Teil noch vieles offen bleibt. 

 

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Leia Walsh kommentierte am 24. Februar 2019 um 16:50

Der Psychiater sagt ja zu Thomas, dass er noch nie jemanden geliebt hat (Seite 95).

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nachtfledermäuschen kommentierte am 26. Februar 2019 um 23:42

Wobei er in dem Fall allerdings glaube ich nicht an seine Mutter denkt, sondern an eine Partnerin.

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 09:35

Ja, natürlich.

Aber eben aus allgemein: noch nie geliebt.

Das umschließt ja alles.

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einstein kommentierte am 02. März 2019 um 15:09

mir war das plötzliche interesse an agathe und seine zuneigung zunächst unklar, aber ich habe mir dann auch gedacht, dass ihr parfum mit dem vertrauten und geliebten geruch nach äpfeln mit zimt dabei eine wesentliche rolle gespielt haben kann. ich kenne das von mir selbst auch, das gerüche schon entscheidend sind - manche menschen mag ich gern riechen, andere gar nicht, mit folgen für meine sympathie...

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Kristall86 kommentierte am 03. März 2019 um 12:14

Das stimmt! An Freud hab ich auch gleich gedacht. Es ist schon traurig zu lesen, das er noch nie richtig geliebt hat. Vielleicht ein Selbstschutz? Könnte ich mir bei ihm vorstellen?

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Leia Walsh kommentierte am 03. März 2019 um 12:22

Na ja - an Freud denkt ja jeder, wenn es um Psychologie geht. 

Vielleicht hat er noch nie geliebt, weil er keine Gelegenheit dazu bekam?

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Leia Walsh kommentierte am 24. Februar 2019 um 16:48

Ich stimme Agathe vollkommen zu – die damaligen Behandlungsmethoden (nicht nur bei Depressionen, sondern überhaupt bei psychischen Erkrankungen) machten einfach keinen Sinn und waren schlicht grausam. Auf alle Fälle verändert Agathe den Psychiater und holt ihn tatsächlich auf ihre Weise ins Leben. Wie am Ende er ist, zeigt mir das Eingeständnis, dass er inzwischen nicht mal mehr versucht, seine Patienten zu verstehen.

 

Dass die Sekretärin schriftlich eine mehrwöchige Auszeit ankündigt, ist seltsam. Auch dass der Doc da nicht genauer nachfragt. Das Datum ist 1948. Es sind vermutlich die „Nachkriegsdepressionen“ beim Doc? Ist er durch den Krieg abgestumpft? Hat er da seine Frau verloren? Ich werde das Gefühl nicht los, dass seine Art mit der Zeit zu tun hat.

 

Der Psychiater kennt noch nicht mal den Namen des Besitzers des Restaurants, in dem er jeden Werktag isst. Ich dachte erst, er ist total ignorant – aber ich habe das Gefühl, das ist eher ein Abschotten. Aber wovor genau, das weiß ich noch nicht. Ich kann es noch nicht greifen.

 

Er freut sich auf die Termine von Agathe. Etwas an ihr holt ihn aus seiner sonstigen Starre. Das fasziniert mich. Sie löst in ihm Regungen aus, die er tief vergraben hatte. Eine Therapie für ihn also.

 

Was für ein Schock für unseren Psychiater, als er feststellt, dass der Nachbar taub ist! Ach, er tut mir inzwischen wirklich sehr, sehr leid!

 

Das Gespräch mit Thomas hat mich sehr bewegt. Besonders die Aussage, der Doktor habe noch nie geliebt. Keine Frau verloren? Oder Vernunftehe? Wirklich immer allein gewesen? Mein Mitleid mit dem Doktor wächst mit jeder Zeile …

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Mrs Plant kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:29

Die Begegnung mit dem Nachbar fand ich auch sehr heftig. Da überwindet er sich , nach Jahren, den Nachbar anzusprechen, von dem er dachte, dass sie beide irgendwie verbunden sind, um zu erkennnen, daß  der Nachbar nie etwas von ihm mitbekommen hat.

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cosmea kommentierte am 26. Februar 2019 um 19:51

Die Szene mit dem Nachbarn zeigt, dass der Psychiater in seinem Leben wirklich keine Nähe zu anderen Menschen zulässt, und ausgerechnet in dem Augenblick, in dem er einen Schritt auf einen Unbekannten zugeht, mit dem er zumindest räumliche Nähe teilt, stößt er auf einen Tauben, der nichts von seiner Existenz wusste.

