Leserunde

Leserunde zu "Aus der Mitte des Sees" (Moritz Heger)

Aus der Mitte des Sees -

Aus der Mitte des Sees
von Moritz Heger

Bewerbungsphase: 21.02. - 04.03.

Beginn der Leserunde: 18.3. (Ende: 08.04.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Diogenes Verlags – 20 Leseexemplare von "Aus der Mitte des Sees" (Moritz Heger) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Leseexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Als ihm Andreas Bilder von seinem Neugeborenen, seiner jungen Familie schickt, ist Lukas konsterniert. Gemeinsam hatten sie sich vor sechzehn Jahren dazu entschlossen, ins Kloster einzutreten, und nun ließ ihn sein Mitbruder und Freund im Stich, ließ ihn zurück mit einem Dutzend greiser Mönche und einer bald führungslosen Abtei. Vor allem aber: Welche alten Sehnsüchte wecken diese Fotos in Lukas selbst? Als Sarah im Kloster erscheint, die schöne, spöttische Frau, ist er gänzlich verwirrt. Als was ist er gefragt bei ihren nächtlichen Gesprächen am See: als Seelsorger oder als Mann?

Der Leser fühlt sich eingeladen, in einem bedenklich heißen Sommer mit einzutauchen ins kühle Wasser des Sees, Lukas beim Schwimmen zu begleiten und mitzuerleben, wie er über scheinbar Unvereinbares hinauswächst. Geschrieben in einer wunderbaren Prosa, die einen einmaligen und vielstimmigen Resonanzraum erschafft.

ÜBER DEN AUTOR:

Moritz Heger, geboren 1971 in Stuttgart, studierte Germanistik, evangelische Theologie und Theaterwissenschaft in Mainz, erhielt 2007 den MDR-Literaturpreis und den zugehörigen Publikumspreis. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer an einem Stuttgarter Gymnasium. ›Aus der Mitte des Sees‹ ist sein Debüt beim Diogenes Verlag und nach ›In den Schnee‹ (2008) sein zweiter Roman.

03.04.2021

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Readaholic kommentierte am 20. März 2021 um 18:25

Ich habe erst einen Teil dieses Abschnitts gelesen. Ich weiß nicht so recht, was ich von dem poetischen Schreibstil des Autors halten soll. Manche Absätze finde ich wunderschön, bei anderen kommt es mir vor, als ob ich eine Fremdsprache lese, die ich nicht beherrsche, zum Beispiel S. 117: "Ein Schöpfer, der nicht auch zerstört, ist keiner, sondern nur ein dementer Greis, der debil in eine gottlos gewordene Welt grinst. Unsere Kleinheit bringt uns zusammen, nur unsere Kleinheit. Möwenkleinheit, Menschenkleinheit. Mönchskleinheit. Manneskleinheit, Frauenkleinheit. Kleinheit ist Nacktheit ist Wahrheit. Wir werden in Gott schwimmen, einmal werden wir alle in Gott schwimmen. Dann schwimmt Er uns."

??????

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Emswashed kommentierte am 21. März 2021 um 09:58

Haha, diese Stelle "hat mich gelesen".... Du solltest es sportlich nehmen, als "Ausbruch" des Autors?!

 

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Readaholic kommentierte am 21. März 2021 um 12:32

Haha, das stimmt. Vielleicht wurde der Autor hier geschrieben?

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wandagreen kommentierte am 21. März 2021 um 19:36

@Readaholic. Kann ich mal aushelfen bei der Auslegung dieser Stelle?

Ein Gott, der nicht auch zerstört, ist einer, den man nicht fürchten müsste. In der Bibel steht so was wie: Soll das Tönerne (also das aus Ton gemachte) nicht vom Töpfer auch wieder verworfen werden? Hat Das Tönerne ein Recht darauf, zu kritisieren, dass es gemacht ist, wie es gemacht ist?).

Soll heißen, wenn Gott der Schöpfer ist, hat er das Sagen über das Geschöpfte (also alles).

