Leserunde

Leserunde zu "Das Vermächtnis unserer Väter" (Rebecca Wait)

Das Vermächtnis unsrer Väter - Rebecca Wait

Das Vermächtnis unsrer Väter
von Rebecca Wait

Bewerbungsphase: 16.01. - 30.01.

Beginn der Leserunde: 06.02. (Ende: 27.02.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir 20 Freiexemplare von "Das Vermächtnis unserer Väter" (Rebecca Wait) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

„Er war sich nicht sicher, wie viele andere um ihn herum die absolut falsche Entscheidung getroffen hatten und dann damit leben mussten. Für immer gebrandmarkt von ihrer eigenen Schuld, von der nur sie wussten.“

Manche Dinge kann man einfach nicht begreifen, egal wie viel Zeit vergangen ist. Dazu zählt das unsägliche Verbrechen, das sich vor zwanzig Jahren auf einer kleinen Insel der schottischen Hebriden ereignet hat. Als der einzige Zeuge dieser Tat plötzlich wieder auf der Insel auftaucht, sorgt das für viel Aufregung. Verdrängte Erinnerungen und Schuldgefühle kehren zurück und mit ihnen die Befürchtung, dieser junge Mann könnte noch eine Rechnung offen haben.

ÜBER DEN AUTOR:

Rebecca Wait, 1988 geboren, verbrachte als Kind viel Zeit in den schottischen Highlands und auf den Hebriden. 2010 schloss sie ihr Englischstudium an der Oxford University ab, heute ist sie Lehrerin in London. Sie hat zahlreiche Preise für ihre Kurzgeschichten und Theaterstücke gewonnen. Ihr erster Roman Kopfüber zurück erschien 2015 bei Kein & Aber.

29.02.2020

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Sibylle P. kommentierte am 08. Februar 2020 um 21:28

Okay, ich geb es zu, ich konnte nicht mehr mit dem Lesen aufhören.

In diesem Teil erfahren wir erstmal etwas mehr über Katrina, wie sie auf wuchs und wie sie und John sich kennengelernt haben und auch über ihr Leben auf der Insel.

Ich will aber noch nicht zu sehr spoilern und hoffe erst einmal auf ein paar Meinungen...

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
nikolausi kommentierte am 10. Februar 2020 um 16:40

Wie viele Bewohner der Insel sich doch mit Schuldgefühlen wegen der Morde plagen. Doch irgendwie denken sie alle egoistisch,  vor allem Fiona, die seinerzeit Katrinas Weglaufpläne an John verraten hat. Wie furchtbar sich Tommy all die Jahre gefühlt haben muss, lassen sie außer Acht. Sein Trauma war sogar noch größer,  weil er sich vorwirft, Nicky nicht in sein Versteck geholt zu haben. Die Crux ist, dass er einer Fehleinschätzung aufgesessen ist. 

Das Buch hat mir gut gefallen. Es regt zum Nachdenken dazu an, ob ungute Eigenschaften der Eltern sich auf die Kinder vererben. Auf jeden Fall ist es für Kinder sehr schwer, sich davon frei zu machen, wenn ihnen die ganze Kindheit Negatives vorgelebt wird. Malcolm scheint mir jemand zu sein, dem es gelungen ist.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 13. Februar 2020 um 04:42

Ich glaube allerdings, bei den Schuldgefühlen geht es nicht allein um den Verrat an Katrin an sich, sondern auch darum, dass niemand Johns Charakterzüge wirklich deuten konnte. Klar, es mag vielleicht als platte Entschuldigung erscheinen, aber ich denke Malcom hat recht, wenn er meint, im Nachhinein sei einfach, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich waren, d.h. die alltäglichen Streitereien, Johns Besitzansprüche als unmittelbar in die Katastrophe führend zu deuten.

