Leserunde

Leserunde zu "Ich stelle mich schlafend" (Deniz Ohde)

Ich stelle mich schlafend
von Deniz Ohde

Bewerbungsphase: Bis zum 16.05.

Beginn der Leserunde: 28.05. (Ende: 18.06.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Suhrkamp Verlags – 20 Freiexemplare von "Ich stelle mich schlafend" (Deniz Ohde) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

// Bei diesem Beitrag handelt es sich um bezahlte Werbung, da der Suhrkamp Verlag uns für die Leserunde Freiexemplare zur Verfügung gestellt hat. Diese Werbung wird allen Mitgliedern von "Was liest Du?" angezeigt. //

ÜBER DAS BUCH:

Ich stelle mich schlafend
erzählt von den dunklen Seiten einer Liebe – und die Geschichte einer Befreiung. Ein eindringlicher Roman über den Versuch der Auslöschung einer Frau, und über die Frage, ob es eine Berührung gibt, die den Kern eines Menschen unwiederbringlich verändert.

Das Haus, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat, steht nicht mehr. Es musste bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Von der Wohnung, die sie zuletzt mit ihrem Freund Vito geteilt hat, sind nur Erinnerungen übrig. Die Geschichte der beiden reicht bis in ihre Jugend zurück: Beide wachsen im selben Hochhauskomplex auf, und Yasemin verliebt sich mit dreizehn in den drei Jahre älteren Nachbarn. Von klein auf fasziniert von Glaubensfragen und Spiritualität, versucht sie durch einen Liebeszauber, Vito für sich zu gewinnen. Doch nach einem Sanatoriumsaufenthalt, wo ihre Skoliose behandelt wird, geht sie auf Distanz. Zu fremd ist ihr der eigene Körper, zu groß die Scham wegen ihres Korsetts. Erst zwanzig Jahre später, als die mühsam aufgerichtete Wirbelsäule droht sich wieder zu stauchen, begegnen sie sich erneut. Yasemin hält dieses späte Aufflammen der Jugendliebe für Schicksal. Aber dann zeigt Vito sein Inneres, das bedrohlich ist und leer.

»... ein Text, der sein literarisches Handwerk ausgezeichnet versteht.« ("DIE WELT")
»Ich stelle mich schlafend von Deniz Ohde fügt sich in eine Reihe eindringlicher Romane ... über Gewaltbeziehungen ... [Ihr] genauer Blick für Details zieht die Leserin in ein beklemmendes Stadtviertel hinein, in dem Yasemin aufwächst und Vito kennenlernt.« ("DIE ZEIT")
»So viel Anerkennung für ein Debüt kann auch eine Bürde für eine junge Autorin bedeuten, zumal das zweite Buch angeblich ja stets das schwierigste ist. Deniz Ohde hat den Erwartungen standgehalten.« ("SWR2")
»[Ohde] erzählt die dramatische Geschichte mit kontemplativer Ruhe und verbindet ihre realistische Darstellung mit einem dichten Netz an allegorischen Motiven. Das gibt dem Text etwas untergründig Fesselndes. Unter der Oberfläche dieser Beziehungsgeschichte schlummern große Themen.« ("NZZ am Sonntag")
»Sanft und kraftvoll zugleich ist der literarische Tonfall, in dem die Geschichte einer misogynen Gewalttat erzählt wird. ... Ich stelle mich schlafend
ist ein bestürzend aktuelles Buch, das keine plakativen Thesen formuliert oder Parolen liefert. Deniz Ohde entwickelt mit ihrer Literatur vielmehr eine Ästhetik der existenziellen Widersprüche.«
("Der Standard")
»Von der Unausweichlichkeit der Liebe und ihren Abgründen erzählt Deniz Ohde in ihrem neuen Roman. Ich stelle mich schlafend handelt von einer Anziehungskraft, die etwas Zerstörerisches hat – und am Ende vielleicht auch etwas Erlösendes.« ("SWR2 lesenswert Magazin")

ÜBER DIE AUTORIN:

Deniz Ohde, geboren 1988 in Frankfurt am Main, studierte Germanistik in Leipzig, wo sie heute auch lebt. Für ihren Debütroman Streulicht, der 2020 auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, wurde sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet.

20.06.2024

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 102 bis 181

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GAIA kommentierte am 30. Mai 2024 um 19:23

Hier setzen sich ein paar mehr Puzzleteile zusammen. Es geht nicht nur um ein nostalgischer Blick zurück auf alle Liebschaften von Yasemine, sondern darum Vitos "merkwürdige Art" (ich würde es bisher erst einmal dabei belassen, auch wenn er schon narzisstische Züge zeigte) auch aus anderer Perspektive darzustellen. Sascha, der sich entzweite, sich scheinbar schützte vor Vito durch den Bruch. Sascha macht sich Vorwürfe, wie sich auch Yase Vorwürfe macht, nicht bei der Geschichte in Lydias Bett eingegriffen zu haben.

Schuld, Unschuld, das scheinen in diesem Roman immer wieder auftauchende Themen zu sein. Yase, von der wir immer wieder lesen: "Es gab keine Unschuld, die Yasemine hätte verlieren können." auch: "Sie hätte lediglich ihren Körper ihrem inneren Wesen angeglichen, das nie unberührt gewesen war, sondern immer schon befleckt." Schon immer vefleckt ist etwas anderes als "schon lange". Scheinbar ist ihre Entstehung gemeint, da sie ja "aus einem gebrochenen Willen heraus gezeugt" wurde. Auch wird hier hergeleitet, warum sie sich immer so ordentlich verhält, so viel saubermacht, sich "rein" hält, da sie ja schon von Anfang an "befleckt" war.

