Leserunde

Leserunde zu "Fräulein Hedy träumt vom Fliegen" (Andreas Izquierdo)

Fräulein Hedy träumt vom Fliegen - Andreas Izquierdo

Fräulein Hedy träumt vom Fliegen
von Andreas Izquierdo

Bewerbungsphase: 15.03. - 29.03.

Beginn der Leserunde: 11.04. (Ende: 02.05.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Insel Verlags – 20 Freiexemplare von "Fräulein Hedy träumt vom Fliegen" (Andreas Izquierdo) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

»Dame in den besten Jahren sucht Kavalier, der sie zum Nacktbadestrand fährt. Entgeltung garantiert.« – Eine Annonce in der örtlichen Tageszeitung bringt alles ins Rollen: Hedy von Pyritz, 88 Jahre, diszipliniert, scharfzüngig, eitel. Hellwacher Verstand, trockener Humor, zuweilen übergriffig. Eine alte Dame, die meist im Rollstuhl sitzt, sorgt für einen handfesten Skandal in dem kleinen Städtchen im Münsterland, wo sie herrschaftlich residiert.

Aber Fräulein Hedy bleibt unbeirrt: Sie wird ihren Willen durchsetzen! Und findet in ihrem schüchternen, sanften Physiotherapeuten Jan einen Mitstreiter. Vielmehr nötigt sie ihn förmlich dazu. Der junge Mann wird sie fahren. Basta!

Jan hat keinen Führerschein, dafür aber eine nie behandelte Lese-Rechtschreibschwäche, so dass Hedy den Unterricht übernimmt und sich schon bald eine ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden festigt. So vertraut sie ihm nach und nach die Geheimnisse ihrer schillernden Vergangenheit an und verändert damit auf ungeahnte Weise seine Zukunft ...

Andreas Izquierdo erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte einer Freundschaft zwischen einer alten Frau und einem jungen Mann, die beide für immer verändert – eine Geschichte, die federleicht beginnt und sich dann zu einem wuchtigen, mitreißenden Drama entwickelt.

Andreas Izquierdo über »Fräulein Hedy träumt vom Fliegen«: https://www.youtube.com/watch?v=aphbt-5c12g

ÜBER DEN AUTOR:

Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman König von Albanien (2007), der mit dem Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman Apocalypsia (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Zuletzt erschienen von ihm die Romane Das Glücksbüro (2013), Der Club der Traumtänzer (2014) sowie Romeo & Romy (it 4575).

30.04.2018

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
graefinrockula kommentierte am 14. April 2018 um 19:55

Das Buch hat mich total überrumpelt. Ich habe mit etwas leichter Lektüre gerechnet und es ist so tiefgründig, ernst und schön geworden. Die Lebensgeschichte von Hedy ist einfach nur krass und man ich kann ihre Handlung bei der Jagd so gut nachvollziehen und bin in diesem Moment über micht selbst erschrocken. 
Ein perfekter Spiegel für die Gesellschaft heute und dem Umgang mit den Verbrechern aus dem 3. Reich

 

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Lilli33 kommentierte am 16. April 2018 um 11:28

Hm, ich finde, Hedy hat bei der Jagd voreilig gehandelt. Sie hatte doch eigentlich nur eine Vermutung, aber keinen Beweis. 

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graefinrockula kommentierte am 18. April 2018 um 20:52

Ich habe dennoch in dem Moment gedacht: "richtig so knall ihn ab". Hinterher wie gesagt habe ich mich darüber erschrocken, dass ich das so nachvollziehen konnte.

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Pitschpatschpinguin kommentierte am 24. April 2018 um 08:25

es war dieser gefühlte "jetzt oder nie"- moment.

ich hätte auch abgedrückt.

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Lelu kommentierte am 25. April 2018 um 14:31

Sowohl als auch, würde ich sagen. Ich kann Hedy schon verstehen und zu ihrem charakter passt es, sie ist ja auch in ihrer Jugend durch ihre impulsive Art aufgefallen...und dennoch hätte ich auch gedacht, dass sie einen Moment mehr darauf verwendet. Natürlich lernt man einen Menschen kennen (in Bezug auf Lene) und kann abschätzen, wie er sich aller Wahrscheinlichkeit nach verhalten wird, aber es wären auch so viele "wenns" möglich gewesen, warum Lene nicht bei der Jagd dabei war...
Aber wie gesagt, es passt zu Hedy: impulsiv, konsequent, kompromisslos (zumindest zu der alten Hedy ;D).

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Gwendolyn22 kommentierte am 16. April 2018 um 10:58

Die Szenen über das Kriegsende, den Verlust der Familie, Lene und Richard und die Flucht fand ich interessant beschrieben. Ich bin am Wochenende mit meiner Schwiegermutter ins Gespräch gekommen und da sie Jahrgang 1935 ist, kann sie auch dazu einiges erzählen. Auch den Neubeginn und die Haltung der Menschen nach dem Krieg und mit dem beginnenden Aufschwung dann in den 50er Jahren konnte ich durch ihre Erzählungen nachvollziehen. Insofern finde ich es schon gut und wichtig, das hier auch zum Inhalt zumachen.

