Leserunde

Leserunde zu "Kim Jiyoung, geboren 1982" (Cho Nam-Joo)

Kim Jiyoung, geboren 1982 -

Kim Jiyoung, geboren 1982
von Nam-joo Cho

Bewerbungsphase: 04.02. - 18.02.

Beginn der Leserunde: 25.02. (Ende: 18.03.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Kiwi Verlags – 20 Leseexemplare von "Kim Jiyoung, geboren 1982" (Cho Nam-Joo) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Leseexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Der Weltbestseller aus Korea – über 2 Millionen verkaufte Exemplare weltweit.

Cho Nam-Joo hat mit ihrem Roman einen internationalen Bestseller geschrieben. Ihre minimalistische und doch messerscharfe Prosa hat nicht nur viele Leserinnen weltweit begeistert, sondern auch Massenproteste in Korea ausgelöst. In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mitdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern. »Kim Jiyoung, geboren 1982« zeigt das schmerzhaft gewöhnliche Leben einer Frau in Korea und gleichzeitig deckt es eine Alltagsmisogynie auf, die jeder Frau – egal, wo auf der Welt – nur allzu bekannt vorkommt.

»Cho Nam-Joos knallharte, aber subtil formulierte Abhandlung eines durchschnittlichen Frauenlebens, dessen leise Enttäuschungen wie Gift wirken, war in Korea eine Sensation. Und auch wir können daraus lernen.« Meike Schnitzler, Brigitte, 20. Januar 2021

ÜBER DIE AUTORIN

Cho Nam-Joo war neun Jahre lang als Drehbuchautorin fürs Fernsehen tätig. Ihr Roman »Kim Jiyoung, geboren 1982« hat sich weltweit über zwei Millionen Mal verkauft und wurde bereits erfolgreich verfilmt. Sie lebt in Korea.

20.03.2021

Thema: Lektüre, Teil I

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 13:03

Jiyoung hat wie es scheint eine Identitätskrise. Was mich aber entsetzt /irritiert hat ist ,dass die Schwiegereltern sich nur dafür interessiert haben was sie inhaltlich gesagt hatte und das Beseitigen aufgefasst hat und nicht wie es ihr geht , gar nicht versucht hatten sie zu verstehen, es ging nur nur Respekt gegenüber den Älteren ,dies hat sie blind für alles andere gemacht.

Die Hirachien werden durch das verbotene Naschen durch die Großmutter sehr deutlich gemacht, auch auch das ungerechte Aufteilen des Essen (ok Wanda das hat schon andere Dimensionen, wir werden uns nicht in die Haare kriegen ; ) ) Dass die Mutter Jiyoung und ihre Schwester lobt zu akzeptieren ,hat auf der einen Seite ,wie hier gesagt, die Konsequenz dass sie nicht protestiert, aber ich glaube sie möchte die Mädchen vorbereiten sich in das Schicksal zu fügen, was eigentlich kontraproduktiv ist, und in die Karten der Männer spielt. Und dass die Großmutter ihren Mann als guten Mann empfindet,nur weil er ihn nicht schlägt und nicht fremd geht, ist schon mehr als bezeichnent

Und dann das Warten auf den S o h n und die mit dem verbundene Abtreibung ,puh...
Das Zubrotverdienen und die  abwertende Bezeichnung Tante kenne ich aber auch aus Deutschland in den 70er . Meine Tante war eine " Avon Tante" richtige Bezeichnung Avon Beraterin ( Kosmetikfirma). Sie ist in die Häuser von Leuten gegangen und hat den anderen Hausfrauen Kosmetikartikel, hauptsächlich Parfum vorgestellt. Und Heimarbeit, hier Handlangertätikeiten genannt, war weit verbreitet. Meine Mutter jedoch war Beamtin und konnte bald wieder Teilzeit und später Vollzeit arbeiten
Als größte Ungerechtigkeit emfinde ich jedoch, dass Töchter hart in Fabriken arbeiteten umdas Studium der Brüder zu finanzieren .
Nun was nützt es wenn Mädchen als " die intelligenteren" galten aber nicht aus ihrem Leben machen konnten und Jungs und Männer das Sagen hatten
So jetzt höre ich langsam auf ich könnte über den Abschnitt schreiben und schreiben .ich finde auch gut dass die Autorin Quellen zur Kulturgeschichte Koreas angibt