Ich finde aber die immer wieder psychologisch/psychologisierend herausgestellte Opferdarstellung von Yasemine über diesen Abschnitt hinweg weiterhin nicht richtig gelungen. Normalerweise springe ich auf diese Themen immer stark an und schwinge mit den Charakteren mit. Hier passiert mir das nicht. Erst ab dem Punkt, an dem Hermann in ihr Leben tritt, fühlt sich das Gelesene passend an. Ab Seite 147 war ich interessiert an den Auswirkungen seines positiven Einflusses auf sie. Aber wieder: Es ist ein externen Einfluss, wenig innere Bewegung aus sich heraus. Kurz darauf wird auch gleich ein Cliffhanger ausgeworfen, auf Seite 150, dass Vito irgendwelche Leitungspläne für Yases Wohnung gekannt haben könnte, dass er schon lange einen ominösen Plan geschmiedet haben könnte. Wir bekommen immer mehr Hinweise, dass er da irgendetwas gemacht hat.

Und wir alle haben wahrscheinlich gedacht: "Nein, lass die Finger von diesem zwanzig Jahre nun älteren, aber immer noch merkwürdigen Vito!". Da war ich fast dankbar um Lydia, die Yase darauf hinweist, dass sie in eine Phase des Lebens kommt, in der sie der Vergangenheit nostalgisch nahctrauert, aber dem Altern nicht davonrennen kann durch diese aufgefrischte Liebelei. Und dann der erzwungene Sex, wie bei ihrer Mutter.

Ich bin jetzt durchaus etwas gespannt, was hier mit Vito und Yase und dem Haus noch passieren wird, gebe aber zu, dass es scheinbar eher die künstlich erzeugte Spannung ist, als Begeisterung am Buch. Das klingt hart, ich weiß, aber irgendwie fängt mich Ohde hiermit nicht so ein, wie bei ihrem Debüt. Vielleicht sind es auch die Perspektivwechsel, die mich nie so richtig an eine Person herankommen lassen. Sie sollen sicherlich erzeugen, dass wir aus verschiedenen Richtungen, zu verschiedenen Zeitpunkten Informationen zum Geschehen bekommen, aber bei mir verfängt das nicht so richtig gerade.

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Emswashed kommentierte am 31. Mai 2024 um 12:20

"Es gab keine Unschuld, die Yasemine hätte verlieren können." auch: "Sie hätte lediglich ihren Körper ihrem inneren Wesen angeglichen, das nie unberührt gewesen war, sondern immer schon befleckt." Schon immer vefleckt ist etwas anderes als "schon lange".

 

Es gibt diese Menschen, die sich immer und für alles schuldig fühlen. Egal was man ihnen erzählt, egal welche Erfahrungen andere gemacht haben, sie lassen sich nicht vom Gegenteil überzeugen. Ich frage mich allerdings, ob das ein typisches Frauenproblem ist und vielleicht ihren Ursprung in der Erziehung findet. Yasemins Eltern wurden aber nur peripher besprochen.

Für mich ist es ein erstes Ohde-Buch und es hat durchaus seine Reize, zumal ich diesen Typ Frau, wie Yasemin, auch in meinem Umfeld habe.

 

 

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GAIA kommentierte am 01. Juni 2024 um 18:19

Ich denke schon, dass es hier um ein "typisch" weibliches Phänomen geht. Natürlich gibt es auch Männer, die für alles die Schuld auf sich ziehen, keine Frage. In der Masse sehe ich es aber als ein anerzogenes. Mädchen dürfen sich nichts erlauben und sollten sich immer schön für alles entschuldigen. Jungs können sich viel erlauben, die "sind dann halt so". (Das ist jetzt sehr vereinfacht gesprochen.)

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LeserinLu kommentierte am 02. Juni 2024 um 21:01

Zu der weiblich sozialisierten Entschuldigungskultur gibt es doch sogar aktuell ein Sachbuch von Tara-Louise Wittwer: Sorry, aber... 

Noch ein Gedanke zu Erst ab dem Punkt, an dem Hermann in ihr Leben tritt, fühlt sich das Gelesene passend an: Spiegelt sich hier vielleicht auch im Erzählstil, dass Yasemin sich hier selbst tatsächlich auch mal ein kleines bisschen näher kommt und sich passend fühlt?

 

 

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galaxaura kommentierte am 02. Juni 2024 um 21:15

Ja und Sorry Not Sorry von Anika Landsteiner kann ich zu dem Thema auch sehr empfehlen.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:20

Daran habe ich auch direkt gedacht! Darin wird der Zusammenhang zwischen Scham und Schuld ja gut hergeleitet.

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caro_phie kommentierte am 01. Juli 2024 um 13:07

Das habe ich auch gelesen und fand es wahnsinnig gut!

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SueWid kommentierte am 03. Juni 2024 um 15:45

Hui, spannende Neben-Lektüre entdeckt! Danke ^^
Das passt wikrlich herrvorragend.
Deswegen machen diese Leserunden auch immer wieder neu Spaß, man bekommt immer neue Einblicke und neue Tipps ;-)

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GAIA kommentierte am 06. Juni 2024 um 11:44

Spiegelt sich hier vielleicht auch im Erzählstil, dass Yasemin sich hier selbst tatsächlich auch mal ein kleines bisschen näher kommt und sich passend fühlt?

Die Vermutung hatte ich auch schon. Es würde für Ohdes literarische Fährigkeiten stehen.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:17

Ich vermute es ist ein Frauenproblem und damit kulturell anerzogen. In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:17

Ich vermute es ist ein Frauenproblem und damit kulturell anerzogen. In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:18

Ich vermute es ist ein Frauenproblem und damit kulturell anerzogen. In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:18

Ich vermute es ist ein Frauenproblem und damit kulturell anerzogen. In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:19

Ich vermute es ist ein Frauenproblem und damit kulturell anerzogen. In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

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SueWid kommentierte am 06. Juni 2024 um 08:31

In dem Fall muss es nicht zwangsläufig über die Erziehung der Eltern vermittelt sein, sondern vielmehr über ein internalisiertes Frauenbild.

