Leserunde

Leserunde zu "Geiger" (Gustaf Skördeman)

Geiger
von Gustaf Skördeman

Bewerbungsphase: 04.03. - 18.03.

Beginn der Leserunde: 25.3. (Ende: 15.04.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Bastei Lübbe Verlags – 20 Leseexemplare von "Geiger" (Gustaf Skördeman) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Leseexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. "Geiger", sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe – und drückt ab.
Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit …
 

ÜBER DEN AUTOR:

Gustaf Skördeman ist 1965 in Nordschweden geboren. Heute lebt er mit Frau und zwei Kindern in Stockholm. Er ist Drehbuchschreiber, Regisseur und Filmproduzent. GEIGER ist sein schriftstellerisches Debüt. Die Idee für diesen Thriller kam ihm bereits vor zehn Jahren. Seitdem hat er an der Handlung für diesen Auftakt einer Trilogie gefeilt. Das Buch wurde gleich ein internationaler Erfolg und erscheint in 20 Ländern.

17.04.2021

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Claudias Bücherhöhle kommentierte am 28. März 2021 um 19:51

Agneta wird mir immer unsympathischer. Sie ist wahnsinnig kaltherzig und geht genauso vor. Jetzt erschießt sie einen Mann, jemand anderem zieht sie eine Bratpfanne über … Finde ich schrecklich. Aber das Schlimmste war für mich noch, dass sie ihr Aussehen verändert und an ihrer Tochter testet, ob sie unerkannt bleibt. Was hat dieser Frau ihre Familie bedeutet? Wie kann man von einem auf den anderen Moment so umschalten? Gefällt mir gar nicht, insgesamt die ganze Geschichte und auch der Schreibstil. Der ist nämlich genauso kalt und distanziert wie unsere Rentnerin hier …

Jetzt kommt noch der Bombenanschlag in Deutschland hinzu – eine komplexe Story, kann man nicht anders sagen. Saras Verhältnis zu Ebba ist massiv angespannt – der Job liegt der Frau wohl mehr als die Familie. Ebenfalls kein Sympathieträger für mich. Stellan soll Mädchen vergewaltigt haben – was haben die Leute für eine Fassade über Jahrzehnte aufrechterhalten??? Ich bin echt schockiert und für mich hat es wenig mit guter Unterhaltung zu tun, sorry. Hätte ich gewusst, wo die Geschichte hinführt, wäre ich nicht hier dabei gewesen. Aber jetzt halte ich noch durch und sehe zu, dass ich schnell zum Ende des Buches komme.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
PMelittaM kommentierte am 30. März 2021 um 15:24

"Agneta wird mir immer unsympathischer. Sie ist wahnsinnig kaltherzig und geht genauso vor"

Nun, sie ist eine ausgebildete Terroristin, darauf gedrillt, so zu handeln. Das ist wahrscheinlich wie Radfahren, kann man es einmal, vergisst man es nicht mehr.

Ich persönlich finde keine der hier handelnden Personen wirklich sympahtisch, dadurch ergibt sich automatisch ein distanzierteres Betrachten, finde ich aber zum Thema nicht unpassend

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Claudias Bücherhöhle kommentierte am 30. März 2021 um 19:53

Natürlich liegt es an Agnetas Hintergrund, aber wie konnte sie diese Art von sich so viele Jahre vor ihrer Familie verbergen? Auf den ersten Seiten war es doch eigentlich die Idylle pur.