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 26. Februar 2021 um 15:46

Wie weit hast du denn gelesen? Wenn du schon so früh bist, wollen wir ja nicht spoilern.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 16:17

Ich denke Aline hat die Abschnitte nach den Jahreszahlen und Altersabschnitten , eingeteilt.
das war jetzt die Einleitung mit Kindheit 1982 bis 1994. Das ist jetzt bis Seite 53
Der nächste Abschnitt 1995 bis 2000 geht von Seite 55 bis Seite 145
Und dann gibt es noch ein Abschnitt 2012 bis 2015 der geht von Seite 148 bis Schluss inklusive einem Kapitel praktisch als Ausklang 2016
Ihr könnt ja drunter schreiben wie ihr glaubt, dass die Abschnitte sind, diese Einteilung kam mir logisch vor

Thema: Lektüre, Teil I
jojo007 kommentierte am 26. Februar 2021 um 17:05

Bei Seite 90 ist aber auch noch ein kleiner Einschnitt

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 17:39

Stimmt ich glaube wir brauchen  von Aline Hilfe bei der Einteilung, ich glaube ich schreibe sie mal an

Thema: Lektüre, Teil I
Petzi_Super_Maus kommentierte am 26. Februar 2021 um 18:40

Leider Gitte darfst das nicht so sehen.

Bei Trauma gab es auch 3 Abschnitte im Buch, die Leserunden-Abschnitte waren aber anders eingeteilt, leider

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 19:32

Ich habe Aline angeschrieben und gebeten uns bei der Einteilung zu machen . Egal wie man es dreht und wendet man kann keine 3 Abschnitte raus ersehen.

Manchmal das habe ich hier schon erlebt steht dann im Buch wenigsten Teil 1, 2 und 3

Wir können uns an nichts halten, da in der Leserundenvorgabe auch keine Seitenzahlen stehen

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 16:22

Also mit Einleitung meinte ich Herbst 2015
Wenn man das letzte Kapitel 2016 als Ausklang nimmmt (im letzten Abschnitt) , wäre das doch rund oder?

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 26. Februar 2021 um 16:24

Ich habe noch nicht angefangen und kann daher dazu nichts sagen. Ich warte lieber noch ein bisschen, weil ich immer zu schnell lese.

Thema: Lektüre, Teil I
Aline Kappich kommentierte am 01. März 2021 um 10:17

Hallo ihr Lieben,

die Seitenzahlen für die Leseabschnitte habe ich nun ergänzt. Leider lassen sich die einzelnen Threads nicht mehr im Nachgang bearbeiten, deswegen die Seitenzahlen diesmal gebündelt in der Übersicht zu finden. :-)

Viel Spaß mit dieser tollen Lektüre!

Aline

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 01. März 2021 um 11:57

Vielen Dank Aline das reicht uns so , denke ich <3

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 26. Februar 2021 um 21:56

Den Anfang, die ersten beiden Abschnitte im Buch habe ich bisher auch gelesen.

Es stockt einem der Atem.

Sehr beruhigend finde ich, dass wir im Jahr 2015 beginnen und sozusagen in der Neuzeit/Gegenwart sind. Es ist unerträglich zu hören, wie sich Jis Mutter aufgeopfert hat und alle ihre Träume aufgeben musste. Ja, nicht nur ihre Träume, eigentlich ihr Leben. Und die Brüder, die jetzt studiert und graduiert und habilitiert sind und was noch alles - geben nichts zurück.

Allerdings - und das ist das Übel - wird ja auch nichts gefordert!

Was mich mit dieser Story versöhnt, ist, dass jedesmal, wenn eine Frau - oder mehrere, sich wehren, ein winziges Steinchen sich bewegt.

Denkt mal an die armen Suffragetten. Gerechtigkeit wird fast immer blutig erkämpft. Oder es ist mit viel Opfern verbunden. Aber es geht vorwärts. Sehr langsam. Sehr sanft. Aber dennoch.

Was mich amüsiert hat, ist, wie Un ihrem Bruder die Meinung geigt, die Mutter sich dann rauszieht und Ji ihm auch noch eine Kopfnuss gibt!! Haha.