Da wirst du recht haben, aber gerade dieses internalisierte Frauenbild haben schon ihre Eltern von deren Eltern eingeimpft bekommen. Ein schrecklicher Kreislauf. Man kann wirklich nur hoffen, dass sich bald ein neues Frauenbild in den Köpfen einprägt.

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milkysilvermoon kommentierte am 05. Juni 2024 um 11:04

"Es gibt diese Menschen, die sich immer und für alles schuldig fühlen. Egal was man ihnen erzählt, egal welche Erfahrungen andere gemacht haben, sie lassen sich nicht vom Gegenteil überzeugen. Ich frage mich allerdings, ob das ein typisches Frauenproblem ist und vielleicht ihren Ursprung in der Erziehung findet. Yasemins Eltern wurden aber nur peripher besprochen.

Für mich ist es ein erstes Ohde-Buch und es hat durchaus seine Reize, zumal ich diesen Typ Frau, wie Yasemin, auch in meinem Umfeld habe"

Beide Punkte würde ich so unterschreiben. Obwohl es mich wirklich nervt, wie Yasemin sich wieder auf Vito einlässt, ist dieses Verhalten leider wirklich nicht ungewöhnlich. Und: Ja, ich kenne auch nur Frauen, die so sind. Manche meinen wohl, sie verdienen keinen besseren Typen.

 

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SueWid kommentierte am 06. Juni 2024 um 08:34

Obwohl es mich wirklich nervt, wie Yasemin sich wieder auf Vito einlässt, ist dieses Verhalten leider wirklich nicht ungewöhnlich. 

Ja es hat mich auch wirklich geärgert, ich hätte sie am liebsten geschüttelt.

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SueWid kommentierte am 06. Juni 2024 um 08:34

Obwohl es mich wirklich nervt, wie Yasemin sich wieder auf Vito einlässt, ist dieses Verhalten leider wirklich nicht ungewöhnlich. 

Ja, es hat mich auch wirklich geärgert, ich hätte sie am liebsten geschüttelt.

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SimoneF kommentierte am 03. Juni 2024 um 00:10

Die ganze Sache mit Schuld/Unschuld und "schon immer befleckt" war mir ehrlich gesagt im Buch etwas zu dick aufgetragen, das fand ich etwas übertrieben und unglaubwürdig. Irgendwie erfüllen mir die Frauen- und Männerfiguren auch etwas zu sehr die gängigen Klischees.

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Buschwindröschen kommentierte am 03. Juni 2024 um 00:55

Kann mich deiner Meinung nur anschließen.

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GAIA kommentierte am 06. Juni 2024 um 11:47

im Buch etwas zu dick aufgetragen

Das habe ich beim Lesen ebenso empfunden. Für mich war es immer etwas drüber. Ohne, dass ich anzweifeln möchte, dass es genügend Frauen mit dieser Problematik gibt. Es geht mir um die Umsetzung, die nicht richtig homogen wirkt, sondern immer so übermäßig eingeschoben.

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galaxaura kommentierte am 06. Juni 2024 um 17:19

Ich glaube, das Gefühl liegt eher daran, dass es nicht erklärt wird, woher das kommt bei Yase. Grundsätzlich gibt es leider sehr viele - und gerade - Frauen, bei denen das so ist. Und darum geht es ja auch im Buch. Aber ohne Erklärung wirkt es so "geschrieben". 

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GAIA kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:58

Ja, das ist eine gute Begründung, warum das so aufgepfropft wirkt hier. Hätten wir mehr Einblicke bekommen, wie sich dieses Verhalten von Yase begründet, würde es geschmeidiger wirken und nicht, wie du sagst, "geschrieben".

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Stardust kommentierte am 07. Juni 2024 um 06:41

Ich habe hier teilweise richtig Probleme, mich in Yase zu versetzen, sie zu verstehen. Manchmal verstehe ich nicht, warum sie in der Opferrolle verharrt und sich ihr Leben verbaut. Da kann man nicht mal Vito schuldig sprechen oder so.

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:33

Ich habe hier teilweise richtig Probleme, mich in Yase zu versetzen, sie zu verstehen. Manchmal verstehe ich nicht, warum sie in der Opferrolle verharrt und sich ihr Leben verbaut. Da kann man nicht mal Vito schuldig sprechen oder so.

Das finde ich auch recht schwierig. Wobei ich andererseits auch Probleme habe, Vito zu verstehen. Wie ist er so selbstsüchtig geworden? So wankelmütig, wo emotionslos? Aber bei ihm nehme ich es eher hin, weil er nicht die Hauptperson ist.

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:28

Wir bekommen immer mehr Hinweise, dass er da irgendetwas gemacht hat.

Ich finde es ist vom ersten Kapitel {} an relativ klar, dass Vito für das nicht mehr existente haus verantwortlich ist. Nur den Weg dahin kennen wir noch nicht.

Ich finde aber die immer wieder psychologisch/psychologisierend herausgestellte Opferdarstellung von Yasemine über diesen Abschnitt hinweg weiterhin nicht richtig gelungen.

Du hast recht, irgenetwas passt mir auch nicht recht. Ich finde es nicht rund. Ich finde es zu extrem. Woher kommt diese krasse Gleichgültigkeit in Verbindung mit dem Gedanken nichts verdient zu haben? Woher das kaum vorhandene Selbstbewusstsein im doppelten Sinne?

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GAIA kommentierte am 07. Juni 2024 um 11:04

Ich denke, das Problem des Romans ist, dass er im Nachhinein ganz viel Deutung in Geschehnisse hineinlegt, während er versäumt eine solide Herleitung aufzuzeigen. Im Sinne von "Show, don't tell!" "zeigt" er wenig, und "erzählt" im Nachhinein sehr viel. Anders herum wäre es für mich viel ansprechender gewesen. "Zeigen", wie sich die Problematik entwickelt und dann die Lesenden selbst denken lassen bzw. zu den entsprechenden Deutungen kommen lassen.