 

Wichtige Themen sind Misstrauen, Moral, Schuld... Womit das Buch natürlich eine gewisse „Schwere“ bekommt.

Dass Karzig noch einmal auftaucht, war keine große Überraschung; wie auch der weitere Verlauf mit Hannah und Hedy irgendwie vorhersehbar war.

 

Im Erzählstrang „Gegenwart“ haben wir mit Nicks Lähmung und Sterbehilfe das nächste Hammerthema.

 

Schön finde ich die Szenen zwischen Jan und Nick im Krankenhaus und die Szene kurz vor Ende mit Hedy und Jan, als sie sagt, dass sie ihn verändert habe. Die Dialoge sind teilweise wirklich gut.

 

Jan, der mir eigentlich sehr sympathisch war, bleibt leider sehr blass. Bei Hedy sticht vor allem heraus, dass sie resolut ist.

 

Insgesamt finde ich, dass das Buch mit zu vielen großen Themen überfrachtet wurde.

Zwischenzeitlich fand ich, dass somit eine sehr große Dramatik und zuviel Melancholie mitschwang.

Ich hatte mir deutlich mehr Leichtigkeit vorgestellt. Alles in allem lässt mich das Buch nicht wirklich tief beeindruckt zurück. Wahrscheinlich bin ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen.

 

 

 

Wenn meine Ratlosigkeit verflogen ist, werde ich meine Rezension schreiben.

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Lilli33 kommentierte am 16. April 2018 um 11:34

wie auch der weitere Verlauf mit Hannah und Hedy irgendwie vorhersehbar war.

Das hat mich ein wenig überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass Hannah das weiß und vor allem hat es mich erstaunt, dass Hedy nicht damit gerechnet hat. Sie, die sich so gut in andere Menschen hineinversetzen kann und alles vorhersieht. 

Ich hatte mir deutlich mehr Leichtigkeit vorgestellt.

Ich auch. Aber ich bin froh, dass es nicht so leicht geblieben ist wie am Anfang, sondern ernsthafter wurde. Mir wird Fräulein Hedy wohl schon noch einige Zeit im Kopf herumspuken. ;-)

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Gwendolyn22 kommentierte am 16. April 2018 um 19:12

Und ich war ein bisschen traurig, dass dieser Humor nur noch stellenweise hervorblitzte - da wurde meiner Meinung nach einiges an Potenzial verschenkt.

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Lilli33 kommentierte am 16. April 2018 um 19:37

Da sind die Geschmäcker und die Erwartungen halt verschieden. ;-)

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Lelu kommentierte am 25. April 2018 um 14:43

Ich finde ja, dass die Gags oder der Witz gerade so gut zur Geltung kamen, weil sie nur hin und wieder durchgeschimmert sind und dadurch die ernsten Themen auch etwas aufgelockert haben - so ein bisschen comic relief-artig.

Im Großen und Ganzen finde ich aber auch, dass zu viele wichtige Themen angeschnitten wurden und dann eben wirklich nur angeschnitten. Gerade das Thema Sterbehilfe: Jans Entscheidung kam dann doch überraschend schnell, da fehlte mir etwas der Teifgang (wobei ich nach den Brocken in Hedys Vergangenheit nicht auch noch ewig lange Monologe zum Thema Sterbehilfe hätte lesen wollen - wobei ich es trotzdem sehr wichtig finde!). Das hat bei dem Thema Rache in Bezug auf den Umgang mit NS-Verbreche(r)n und dem Wissen darum viel besser geklappt - wobei ich den hedy-Hannah-Konflikt nur als hinterhergeschossen empfand. Hannah schien die tiefere Bedeutung nicht zu kennen und sie auch nicht wirklich wissen zu wollen. Man kann Hannahs Verhalten und ihre Entscheidnung, den Konflikt so auszutragen, jedoch als schöne Charakterstudie lesen ;)

Ach, eigentlich weiß man gar nicht, wo man anfangen und wo aufhören soll. Es war wirklich viel in dem Buch, und sei es, dass es "nur" anregen sollte, sich über einiges Gedanken zu machen, das hat der Roman alle mal geschafft. Die Leichtigkeit hat er sich da trotzdem irgendwie bewahrt.

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:13

Ja. Es war viel in dem Buch. Meiner Meinung nach auch ZU viel. Thema Tetraplegiker gab es bei Jojo Moyes ausführlich. 2. Weltkrieg ist nun auch nix neues mehr. Eine alte Omi am Nackbadestrand, das hätte interessant werden können, doch das verlief wortwörtlich im Sande... :(

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graefinrockula kommentierte am 16. April 2018 um 13:48

Ich verstehe das Gefühl, dass es echt viele Hammerthemen waren, besonders da man von einem leichten Buch ausgegangen ist. Ich fand durch diese ganzen echt krassen Themen wurde das Buch sehr Wirklichkeitsnah. Es verbindet die gesellschaftlichen Probleme der älteren Menschen mit den gesellschaftlichen Problemen der jüngeren Menschen. Ich bin immernoch am Nachdenken und das Buch hat mich zutiefst bewegt und ich denke diese "Ach-du-scheiße Gefühl" und diese "Schwere"  macht es gerade zu einem guten Buch, welches ich nicht so schnell vergessen werde.