Unsere Kleinheit bringt uns zusammen. Vor Gott sind wir alle klein. Deshalb werden wir in der Demut vor ihm einig. Gleich eins.

Wir werden in Gott schwimmen, einmal werden wir alle in Gott schwimmen. Dann schwimmt Er uns. Das ist sehr überspannt formuliert, bedeutet aber, dass man nach dem Tod vor den Schöpfergott tritt. Dann bedeutet es hier noch, dass alle mit Gott vereinigt werden. Das allerdings widerspricht der Aussage der Bibel, die sagt, die einen kommen in den Himmel (gleich ewiges Zusammensein mit Gott) und die anderen in die Hölle (gleich ewiges Getrenntsein von Gott).

Der Rest ist Wortsalat.

 

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Emswashed kommentierte am 22. März 2021 um 08:11

Dass Gott uns schwimmt, habe ich eher mit dieser Geschichte assoziert, als sich jemand vor dem Herren beklagte, dass er in seinen schwierigsten Zeiten nur eine Fußspur im Sand sehen konnte, Gott also nicht bei ihm war, woraufhin der Herr sprach, er habe ihn in der Zeit getragen, deswegen sei es nur eine Spur zu erkenne. (Foodsteps, hieß es glaube ich.)

Aber grundsätzlich ist es schon eine Herausforderung für den Leser, solche Worte richtig zu interpretieren. Deshalb, danke für Deine Hilfe, liebe Wanda. Magst Du das Buch vielleicht anschließend selber lesen?
 

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wandagreen kommentierte am 22. März 2021 um 10:14

ich spielte mit dem Gedanken, aber danke, ein Blick in die LR erspart einem den Wunsch. Antwort: Auf gar keinen Fall!

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 11:18

Hihi ;-) Und ich hatte schon die Hoffnung, du würdest für mich einspringen. Also muss ich selber zu Ende lesen.

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Readaholic kommentierte am 22. März 2021 um 11:02

Danke für deine Erklärung. Mir sind ehrlich gesagt Bücher lieber, die ich auf Anhieb verstehe und für die ich keine Erklärungen benötige.

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Myrna kommentierte am 22. März 2021 um 15:50

Danke wanda! Mein Gefühl/Ahnung an dieser Stelle im Buch hat mich also nicht getäuscht...

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naibenak kommentierte am 02. April 2021 um 14:40

Wie schön, Wanda, dass du hier ein bisschen erklärst! Danke! Ich bin nicht religiös und kein bisschen bibeltreu (wobei ich das ein oder andere natürlich kenne^^), aber ich hatte tatsächlich bei diesem zitierten Abschnitt ganz ähnliche Gedanken. Schön, dass ich da gar nicht so falsch lag. Mir gefällt sowas im Übrigen. Da hab ich andere Stellen im Buch gehabt, die ich als komplizierter empfand... vielleicht finde ich ja noch eine;-)

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 11:15

Das Poetische in den Naturbeschreibungen mag ich, aber das, was du zitierst, halte ich auch für etwas übertrieben und ein wenig unverständlich. Man könnte fast sagen: da hat sich jemand philosophisch überhoben.

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Myrna kommentierte am 22. März 2021 um 15:52

Ich liebe Philosophie... :-))

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 17:01

Ich auch, aber nicht so. Andererseits: jeder darf philosophieren, wie er/sie will.

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Bookstar kommentierte am 07. April 2021 um 09:32

Dazu kann ich auch nur sagen, dieser Text, den du hier ausgesucht hast, ist viel zu übertrieben formuliert, für mich gedanklich nicht zu ordnen.

Dann gibt es wieder so einfache Dialoge, fast schon in einer kindlichen Sprache, Texte, einfach so hin und hergeworfen.