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galaxaura kommentierte am 07. Juni 2024 um 15:54

Ich stimme dir total zu, frage mich aber, warum das so gewählt wurde. Ohde hat das ja bestimmt absichtlich getan. Vielleicht wollte sie es nicht zu sehr psychologisch endeutig machen? Oder erreichen, das die Lesenden in sich selbst auf die Suche nach Gründen gehen? Ob das dann geglückt ist, ist natürlich die nächste Frage.

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Buschwindröschen kommentierte am 07. Juni 2024 um 17:49

Es wäre mir auch viel angenehmer wenn da mehr erklärt wäre, wenn es eindeutiger wäre. Ich finde es anstrengend neben dem Lesen auch noch nach Erklärungen zu suchen. Lass es mal auf mich wirken... und warte auf die Entwicklung.
 

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Estrelas kommentierte am 11. Juni 2024 um 16:59

Ich bin so richtig sauer darüber, was Y. mit sich machen lässt, obwohl wir in ihren Gedanken sehen, dass ihr das nicht passt. Ich habe die Reha und die eigene Wohnung als ihre Entwicklung zur Selbständigkeit und Selbstbestimmung gelesen und will diesen Verlauf gerade gar nicht wahrhaben!

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Emswashed kommentierte am 31. Mai 2024 um 12:11

Im nächsten Abschnitt erfahren wir mehr über Vito durch Saschas Erinnerungen an ihn. Der Job als Nachtwächter im Bürgeramt gibt Vito die Möglichkeit, in Akten einzusehen. Er zeigt Sascha die Baupläne aus 1988 für die Häuser in der Vogesenstraße. Mit Ekel in der Stimme deutet er auf Yasemins Kinderzimmer. Sascha schiebt es auf gekränkte Eitelkeit.

Im Urlaub dann wird Sascha endlich bewusst, was für ein egozentrischer Mensch Vito ist, mit einem Schuß Jähzorn. Auch die Freundschaft bewertet er nur nach Mehrwert und als ihm dieser nicht mehr gegeben scheint, beendet er sie Knall auf Fall.

Zurück zu Yasemin. Sie zählt ihre Loverboys auf, wie von einer Strichliste abgelesen und Hermann, den ich anfangs nur für einen Mitbewohner gehalten habe, entpuppt sich als Ruhepol für 10 Jahre. Er akzeptiert Yasemin mit all ihren Macken, aber das Klischee, dass "Frauen mehr auf Badboys stehen", erfüllt sich tatsächlich auch hier. Yase und Vito begegnen sich. Der Eiertanz beginnt von vorn.

Ist es schon eine erste Midlife-Krise, die Yasemin da schüttelt, oder doch schon die frühzeitige Menopause, die sie noch mal alle Gefahren vergessen lässt und alles in eine Waagschale wirft. Ihre ewige "gefühlte" Schuld kann ihr Lydia scheinbar auch nicht ausreden.

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GAIA kommentierte am 01. Juni 2024 um 18:21

oder doch schon die frühzeitige Menopause

Hier muss ich sagen, dass ich den Einschub vom Arzt doch recht interessant fand, denn ich wusste nicht, dass schon erste Hormonveränderungen mit Mitte 30 einsetzen können. Wieder was gelernt!

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Emswashed kommentierte am 01. Juni 2024 um 18:27

Ich kannte Hormonänderungen bisher nur von Hysterektomien u.ä..Ich kann mir aber vorstellen, dass sie sehr großen Einfluß auf unser Verhalten und insbesondere auf die Männerwahl haben.

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:36

Hier muss ich sagen, dass ich den Einschub vom Arzt doch recht interessant fand, denn ich wusste nicht, dass schon erste Hormonveränderungen mit Mitte 30 einsetzen können. Wieder was gelernt!

Witzigerweise genau darüber erst am Wochenende mit einer Freundin unterhalten. Wusste ich vorher allerdings auch nicht. Jetzt steht mal Lektüre über Wechseljahre auf der To Do Liste!

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Estrelas kommentierte am 11. Juni 2024 um 17:03

Wechseljahre können wohl in mehreren Phasen daherkommen und manchmal sogar ohne jegliche Beschwerden ablaufen. Ich habe irgendwie auch das Bedürfnis, mich dazu mal einzulesen.

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SueWid kommentierte am 03. Juni 2024 um 15:19

Zurück zu Yasemin. Sie zählt ihre Loverboys auf, wie von einer Strichliste abgelesen [...]

Und dabei klingt sie, als würde sie sich damit selbstgeißeln und bestrafen. Kein zärtlicher Rückblick auf ihre Jugend. Sie lebt als Objekt, das man besitzen darf, aber sich selber nichts gönnen darf. Auch wenn Lydia Einfluss zu nehmen versucht, kommt das doch gar nicht bei ihr an. Als Gegensatz zu ihr hat sich ihre ehemalige Freundin Imma scheinbar emanzipieren können. Zwar in kleinen Schritten, aber sie wagte sich zumindest immer weiter heraus.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:22

Ich habe das Gefühl sie ist einfach ein gebranntes Kind und hat alles schlechte ihrer Vergangenheit so sehr internalisiert, dass sie unfähig ist das richtige zu tun und glücklich zu sein.

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LESERIN kommentierte am 09. Juni 2024 um 11:54

Kluger Gedanke. Diese Sichtweise widerspricht auch der " sie verhält sich selbst wie ein Opfer." - These.

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Mel0501 kommentierte am 31. Mai 2024 um 13:39

Weiter geht es mit Yasemins Leben nachdem sie 14-Jahre alt war und man erfährt mehr über Vitos Werdegang, den sie immer noch nicht richtig loslassen konnte (die erste Liebe vergisst man halt nie). Sowie einer Liste ihrer bisherigen Liebschaften in ihren 20ern. Das Yasemin obwohl sie gar nichts mehr an Vito findet, trotzdem mit ihm schläft und dafür Hermann verlässt, anstatt es es zu unterbinden, da sie es als Pflichtgefühl sah, fand ich schon ganz schön hart, aber solche Menschen gibt es halt immer. 