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Lelu kommentierte am 25. April 2018 um 15:10

Dem kann ich mich nur anschließen - da muss man auch erst einmal ordentlich nachdenken, welche abschließende Rezension man dazu verfassen möchte, weil man nach dem Lesen so vielen Gefühle, teils auch ambivalente, und Gedanken nachgehen kann und einem so viele Dinge noch nachträglich auffallen (und wieder einfallen), dass man nicht vorschnell urteilen darf. Damit würde man dem Roman wirklich nicht gerecht werden.

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Lilli33 kommentierte am 16. April 2018 um 11:25

Das Buch hat mich bis zum Ende gefesselt, allerdings in einigen Punkten auch nicht ganz zufriedengestellt. Dennoch ist es eine lohnende Lektüre, die ich genossen habe und auch gerne weiterempfehlen werde.

Dass Hedy trotz oder gar wegen ihrer Kühnheit ihre ganze Familie verloren hat, ist bitter. Wollte sie diese doch nur retten. In Lene findet sie aber eine wirklich gute Freundin. Das ist schon viel wert. 

Jan gesteht Alina endlich seine Liebe. Eine schöne Szene, als Maria und Hedy (!) an der Tür lauschen :D

Nicks Schwerstbehinderung ist ein schwerer Schlag. Bemerkenswert, wie er selbst das nach außen so locker sieht und Witze darüber macht. Im Inneren sieht es natürlich ganz anders aus, und er empfindet sein Leben nicht mehr als lebenswert. Ich kann das absolut gut nachvollziehen. Ich würde so auch nicht leben wollen. Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden, wenn der Fall eintreten sollte.

Herbert hat überraschenderweise überlebt, aber der Krieg hat ihn zerstört. Kein Wunder!

Hedy verliebt sich neu und will Richard heiraten, der ein großes Geheimnis aus seiner Vergangenheit macht. Und dann Lenes Anschuldigung: Richard ist ein Mörder. Hedys Reaktion fand ich recht vernünftig. Klar versucht man erst mal, das Schreckliche zu leugnen und Gründe für Lenes evtl. falsche Erinnerung zu finden. Mit dem Brief an Simon Wiesenthal hat sie wohl dann auch alles getan, was sie objektiv tun konnte, um die Wahrheit über Richard zu erfahren. Dass Lene im Endeffekt doch recht hatte, ist tragisch, war aber für Hedy nicht abzusehen. Allerdings hat es mich dann doch sehr überrascht, dass Hedy Richard erschoss, ohne groß zu fackeln und ohne tatsächliche Beweise zu haben. Das ging mir etwas zu flott.

Auch wie Jan Nick „geholfen“ hat, ging mir zu einfach. Hier hätte ich mir noch mehr Einblicke in seine Gedanken und Gefühle gewünscht, ein noch stärkeres Abwägen des Für und Wider. Mir fehlte ein bisschen der Prozess der Entscheidungsfindung, also eben noch mehr, als es im Roman beschrieben ist. Meinem Empfinden nach ist Jan immer nur vor der Entscheidung davongelaufen. 

Die letzte Szene ist dann noch mal recht witzig und schlägt den Bogen zum Anfang: In der Vorstellung ist immer alles viel größer, als es in Wirklichkeit dann ist. :D

 

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lila-luna-baer kommentierte am 23. April 2018 um 07:45

"Allerdings hat es mich dann doch sehr überrascht, dass Hedy Richard erschoss, ohne groß zu fackeln und ohne tatsächliche Beweise zu haben. Das ging mir etwas zu flott."

Das habe ich mir auch gedacht. Sie hatte nur ein paar vage Vermutungen und konnte nicht mal wissen, ob wirklich etwas mit Lene passiert ist und entschließt sich dann innerhalb weniger Minuten, den Mann zu erschießen, den sie ja eigentlich liebt? Weil sie fand das ein Kamerad ihres Mannes, Lene merkwürdig angesehen hat? Das macht überhaupt keinen Sinn. Viel zu voreilig und unrealistisch. An der Stelle überkam mich ein bisschen das Gefühl, dass die Handlung möglichst schnell zum Abschluß gebracht werden sollte. Hier wären mir ein paar Überlegungen mehr lieber gewesen.