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nachtfledermäuschen kommentierte am 27. Februar 2019 um 00:00

Ich finde es schade, dass er einfach flüchtet als er herausfindet, dass der Nachbar taub ist.

Hätte sich seine Sekretärin nicht krank gemeldet, dann wäre sie für ihn nicht "wirklicher" geworden als ein Einrichtungsgegenstand seiner Praxis. Nur weil die Sekretärin für ihn nun nicht mehr Teil der Schatten ist, wie er es nennt, verspürte er überhaupt eine diabolische Lust den Nachbarn ebenfalls aus den Schatten zu treiben.

Ich denke, dass er starke soziale Ängste hat und sich deshalb nicht weiter mit dem Taubstummen Nachbarn auseinander setzen kann. Er schafft es nicht mal ihm zu winken oder sich irgendwie anders zu verabschieden.

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 09:37

Oh je, Du tust dem armen Mann aber arges Unrecht!

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nachtfledermäuschen kommentierte am 27. Februar 2019 um 11:22

Findest du?

Das mit den Einrichtungsgegenständen und der diabolischen Lust seinen Nachbarn aus den Schatten zu treiben, stand doch genau so im Buch..?

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 11:29

Ich meinte Deinen letzten Abschnitt.

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Lillymaus kommentierte am 03. März 2019 um 11:02

Ich finde diese Stelle schon fast makaber, er will aus seinem Status austreten und einen Kontakt knüpfen, und ausgerechnet dieser Mann ist taub. Total entmutigend, und seine Gedankengänge danach sind ja noch schlimmer, weil er nun weiß, dass der Nachbar ihn nicht wahrnehmen konnte. Er verbindet es mit Nicht-Existenz!

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Leia Walsh kommentierte am 03. März 2019 um 11:28

Ist das nicht ein schönes Sinnbild? 

Der Mann ist taub. Alles um ihn herum geht an ihm unbemerkt vorbei.

Geht es dem Psychiater in gewisser Weise nicht ganz genau so?

Deshalb seine Parallele zur Nicht-Existenz. Er wird nicht gehört. Er existiert nicht. Aber wenn er selbst das so sieht, dann tut er das ja auch seinen Patienten an. Und das löst diesen "Fluchtreflex" aus, denn in seinem Haus fühlt er sich erst mal sicher, da kann er über all das nachdenken und zu einer Änderung finden.

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Kristall86 kommentierte am 03. März 2019 um 12:16

Da solltest du mal die Methoden des bekannten Psychiaters de Crinis lesen. Der war in der Nazi-Zeit der Teufel in Person. Seine Behandlungen mit angeblich psychisch labilen Menschen oder Behinderten, war einfach unfassbar. Da ist da shier noch harmlos dagegen.

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Leia Walsh kommentierte am 03. März 2019 um 12:24

Unser Psychologe ist aber keiner von den Nazi-Ärzten. Das ist ein völlig anderes Thema!

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Mrs Plant kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:30

So ganz werde ich aus dem Ganzen noch nicht schlau, aber das Buch hat ja noch ein paar Seiten.

Irgendwie geniesst der Arzt die Stunden mit Agathe, Teils weil er sie attraktiv und charmant findet, andererseits vielleicht weil sie ihm auf eine gewisse Art und Weise einen Spiegel vorhält?

Die Ratschläge, welche er ihr gibt findet er selbst heuchlerisch, kann ihre Situation und die depressiven Gedanken gut nachvollziehen.

Seine Angstattacken werden vielleicht  mit seinem baldigen Ruhestand zusammenhängen?

Ob er im letzten Abschnitt den Rat, den er Madame Almeida gegeben hat - mehr Abwechslung zu haben- selbst beherzigt?

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 12:51

Ist es nicht schön, wie Agathe ihn offener für all seine anderen Patienten macht?

 

Es ist, als würde er aufwachen, finde ich.

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nachtfledermäuschen kommentierte am 27. Februar 2019 um 00:04

Ich glaube nicht, dass er offener für Fr. Almeida ist.

Ich denke, er schafft es durch Agathe endlich seine Gefühle rauszulassen. Vielleicht gerade weil er Zuneigung für Agathe entwickelt.