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Emswashed kommentierte am 01. Juni 2024 um 18:29

Yase hat Vito schon losgelassen. Sascha erzählt ihr am Bauzaun seine Erinnerungen mit ihm. Erst als sie Vito über den Weg läuft, klickt es wieder bei ihr, vorher ist sie ihm nicht aktiv hintergelaufen.

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galaxaura kommentierte am 01. Juni 2024 um 22:27

Der zweite Abschnitt hat mich durchweg unglaublich berührt, und ich weiß selbst nicht genau, warum. Ohde schreibt weiter so dicht, dass ich gar nicht absetzen kann und die ganze Zeit den Atem anhalte. Über allem schwebt permanent ein Unheil, das wabert über den Menschen, die Stimmung ist für mich durchweg wie vor einem Gewitter, ich warte nur auf die Sintflut. Es ist so erschreckend zu sehen, wie wenig sich Yase erlaubt zu leben, und ich suche die ganze Zeit nach der Ursache für diese Leere. Sie wirkt wie ein total traumatisierter Mensch, der sich einfach kein Glück erlaubt und sich immer, einfach immer schuldig fühlt. Vito trägt alle Zeichen eines Narzisten wie aus dem Lehrbuch. Und der gute Hermann wirkt wie der Mensch, der einfach zu gut ist für die Welt. Yase scheint komplett dissoziiert, vollkommen entfremdet von sich selbst und ihrem Willen. Die beschriebene Vergewaltigung (letztlich ist es das) durch Vito hat mich so aggressiv gemacht, aber am meisten bedrückt mich dabei, wie Yase einfach ihre durchgehende Objektifizierung hinnimmt und wie tief sie dieses Gefallen müssen, richtig machen in sich internalisiert hat. Dieses Buch gewinnt vor allem durch all das, was nicht gesagt ist, es ist ein wortkarges Buch, trotz all der Worte in ihm, und dieses Schweigen bringt mich emotional fast um.

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Emswashed kommentierte am 02. Juni 2024 um 09:54

Hier kommt der Titel "Ich stelle mich schlafend" zur Geltung. Yase stellt sich schlafend, dann gibt es keine Schuld, dann ist alles nicht wahr, oder sogar nur ein Traum gewesen. Das Motto, wenn ich nichts mache, kann kein Fehler passieren, dann passiert auch nichts Schlimmes, funktioniert zwar nur so halbprächtig, aber erst einmal scheint Yase damit ihr Leben meistern zu können.

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GAIA kommentierte am 02. Juni 2024 um 11:00

Yase scheint komplett dissoziiert, vollkommen entfremdet von sich selbst und ihrem Willen. Die beschriebene Vergewaltigung (letztlich ist es das) durch Vito hat mich so aggressiv gemacht, aber am meisten bedrückt mich dabei, wie Yase einfach ihre durchgehende Objektifizierung hinnimmt und wie tief sie dieses Gefallen müssen, richtig machen in sich internalisiert hat.

Interessant ist zu wissen, dass sehr, sehr viele Frauen bei einer Vergewaltigung vollkommen passiv erstarren und sich gar nicht mehr wehren, wie es immer so drastisch gezeigt wird in Filmen etc. Dieser "Freeze"-Reflex führt dann leider dazu, dass im Nachhinein - wenn es denn dann überhaupt mal zu einer Anzeige kommt - vor Gericht keine "Beweise" gefunden bzw. anerkannt werden, weil es eben keine DNA unter den Fingernägeln vom Kratzen o.ä. gibt. Und nur weil eine Frau sich nicht "angemessen" gewehrt hat, heißt das ja noch lange nicht, dass es keine Vergewaltigung war. Aber juristisch ist das dann eigentlich immer so.

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galaxaura kommentierte am 02. Juni 2024 um 11:19

Ja, das ist ein ganz grundlegender Fehler - weil ja auch die Rechtsprechung natürlich noch immer männlich definiert ist. Es ist ein noch verdammt weiter Weg.

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LeserinLu kommentierte am 02. Juni 2024 um 21:05

Ohja, leider ist es noch ein weiter Weg. Ich schlug mal gegenüber Müttern des Elternrats vor, "Ja heißt ja" unter den Jugendlichen zu promoten - fanden sie schrecklich übertrieben :( Immerhin entschuldigte sich eine Kollegin am nächsten Tag, mich dabei nicht unterstützt zu haben.

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SimoneF kommentierte am 03. Juni 2024 um 00:15

Dabei wäre das so ein wichtiger Schritt - "Nein heißt nein" ist juristisch einfach nur sehr schwer in der Praxis umzusetzen, so dass faktisch nicht viel geändert hat...

Erschreckend, dass nicht einmal die Mütter dafür zu senibilisieren sind.

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galaxaura kommentierte am 03. Juni 2024 um 16:56

So schlimm! Ja heißt ja ist der einzige Weg und aus einem Ja muss auch jederzeit ein nein werden können. Tatsächlich ist es aber auch so, dass auch Frauen so oft an Empathie für andere Frauen vermissen lassen. Das ist noch ein so weiter Weg. Spannend, dass andere europäische Staaten da viel besser vorankommen.

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:51

Hm, die patriarchalen Strukturen sind in den Köpfen der Männer genauso wie in denen von Frauen. Da die Strukturen hinter offen zu legen und zu erkennen ist nicht leicht.

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galaxaura kommentierte am 09. Juni 2024 um 11:07

Wohl wahr!!! 

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 10:47

Es ist so erschreckend zu sehen, wie wenig sich Yase erlaubt zu leben, und ich suche die ganze Zeit nach der Ursache für diese Leere. Sie wirkt wie ein total traumatisierter Mensch, der sich einfach kein Glück erlaubt und sich immer, einfach immer schuldig fühlt.