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Andreas Izquierdo kommentierte am 23. April 2018 um 09:01

Ihr Lieben,

es gibt einen entscheidenden Satz, den Hedy sagt und der sie gut in ihrem Charakter trifft: "Sie können Kugeln ausweichen, Entscheidungen nicht." Natürlich hatte sie keine Beweise und natürlich hätte sie falsch liegen können. Sie hat eine Entschiedung getroffen und sie durchgesetzt. Das ist Hedy. Ihr Charakter, ihr Leben.

Nicht der Autor, der seine Geschichte beenden wollte ;-)

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:25

Ich finde nicht nur, dass Hedy sich ganz schön schnell entschieden hat, was sie tun wollte, sondern auch, dass der Leser ganz schön schnell akzeptieren muss, dass er nicht die geringste Aufklärung über alles, was mit Richard zu tun hat, erwarten darf. Jeder glaubt, dass Richard sein Los verdient hat und jeder glaubt, dass er Karatschun ist. Aber seine ganze Geschichte mit Hedy ist für mich total undurchsichtig. Wieso verliebt sich Hedy in ihn, das ist die 1. Frage. Sie kennt ihn überhaupt nicht. Sie haben sich einmal im Dunkeln gesehen. Diese Grundvoraussetzung für alles weitere ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Richard war eng mit Karzig vertraut - er muss gewusst haben, wer Hedy ist. Vor dem Hintergrund kann ich ihm auch nicht abkaufen, dass er ernsthaft in Hedy verliebt war. Was hatte er für Hintergedanken? Dass Karzig dann einfach auf der Hochzeit sitzt ist schon ein starkes Stück. Ich hätte erwartet, dass Hedy IHN vor versammelter Mannschaft erschießt. Gut für ihn, dass er am nächsten Tag ausgeladen wurde... Und woher wussten die, dass Lene ihn als Karatschun gesehen hatte, oder musste sie nur sterben, weil sie Jüdin war? Fragen über Fragen...

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Lelu kommentierte am 28. April 2018 um 08:33

Gerade was Karzig betrifft, sollte man ja vielleicht auch meinen, dass Hedy es vorher hätte wissen können, immerhin wurden Einladungen verschickt...

Liebe auf den "ersten Blick" finde ich jetzt gar nicht so zweifelhaft, vor allem bei jemandem, der alles verloren hat. So wie Richard beschrieben wurde, war er ja auch sehr charmant und hat Hedy vielleicht etwas an ihren Vater erinnert...? Aber ich hätte sie zu späteren Zeitpunkten als misstrauischer eingeschätzt.

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lila-luna-baer kommentierte am 23. April 2018 um 07:54

"Auch wie Jan Nick „geholfen“ hat, ging mir zu einfach. Hier hätte ich mir noch mehr Einblicke in seine Gedanken und Gefühle gewünscht, ein noch stärkeres Abwägen des Für und Wider."

Auch dem muss ich zustimmen. Von totaler Ablehnung von Nicks Bitte bis zur tatsächlichen Sterbehilfe ging es mir definitiv zu schnell und es gab viel zu wenig Überlegungen. Mir fehlte auch irgendwie die emotionale Tiefe in dieser Situation. Ich hätte gerne mehr über die Gefühlslage von Jan erfahren, gerne auch in Gesprächen mit Alina o. ä.. Alina und Jan blieben mir beide leider ein wenig zu blass. Ehrlich gesagt hätte die Nebengeschichte mit Nicks Unfall auch gerne ganz weg bleiben können. Das war mir persönlich zu viel Drama und für die Haupthandlung einfach nicht nötig. Diese Geschichte hat den Roman sehr überladen. Ich hätte dafür die Haupthandlung und die Episode am Strand (die ja eigentlich der Auslöser der ganzen Bekanntschaft zwischen Jan und Hedy war) lieber etwas ausführlicher gehabt.

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Lilli33 kommentierte am 23. April 2018 um 07:59

Ja, ich denke auch, wenn man Nicks "Unfall" einfach weggelassen hätte, hätte die Geschichte trotzdem funktioniert. Jan war auch ohne das schon tragische Figur genug ;-)

Die Episode am Strand fand ich so ganz gut. Hedy hat einfach ziemlich schnell gesehen, dass sie da nicht viel verpasst hat in ihrem Leben ;-)

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:27

Ich finde, dass Nick als ergänzender Charakter zu Jan schon ganz sinnig war, aber er hat Jan fast komplett aus der Handlung verdrängt. Schade. 

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Lelu kommentierte am 28. April 2018 um 08:35

Nick war als Bruder ziemlich wichtig, weil wir so viel über Jan lernen konnten, aber den Über- bzw. Unfall hätte man gut vermeiden können, Nick hätte ja auch einfach in der Entzugsklinik bleiben können.

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:26

Ich fand diesen Kalauer als letzten Satz total daneben. Da dachte ich so für mich - "Na, JETZT muss der Humor auch nicht mehr kommen."

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Gwendolyn22 kommentierte am 26. April 2018 um 08:04

Ja, schade. Denn der Autor zeigt dadurch ja, dass er es im Grunde vermag, den Humor einzusetzen. Nur leider verzettelt er sich ja auf der anderen Ebene.