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 09:29

Nun ja, ich finde, sein Ausbruch bei der Sitzung und dann das Experiment, das er vorschlägt, das sind schon gewaltige Änderungen und das zeigt schon, dass er nicht mehr nur so halb hinhört, sondern es ist eine Reaktion. Und meiner Meinung nach hat damit Agathe sehr viel zu tun. Gleichzeitig sind diese Momente auch eine Art Eigenreflektion.

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Lillymaus kommentierte am 02. März 2019 um 18:33

Genau, endlich wendet er mal gewagtere Methoden an, um seinen Patienten zu helfen. Bisher hat er sie nur immer reden lassen. Wahrscheinlich ist das Reden auch das, was die Patienten von ihm erwarten. Plötzlich bricht er aus seinem Käfig aus und macht den Versuch einer anderen Therapie, womit er auch an sich selber arbeitet.....

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cosmea kommentierte am 26. Februar 2019 um 20:14

Ich glaube nicht, dass seine Angstattacken mit den unangenehmen körperlichen Begleiterscheinungen mit seinem baldigen Ruhestand zusammenhängen. Er selbst bezeichnet Angst und Einsamkeit als die einzigen Konstanten in seinem Leben, deren er sicher sein kann.(S. 52)

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Leia Walsh kommentierte am 26. Februar 2019 um 20:36

Seine kaputten Knie haben auch nix mit dem Ruhestand zu tun. Er ist halt nicht mehr jung und mit 72 hat man schon das eine oder andere körperliche Leiden.

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herrzett kommentierte am 26. Februar 2019 um 14:33

Er kommt endlich aus seinem Schneckenhaus heraus und macht mal was. Irgendwie erfreulich, dass eine einzige Begegnung, ihn neu herausfordern kann. Während alle anderen Patienten scheinbar immer nur reden wollen, ist Agathe die Erste, die ihn mal etwas fordert und so überwindet er sich, öffnet seinen Blick und reagiert weniger gelangweilt.

Auch das Gespräch mit Herrn Surrugue war für ihn, glaube ich recht hilfreich. Er denkt über seine Ängste nach und öffnet sich anderen. Ich bin gespannt was da nun noch kommen mag und ob er den Sinn des Lebens für sich neu entdeckt.

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nachtfledermäuschen kommentierte am 27. Februar 2019 um 00:10

Ja ich denke auch, dass Agathe tatsächlich seinen Rat möchte und auch auf ihn hört. Im Gegensatz zu Patienten, die sich die Stunde über alles von der Seele reden, von ihm aber eigentlich gar keine Reaktion erwarten.

Das gibt ihm positives Feedback und er traut sich allgemein mehr, was ich sehr schön finde.

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Leia Walsh kommentierte am 27. Februar 2019 um 09:39

Und genau das kann ich ja verstehen - wenn er jahrelang einfach nur als Zuhörer gebraucht wird, sein Ratschlag aber gar nicht gewollt wird, stumpft ihn das eben ab. Agathe ist anders und bringt ihn dazu, sich gegen das "alte System" wieder zu wehren. 

Auf diese Weise kehrt sich das Arzt-Patienten-Verhältnis quasi um.

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nachtfledermäuschen kommentierte am 27. Februar 2019 um 01:00

Nachdem er am Ende des ersten Teils erkannt hat, dass er genau wie seine Patienten ist, die er bisher selbst als armselig empfunden hat, über deren Sorgen er sich amüsiert hat und über deren Routinen er die Nase gerümpft hat, fragt er sich, ob es überhaupt glückliche und zufriedene Menschen da draußen gibt. Er fühlt sich als niemand, empfindet sein bisheriges Leben als Verschwendung. Er bezweifelt, dass eine Therapie erfolgreich sein kann, wenn dem Psychiater doch nur wenige Stunden pro Woche mit dem Patienten zur Verfügung stehen und der Patient selbst ungleich mehr Zeit hat, sich wieder in die Gegenrichtung zu entwickeln.

Als er in einer Therapiestunde bei der Erzählung über die unverhohlene Gleichgültigkeit der Mutter der Patientin beinahe in Tränen ausbricht, sagt diese am Ende sinngemäß etwa: Wenn jemand keine Zuneigung bekommt, wird er immer kleiner und lebt eigentlich nicht.
Etwas ähnliches sagt Monsieur Surrugue auf Seite 95: "Ein Leben ohne Liebe ist nicht viel wert."

Ich hoffe, dass der Psychiater im dritten Teil auf seinen eigenen Rat an Madame Almeida hört und den anderen erstmal eine Chance gibt.