 

Die LA mit Seitenzahlen einzuteilen, wäre ein Hilfe!

 

 

 

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 22:34

Ja das mit dem studieren hat mich auch ein wenig wütend gemacht.

Ich dachte auch das wir es während des Romans erleben werden das immer wieder kleine Bewegungen kommen und am Ende vielleicht ein bißchen Hoffnung.

Siehst du das mit der Kopfnuss habe ich noch gar nicht gelesen

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 26. Februar 2021 um 21:54

@Gitte: "auch auch das ungerechte Aufteilen des Essen (ok Wanda das hat schon andere Dimensionen, wir werden uns nicht in die Haare kriegen ; ) )" ...

was um Himmels willen, meinst du damit?

Das war eine schlimme Szene mit der Großmutter Sie zeigt, wie die älteste Generation gefangen ist in ihrem Denken.

Das beengte Wohnen ist auch schlimm. Aber auch, dass die Großmutter und die Männer gar nicht hinschauen. Wer kocht, putzt und wäscht? Wer versorgt? Die Mama. Und wem wird dafür gedankt: Dem Papa.

Aber eine Szene gibt es, da sagt Mama dem Papa, dass er keineswegs der Alleinversorger ist und erscheint ein Mann zu sein, der trotz Verzogenseins von seiner Mutter, meistens auf seine Frau hört. Also er gehört noch zu den Guten. Trotzdem ist er da und dort borniert.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 26. Februar 2021 um 22:43

Ja und kurz vorher sagte er : " Es tut mir so , dass ich dir so ein hartes Leben zumute"

 

@Wanda des Rätsels Lösung findest du wenn du in "wer hat gewonnen gehst und unter deinem Kommentar schaust( etwas tiefer )dass du uns im Blick hältst. Dort habe ich auch noch einen Kommentar hinterlassen, den du offensichtlich nicht gelesen hast : D

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 27. Februar 2021 um 09:29

Done.

Thema: Lektüre, Teil I
Galladan kommentierte am 02. März 2021 um 07:25

Das mit dem Kochen, Putzen und machen und jeder dankt dem Mann findet in meiner Generation durchaus auch noch in Deutschland statt. Ich erinnere nur an Grillabende mit Freunden ( lange ist es her) wo die Frauen das Fleisch mariniert haben, alles eingekauft, evtl. Brot gebacke, Salat gemacht, Gemüse fertig gemacht und die Sachen aufgebaut. Der Mann haut das dann auf den Grill, verhunzt noch einen Teil des Gemüses und schafft es nicht, dass gleichzeitig Gemüse und Steak fertig sind, aber er ist der Held am Grii, der so toll kocht. Bei der Generation meiner Mutter wird nur der Mann für alles komplett gelobt, in meiner Generation wird es etwas differenzierter. Tisch abräumen wird meist nur von den Frauen geholfen. Männer stellen dann auch Dinge gerne sonstwo ab, damit sie beim nächsten mal nicht gefragt werden zu helfen.

Es sind max. 2 Generation her in Deutschland wo so ähnlich gehandelt wurde wie im Buch. Ich hatte noch eine Kollegin die arbeiten musste ums die Ausbildung der Brüder zu finanzieren. 

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 02. März 2021 um 09:36

Ich stehe am Grill :D
An Weihnachtseinladungen mache ich alles selbst von der Tischdeko über Kuchen backen, kaltes Buffet lasse ich mir nichts nehmen, mein Mann hilft mir mit kleinen Handreichungen. Im Tischabräumen sehe ich ein bißchen die Möglichkeit,um mich kurz aktiv aus dem Trubel zurückzuziehen. Da wir einen offenen Küchwohnbereich haben kann ich immer noch zuhören was Eltern mit Schwiegereltern mit Schwiegereltern quatschen.Abends bin ich stolz und glücklich weil ich das wirklich gerne mache. Meine Schwierig bedanken sich immer sehr herzlich bei mir, Mann bekommt ein kleines Dankeschön mit ob der Gastfreundlichkeit. Und abends vor dem schlafen bedankt sich mein Mann immer nochmal ganz lieb bei mir, sie schön ich es gemacht habe und allen hätte es gefallen.