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Lilli33 kommentierte am 16. April 2018 um 11:26

Und hier noch die unvermeidlichen Tippfehler:

S. 357: entweder übersah Hedy diesem Umstand großzügig —> diesen

S. 403: um sie ihm zu wegzunehmen —> das „zu“ ist zu viel

S. 442: wenn einen die Panik im Genick sitzt —> einem

S. 496: Hier drinnen gab es keine Sonne, keinen Wind, kein Regen —> keinen Regen

 

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Andreas Izquierdo kommentierte am 20. April 2018 um 19:21

Vielen Dank, wird notiert!

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Blümchen kommentierte am 18. April 2018 um 17:18

Den dritten und letzten Teil empfand ich als sehr dramatisch. Nichts war mehr leicht und lustig und fluffig - hier kamen nun die wirklich schweren Entscheidungen und Themen zutage. Ich hätte nicht gedacht, dass das Buch eine solche Dramatik entwickeln würde. Sowohl Hedys Lebensgeschichte als auch Jans schwere Entscheidung bezüglich seines Bruders waren schon ganz schöne "Klumpen", an denen ich als Leser zu kauen hatte... Gegen Ende habe ich mich daher gefragt, ob das Buch nicht doch ein wenig zu überfrachtet war mit  vielen schwierigen Themen. Andererseits ist es für mich trotzdem eine runde Geschichte, wenn ich das Buch im Ganzen betrachte.

Ein wenig schwierig nachzuvollziehen war für mich Hedys Entscheidung, sich ihres frisch angetrauten Ehemanns zu entledigen. Letztlich konnte sie sich doch in diesem Moment nicht wirklich sicher sein, oder? Ich hätte es nachvollziehbarer gefunden, wenn sie z. B. kurz vorher tatsächlich den entscheidenden Beweis seiner Identität gesehen hätte oder so was in der Art. Etwas, das es für den Leser greifbarer macht, weshalb sie so drastisch reagiert.

Jans Entscheidung fand ich beeindruckend. Und ich hoffe inständig, nicht irgendwann in einen solchen Gewissenskonflikt zu kommen, denn ich glaube, daran würde ich kaputtgehen.

Das Buch hat auf mich sehr intensiv gewirkt, ich hab es wirklich verschlungen und es wird mir definitiv in Erinnerung bleiben. Ich denke ich kann schon jetzt sagen, dass es eins meiner Lesehighlights 2018 ist!

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BWV-57 kommentierte am 22. April 2018 um 20:48

... geschafft ...

Im letzten Teil wurde es immerhin noch recht spannend, aber ein Fan dieses Romans werde ich leider nicht mehr.

Bis auf Fräulein Hedy hat niemand eine richtige Persönlichkeit und für mich wirkt die Handlung total konstruiert und unglaubwürdig, sehr auf Effekt geschrieben... so nach dem Motto "wäre es nicht der Hammer, wenn ich den jetzt sterben lasse?!" Das fühlt sich für mich nicht echt an und das mag ich nicht.

Ich habe auch weiterhin den Eindruck, dass viel zu viele Themen zusammengeworfen wurden und keines so richtig bearbeitet wird. Alles wird einmal kurz angerissen und nach ein paar Seiten ist es auch schon vorbei und es gibt kaum eine ernsthafte Auseinandersetzung mit irgendeiner Sache.

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Lilli33 kommentierte am 23. April 2018 um 07:49

Schade, dass dich das Buch nicht so begeistern konnte wie mich. Ich finde schon, dass auch die anderen Figuren eine Persönlichkeit haben, Jan, Maria, Alina, auch NIck und Richard. Zuweilen muss man allerdings ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, um sie zu finden ;-)

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Gwendolyn22 kommentierte am 23. April 2018 um 11:48

Es ging mir ja auch so, dass ich fand, dass das Buch mit zu vielen Themen überfrachtet wurde, so dass der "eine rote Faden" fehlt. Alles mal ankratzen bedeutet dann ja faktisch eine fehlende Tiefgründigkeit.

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Andreas Izquierdo kommentierte am 23. April 2018 um 12:05

Ihr Lieben, vielleicht hilft es, wenn man das Buch als das nimmt, was es ist: die Lebenserinnerungen einer alten Frau. Das erhebt keinen Anspruch auf vollständige Behandlung aller Themen, wie auch das eigenen Leben selten eine vollständige Behandlungen aller Themen ist, die einem begegnen.

Was den "roten Faden" betrifft, so sehe ich den schon, aber eben nicht in den angesprochenen Themen. Da sind zwei, die zurück (oder überhaupt erst) ins Leben finden: Hedy und Jan. Und sie helfen einander dabei.