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Readaholic kommentierte am 21. März 2021 um 11:03

Gottseidank war die oben zitierte Stelle die einzige, die mich vollkommen ratlos zurückgelassen hat. Obwohl es keine einfache Lektüre ist, lese ich das Buch doch mit Interesse. In diesem Abschnitt spricht Lukas in Gedanken nicht mehr mit Andreas und Juli, sondern vor allem mit Sarah. Ich muss das Gelesene noch ein wenig sacken lassen, bevor ich was darüber schreibe. Es löst viele Gedanken und Assoziationen in mir aus.

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Emswashed kommentierte am 21. März 2021 um 15:27

Ich denke auch, dass man erst abschließend wirklich was Vernünftiges dazu sagen kann.

Ich wollte mich zum Beispiel über Seite 102 "aufregen", weil es einfach nicht passen wollte, bis ich dann auf Seite 104 "aufgeklärt" wurde. ;) So gibt es viele kleine Stellen im Buch, die man vielleicht erst mal kommentarlos schlucken sollte, bis sie einen Sinn ergeben.

Es muss für den Autoren kompliziert gewesen sein, nicht selber den Faden zu verlieren!

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naibenak kommentierte am 02. April 2021 um 14:46

Das fällt mir in der Tat ein bisschen schwer im Buch und insbesondere im zweiten Abschnitt: absatzweise  spricht Lukas in Gedanken andere Personen an, springt hin und her. Mal ist es Sarah, mal Alban, mal denkt er nur so vor sich hin... da muss man tatsächlich einigermaßen geduldig weiterlesen im Vertrauen, dass sich demnächst einiges erschließt ;-)

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 11:20

Und genau das ist es, was ich für mich in diesem Buch vermisse. Es löst keine Gedanken in mir aus, die ich für mich mitnehmen könnte, höchstens welche über Andreas und Lukas. Mir gibt es leider nichts und das hat nichts mit Religiösem zu tun.

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Emswashed kommentierte am 22. März 2021 um 13:14

Im ersten Drittel habe ich aber schon ein, zwei Sätze rausgeschrieben, die ich schön fand, wie z.Bsp. das mit dem See, der einem Auge gleicht.

Bücher, die ich nicht auf Anhieb verstehe bleiben manchmal sogar länger haften, eben weil mir Sachen im Nachhinein klar werden (bin langsam im Denken).

Andreas und Lukas sind auch so ein Fall für sich. Oft habe ich gedacht, dass da doch was latent Homoerotisches mitspielt. Kann man, wenn man sich nur mit Gleichgeschlechtlichen beschäftigt, vielleicht irgendwann die Grenzen zwischen Menschenliebe und erotischen Momenten nicht mehr klar ziehen?

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darkola77 kommentierte am 27. März 2021 um 23:20

Das ist eine sehr gute, interessante Frage, die sich mir - wenn auch nicht so treffend formuliert - beim Lesen ebenfalls immer wieder gestellt hat! Lukas Liebe zu Andreas - und als diese bezeichnet er selbst seine Gefühle seinem Glaubensbruder gegenüber: Was beinhaltet diese und welcher Gestalt ist diese - insbesondere, wenn der andere Mensch eine Ausschließlichkeit in dem eigenen Leben einnimmt?

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Readaholic kommentierte am 21. März 2021 um 15:36