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Ophiosy kommentierte am 02. März 2019 um 13:54

Habt ihr eigentlich auch den Eindruck, dass der Sinn einer Therapie als solche im Buch hinterfragt wird? Immerhin scheint der Doc mindestens genauso kaputt zu sein, wie die Menschen, die er eigentlich behandeln sollte. Viele seiner einstudierten Phrasen sollen nur Unsicherheit oder Ratlosigkeit kaschieren und er scheint selbst nicht so recht an sie zu glauben. Und am Ende hat der Doc die Hilfe einer "ernsthaft Kranken" wie Agathe mindestens genauso nötig wie sie die seine.

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einstein kommentierte am 02. März 2019 um 15:15

mir ging beim lesen ähnliches durch den kopf: er benötigt ebenfalls eine behandlung. seine ratschläge bleiben abstrakt und hohle phrasen, weil er absolut keine erfahrung damit hat und sie nie auf sich selbst angewendet hat. er ist also ein heuchler, was er auch an einer stelle von sich selbst sagt.

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Lillymaus kommentierte am 03. März 2019 um 10:57

Ich denke, dass er nicht immer auf diese unprofessionelle Weise praktiziert hat, sondern zunächst ein fähiger Psychiater war. Mit der Zeit und durch die vielen Wiederholungen ist er abgestumpft, besonders auch weil sein Privatleben ja nichts Neues oder Abwechslung bietet, sondern alles nach Schema F abläuft. Traurig, aber sicher kein Einzelfall....

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Leia Walsh kommentierte am 02. März 2019 um 15:22

Für mich zeigt es, dass Therapie eben doch Sinn macht. Für alle. Und auch ein Psychologe mal Hilfe brauchen kann. Dass Reden immer weiterbringt, als Schweigen und Ungesagtes alles nur schlimmer macht. 

Man muss aus seinem eigenen Kopf herausgehen und nicht glauben, jemandem hinter die Stirn sehen zu können. Nur, wer spricht, kommt weiter.

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Ophiosy kommentierte am 07. März 2019 um 18:59

Mhm, das ist natürlich auch eine schöne Interpretation. Aber ist das Buch in dem Fall nicht eher ein Plädoyer für mehr menschliche Nähe und Empathie im Allgemeinen? Und für das Wagen von Risiken? Denn da hat der Doc ja irgendwann den Absprung verpasst. Ich glaube, gute Freundschaften und Beziehungen können da so manche Therapie unnötig machen

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Leia Walsh kommentierte am 07. März 2019 um 19:29

Das eine schließt ja das andere gar nicht aus. Man muss ja nicht mit einem Psychologen reden, aber eben reden.

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soulfire kommentierte am 02. März 2019 um 14:03

Ach wie schön.....
Ja Agathe spiegelt den Psychiater und therapiert ihn auf ihre Weise ohne dass sie es mitbekommt. Er gibt ihr Ratschläge, die er unbedingt für sich selbst braucht. Aber er wird dadurch auch selbst lebendiger und therapiert sich selber. Ich finde es sehr spannend. Denn auch nun werden für ihn auch die anderen Menschen interessanter und greifbarer.

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Leia Walsh kommentierte am 02. März 2019 um 15:26

Ich denke schon, dass Agathe das merkt. Und der Doc in dem Moment, als es "wirkt", auch. Vielleicht nicht ganz sofort, aber dann doch recht schnell.

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julemaus94 kommentierte am 02. März 2019 um 15:11

Irgendwie werde ich mit dem Buch nicht so richtig warm. So wie der Psychiater seine Patienten auf Abstand hält, fühle ich mich von der Geschichte auf Abstand gehalten.

Außerdem finde ich die Zuneigung des Psychiater zu Agathe unprofessionell und nimmt, so oft er sie bis zu ihrem Haus verfolgt, irgendwie leicht psychotische Züge an. Was erhofft er sich davon?

Dass er in der Behandlung seiner Patienten langsam aktiv wird, finde ich dagegen positiv.

Ich verstehe ja, dass er sich zutiefst einsam und von seiner Umwelt abgelöst fühlt und hoffe, dass er das noch ändern kann. Aber all seine Hoffnung auf Agathe zu setzen, ist für mich nicht die richtige Art.