Thema: Lektüre, Teil I
Galladan kommentierte am 02. März 2021 um 10:37

Schön fürch dich. Ende von Diskussion. Frauen sind 100% gleichberechtigt in Deutschland und bekommen den gleichen Lohn und sind auch in allen politischen Ämtern, gleich verteilt.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 02. März 2021 um 14:29

Das behauptete ich aber gar nicht. warum antwortest du mir so polemisch. Aber gerne Ende der Diskusion

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 04. März 2021 um 00:13

@Galli. Du bringst mich so schön zum Lachen.

@Gittenen: Man darf durchaus auch nach Neigung werkeln. Wer es halt gern macht und Frauen machen es oft gerne. Aber sie sollten sich nicht ausnutzen lassen. Der Mann sollte sich nicht nur lieb bedanken, sondern bei der nächsten Einladung vllt mal das Gros der Aufgaben stemmen. Du dreimal, er einmal. Z.B. Man gibt dieses Rollenverständnis ja auch weiter.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 04. März 2021 um 11:03

Ich möchte es mir ja gar nicht aus der Hand nehmen lassen da. Solche Events machen wir so viel , besonders die Deko. ihm ist nur erlaubt Handreichung zu machen  : D

Das sehe ich in dem Fall auch nicht als als werkeln oder Hausarbeit sondern da da geht es mir um das Gesamtkonzept

Noch ein Beispiel, passt vielleicht ganz gut hierhin. Ich habe letztens nur die Fenster geputzt um mein Weihnachts/ Winterkranz den ich mit Fensterkreide drauf malte weg zu machen und Frühlings Blümchen drauf zu malen, rein aus ästhetischen Gründen Punkt warum sollte ich sonst Fensterputzen : D

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:07

Gitte, wenn du es gern machst, ist das doch bestens. Schlecht wäre es, wenn du es nicht möchtest, aber trotzdem tun musst, und zwar nicht abwechselnd, sondern immer... Und was geschieht, wenn du einmal ausnahmsweise keine Lust hast? Wird das von allen akzeptiert?

Bei uns kocht mein Mann, und ich bin sehr froh darüber, denn er kann es so gut und ich überhaupt nicht.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 06. März 2021 um 19:30

Keine Ahnung ,kam noch nicht vor, ich freue mich auf so" Gesellschaften". Wenn ich dazu keine Lust hätte alles alleine zu machen ,würden mein Mann und ich es sicherlich zusammen machen. Er kann nämlich auch kochen. Am Wochenende kocht auch der auf dessen Gericht wir uns geeinigt haben / Lust drauf haben.

Thema: Lektüre, Teil I
Samara42 kommentierte am 02. März 2021 um 22:17

Ich stimme dir da zu. Meine Beobachten sind da "leider" die Gleichen. Ist das nicht ungerecht? : /

Thema: Lektüre, Teil I
einstein kommentierte am 27. Februar 2021 um 08:43

ich habe als teil 1 bisher die abschnitte 2015 und 1982-1994 gelesen:

es macht unglaublich traurig und wütend zugleich zu lesen wie ungerecht die koreanische gesellschaft mädchen und frauen behandelt und aus meiner sicht auch unvorstellbar so zu leben. die beschreibung der abtreibung hat mich sehr geschockt und mitgenommen! aber es wird ja auch deutlich, dass die frauen von klein auf und immer wieder (auch von ihren eigenen müttern und schwiegermüttern) erzogen werden, eine untergeordnete rolle einzunehmen.

nur misuk, die mutter von unserer protagonistin, scheint da aus der rolle zu fallen: wie sie ihrem jiyoung nach der geburt zuflüstert "es tut mir leid, mein schatz" klingt für mich, als würde sie sich bei ihr im vorgriff dafür entschuldigen, was sie als mädchen und frau als aushalten werden muss. ich finde es sehr stark, wie misuk ihrem mann klarmacht, dass nicht nur er alleine die verantwortung für die familie trägt, (s.33/34). auch die selbstbewusste art, mit der misuk den umzug in die neue wohnung möglich macht und den mädchen ein eigenes zimmer verschafft ist toll.