Ich hatte gehofft, dass jemand anderes zuerst was schreibt, aber dann versuche ich mal, meine Gedanken zu ordnen. Für mich ist in diesem Absatz die angesprochene Sexualität von Mönchen ein vorherrschendes Thema. Es wird angedeutet, dass Pater Alban ein Liebesverhältnis mit Ellen hatte und die Mönche dies wohl geduldet haben. Oder haben sie es nicht gemerkt? Andreas und Juli haben sich in den Umkleidekabinen am See getroffen und auch von Lukas wird angenommen, dass sein tägliches Schwimmen nur ein Vorwand ist, dass er sich in Wirklichkeit mit einer Frau trifft. Momentan ist das ja auch nicht ganz falsch, denn er trifft am Steg auf Sarah, allerdings ist bisher nichts passiert außer Reden. Ich habe Probleme damit, dass dies angeblich alles so stillschweigend geduldet wird. Das glaube ich einfach nicht, dass das so der Fall wäre. Ich nehme es dem Autor nicht ab, weil ich mir sage, woher will er das wissen, er war doch nie Mönch. Dabei habe ich noch nie etwas Ähnliches bei einem Krimi gedacht. Dort ist mir durchaus klar, dass ein Krimiautor nicht selbst jemanden umgebracht haben muss, um über einen Mord zu schreiben. Aber hier finde ich das Szenario nicht glaubhaft, weil der Autor (meines Wissens) keine Erfahrung aus erster Hand hat. Wisst ihr, was ich meine? Was haltet ihr davon? Glaubt ihr, dass in einem Kloster so locker damit umgegangen wird, wenn ein Mönch eine Liebesbeziehung eingeht?

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Emswashed kommentierte am 21. März 2021 um 18:37

Kein lockerer, sondern eher ein wegschauender Umgang. Sie können es sich schlicht nicht mehr leisten, bei Verstößen gegen das Zölibat ihre Brüder rauszuschmeißen. Außerdem haben sie ihren Vertrag mit Gott gemacht, er hat zu richten. Voher kann man noch beichten (klarer Vorteil bei den Katholiken). Aber ich glaube auch, dass dieser fatale Umgang mit der "verschwiegenen" Körperlichkeit, sich zu solchen Monstern, wie Missbrauch auswachsen können.

Ich denke schon, dass der Autor sich mit dem Mönchsleben intensiv auseinandergesetzt hat und vielleicht so manches intime Geständnis in seinem Buch verarbeitet hat.

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Readaholic kommentierte am 21. März 2021 um 18:50

Ich habe das Buch mittlerweile fertig gelesen und habe inzwischen auch das Interview am Ende des Buchs gelesen. Dort erzählt der Autor, dass er immer wieder eine Auszeit im Kloster Maria Laach nimmt. Du hast sicher recht, dass er sich dort mit den Mönchen ausgetauscht hat. Und was deine anderen Punkte anbelangt, gebe ich dir auch recht. Die Mönche sind froh, wenn noch Jüngere unter ihnen sind, die wollen sie nicht vergraulen. Das Beste wäre, meiner Meinung nach, wenn der Zölibat endlich wegfallen würde.

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wiechmann8052 kommentierte am 21. März 2021 um 20:22

Wenn sie eine Beziehung zu einem anderem Erwachsenen haben, tun sie niemandem weh. Sie widersetzen sich nur einem Dogma.

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Emswashed kommentierte am 22. März 2021 um 08:02

Schon, aber da es immer und überall verschwiegen werden muss, kann es zu Auswüchsen führen, die niemand haben will. Ich kann mir gut vorstellen, dass Heger hier grundsätzlich das Zölibat in Frage stellt.

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wiechmann8052 kommentierte am 22. März 2021 um 11:07

Das glaube ich auch, denn  bei den anderen Konfessionen gibt es verheiratete Pastoren oder auch gleichgeschlechtliche Paare ohne das sich die Qualität der Seelsorge oder Gottesdienste anders ist.Vielleicht sind diese Pastoren/innen einem sogar näher weil sie mehr Bezug zur eigenen Realität haben.

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Caroas kommentierte am 27. März 2021 um 11:49

In der ursprünglichen katholischen Kirche waren auch Frauen Priesterinnen in der Kirchen und Männer durften heiraten,

Ein Papst hat dem allen dann ein Ende bereitet, ich müsste nachschauen wann genau, seit dem Zeitpunkt durften Priester nicht mehr heiraten und Frauen durften kein Amt mehr einnehmen. Dadurch war die Kirche nicht mehr verpflichtet für die Familien der Priester zu sorgen und konnte die Güter die "extrem religiöse Menschen" an diese Organisation gespendet haben auch behalten. Dadurch ist die RömischKatholische Kirche ja auch so reich geworden.