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einstein kommentierte am 02. März 2019 um 15:19

ich finde ihn auch ziemlich unprofessionell! nicht nur agathe, sondern auch allen anderen patienten gegenüber, denen er eigentlich überhaupt nicht weiterhilft, weil er nicht aus sich herauskommen kann. interessant, dass die patienten bereit sind so viel geld für seine sitzungen zu bezahlen...

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Leia Walsh kommentierte am 02. März 2019 um 15:32

Das ist es doch - die Patienten gehen zu ihm. Freiwillig. Das zeigt doch, dass ihnen egal ist, wer da sitzt und was derjenige sagt oder nicht sagt. Das muss doch schrecklich für den Mann sein. Die Abstumpfung hat sicher auch damit zu tun.

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Leia Walsh kommentierte am 02. März 2019 um 15:30

Das ist doch aber dann auch große Kunst, wenn seine Art, wie er mit Patienten umgeht, auf Dich so eine Wirkung hat. Das passt doch super dazu.

Er setzt ja nicht einfach alle Hoffnung auf Agathe, finde ich, sondern spürt instinktiv, dass sie es ist, die ihm helfen kann - sie löst ja all die Veränderungen aus. Ich sehe es so, dass er dies spürt und er deshalb auf seine unbeholfene Art ihre Nähe sucht.

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julemaus94 kommentierte am 03. März 2019 um 17:31

Ich stimme dir zu, habe aber glaube ich das größte Problem damit, dass er die Nähe nicht nur auf platonischer Ebene sucht.

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Leia Walsh kommentierte am 03. März 2019 um 17:43

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob er mehr will - oder kann. Da ist ja diese Stelle im Buch, erinnerst Du Dich?

Er sucht Nähe und Zuneigung, aber ich glaube nicht, dass er Sex mit Agathe möchte.

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einstein kommentierte am 02. März 2019 um 15:23

in diesem teil tritt langsam eine veränderung ein, der psychiater entwickelt einfühlungsvermögen in seine patienten und hinterfragt sein leben. mich würden seine hintergründe sehr interessieren - warum ist er so geworden? er war vielleicht nicht immer so einsam und verschlossen, scheinbar hatte er ja mal familie und freunde: an einer stelle sagt er "mir waren weder familie noch freunde geblieben" - was ist also passiert? hat es etwas mir dem krieg zu tun - immerhin spielt die geschichte 1948.

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Leia Walsh kommentierte am 02. März 2019 um 15:34

Das vermute ich ja schon die ganze Zeit. Damit stehe ich hier aber recht allein da.

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einstein kommentierte am 02. März 2019 um 16:00

ich denke, dass es schon eine rolle spielt - nicht umsonst wird über agathes patientenakte und den brief von madame surrugue diese zeitebene überhaupt in das buch reingebracht. 

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julemaus94 kommentierte am 03. März 2019 um 17:35

Für diesen Verdacht tauchen mir der Krieg und seine Folgen zu wenig in der Geschichte auf. Bei den Schilderungen des Alltags habe ich nicht das Gefühl, dass die Figuren auf irgendetwas verzichten müssten, wie es ja gerade in den Nachkriegsjahren der Fall war. Vielmehr macht mir die Geschichte einen universellen Eindruck, als könnte sie zu jeder möglichen Zeit spielen; so als könnten die Probleme des Psychiater jederzeit auftreten (was so gesehen auch wieder ein schöner Effekt ist).

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Leia Walsh kommentierte am 03. März 2019 um 17:45

Oh, klar, die Geschichte ist auch heute noch so denkbar, dennoch spielt sie nicht ohne Grund Ende der 1940er Jahre.

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Lillymaus kommentierte am 02. März 2019 um 18:48

Agathe erklärt ihre Wutausbrüche damit, dass sie im Leben nichts erreicht hat, und ich denke, dass das auch auf den Psychiater zutrifft und er es plötzlich durch Agathes Schilderung erkennt. Deshalb fühlt er sich so, als wenn der Tod ihm dicht auf den Fersen ist, in Form von Panik und Übelkeit. Er merkt irgendwie: wenn nicht jetzt, wann dann? Jetzt hat er nochmal die Chance, etwas zu ändern....

Ich denke auch, dass die Gründe für seine soziale Phobie irgendwo in seiner Vergangenheit liegen, ich bin gespannt....Durch sein menschenscheues Verhalten vermeidet er bei anderen auf Ablehnung zu stoßen. Vielleicht hat er das früher erlebt.....