Sympathisch finde ich auch nicht wirklich eine einzige Person - ist für mich aber auch kein Kritikpunkt. Mich muss wenigstens ihr Weg oder ihre Motivation interessieren ;)

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Konstanze S. kommentierte am 04. April 2021 um 08:53

"Ich persönlich finde keine der hier handelnden Personen wirklich sympahtisch, dadurch ergibt sich automatisch ein distanzierteres Betrachten, finde ich aber zum Thema nicht unpassend."
Sehr interessante Sichtweise. Dem kann man nur zustimmen.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Rebecca1120 kommentierte am 29. März 2021 um 12:39

Agneta ist noch immer als Todesengel unterwegs. Dabei geht sie völlig emotionslos und zielgerichtet vor. Was ist das nur für eine Frau? Die kommt mir vor wie abgerichtet. Ich muss sagen, dass mir dieser ganze Verfolgungs- und Überwachungswahn langsam auf die Nerven geht. Diese Untergangstheorien, Bespitzelungen und Scheinleben, BND, Säpo, - langsam macht mir das schlechte Laune. Noch immer kann ich nicht einschätzen, warum Sara sich so sehr in den Fall von Stellan Mord einbringt. Will sie vielleicht einen Makel in dessen Familie finden, um so endlich mal besser als deren 2 Töchter darzustehen? Oder wäre sie statt im Bereich Sitte lieber in der Mordkommission? 

 

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
PMelittaM kommentierte am 30. März 2021 um 15:19

Puh, was man da über den "lieben" Onkel Stellan erfährt - mir wird schlecht. DDR-Spion zu sein, ist in meinen Augen schon schlimm genug! Wie ich die Sex-Schiene (auch in Zusammenhang mit Saras Familie) einordnen soll, ist mir noch nicht ganz klar, bisher halte ich sie für nicht unbedingt nötig. Ob Agneta von Stellan und den jungen Mädchen wusste? Ob Jane deshalb mit Sara weggezogen ist? Überhaupt Jane, sie kam schwanger aus Polen. Welche Rolle hat(te) sie? Ist Sara womöglich Stellans Tochter?

Agneta setzt ihren Todeszug fort. Ich bin nicht mehr sicher, ob der Anruf ihr galt, damit sie Stellan (und andere) tötet oder ob er für Stellan gedacht war, und sie nun verhindern will, dass passiert, was durch den Anruf ausgelöst werden sollte. 

Mich hat gewundert, dass ihre Tochter sie nicht erkannt hat. Gut, Malin scheint ziemlich oberflächlich zu sein, Agneta hat sich verändert und Malin hätte nicht erwartet, dass ihre Mutter einfach an ihr vorbeiging, aber dass sie gar nicht reagierte. Ich denke, wenn ich meine Mutter unter diesen Umständen sähe, würde ich sie dennoch erkennen ...

Während die offiziellen Ermittlungen ins Leere gehen, ermittelt Sara inoffiziell und deutlich effektiver weiter. Sie lernt auch die deutschen Geheimdienstler kennen und tut sich mit diesen zusammen. Abu Rasils Rolle ist mir, ähnlich wie der Telefonanruf (s. o.) noch nicht ganz klar. 

Die Bombe in Deutschland und der Kalte Krieg. Ja, wir hatten hier wirklich Glück, dass nichts Schlimmes passiert ist, damals. "Fulda Gap" habe ich direkt mal gegoogelt, denn das war mir bisher nicht bekannt. Ich bin Jahrgang 1959, habe also damals schon manches mitbekommen, aber halt nicht alles bzw. hat man vieles wohl auch verdrängt.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Jasminh86 kommentierte am 04. April 2021 um 11:14

Das Sara Stellans Tochter sein könnte ist mir auch schon in den Sinn gekommen. Mal schauen, wohin die Richtung geht.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Konstanze S. kommentierte am 04. April 2021 um 09:00

Gerade den Abschnitt fertig gelesen ... großen Kloß im Hals.