und auch bei jiyoung sieht man bereits in dem alter, wie sie die rollenverteilung hinterfragt: warum soll sie verständnis für den jungen aufbringen, der sie mies behandelt (angeblich, weil er sie mag, ein "missverständnis")? selbst ich bin im ersten impuls auf die argumente des lehrers "reingefallen" und war von mir selbst überrascht.

insgesamt gefällt mir der erste teil des buches sehr gut. die fußnoten sind eine spannende idee, weil sie die individuelle geschichte von jiyoung immer wieder mit den allgemeinen verhältnissen in bezug setzen. es ist unglaublich erschreckend - jiyoung ist genau meine generation, aber ich kann mir vieles kaum vorstellen, was sie erlebt.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 27. Februar 2021 um 09:56

Ja in dem sie bei der Eziehung " mitspielen" ist es ein Kreislauf der schwer zu durchbrechen ist .Da gehören schon mutige Frauen dazu ,die  das System nicht nur hinterfragen sondern es in kleinen Schritten versuchen aufzubrechen.

Der Lehrer hatte mich nur für 10 Sekundenich dachte dann aber schnell : dieses Verhalten hat rein gar nichts mit " Was sich liebt das neckt sich " zu tun.

Thema: Lektüre, Teil I
jojo007 kommentierte am 27. Februar 2021 um 16:08

Das stimmt. Die Rechtfertigung des Lehrers ist wirklich daneben.

Gut finde ich, dass er dennoch dem Jungen eine Strafe auferlegt und schlussendlich auch auf Jiyoung eingeht.

Traurig ist, dass er das Mobbing vorher so lange tolleriert hat. Vielleich versucht er sein Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen.

Insgasamt fällt es mir sehr schwer, den Lehrer einzuordnen, einerseits ist er sehr streng und konservativ, andererseits habe ich das Gefühl, dass er durchaus die Lage erkennt und nicht für gut heißt.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 27. Februar 2021 um 16:33

Er ist streng und konservativ, aber durchaus dafür aufgeschlossen sich Sachen anzuhören und zu überdenken. Er muss halt drauf gestoßen werden, da er in seiner herkömmlichen Welt lebt

Thema: Lektüre, Teil I
jojo007 kommentierte am 27. Februar 2021 um 09:37

Ich habe zunächst auch einmal nur bis zum Jahr 1994/1995 gelesen und mir einen kleinen Überblick verschafft. 

Der Schreibstil Cho Nam-Joo´s ist sehr nüchtern und übersichtlich, was zu einer unvoreingenommen Betrachtung der Dinge beiträgt. Die Fußnoten verdeutlichen: es wird nichts dramatisiert, sondern von Tatsachen gesprochen. Eine erschütternde Klarheit!

Während des Lesens bin ich oft sauer über viele Dinge gewesen. Nicht, dass eine arme Familie kein Geld hat, um den Kindern farblich passende Schulsachen zu kaufen, ist das Problem, sondern dass dieser Luxus immer nur den Jungen zuteil wird. Oder, dass Misuk, trotz besserer Noten, arbeitet, um das Studium der Brüder zu finanzieren und ihre eigenen Träume nie verwirklichen kann. Oder, dass Sunbun gezwungen ist, ihre Familie allein durchzubringen, weil ihr Mann zu "zart" für die Arbeit ist. 

Doch eben das ist das Problem. Diese Ungleichheit zieht sich durch alle Generationen. Es war halt schon immer so! Man kann niemandem konkret die Schuld für diesen Missstand geben. Natürlich ist das Verhalten der Männer falsch, die egoistisch sind und immer nur nehmen, aber das der Frauen, die sich aufopfern und immer nur geben, auf eine gewisse Weise auch. Und trotzdem ist keiner von ihnen Schuld. Wir haben keine Vorstellung davon, wie es ist, in einer solchen Gesellschaft aufzuwachsen, deshalb steht es uns nicht zu, zu urteilen. Wenn man als Junge immer eingetrichtert und vorgelebt bekommt, dass einem gewisse Dinge zustehen, nimmt man dies vielleicht als selbstverständlich hin und bei den Mädchen ist es eben umgekehrt. Ich will hier niemanden in Schutz nehmen, der Egoismus dieser Männer ist immer noch ein Fehlverhalten, auch wenn es ihnen so beigebracht wurde. Doch das eigentliche Problem ist es, dass es fast unmöglich ist, solche Strukturen zeitnah aufzubrechen.