Übrigens es gab sogar mindestens eine Päpstin in der früheren Geschichte.

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 11:22

Keine Ahnung, da bin ich völlig überfragt, weil ich zu wenig über das Mönchsleben weiß. Wenn ich mir allerdings die neuesten Missbrauchsskandale angucke, halte ich alles für möglich. Leider!

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MeinNameistMensch kommentierte am 21. März 2021 um 20:11

So,nun habe ich auch den zweiten Abschnitt gut beenden können. Es fällt mir immer noch recht schwer der Geschichte zu folgen, es geht aber besser als im ersten Abschnitt. Richtig packen konnte mich die Erzählung weiterhin nicht und ich Frage mich, ob sich das vielleicht noch ändern wird.

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wiechmann8052 kommentierte am 22. März 2021 um 11:09

Vielleicht fordert der Autor uns beim Lesen auf über die Kirche und ihre Träger nach zudenken und als Gläubige auch den Mund auf zu machen.

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 11:13

Was ich sehr mag, sind die poetischen und bildhaften Naturbeschreibungen, die von guter Beobachtung zeugen und mir den Laacher See (den ich kenne), wieder vor Augen führen. (94, 114)

Aber sonst habe ich immer noch meine Schwierigkeiten mit den sprunghaften Gedanken von Lukas und seiner Selbstbespiegelung (nicht negativ gemeint). Es kommt mir wie eine Art Tagebuch vor, wo er seine Handlungen, Gedanken und Gefühle hinterfragt, eigentlich eine gute Sache.

Und da kommt einiges zutage, was auch für einen Mönch völlig verständlich ist, zum einen offensichtlich sexuelle Wünsche und Gedanken (126) und eine rauschhafte Freude an der Übertretung von Regeln, als er die Gebetszeiten nicht einhält (145). Gewiss, es ist sicher nicht einfach, als Mönch in einer gewissen strengen Regelhaftigkeit gefangen zu sein, aber das gehört wohl dazu.

Es kommt einiges zutage in seinen Selbstreflexionen: er ist zu seinem Beichtvater nicht offen und nicht mal im Gebet zu Gott (128). Er gesteht sich ein, dass er eifersüchtig auf Andreas war, nicht nur wegen Juli, sondern schon vorher wegen des Chores. Er sagt, er habe Andreas geliebt, wobei ich das nicht unbedingt sexuell motiviert sehe. Und möglicherweise war er tatsächlich neidisch auf Andreas, sicher eine Sünde, an der ein Christ, ein Mönch besonders arbeiten muss (137).

Das Ganze sieht für mich jedenfalls nach einer ernsthaften Krise aus. Wie schade nur, dass er sich niemandem anvertrauen kann und will, außer Sarah vielleicht, was aber keine Lösung auf Dauer sein kann. Er scheint ziemlich allein zu sein, dabei braucht er immer ein 'Du' (100).

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Myrna kommentierte am 22. März 2021 um 15:59

Sehr gut geschildert - ich sehe, Du wächst ins Buch hinein... :-)

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Federfee kommentierte am 22. März 2021 um 17:03

Eher nicht ;-) Ich nehme nur immer meine Lese- und Rezensionsverpflichtungen ernst und versuche, jedem Buch seine Chance zu geben. Ich finde auch immer: selbst bei Büchern, die einem nicht so gefallen, lernt man durch die Diskussion mit anderen einiges.

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naibenak kommentierte am 02. April 2021 um 14:59

Eine ernsthafte Krise sehe ich da noch nicht. Ja, er trägt schwer am Weggang von Andreas. Das ist offensichtlich. Das hat Lukas definitiv aus der Bahn geworfen. Aber ich finde, er kann im Zwiegespräch mit sich selbst sehr gut daran arbeiten. Seine Gedanken zeigen, wie er innerlich "ackert" und dennoch geben sie mir das Gefühl, er bleibt bei sich. Falls er sich da nichts vormacht, das wird sich zeigen... ;-)

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Federfee kommentierte am 03. April 2021 um 13:36

Kann sein, dass ich das überbewertet habe (als ernsthafte Krise). Aber ich hatte den Eindruck, dass es nicht nur der Weggang seines Freundes Andreas imst, dessen Zuwendung zum Weltlichen, sondern dass er vielleicht ein wenig daran zweifelt, ob 'Mönchsein' das Richtige für ihn ist. Aber vielleicht lese ich das auch nur hinein.