Hedy, indem sie Jan ihre Geheimnisse verrät und ihn somit am Ende des Buches in die Lage versetzt, eine sehr schwere Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung, die er am Anfang des Buches nicht hätte treffen können. So wie Hedy in ihrem Leben Entscheidungen getroffen hat - und ja: man kann darüber streiten, ob das immer richtig gewesen ist. Aber, um wieder auf einen zentralen Satz ihres Charakters zurückzukommen: Man kann Kugeln ausweichen, Entscheidungen nicht. Jan ist sein ganzes Leben ausgewichen, das passt Hedy nicht, weil sie überzeugt ist, dass man in diesem Fall überhaupt nicht lebt.

Und Jan hilft Hedy wieder die zu werden, die sie einmal war, nachdem sie jahrzehntelang in einer Art Schockstarre verharrt war. Er erinnert sie daran, dass sie einmal geliebt hat und geliebt wurde (nicht nur gefürchtet und respektiert) Dass man fliegen und abstürzen kann. Kurz, dass man leben kann, wenn man sich dafür nur entscheidet.

 

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:35

Es ist gut, diese Intention so im Hinterkopf zu haben, nur leider schade, dass einige von uns (mich eingeschlossen) das erst so vorgeführt bekommen müssen. Ich kann auch die Entwicklung von Jan dank Hedys Geschichte nachvollziehen, nicht aber ihre Entwicklung. Das wird zwar so beschrieben, dass sie zum Schluss wieder fühlt und liebt, aber warum, das ist mir auch im Nachhinein nicht klar. Weil Jan so passiv war. Er hat immer nur empfangen, sich von Hedy dirigieren lassen und ihre Geschichten gehört - warum das auch Hedy verändert haben soll, kann ich nicht nachempfinden. 

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Gwendolyn22 kommentierte am 26. April 2018 um 08:03

Du sprichst mir aus der Seele.

Wie viele Geschichten leben davon, dass ein "Geben" und "Nehmen" beschrieben und erzählt wird, die Figuren sich miteinander weiter entwickeln. Auch ich hatte den Eindruck, dass das hier ziemlich einseitig passiert - nämlich wohl Hedy auf Jan Einfluss hat durch ihre Erinnerungen, die sie ihm weiter gibt. Umgekehrt schaut Hedy sich "nur" an, wie Jan sich verhält und sieht, dass er sich unter ihrem Einfluss verändert hat. Nur das als Auslöser dafür zu nehmen, dass sie auch wieder lieben kann, finde ich etwas merkwürdig. Ein "Hand in Hand ins/ durchs Abenteuer" hätte mir viiiel besser gefallen - so a la "Ziemlich beste Freunde" o.ä. Somit ging mir die Geschichte zu einseitig in eine Richtung.

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Lelu kommentierte am 29. April 2018 um 19:56

Stimmt, mit diesem Blick auf die Geschichte, ist der rote Faden schon erkenntlich und macht auch Sinn, dennoch ist das Geben und Nehmen Prinzip nicht ganz aufgegangen. So gesehen hat Hedys "Entwicklung", ihr Aufwachen, schon vor Jan begonnen (indem sie die Anzeige geschaltet hat) oder zumindest ohne sein zutun, sie wurde lediglich durch seinen Papierflieger inspiriert. Dass Jan dann zufällig auch noch eine LRS und familiäre Probleme hat, ist ja dann mehr zufällig hinzugekommen. Letztlich hat Jan aber doch schon dabei geholfen, dass Hedy wirklich fast mütterlich-fürsorglich wird - so wie Hannah sich das wohl gewünscht hätte, vielleicht liegt da ihre Lebensbereicherung...

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lila-luna-baer kommentierte am 23. April 2018 um 08:07

Ich schließe mich hier einigen Kommentaren an: Auch ich fand, dass in dem Roman zu viele Themen abgearbeitet wurden: Krieg, Verrat, Mord, Legasthenie, Drogenmissbrauch, aktive Sterbehilfe... Das war insgesamt zu viel für einen einzelnen Roman und führte dazu, dass vieles zu kurz gekommen ist. Einige Dramen weniger und die verbliebenen dafür intensiver und ausführlicher hätte mir besser gefallen.

Was ich persönlich als ein klein wenig störend empfunden habe, sind die Vorschauen, die der Autor eingebaut hat. Beispiel: Hedy erzählt von ihrer Hochzeit und sagt, dass es das letzte Mal war, dass sie Lene gesehen habe. So weiß man schon im Voraus, dass Lene sterben wird. An anderen Stellen gab es solche Vorgriffe auch schon. Für mich persönlich nimmt dies dem Roman ein bisschen die Spannung.