Wer ist da wer? Wahrlich desillusionierend, dass hinter jeder Person und jedem Ereignis etwas Unvermutetes, Hässliches, Respektloses, Gefährliches, ... steckt.
Ist die Welt so? *seufz*

Den angeblichen Hype um das Buch kann ich immer noch nicht nachempfinden. Vielleicht in Schweden, weil der Autor mal ordentlich mit bigotten Elementen v.a. schwedischer Geschichte und Jetztzeit aufräumt.
Der Aufbau (Gesellschaftskritisch, mehrere Protagonisten, Krimielemente) erinnert an Stieg Larsson. Aber an den kommt Skördeman m.E. (noch) lange nicht ran.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
heinoko kommentierte am 04. April 2021 um 10:14

Habe Schwierigkeiten mit dem Buch. Da mir Sara unsympathisch ist, habe ich für deren Privatgedöns nur mäßiges Interesse. Und ich verliere die Lust an diesem Buch durch die sehr langen politischen Exkurse. Dass Prostitution in Schweden verboten ist, wusste ich nicht.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Jasminh86 kommentierte am 04. April 2021 um 11:17

Das mit den vielen privaten Details ist mir schon im ersten Abschnitt aufgefallen. Ich bin ebenfalls der Meinung, das dies der Spannung schadet. Die ganzen politischen Themen kann man nicht einfach so runterlesen, sehr komplex die Geschichte.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Konstanze S. kommentierte am 05. April 2021 um 13:34

"Dass Prostitution in Schweden verboten ist, wusste ich nicht."
Ich auch nicht. Ein Kampf gegen Windmühlen, wie man hier liest.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Jasminh86 kommentierte am 04. April 2021 um 11:45

Agneta ist fleißig als Killerin unterwegs, ihr Aussehen hat sie sich in der Wohnung eines ihrer Opfers radikal verändert. Aber das sie dies an ihrer Familie testet um zu sehen ob man sie nicht erkennt finde ich nicht ohne. Auch wenn sie eine ausgebildete Terroristin ist, hat sie gar keine Gefühle mehr für ihre Kinder? Ihre Enkelkinder scheinen ihr etwas am Herz zu liegen, aber ansonsten hat diese Frau die ganzen Jahre ein komplett geheimes Leben geführt.
Die ganze Familie war mehr Schein als Sein.

Saras privaten Probleme nehmen auch in diesem Abschnitt viel Raum ein. Ihre Freierjagd macht sie nicht nur auf der Arbeit aggressiv, auch privat häufen sich ihre Ausraster. Was ihre Tochter dazu meint finde ich vollkommen vernünftig. Sara hat einen extremen Kontrollwahn und sie ist sehr besitzergreifend. Auch die Szene mit ihrem Mann fand ich heftig. Aus dem Impuls heraus mal eben Sachen kaputtschlagen, keine gute Seite von ihr. Selbst auf der Arbeit macht sie sich somit keine Freude. Habe erst jetzt verstanden, dass dort in Schweden Prostitution strafbar ist. Aber die Frauen müssen wenn sie erwischt werden nur an einem Beratungsgespräch teilnehmen und dann wars das? Da die Freier nur mit Bußgeld davonkommen müssen sie sich nicht wundern wenn sie ihre gekauften Schäferstündchen ständig wiederholen.

Die Szene wo in Deutschland die Bombe hochgegangen ist fand ich krass. Nach und nach habe ich hier schon einige grausame Details dazu gelesen, unfassbar wozu Menschen fähig sein können.
Die geheimen Ermittler in dem Wohnwagen hoffen, Abu Razi bald endlich schnappen zu können. Sara arbeitet ja fast schon mit denen zusammen. Ob er den Anruf bei Agneta getätigt hat? Ich bin auf den letzten Abschnitt gespannt.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
lila-luna-baer kommentierte am 06. April 2021 um 16:39

Ich muss mich vielen Stimmen hier wirklich anschließen. Keine der handelnden Hauptfiguren finde ich sympathisch, was ich ein bisschen schade finde. Auch der Politthriller liegt mir normalerweise nicht so, dazu bin in diesem Bereich zu wenig interessiert und vorgebildet. Vieles vom Kalten Krieg ist an mir vorbeigegangen, obwohl ich in dieser Zeit aufgewachsen bin. Ich war sehr erstaunt, wie groß meine Wissenslücken da sind. Bisher ist es aber ganz gut geschrieben, mein Lieblingsgenre wird es aber sicher trotzdem nicht.