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naibenak kommentierte am 03. April 2021 um 19:56

Das stimmt, ich glaube, der Weggang von Andreas trägt u. a. zu diesen (Selbst-) Zweifeln bei. Für mich schwingt aber in allem, was Lukas denkt und tut, in all seinen zweiflerischen Grübeleien, irgendwie immer ein Stück innere Sicherheit mit. Trotzdem. Keine Ahnung, ist so ein Gefühl, das ich beim Lesen habe ;-)

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Myrna kommentierte am 22. März 2021 um 15:40

Wieder eine Fülle von Gedanken und Erinnerungen... Da spielt sich wirklich viel in seiner Seele ab. Und es ist auch einiges passiert. Lucian taucht auf, Lukas hat ein Gespräch mit ihm und auch wieder mit Sarah. Mit Ellen und dem Arzt von Bruder Alban spricht er. Ein Gewitter entlädt sich über dem See, er kann also nicht ins Wasser. Am selben Tag brennt es im Kloster; alle versammeln sich im Refektorium.

Und dann die Gedanken: Erinnerungen, Fragen, Selbstvorwürfe, Suche nach Antworten und - wer oder wie ist Gott...

Da hat Lukas mehr als einen Rucksack zu schleppen. Er hat seinem Freund Andreas bei der Hochzeit "eine Szene gemacht"; er denkt zurück an den Tod seines Vaters; er erinnert sich an seine Psychotherapie, die endete, als er ins Kloster ging, obwohl sie noch gar nicht beendet war.

Und, und, und... Ein unglaublich dichtes Buch... Ja, ich werde es definitiv noch einmal lesen - und bei einigen Stellen sehr nachdenken müssen, um sie zu verstehen.

Die Gedanken über Gott auf Seite 117 - sehr drastisch ausgedrückt, aber ich habe so ein Gefühl oder Ahnung, dass ich verstanden habe, ohne es definieren zu können. Mal schauen, wie das zum Ende der Lektüre ist oder nach nochmaligem Lesen...

Ich bin gespannt, was das Buch noch mit mir machen wird, wenn ich weiter lese.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Myrna kommentierte am 22. März 2021 um 15:45

das sollte nicht doppelt hier rein...

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Caroas kommentierte am 27. März 2021 um 11:54

Weiter geht es im Kopf von Lukas bis Tag 8

Da kommen jetzt einige neue Charaktere dazu, u.a. Sarah die aber irgendwie nicht im Kloster wohnt aber sich dort aufhält, mit der er einige Gespräche führt und dabei zweimal seine Pflichten vergas.

An den Stil habe ich mich jetzt gewohnt und wander leichter mit den Gedanken mit. 

Auch wenn er immer noch sprunghaft ist und wir alles nur mit seinen Gedanken sehen was passiert.

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wiechmann8052 kommentierte am 27. März 2021 um 12:27

Dieses nur mit seinen Gedanken sehen, war für mich eigenartig, es ist keine andere Meinung zum Geschehen. Nur er kommentiert es gibt keine echte Diskussion.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
darkola77 kommentierte am 27. März 2021 um 22:59