Ja das tue ich auch. Es ist traurig aber ich komme nicht hinter das Warum und das stört mich etwas. Wahrscheinlich ist es letztlich nicht wichtig (das Warum). Gut finde ich wieder, dass Yasemin in einigen Punkten stellvertretend für "Jedermann" steht, also ihre Probleme die vieler Frauen sind. Aber ich kann mir nicht helfen, dass ich es stellenweise trotzdem nicht ganz rund finde.

Die beschriebene Vergewaltigung (letztlich ist es das) durch Vito hat mich so agressiv gemacht...

Definitiv war es das. Und so ganz nebenbei beschrieben. Puh! Es ist so traurig wie sie merkt, dass ihr einige Dinge gerade nicht gefallen - und das ist ja bei Yase schon ein Fortschritt!! - aber sie trotzdem nichts tun kann.

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LeserinLu kommentierte am 02. Juni 2024 um 21:09

Der Roman zieht mich weiter in den Bann, auch wenn ich weiter über die Leerstellen stolpere und hoffe, dass davon im letzten Abschnitt wenigstens ein paar gefüllt werden.

Besonders erschreckend war für mich in diesem Abschnitt, wie schnell Yasemin nach einem kurzen Treffen mit Vito alles, was sie hat, aufgibt und für Vito mehr Schmerz und Verletzungen in Kauf nimmt: Warum? Ja, das Leben mit Herrmann schien sie auch eher einfach hinzunehmen, aber vielleicht hätte sie sich ja noch öffnen können und dann mit Herrmann immerhin eine liebevolle Unterstützung gehabt.

Und dann wieder die Sache mit der Skoliose: Sie scheint hier ja wieder am Anfang zu stehen - also vielleicht doch noch eine neue Chance, sich anders zu entwickeln?

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SueWid kommentierte am 04. Juni 2024 um 10:29

[...] Ja, das Leben mit Herrmann schien sie auch eher einfach hinzunehmen, aber vielleicht hätte sie sich ja noch öffnen können und dann mit Herrmann immerhin eine liebevolle Unterstützung gehabt.

Ich glaube sie harderte vor allem mit der Routine und der Harmonie. Die Beziehung zu Hermann war so ruhig und undramatisch. Eigentlich gerade für sie und ihren Charakter perfekt. Aber sie kann sich diese Ruhe und das Glück einfach nicht gönnen. Sie kommt mir vor, als würde sie sich selbst manipulieren, fast als würde sie gerne die Opferrolle einnehmen, um ja nicht für sich selbst einstehen zu müssen. 

Thema: Lektüre Teil ll; Seite 102 bis 181
Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:24

Das stimmt! Und gleichzeitig glaube ich auch, dass es unglaublich schwer ist aus diesen erlernten Denkmustern herauszukommen.

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SueWid kommentierte am 05. Juni 2024 um 12:18

Mit den Denkmustern hast du absolut recht. Selbst ich, die nicht so konditioniert bin wie Yase auf dieses Thema, fallen doch trotzdem auf einige eingefahrene Verhaltensweisen herein und kann sie nur schwer ablegen.

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SimoneF kommentierte am 06. Juni 2024 um 19:27

Sie kommt mir vor, als würde sie sich selbst manipulieren, fast als würde sie gerne die Opferrolle einnehmen, um ja nicht für sich selbst einstehen zu müssen. 

Das hast Du perfekt auf den Punkt gebracht, genau das ging mir beim Lesen auch immer wieder durch den Kopf!

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SueWid kommentierte am 03. Juni 2024 um 14:12

Hermann erscheint mir wirklich ein Fels in der Brandung zu sein, der Yase gut auffangen kann. Auch wenn er nur in sehr, sehr kleinen Schritten vorrankommt ihr diese Leere und das verzagen auf Dankbarkeit zu nehmen.

Was meint wie als ist Hermann? Viel älter als Yase oder eher gleichaltrig? Wie sie sich kennengelernt haben deutet auf zweiteres, aber sein Name und seine Art lassen mich auf einen Menschen mit mehr Lebenserfahrung schließen.

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galaxaura kommentierte am 03. Juni 2024 um 16:57

Ich hatte auch irgendwie das Gefühl, er wäre älter - aber vielleicht ist es wirklich eher die Reife.

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LeserinLu kommentierte am 03. Juni 2024 um 21:08

Vielleicht liegt es wirklich auch am Namen! Ich kenne nur 60+Menschen, die so heißen.

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SueWid kommentierte am 04. Juni 2024 um 10:24

Diese Namensgebung war garantiert sehr sorgfältig gewählt wurden. Vielleicht wollte die Autorin direkt die Lesenden etwas verwirren. 

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LESERIN kommentierte am 09. Juni 2024 um 12:05

Das denke ich auch.

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galaxaura kommentierte am 04. Juni 2024 um 19:20

Oh ja, das stimmt allerdings. Ist keiner der "alten" Namen, die gerade wieder en vogue sind.

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:26

Und die Erziehung sowie Ausgeglichenheit, die er durch diese mitbringt, vermute ich.

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milkysilvermoon kommentierte am 05. Juni 2024 um 11:20

Ich denke, der Name täuscht. So wie er beschrieben wird, ist er nicht sehr viel älter. Aber genau erfahren wir es (bisher) nicht.

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SueWid kommentierte am 04. Juni 2024 um 10:49

Der zweite Leseabschnitt fiel es mir leichter, in die Geschichte zu kommen, auch wenn ich mit keiner der Figuren so wirklich mitgehen kann. Vito ist eine echt unausstehliche Figur, die stellenweise so abstoßend widerlich ist, dass ich mich frage, wie eine Frau auf ihn hereinfallen kann.

Yase ist so in sich selbst gefangen, sabotiert sich allerdings selbst. Gefühlt möchte sie lieber in der Opferrolle bleiben, weil es so leichter in ihr Weltbild passt. Das ist so tragisch.