Ich weiß gar nicht, ob man gerade Fiona als nur selbstsüchtig sehen kann. Auch sie versucht, sich zu schützen. Und ich glaube, dass auch sie selbst sich eine Menge Schuld gibt, mit der zu leben schwer sein muss. Und ehrlich: Auch weiß ich nicht, wie ich mich an ihrer Stelle verhalten hätte. Gebe ich gerne zu.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
laurina kommentierte am 15. Februar 2020 um 09:17

Ich glaube, Fiona hat sich von Katrina vernachlässigt und fallengelassen gefühlt. Sie hatten sich doch angefreundet und auch für Fiona in dieser Einsamkeit war diese Freundschaft wichtig. Sie konnte nicht ahnen, dass John Katrina dazugetrieben hat diese Frendschaft zu beenden, zumindestens habe ich es so interpretiert. Sie war verletzt, beleidigt..... und nun muss sie mit ihren Schuldgefühlen leben.

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Sibylle P. kommentierte am 15. Februar 2020 um 14:51

Ja, da hat sich leider ein Sumpf aus Unausgesprochenem zusammen gefügt. Fiona trägt wohl schwer an ihrer Schuld...und trotzdem, muss man gleich zum Mann rennen und nicht erstmal mit Katrina reden, was sie dazu bewegt?

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Ifernia kommentierte am 24. Februar 2020 um 09:04

Das sehe ich auch so

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 13. Februar 2020 um 05:01

"Malcolm scheint mir jemand zu sein, dem es gelungen ist."

Dass es ihm gelungen ist, da bin ich mir nicht so sicher. Aber er arbeitet immer noch daran.

 

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tardy kommentierte am 01. März 2020 um 21:11

Malcolm müsste für Tom doch ein Beispiel sein, dass es möglich ist dem "Fluch" der Väter zu entgehen. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Sibylle P. kommentierte am 10. Februar 2020 um 20:29

Ich frage mich, warum er seine Freundin verlassen hat. So richtig deutlich ist mir das nicht geworden.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
nikolausi kommentierte am 11. Februar 2020 um 08:39

Das stimmt. Aber aus Andeutungen schließe ich, dass Caroline sich schon seit Jahren ein Kind mit Tommy wünscht, er aber keines haben will, weil er Angst hat, auch das Kind könne mit krimineller Energie "erblich belastet" sein. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Elisabeth Bulitta kommentierte am 13. Februar 2020 um 04:29

Dem kann ich mich nur anschließen. Auch ich sehe hier den Grund für die Trennung. Er erkennt, so habe ich es  wenigstens verstanden, in sich selbst Züge seines Vaters, er verletzt seine Freundin absichtlich, sie verzeiht ihm ..., sie möchte Kinder ... und er hat Angst, dessen Erbe in sich zu tragen, ebenfalls Unglück in die Familie zu bringen. An zwei Stellen, dem Streit mit der Mutter wegen des Wäschewaschens und der Szene im Schrank, wird besonders deutlich, dass er sich auch Schuld gibt und glaubt, er sei es nicht wert, weiterzuleben.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
tardy kommentierte am 01. März 2020 um 21:12

Genau das denke ich auch. Es ist extrem schade, dass sich Tom keine Chance geben will.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
sandra66 kommentierte am 13. Februar 2020 um 08:39

Mir tut Katrina so leid, die erst unter der Fuchtel ihrer Mutter und dann unter der ihres Mannes steht. Die Dinge, die John ihr antut, z.B. das eingelaufene Hemd oder der verlegte Schlüssel kommen mir bekannt vor, mir geht es manchmal auch so, dass ich immer das Gefühl habe, im Unrecht zu sein.

Erst ab diesem Teil ist meine Befürchtung verschwunden, dass Tommy der eigentliche Täter war; er tut mir sehr leid, aber Caroline auch. Schade, dass nicht aus der Erzählung hervorgeht, inwieweit sie über Tommys Vorgeschichte und seine Befürchtungen bzgl. eines Kindes informiert ist. Auch wenn das sexistisch klingt, denke ich, dass Frauen da den Vorteil haben, dass sie sich eher mitteilen, auch wenn natürlich die Gefahr besteht, eine Sache zu zerreden. 