Erst einmal so richtig im Fluss, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen - und habe in einem Tag den zweiten Leseabschnitt in Gänze gelesen. Und über weite Strecken sehr genossen. Die eine oder andere Länge gibt es in dem Text für mich zwar schon, doch macht das assoziative Springen in der Gedankenwelt die Geschichte (und ja, um eine derartige mit einer aufeinanderaufbauenden Handlung handelt es sich meiner Meinung nach trotz des Bewusstseinsstroms) für mich gerade durch ihre Breite an Themen und Zeitebenen sehr lebendig - und für die gewählte Form des Erzählens auch erstaunlich zugänglich. Zugänglich ist auch Lukas für Sarah, ihr Schicksal und ihre empathische Art, in welcher sie sich ihm und seinem Leben im Kloster zuwendet. Und Sarah ist auch diejenige, die ihn in Versuchung zu führen vermag bzw. deren Versuchung er sich selbst zu entziehen versucht. Denn neben der fleischlichen Lust steht sie für die Freuden und ein mögliches Versprechen auf Glück außerhalb der Klostermauern und ein Leben als Paar oder Familie, gegen das er sich bewusst bereits früh entschieden hat - um Gott und Jesus als Partner zu wählen. Ich selbst ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, warum Lukas nicht die Chance ergreift, die ihn die Begegnung mit Sarah bietet, um diesem Leben in Abgeschiedenheit und möglicherweise auch Einsamkeit zu entfliehen. Aber das ist sicherlich sehr eindimensional und mit Blick auf ein Wertesystem gedacht, das mein eigenes jedoch nicht das von Lukas ist. Wie wird seine Enscheidung letzendlich ausfallen und wird er überhaupt eine Wahl haben?

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Emswashed kommentierte am 28. März 2021 um 16:21

Wenn ich es jetzt mal sehr einfach polemisieren darf: Männer haben immer die Wahl! ;-)

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wiechmann8052 kommentierte am 28. März 2021 um 20:31

Normalerweise ist der Austritt aus dem Kloster nach der endgültigen Profess sehr schwierig. Deshalb haben die Kandidaten ja auch eine sehr lange Prüfzeit.  Erst  2 Jahre und dann noch mal 7 Jahre.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
darkola77 kommentierte am 28. März 2021 um 20:31

Wenn wir Frauen ihnen eine lassen. ;-)

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darkola77 kommentierte am 28. März 2021 um 20:36

Ich kann mir vorstellen, dass man vermutlich zu jedem Zeitpunkt gehen kann - nur auf welchem Wege und mit wie viel zerschlagenem Porzellan und zerrissenen Herzen...

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
wiechmann8052 kommentierte am 29. März 2021 um 11:26

Zuviel, am Ende wird dieser Schritt immer wieder in Frage gestellt, denn ein Leben ohne dem Kloster ist wie eine andere Welt. Mit nichts vergleichbar auch nicht mit dem Leben vor dem Kloster.

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Sabrina26788 kommentierte am 30. März 2021 um 18:17

Ich bin auch mit dem zweiten Abschnitt fertig und die Handlung packt mich immer noch nicht richtig. Es geht hier viel um das Thema Sexualität, aber es wird auch nur angerissen, denn es geht ja um Mönche. Ich weiß nicht, ob es so realistisch ist, dass Mönche sich immer wieder eine Auszeit in der Sexualität suchen, dazu kenne ich mich nicht aus. Was mir noch aufgefallen ist, ist die Fehlgeburt, die sehr traurig beschrieben war.
Und allgemein alles, was Natur war, wird sehr ausufernd beschrieben. Ich bin gespannt, was es im letzten Kapitel noch gibt.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Sabrina26788 kommentierte am 30. März 2021 um 18:17

Ich bin auch mit dem zweiten Abschnitt fertig und die Handlung packt mich immer noch nicht richtig. Es geht hier viel um das Thema Sexualität, aber es wird auch nur angerissen, denn es geht ja um Mönche. Ich weiß nicht, ob es so realistisch ist, dass Mönche sich immer wieder eine Auszeit in der Sexualität suchen, dazu kenne ich mich nicht aus. Was mir noch aufgefallen ist, ist die Fehlgeburt, die sehr traurig beschrieben war.
Und allgemein alles, was Natur war, wird sehr ausufernd beschrieben. Ich bin gespannt, was es im letzten Kapitel noch gibt.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
naibenak kommentierte am 02. April 2021 um 15:14