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silencia kommentierte am 23. April 2018 um 13:12

Puh. Der letzte Teil war für mich irgendwie überrumpelnd. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass noch mit dem ein oder anderen großen Knall zu rechnen ist und so richtig überrascht hat mich am Ausgang des Buches nicht wirklich etwas. Aber die Fülle an Themen, Schicksalsschlägen, Erlebnissen war mir mitunter zu viel des Guten (mal wieder), auch bei 88 Lebensjahren. Dass Richard sich als das entpuppt, was er ist und dass Hedi ihn schlussendlich tötet, war mir irgendwie zu viel. Dafür fand ich das Kennenlernen und Zusammenwohnen mit Nele sehr schön beschrieben - dass Nele dann auch noch lesbisch ist, fand ich irgendwie passend und ausnahmsweise mal nicht zu viel. Es wäre schön gewesen, wenn Hedy wenigstens im Ansatz die Gefühle hätte erwiedern können ... aber dann wäre ja Hannah nicht geboren. ;)

Wie Hannah dann schlussendlich doch noch ihren Willen bekommt, fand ich auch recht gut gemacht - und an der Stelle war ich auch mal überrascht - damit hatte ich nicht gerechnet.

Jans Entwicklung fand ich gegen Ende sehr schön, auch dass er für sich einen Schlussstrich zieht und mit Alina weggehen möchte, zeigt wie sehr er an sich gewachsen ist. 

Die Thematik "Sterbehilfe" empfand ich als zu wenig beleuchtet, das ging mir viel zu schnell. Wer bitteschön tötet denn einfach so seinen Bruder, ohne auch mal nur ein bisschen zu recherchieren und dass Jan dann auch noch den Schneid hat und einfach so ins KH spaziert und wieder raus .... Naja. Ich weiß nicht, ob das sein musste. Man hätte die Abnabelung vom großen Vorbild auch weniger dramatisch erreichen können.

Mir fehlt am Ende einfach die Leichtigkeit vom Anfang - da hätte ich mir einfach etwas mehr gewünscht, dafür vielleicht das ein oder andere Schicksalsschlagthema weniger. ;) Der Besuch am Strand - so witzig ich ihn auch fand - reißt das dann auch nicht mehr raus, obwohl es doch ein für mich sehr versöhnliches Ende war.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
Lelu kommentierte am 29. April 2018 um 20:05

Ich finde nicht, dass Hedy sich auch als lesbisch hätte entpuppen sollen, das wäre dann auch irgendwie zu viel des Guten gewesen.  Ich fand es allerdings schockierend-überraschend, dass Hedy das selbst nicht gesehen hat (oder nicht sehen wollte), obwohl es für den Leser sooo offensichtlich war und es war auch erschreckend herzlos von ihr in Anbetracht, was Lene für sie getan hat. Nichtsdestotrotz mochte ich diese Freundschaft wirklich, ich hätte es schöner gefunden, wenn Lene am Leben geblieben wäre :D

Ja, der Prozess und alles mit und um Hannah hat mich auch "erwischt", obwohl ich mir auch hier ein paar Sätze, Zeilen und Seiten mehr gewünscht hätte, die die Beziehung noch besser beleuchtet hätten.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
Lelu kommentierte am 23. April 2018 um 17:32

Sooo, das war also Hedys Geschichte. Alles in allem ein unterhaltsamer Roman mit einer beeindruckenden Frau und einer beeindruckenden Geschichte. Ich mochte die Rückblenden wirklich sehr, sie waren spannend, abenteuerlich, aber auch emotional (witzig wie traurig). Dass Hedy in Bezug auf ihre eigene Geschichte so reflektiert war, sie gesehen hat, wo sie Fehler gemacht hat - z.B. mit Lene, dass sie ihre Gefühle nicht sehen wollte (wahrscheinlich auch, weil sie Lene zum Überleben brauchte), hat sie mir noch einmal ziemlich sympathisch gemacht.
Ich fand nur die Schwerpunktverschiebung schade. Mit Jan bin ich leider von Anfang an nicht so richtig warm geworden, dass es dann hauptsächlich nur noch um ihn und seinen Bruder ging, hat sich dann doch negativ/schleppend auf mein Leseerlebnis ausgewirkt, zumal ich auch das Gefühl hatte, dass dadurch vieles andere nur quasi halbherzig "abgehandelt" wurde - z.B. Hedys und Hannahs Konflikt, aber auch Hedys und Jans Ausflug (wobei die Aktion natürlich amüsant war, wie sich die Männer da fast wie im Warenkaufhaus aufstellten). Das Ende wirkte alles in allem etwas gehetzt, es musste zugegeben ja auch noch viel passieren, aber dennoch wurde der Platz den Figuren leider nicht gerecht ;)

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
MrsFraser kommentierte am 25. April 2018 um 20:45