 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Sibylle P. kommentierte am 15. Februar 2020 um 14:53

Genau das habe ich auch gedacht, über die Geschichte zwischen Tommy und Caroline hätte ich gern mehr erfahren. Man konnte zwar einiges erahnen, trotzdem empfand ich diesen Teil als vage.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
AnjaK kommentierte am 24. Februar 2020 um 12:47

Ich habe tatsächlich bis zum letzten Moment auf eine Versöhnung zwischen den beiden gehofft. Es wäre schön gewesen, wenn die beiden nochmal miteinander geredet und ihre Probleme geklärt hätten.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
tardy kommentierte am 01. März 2020 um 21:20

Ich hätte mir auch gewünscht, dass es ein besseres Ende für Caroline und Tom gibt. Er hätte es sich verdient.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
ulrike rabe kommentierte am 14. Februar 2020 um 20:30

Als der 2. Teil nun mit Katrinas Geschichte beginnt, hatte ich kurz die Befürchtung, dass es sie gewesen sein könnte, die geschossen hat. Ich bin froh, dass ich mich geirrt habe. Das Buch bleibt seinem Namen gerecht. Es ist kein Thriller, der mit waghalsigen Wendemanövern punkten muss.

Katrinas kindheit und Jugend war von der dominanten Mutter geprägt. Jill, Katrinas Schwester, hat wahrscheinlich recht, wenn sie d´sagt, dass die Mutter zu keinen Gefühlen ihren Töchtern gegenüber fähig war. und kaum konnte sich Katrina sich aus dem Einfluss der Mztter befreien, findet sie sich in einer neuen ungesudnen Beziehung, mit Jihn, wieder. John misshandelt sie nicht physisch. Die Verachtung ihr gegenüber, das permanenete Kontrollverhalten, wie er Katrina verunsichert und klein macht, ist vielleicht sogar schlimmer als physische Gewalt. Blaue Flecken könnte man wenigstens zeigen.
Mit Jills Fortgang nach england schrumpft Katrinas Welt. Es gibt nur mehr John, die Kinder und die Abgeschiedenheit der Insel.

Und zum ersten Mal begann ich meine Meinunng über Fiona zu überdenken. Sie nervte mich anfangs unerträglich, zu allem ungefargt eine Meinung zu  ahben, aber das Wesentliche zu ignorieren. Doch dann entpuppt sich Fiona als einzige Freundin, die Katrina nach Nickys Geburt auf Litta hatte. Ich kann auch Fiona verstehen, dass sie enttäuscht von Katrina war, als diese den Kontakt unterbunden hat. Sie kannte den wahren Grund nicht, woher auch. es wurde nicht darüber geredet. Und dann wieder ein Wandel: Katrina vertraut sich Fiona letztlich an und Fiona erzählt es John. Ihr Verhalten heute wird dadurch immer plausibler.

In der Erzählweise fand ich sehr gelungen, dass Tom immer Tom hieß, wenn es um seine Geschichte, seine Erinnerungen, sein Empfinden ging. Für alle anderen blieb er Tommy und "der Junge". Tom beginnt mit seinen Erinnerungen und mit der Bürde der Vergangenheit besser zu Recht zu kommen. Schön und gleichzeitig traurig fand ich beispielsweise, wie er sich seinen Bruder als sensiblen empfindsamen Mann vorstellen kann, wenn dieser überlebt hätte.

Ich denke, dieses Buch wird eines meiner Herzensbücher. Es wird so wenig miteinander gesprichen und trotzdem so viel erzählt. Stellvertretend für seine Protagonisten lässt sich das Buch umarmen und ins Herz schließen.

 

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laurina kommentierte am 15. Februar 2020 um 12:46

"Ich denke, dieses Buch wird eines meiner Herzensbücher. Es wird so wenig miteinander gesprichen und trotzdem so viel erzählt. Stellvertretend für seine Protagonisten lässt sich das Buch umarmen und ins Herz schließen."

Da hast Du wundervolle Worte gefunden, die auch das ausdrücken, was ich empfinde, aber nicht so gut in Worte fassen konnte. Danke Dir dafür...

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Ifernia kommentierte am 24. Februar 2020 um 09:05

Eine sehr gelungene beschreibung.. danke dafür! Schliesse mich an

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
tardy kommentierte am 01. März 2020 um 21:15

Mir gefällt auch an diesem Buch, dass es leise ist und keine Effekthascherei nötig hat. Es berührt extrem.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
laurina kommentierte am 15. Februar 2020 um 09:05

Dieser Abschnitt hat mich total bewegt und die Tränen in die Augen getrieben. Das Leben von Katrina war nicht einfach mit ihrer Mutter und dann auch noch John, der sie "kleinmachte". Wie schlimm Fionas Schuldgefühle sind.... sie hätte Katrina glauben sollen.... stattdessen hat sie sich aufs Johns Seite gestellt. Vielleicht lag es auch daran, das Fiona beleidigt war, dass sich Katrina die ganze Zeit keinen Kontakt zu ihr hatte.  Schade, dass Katrina nicht Heather um Hilfe bitten konne, denn diese hatte genug Mumm, um es zu tun.