Mit Hermann konnte man wirklich nur mitleiden. Er scheint ein Fels in der Brandung zu sein, der Yase so nimmt, wie sie ist. Sie hat alles, um vorangehen zu können, aber diese Gleichmütigkeit machten ihr scheinbar zu schaffen. Leider war es kein positiver Ausbruch aus dieser Routine, sondern sie reißt ihr Leben erst einmal ein. 

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milkysilvermoon kommentierte am 05. Juni 2024 um 11:17

Vito ist nicht nur in Bezug auf seinen Charakter ekelhaft, sondern legt auch wenig Wert auf Hygiene, Sauberkeit oder Ordnung. Ich würde ihn auch nicht mit der Kneifzange anfassen wollen. Verstehe nicht, dass sie noch mal zurück in die siffige Wohnung gehen will...

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SueWid kommentierte am 06. Juni 2024 um 08:38

Das nenne ich mal Selbstgeißelung. Was auch immer da in ihrem Kopf los war, es war definitiv selbstzerstörerisch.

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katzenminze kommentierte am 07. Juni 2024 um 11:01

Jaa, so krass! Sie will noch nichtmal Wasser aus seinem Wasserhahn trinken weil ekelhaft, aber meint nun mit ihm zusammen sein zu müssen. Das grenzt schon an Dissoziation. :(

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Adelebooks kommentierte am 04. Juni 2024 um 21:30

Der zweite Teil hat mich nun richtig in einen Sog gezogen. Ich fand Yasemins labilen fast destruktiven Gefühlszustand sehr eindringlich und nachvollziehbar beschrieben. Alle ihre Erfahrungen scheinen wie eingebrannt in ihren Körper und ihre Seele und nur ein kurzer Moment mit Vito reicht aus um in alte Muster zu verfallen. Sehr gut herausgearbeitet fand ich auch, wie sich bei Yasemin Sexismus und Klassismus verbinden, hin zu dem Gefühl immer kämpfen zu müssen, nichts verdient zu haben. 

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milkysilvermoon kommentierte am 05. Juni 2024 um 11:14

Im ersten Abschnitt wurde es nur angedeutet. Hier wird nun klar, dass Vito einen problematischen Charakter beziehungsweise psychische Probleme hat. Er kommt nicht mit seinen Gefühlen klar, hat keinerlei Empathie und denkt immer nur an sich. Dass er noch mal richtig "austickt", ist zu befürchten. Die Hinweise, was noch passieren wird beziehungsweise passiert ist (aus Sicht des Prologs), verdichten sich. Man kann schon erraten, was in etwa Vito angestellt hat.
 

Aber auch Yasemin hat offenbar eine falsche Selbsteinschätzung. Sie beendet die gesunde, glückliche Beziehung mit Hermann. Sind es wirklich nur die vermeintlichen Zeichen, die sie zurück zu Vito treiben?  Ist es eine Midlifecrisis? Oder sind es vorwiegend psychische Probleme (Schuldgefühle etc.)?

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katzenminze kommentierte am 05. Juni 2024 um 12:43

Ich bin noch nicht ganz durch mit dem Abschnitt, deswegen verzeiht, wenn ich euer Beiträge erstmal ignoriere. Ich habe nur bezüglich eines Punktes Gesprächsbedarf:

Auf Seite 146/147 wird die Beziehung zu Herrmann geschildert und was Yasemin hier lernt. Sein lachen zu mögen, schlechte Laune haben zu dürfen, sich nicht immer entschuldigen zu müssen, Sicherheit zu fühlen und "was eine große Liebe bedeutete, nämlich [..] dass man sich gerade nicht verzehrte, dass man nicht litt". Das ist schön und wichtig ABER ich hatte nicht das Gefühl, dass Yasemin vorher gelitten und sich verzehrt hat? Seitenweise ging es doch eher um ihre Gleichgültigkeit? Und um Druck den sie sich selbst macht ob allein oder mit Partner. Dieses Differenz ist mir auch im ersten Teil schon aufgefallen. Erst die Szene im Sanatorium in der Yase die Stimmung des Schwimmbads aufnimmt und (mE) in den Details aufgeht, dann der Spaziergang, in denen sie zum ersten Mal ihren Körper und die Veränderungen durch die Behandlung wahrnimmt. Beides fand ich sehr positiv. Dann aber der Zauberspruch zum vergehnen der Zeit und wieder diese harte Gleichgültigkeit gegen alles. Mit erschließt sich diese Ambivalenz nicht so richtig. Andererseits finde ich Yasemin gleichzeitig authentisch beschrieben und mag die "allgemeingültigen" Teile, die sie repräsentiert. Sie steht ja schon auch stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation.

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galaxaura kommentierte am 05. Juni 2024 um 16:52

Wir erfahren ja sehr wenig darüber, wie Yase aufgewachsen ist und was sie erlebt und gelernt hat. Wir sehen sie nur, wie sie jetzt ist - irgendwoher muss das kommen. Dass es uns nicht erklärt wird, ist schon gemein, lässt aber auch die Phantasie spielen.

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Estrelas kommentierte am 11. Juni 2024 um 17:14

Ich empfinde ihre Gefühle auch eher als unterdrückt, und womöglich ist das ihr Problem, dass sie nicht genau weiß, was sie will und deshalb andere über sie entscheiden lässt. Ich habe hier noch ein Zitat, das auch diese Ambivalenz verdeutlicht: "Es war ihr mehrmals passiert, dass sie die eigentliche Person nicht sehen konnte, aber sie lernte nichts daraus, war nicht misstrauisch, sobald sie Begeisterung für jemanden empfand."

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downey_jr kommentierte am 06. Juni 2024 um 08:57

Auch hier bleibt vieles zu distanziert  für mich ... das Buch will vielleicht zu viel, was aber nicht umgesetzt werden kann, jedenfalls nicht für mich.