Obwohl ich glaube, dass auch den koreanischen Männern ihre Tyrannei zumindest zu Teilen bewusst ist. So möchteich zumindest Jiyoungs Lehrer lobend erwähnen, derzwar sehr streng ist, aber Jiyoung hilft und sich bei ihr entschuldigt, als er seinen Irrtum erkennt. Was für uns selbstverständlich ist, hätte dieser Mann nach den Normen seiner Gesellschaft keinesfalls tun müssen und ist deshalb ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Sein fanantisches Verhalten bei der Essensausgabe lässt sich mir nur so erklären, dass er als Kind vielleicht einmal Hunger gelitten hat und irgendwie traumatisiert ist, was sein Verhalten jedoch nicht rechtfertigt. 

Auch Daehyon ist kein reiner Tyrann. Er liebt seine Frau und seine Tochter und arbeitet viel, um beiden ein gutes Leben zu ermöglichen. Leider ist er jedoch blind für das, was seine Frau quält, er kann es wahrscheinlich garnicht verstehen, weil er nie in der Situation war, etwas zu Gunsten eines anderen aufgeben zu müssen. 

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 27. Februar 2021 um 10:08

Ja, ich glaube es war der Autorin wichtig zu belegen ,dass es so war, sich auch nichts vorwerfen zu lassen .Und ich denke sie vetritt genauso die Ansicht " das es halt so war " also mehr erklärend, wie es zu solch einem Missstand kam, ohne zu beschönigen und auch ohne einer Parteidie Alleinschuld zu geben.

Es wird spannend sein zu sehen in wie Weit es Verbesserungen in der Gesellschaft gibt. Ich befürchte aber alles muss, damit es besser wird. Das erste Kapitel lässt vermuten, dass Jiyoung fast zerbricht daran

Ich finde es toll ,dass du ein Diagramm zu den Familieverhältnissen machtest, ich werde es mir nachher in Ruhe mal anschauen

Thema: Lektüre, Teil I
solveig kommentierte am 01. März 2021 um 13:49

Eine echte Fleißarbeit und eine gute Übersicht! Super.

Thema: Lektüre, Teil I
Nele33 kommentierte am 01. März 2021 um 13:54

Nachdem ich nun den ersten Abschnitt gelesen habe, kann ich wieder nur feststellen wie froh ich bin in Deutschland aufgewachsen zu sein.

Mir gefällt sehr gut die Distanziertheit mit der geschrieben wurde, ein gutes Zeitzeugnis.

Was eine Ungerechtigkeit sich schon auf den ersten Seiten zeigt: Alleine die Essensverteilung.

Ich kann mich allerdings noch an meine Kindheit erinnern, da bekam auch der Opa und meine Onkel vom Sonntagsbraten zuerst und die größten Scheiben. Meine Oma hat da immer drauf geachtet und immer erst als Letzte genommen, falls dann noch was da war. Dies ist jetzt fast 50 Jahre her. Das gibt mir doch die Hoffnung, dass sich auch in Korea was geändert hat und noch ändert.

Die Familienstrukturen sind so anders als hier, der Junge steht im Mittelpunkt und wird von allen Seiten unterstützt.

Die Fussnoten finde ich zum Weiterlesen super.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 01. März 2021 um 17:11

Ja, es ist bei uns auch noch gar nicht so lange her dass ausgerechnet so geht . noch in den 70er durften Frauen so einiges nicht ohne ihre Ehemänner entscheiden

Thema: Lektüre, Teil I
Nele33 kommentierte am 01. März 2021 um 19:14

das stimmt, meine Schwiegermutter brauchte da noch die schriftliche Erlaubnis meines Schwiegervaters um arbeiten zu gehen. Für uns unvorstellbar heute.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 01. März 2021 um 22:47

Oder ein eigenes  Bankkonto zu Eröffnen, oder den Führerschein zu machen.

Wenn du von deinem Großmutter und Großvater erzählst wirkt es weit weg , bei mir waren es die Eltern ( dies ist wahrscheinlich dem Generationenunterschied hier geschuldet)

Thema: Lektüre, Teil I
Nele33 kommentierte am 02. März 2021 um 11:12

Das denke ich auch.