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pegchen80 kommentierte am 04. März 2019 um 17:04

 

 

Zunächst kommt hier immer wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens auf. Der Therapeut, dessen Namen man nicht kennt, zählt weiter seine Termine bis zum Ruhestand.

Das erste Gespräch mit Agathe und er bleibt an ihrem Parfüm/Duft hängen. Er erinnert ihn an seine Mutter. Man hat das Gefühl, der Therapeut "erwacht ein wenig zum Leben". Es scheint auf einmal nicht mehr alles so trostlos. Jedoch gerät er in eine Krise, weil seine Sekretärin sich krankmeldet.

Ich habe den Eindruck er entwickelt Gefühle für Agathe. Bisher weiß man nur, dass sie traurig ist und er ihr Parfüm liebt.

Er stellt sich aber auch immer wieder die Frage wer er ist bzw. nach dem Sinn des Lebens. Er stellt seinen Beruf in Frage bzw. ob er wirklich seinen Patienten helfen kann.

Er wird mit dem Tod von Thomas konfrontiert, dem Ehemann der Sekretärin. Sie bittet ihn darum, mit Thomas zu reden, ihm zu helfen. Doch der Therapeut hat selbst Angst. Er hat nie eine Partnerin gehabt. Die einzige Liebe ist die, zu seiner Mutter gewesen. 

Es scheint, als ob Agahte ihm gut tut und ein Wendepunkt in seinem Leben ist.

Nach vielen Jahren versucht er mit seinem Nachbar ins Gespräch zu kommen, muss jedoch feststellen, dass dieser taub ist.  

Es lässt sich nach wie vor gut lesen. 

 

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ulrike rabe kommentierte am 05. März 2019 um 08:59

Der Doktor fühlt sich unsichtbar, findet sich nicht im Spiegel, wissen, dass es gar keinen Spiegel in dem Raum gibt. Er bleibt ungehört, im wahrsten Sinne, als er merkt, dass der Nachbra taub ist. Er verwischt siene Konturen, verliert den Halt, die Orientierung. 

Viele Sorgen und Ängste teilt er mit den Patienten. Er gibt Ratschläge, dier selbst befolgen sollte. Zu Agathe fühlt er sich mehr und mehr hingezogen. Er will ihr helfen, sie retten, gleichzeitig beginnt er sie zu begheren, geht ihr nach beobachtet sie. Er weiß, dass er das nicht darf. Wie zynisch, dass er zu dem einzigen menschen, der ihn aus seiner Isolation holen könnte, keine Beziehung aufbauen darf, die über das Arzt-Pateint-Verhältnis hinausgeht. 

Wie erkannt man seine Angst fragt er den todkranken Mann seiner Sekretärin. Indem man mit der größten Sehnsucht beginnt.

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smberge kommentierte am 13. März 2019 um 20:12

 

Ich kann die Handlung hier noch nicht so richtig einsortieren. 

Der Psychater scheint ja selber so einige Problemen zu haben, aber seine Patienten kommen auch mit sehr seltsamen Problemen zu ihm, wo ich beim Lesen manchmal gedacht habe, das kann doch nicht sein, dass sie deswegen zum Arzt gehen. Dem Arzt scheint ja auch langsam der Geduldsfaden zu reissen. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass der Psychater auch unter einem Trauma leidet, aber ich kann mir noch nicht so ganz vorstellen, was bei ihm der Auslöser war. 

Die einzige einzige Person, die ihn berüht ist Agathe. Sie scheint ja auch erhebliche Probleme zu haben, wirklich Probleme. Aber auh bei ihre habe ich noch nicht ganz verstanden, was bei ihr der Auslöser war. Sie scheint hohe Ansprüche an sich zu haben, die sie aber auch nicht wirklich erfüllen kann. 

Schauen wir mal, ob wir hinter die Geheimnisse im letzten Abschnitt kommen. 

 

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Leia Walsh kommentierte am 14. März 2019 um 10:02

Diese Beobachtung gefällt mir. Ja, das ist wahr, die meisten Patienten haben echt keine schlimmen Probleme, zumindest keine, die einen Psychiater rechtfertigen. Ist dann ja auch kein Wunder, dass der abschaltet.

Ganz dahinter gekommen, welches Trauma der Psychiater selbst hat, bin ich auch nicht. Aber dass ihn etwas belastet, spüre ich auch.

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