 

Dennoch gibt es hier zwei Stellen, die mich sehr berührt haben, ich zitiere mal:

 

Zitat S. 133:

"Sie nahm sich vor den Kaffeebohnen "mit Dankbarkeit" zu begegnen, wie Lydia ihr geraten hatte, aber sie bemerkte, dass sie nicht wusste, was damit gemeint war. Das ruhige Annehmen einer Sache ohne Wertung, ohne Angst, dass sie gleich wieder verschwunden sein könnte, war er nicht möglich. Alles, was sie spürte, war, dass sie die Handgriffe an der Kaffeemühle schnell hinter sich bringen wollte. Dass ist sie beim Betrachten der dampfenden Tasse schon bei der nächsten Aufgabe war, beim Pullover, den sie noch bügeln musste, bei der Notwendigkeit, sich die Zähne zu putzen, als müsse sie jedem Moment gedanklich einen Schritt voraus sein, um nicht von ihm verschluckt zu werden. Der Himmel färbte sich bei Sonnenaufgang orange, und die Häuser der vmVogesenstraße, in ihrem leicht erkrankten apricot, begann zu leuchten. Yasemine stand am Fenster und dachte nicht, "Wie schön!", sondern hatte das Gefühl, alles mit ihrem Blick zu entwerten. Nie konnte sie die Dinge lassen, wie sie waren. Immer fehlte etwas, oder vielmehr wurden sie durch ihre Beobachtung erst mangelhaft. Die Freude über den Himmel musste vertagt werden auf eine Stunde in der es richtig wäre. In der sie sich endlich in Ordnung gebracht hätte, in der sie mit sich im Reinen"wäre."

 

 

Zitat S. 147:

"Yasemin lernte, was eine große Liebe bedeutete, nämlich, dass man sich nicht darüber den Kopf zerbrach. Dass man sich gerade nicht verzerrte, dass man nicht litt, dass es kein aufgebrachtes Beben war, weil alles sich wie am seidenen Faden anfühlte, sondern das Gegenteil: eine Sicherheit wie ein heller Raum mit offenen Fenstern, in den man frei war zu treten und sich zu entspannen, weil man wusste, dass er sich nicht in Luft auflösen würde. Die Liebe war wie ein vertrautes Paar Schuhe, nach denen man immer zuerst griff, so bequem, dass man nicht darüber nachdachte, sie an den Füßen zu tragen."

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Stardust kommentierte am 07. Juni 2024 um 06:48

Ich finde es schwer in diesem Buch, dass mir hier keine der Protagonisten sympathisch ist. Die Beschreibug von Yases Gedanken und Gefühlen sind sehr gelungen, ihre Handlungen sind fpr mich sehr klischeehaft. Sehr aufschlussreich fand ich die Schilderung von Sasche, da merkte man erstmals so richtig, wie Vito tickt und dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Yase kann ich nicht verstehen, sie hat ein gutes Leben mit Hermann, warum redet sie nicht mit ihm, sondern setzt das aufs Spiel. Hier ist er das Opfer, und Vito hat wohl auch nicht darauf abgezielt. Ich bin sehr gespannt, was passieren wird.

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galaxaura kommentierte am 07. Juni 2024 um 15:56

Das stimmt, ungewöhnlicherweise baut man eher zu den Sidekicks Beziehung auf.

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SueWid kommentierte am 07. Juni 2024 um 20:52

Ja genau! Ich empfand Hermann, Imma oder auch Sascha als viel spannendere Figuren mit mehr Tiefgang als Yase & Vito. Schon eine seltsame Konstellation die da Deniz Ohde aufmacht für die Lesenden.

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Estrelas kommentierte am 11. Juni 2024 um 17:21

Ich bin vom Verlauf der Handlung derart irritiert (dass Y. so wenig für sich einsteht), dass ich mich schwertue weiterzulesen.

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LESERIN kommentierte am 09. Juni 2024 um 12:02

Diesen Abschnitt fand ich mit seinem sozialpsychologischen Ansatz ganz, ganz stark , aber sehr, sehr bedrückend. musste das Buch kurz beiseite legen.

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SueWid kommentierte am 17. Juni 2024 um 13:28

Gerade bei so intensiven Büchern bin ich immer echt froh über den Austausch in der Lesegruppe hier. Da kann man es sacken lassen und vielleicht sogar neu einsortieren durch die Ideen und Meinungen der anderen Lesenden.

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Estrelas kommentierte am 09. Juni 2024 um 17:56

„Es ist schade, dass diese Erinnerung im Nachhinein so besudelt worden ist.” (S. 107) Da dachte ich noch: Dann ist es ja gut, dass Y. die Beziehung beendet hat, wenn der Typ so ein Idiot ist. Dann probieren beide Partner aus, ohne dass der Richtige darunter ist, aber es scheint nicht so, als würden sie die Beziehungen aus dem Verlangen zueinander heraus boykottieren. Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich Y., nachdem sie sich nach dem Auszug bei ihren Eltern weiterentwickelt hat, trotz ihres schlechten Bauchgefühls auf V. einlässt. Soll das etwa heißen, dass sie durch den Verlust des Schamgefühls in jungen Jahren kein Selbstwertgefühl mehr hat? Das fühlt sich für mich komisch und verkehrt an…

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SueWid kommentierte am 13. Juni 2024 um 09:23

Yase hat sich nach ihrem Auszug bei ihren Eltern schon etwas weiterentwickelt. Sie genoss ihre Eigenständigkeit und konnt für sich selbst sorgen. Aber bei sich selbst und in ihrem Körper scheint sie zu keinem Zeitpunkt angekommen zu sein. Sie sieht sich dauerhaft in einer schuldbelasteten Opferrolle, die sie ausfüllen muss. Die Abkehr von ihrer "normalen", stabilen Beziehung zu Hermann, hin zu der sehr destruktiven Beziehung zu Vito scheint ihr da nur folgerichtig.