Lukas und Sarah... wie spannend und interessant und Nährboden für viele innere Auseinandersetzungen von Lukas! Ein Abschnitt hat mich hierzu berührt und ich frage mich, ob Lukas wirklich ehrlich zu sich selbst ist in diesem Moment. Vielleicht redet er es sich ein, weil er nicht in Versuchung geraten will, aber selbst wenn: es zeigt, dass Lukas seinem gewählten Weg treu bleiben möchte:

"Das ist vielleicht das Schönste an dieser Begegnung, jedenfalls für mich: dass ich mich voller guter Absichten fühle. Da gibt es keine Ambivalenz. Es gibt überhaupt gerade wenig Ambivalenz in meinem Leben. Was es gibt, sind verschiedene Wege. Das ist so. Aber das ist etwas anderes als innere Zwiespältigkeit, und ich habe fast das Gefühl, es hilft dagegen." (S.167)

 

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Berge 2013 kommentierte am 03. April 2021 um 13:25

 

 

Auch der 2. Abschnitt hat mir sehr gefallen. Weiterhin wird das Buch getragen von der Mischung aus Ereignissen im Kloster und den Gedanken von Lukas. 

Wir erfahren einiges über seine Vergangenheit, seine Familie und den Besuch beim Psychoanalytiker, der ihm aber auch bei seiner Such nicht helfen kann. 

Auch Sarah und Lukas kommen sich näher. Sarah stillt ihm die Frage, warum ist er Möch geworden und reißt damit bei Lukas weitere Fragen auf. Auch der junge Lucien, der sich für einen Eintritt ins Kloster interessiert, stellt wichtige Frage z.B. die über die Sexualität. Lukas meint zwar, er kann mit dem Zölibat umgehen, aber es scheint bei ihm auch schon mal Schwächen gegeben zu haben und Sarah schein da doch aktuelle wieder eine zu sein. 

Aber auch sein Mitbruder, der der jetzt im Krankenhaus liegt, hat anscheinend eine Freundin, Ellen. Ich bin gespannt, ob wir von der Geschichte der beiden noch mehr erfahren, aber die Reaktionen im Krankenhaus sprechen doch eine eindeutige Sprache. 

Bin gespannt, welche Themen im letzten Abschnitt noch aufgegriffen werden. 

 

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Kakadu kommentierte am 07. April 2021 um 09:45

Auch der zweite Abschnitt ist nicht einfach. Die Wünsche eines Mönchs sind doch allzu menschlich. Dass der Laacher See gemeint ist, hatte ich schon erahnt. Die sprunghaften Gedanken finde ich teils anstrengend, teils verständlich. Die Selbstreflexion eines Mönches gehört wahrscheinlich zum Tagesgeschäft. Ich kann da mitfühlen.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Hobee77 kommentierte am 07. April 2021 um 11:10

In diesem Abschnitt merkt man, dass Sebastian sehr Sarah zugetan ist, dass er seine Gefühle für sie nicht immer unter Kontrolle hat, auch nicht unter Kontrolle haben möchte.

Der See, der immer wieder Schauplatz ist, ist Sebastians Schutz, obwohl er ihm auch unheimlich ist, da er nicht genau weiß, was sich in seiner Tiefe befindet. Das Wasser hüllt ihn ein wie seine Kutte, er kann im See einfach er selbst ein, kanz bei sich, befreit von allen anderen Ansprüchen und Bedingungen, fast ganz nackt, einfach nur ein Mensch, ein Mann sein. 

Mir gefällt der Schreibstil, auch wenn er einige Fremdwörter enthält, die ich nicht kenne. Er ist sehr poetisch.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 94 bis 173
Hobee77 kommentierte am 08. April 2021 um 16:07

Ich meine natürlich Lukas, nicht Sebastian.

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