Hmm. Je länger ich über den Roman nachdenke, desto unzufriedener werde ich. Ich möchte auch nicht zuviel meckern, aber irgendwie find ich ihn nicht stimmig. An sich hat der Autor hier eine sehr spannende Geschichte entworfen und erzählt - die von Hedy. Hier sind einige Fragen offen geblieben, vor allem bzgl. Richard, die ich gerne beantwortet gehabt hätte. Aber die Geschichte war spannend, bewegend und bildend. Warum diese Geschichte nun aber in dieser Form, mit der Handlung in der Gegenwart als - ich sag mal - Passepartout erzählt werden musste? Das hat nebeneinander für mich einfach nicht gut funktioniert. Dafür hat dann die Handlung in der Gegenwart einerseits zuviel Raum eingenommen, andererseits ist da nicht wirklich viel passiert. Hier hätte die Beziehung zwischen Hedy und Jan Platz für seeeehr viel mehr (launige) Interaktionen geboten und nach dem Nacktbadestrand hätte man noch ganz andere Aktionen unternehmen und sich so weiter kennenlernen können... Die Problematiken mit Hannah sowie mit Nick fand ich zuviel. Sie haben nochmal die zwei anderen Handlungen (Hedys Geschichte und Jan&Hedys Beziehung) in den Hintergrund rücken lassen. Insgesamt macht das den Eindruck, als hätte man sich nicht entscheiden können, welchen Erzählstrang man denn nun ausformulieren und zu einem eigenständigen Buch machen wollte und hat daher alles in ein Buch gepackt. 

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
LadyIceTea kommentierte am 26. April 2018 um 10:42

Auch der dritte Abschnitt hat mich richtig in seinen Bann gezogen. Ich fand es so spannend, mehr über Hedys Vergangenheit zu erfahren, dass ich garnicht mehr aufhören wollte zu lesen. Auch das Schicksal von Nick und seine Entscheidung waren einfach krass. 

Ich habe so ein Buch nicht erwartet aber ich habe mich gerne darauf eingelassen. Es war heiter und trotzdem tiefgrüding und ernst. Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen und war trotzdem richtig gepackt.

Meistens berichten so Kriegsgeschichten nur von den schrecklichen Ereignissen, ich hatte in diesem Falle nicht das Gefühl, dass es nur um das Schreckliche geht. Das hätte in meinen Augen nicht zu Hedy gepasst. 

Ein tolles Buch. Ich bin froh, dass ich es lesen durfte.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
Drops1984 kommentierte am 28. April 2018 um 12:37

Hedy und Mörderin...?!? Interessante Wendung mit der ich so nicht gerechnet habe. Ob aus dem Effekt oder berechnend bleibt es doch die Tötung eines Menschen und so kann ich keine Sympathie mehr empfinden, so gerne und interessant ich sie am Anfang fand...

Für mich hat dieses Buch dann auch, den kompletten Reiz verloren und die eigentlich nette bis dato Sommerunterhaltung hatte sich quasi mit einem Schlag erledigt...

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
Everly kommentierte am 29. April 2018 um 22:31

Kurz und knapp : was für ein schönes Buch mit lieben Charakteren und der einen oder anderen Überraschung.
Sehr gut fand ich ja auch, dass man Wendungen und Inhalte entdeckt hat, die man bei dem Klappentext ja gar nicht erwartet hätte.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
katzi1968 kommentierte am 01. Mai 2018 um 21:28

Wie tragisch doch der letzte Teil ist. Alles verloren, alles in Schutt und Asche. Gerettet nur von einer selbstlosen Frau, die sich für Hedy in Gefahr bringt. Sehr schön beschrieben und ich kann mir vorstellen, wie die Freundschaft zwischen Hedy und Lene langsam wächst und beide aufeinander aufpassen.

Dass sie sich so schnell verliebt hat, kann ich mir gut vorstellen. Nun war sie ja auch mittlerweile etwa 30 Jahre alt und mit dem Alter wuchs sicherlich auch eine gewisse Sehnsucht nach Familie und Heimat. Dass sie mit Richard den falschen gefunden hat, das konnte doch keiner ahnen. Ob Karzig das gesteuert hat, das glaube ich kaum.

Und wieder diese Tragik: Freundin verloren, den Vater ihres Kindes – ihren Mann- vielleicht auch ihren Traum.

Den entscheidenden Satz "Sie können Kugeln ausweichen, Entscheidungen nicht." , den der Autor erwähnt, trifft letztlich auch auf Jan zu. Auch er musste eine Entscheidung treffen, eine mit der er letztlich leben musste.

Das Ende hätte ich mir anders gewünscht. So aufregend wie die Annonce zu Beginn des Buches war, so hätte das Buch auch enden können.

Ansonsten - alles in allem, ein schönes Buch, an keiner Stelle langatmig oder langweilig. Es hat mir gut gefallen.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 345 bis Ende
wampy kommentierte am 03. Mai 2018 um 08:03

Abweichend von der Leseprobe werden die Themen immer ernster. Nun geht es unter anderem um Sterbehilfe und Vergeltung. Die Situationen werden eindringlich beschrieben und die Entscheidungen sind nachvollziehbar, wenn auch strittig. Man erkennt den Zwiespalt, in den die Betroffenen geraten. Hedy handelt schnell und zügig, aber gerade hier bin ich anderer Meinung. Diese Blutrache schafft neues Leid und wieder gibt es jemanden mit einem "gerechten "Motiv". Das Gewaltmonopol gehört bis auf Notwehrsituationen ausschließlich der Staatsmacht.