Jill war eine gute Schwester.... obwohl sie zu Beginn der Geschichte nicht so gut wegkam, aber da habe ich gemerkt was passiert, wenn man eine Person nur die Augen einer anderen Person sieht bzw. nur einen Blickwinkel hat.

Malcolm habe ich absolut in mein Herz geschlossen und mir standen zeitweise wirklich die Tränen in den Augen als ich las, wie sich Tommy und er annähern. Malcolm will Tommy die Schuldgefühle nehmen und Tommy Malcolm auch. Zwei wortkarge Männer, die sich einander angenähert haben.

Grandioses Buch!

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Caro01 kommentierte am 17. Februar 2020 um 21:40

Den wunderbaren Kommentaren kann ich mich nur anschließen. Das Buch hat auch mich sehr zum Nachdenken gebracht. Noch nie war mir so bewusst, dass vererbtes Verhalten in uns so sehr verborgen ist und ein Vater den Sohn zum Täter machen kann, ebenso wie die distanzierte, und selbstbezogene Mutter, Katrina so verunsichert hat, das sie ein ideales Opfer für ihren Mann abgab. Auch die Fehleinschätzung der anderen und die Gekränktheit von Fiona haben zu dieser Familientragödie geführt.! Für mich waren die Selbstzweifel von Tom und seine Ängste vor seinem kriminellen Familienerbe so nachvollziehbar.Das Buch kann man nicht vergessen!!!!!

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
Drops1984 kommentierte am 23. Februar 2020 um 11:12

Kein wirklich überraschendes, aber doch durchdachtes Ende. Es wird sehr deutlich wie Kinder unter ihren Eltern "leider" können. Des Weiteren wird einem bewusst wie schwer es ist, aus einer negativen frühkindlichen Prägung "postiv" erwachsen zu werden.

Eine Einordnung des Buches in ein bestimmtes Genre halte ich für schwierig. Am ehesten passt es wohl zu "Familiendrama".

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
tardy kommentierte am 01. März 2020 um 21:19

Ein wirklich wunderbares Buch. Fionas Entscheidung, John von Katrinas geplanter Flucht zu erzählen erweist sich als fatal. Kein Wunder, dass sie so extrem abweisend auf Tom reagiert. Sie hat ja sehr viel Schuld auf sich geladen. Tom hat wirklich all die Jahre geglaubt, er hätte seinen Bruder retten können und jetzt verzichtet er aus Angst auf eine Familie, das ist schrecklich. Schade, dass er sich und Caroline keine Chance geben will. Das Buch hat mich sehr erschüttert. So viel Ungesagtes und so viel Leid. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 207 bis Ende
SummseBee kommentierte am 03. März 2020 um 17:40

Im letzten Abschnitt hat man dann nochmal was über Katrina und Fiona erfahren. Katrina hat wirklich sehr unter ihrer Mutter gelitten und wollte nur raus aus ihrem Leben und hat sich zu John geflüchtet. Der sie genauso mies behandelt hat.

Und Fionas Schuldgefühle kann man jetzt auch besser verstehen. Sie hätte Katrina damals glauben sollen. Aber das sie von Katrinas Verhalten verletzt war, kann ich auch sehr gut verstehen. Fiona wusste ja nicht was hinter Katrinas Zurückweisung steckte.

Und wie furchtbar für Tommy, dass er sich all die Jahre Vorwürfe darüber gemacht hat seinen Bruder nicht gerettet zu haben. Ich kann auch nachvollziehen warum er mit Caroline keine Kinder haben möchte. Obwohl ich den beiden noch ein Happy End gewünscht hätte.

Das einzige was mir noch gefehlt hat, war die Antwort auf die Frage warum Tommy als einziger überlebt hat. Aus Johns Sicht wurde ja gar nicht erzählt.