Saras Probleme mit ihrem Job kann ich auf der einen Seite zwar verstehen, professionell ist es aber nicht. Ich muss gestehen, dass mir auch nicht klar war, dass Prostitution in Schweden verboten ist. Diese Jagd auf Freier und Saras Reaktionen finde ich ein wenig seltsam...Wenn man merkt, dass man mit den Umständen nicht zurecht kommt, darf man gerade in diesem Bereich nicht arbeiten. Und hinter jeder Ecke wittert sie ein sexuelles Drama. Das kam mir an einer Stelle dann auch wirklich zu dicke: Erst erwischt Sara ihren Sohn mit Pornos, dann den Ehemann mit seinen Pornofotos auf dem Handy und dem angeblichen Verhältnis und kaum verlässt sie das Haus trifft sie auf die Tochter, die gerade sexuell belästigt wird. Das war mir zu dick aufgetragen und zu unglaubwürdig.

Offensichtlich soll die Handlung ja jetzt aus dem Politthriller-Bereich auch noch in den Bereich des Kindesmissbrauchs umschwenken. Ein erstes Opfer hat Sara ja nun schon in Eva gefunden und ich vermute, dass sich da noch eine ganze Reihe weiterer Opfer finden werden. Mein Verdacht: Auch Sara könnte zu den Opfern von Onkel Stellan gehören und es vielleicht verdrängt haben. Ihre Erinnerungen an gemeinsame Filmabende, bei denen sie einschlief und am Ende ganz allein mit Onkel Stellan zurückblieb, waren ja ziemlich seltsam und sollten wohl schon etwas andeuten... Ich bin gespannt auf den letzten, 3. Teil.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
isalo kommentierte am 06. April 2021 um 17:07

Auch ich finde den zweiten Abschnitt sehr politisch. Von den Geschehnissen im kalten Krieg habe ich ebenfalls nichts mitbekommen, habe mich aber auch nie sonderlich für Politik interessiert. Ich finde es trotzdem heftig, was da alles so passiert sein soll. Erst wollte ich auch einige Begriffe googlen, habe mich dann aber dazu entschlossen, es nicht zu tun. Ich muss ja nicht alles verstehen.

Obwohl mich Politthriller gar nicht reizen, kann ich mich aber gut auf Sara und ihr Bemühen in Familie und Beruf einlassen. Es muss ja nicht alles realistisch sein, wie eine Person in einem Roman dargestellt wird. Ich war allerdings ziemlich schockiert, dass der „gute“ Stellan ein Vergewaltiger und Kinderschänder ist; und ich denke auch, dass es da eine Verbindung zu Sara oder ihrer Mutter gibt.

Thema: Lektüre, Teil II; Seite 161 bis 323
Lesedrache kommentierte am 09. April 2021 um 14:59

Das der nette “Onkel Stellan“ ein Stasi-Spion war, ist schon verstörend, aber noch schlimmer ist seine Vorliebe für Teenager. Er hat es ja anscheinend geschickt hinbekommen, dass seine Sex-Parties von der Familie unbemerkt blieben. Oder wusste Agneta davon? Die allerdings mutiert ja nun von der lieben Großmutter zur skrupellosen Killerin und wird mir damit nun komplett unsympathisch.

Bin auch gespannt, welche Rolle die verwöhnten Töchter in der ganzen Sache spielen und wie Sara wirklich mit der Familie verbandelt ist. Sicherlich wird ihr Privatleben nicht umsonst so ausgewalzt.

Die Zusammenhänge der Explosion in Deutschland, die mutmaßlichen Terroristen und der Morde in Schweden erschließen sich mir auch noch nicht, vielleicht fehlt mir dafür aber mehr politischer Hintergrund. Das wird sich sicher noch auflösen.

Es bleibt spannend.