Thema: Lektüre, Teil I
solveig kommentierte am 01. März 2021 um 14:20

Traditionen zu durchbrechen ist in jeder Gesellschaft schwierig, vor allem, wenn es für Männer so schön bequem war/ist.

Das Ungleichbehandeln von Mädchen und Frauen ist ja leider nicht nur auf Korea beschränkt. Insofern möchte ich auch nochmal auf das Buchcover verweisen, dessen "leeres" Gesicht m.E. nicht nur auf das einer Asiatin beschränkt ist; ich könnte mir gut auch das einer (als Beispiel) Marokkanerin oder Türkin hier vorstellen. Und auch bei uns sind noch lange nicht alle Vorurteile ausgeräumt. Hier nun also Korea, ein Milieu, das der Autorin natürlich vertraut ist, und dessen Fakten sie (wie Ihr schon geschrieben habt) in Fußnoten belegt. Ob sich in den vier Jahren, seit Cho Nam-Joos Buch herausgekommen ist, viel verändert hat?

Was mir auffällt, die Autorin schreibt ziemlich distanziert, sachlich, dennoch werden Emotionen beim Leser geweckt. Traditionell akzeptieren die handelnden Personen die Gegebenheiten ohne Widerspruch -  außer vielleicht Suhyon, Jiyoungs Schwägerin. 

Thema: Lektüre, Teil I
AhabsDaughter kommentierte am 02. März 2021 um 16:15

"Traditionen zu durchbrechen ist in jeder Gesellschaft schwierig, vor allem, wenn es für Männer so schön bequem war/ist."

Da stimme ich dir voll und ganz zu. Für einen allein, oder wenn man denkt, man sei allein, ist es schier unmöglich. Selbst, wenn Jiyoung die Ungerechtigkeiten auffallen, hält sie sich doch eher zurück. Es muss erst unttragbar werden, bis sie sich beschwert. Ich bin gespannt, ob Jiyoung noch "rebellischer" wird.

Thema: Lektüre, Teil I
lebensbetrunken kommentierte am 03. März 2021 um 20:09

Stimme dir absolut zu, was das Brechen mit den Traditionen angeht! Das ist ein so schwieriger und vor allem auch langwieriger Prozess! Das fällt mir beispielsweise auch sehr in meiner Familie auf, wenn man die verschiedenen Generationen betrachtet. Sowohl bei meinen Großeltern als auch bei meinen Eltern ist es völlig "normal", dass die Frau den Haushalt komplett allein macht, allein einkaufen geht, allein kocht und das immer! Ich finde das so erschreckend, wie unselbstständig die Männer teilweise sind!  Und bin sehr froh, dass es zumindest in meinem Umfeld unter Gleichjährigen absolut nicht mehr so ist. 

Bei einer Sache muss ich dir allerdings widersprechen! Ich denke auch, dass das leere Gesicht nicht nur auf eine Asiatin beschränkt ist - und es passt genauso zu Türkinnen und Marokkanerinnen - aber genauso doch auch zu deutschen Frauen! Klar, sind wir hier in manchen Teilen vielleicht privilegierter und gleichberechtigert, aber in so vielen auch nicht! Das zeigt sich immer besonders krass an dem Beispiel Mutterschaft, finde ich. 

Thema: Lektüre, Teil I
Galladan kommentierte am 03. März 2021 um 21:49

Ich glaube, dass es im Augenblick in den meisten technisch entwickelten Gesellschaften verschiedene Grade der Gleichstellung gibt. Das hat was mit Erziehung zu tun, nicht mal unbedingt mit Bildung. Da wo noch viel Tradition eingeflossen ist, ist es immer schwieriger Gleichberechtigung zu bekommen. Ein Punkt ist auch: was für Berufe ergreifen Frauen? In der Kommunalpolitik finanzieren sich die Kandidaten selbst. Können sich Frauen mit den schlechter bezahlten Stellen das leisten? 

Ich fand es erschreckend, das Biden mehr oder weniger von Freunden (70+) abgelehnt wurde, weil er eine Frau als Vice ausgesucht hatte. Wir fanden Biden zwar 1000 mal besser als Trump, aber unsere Stimme hätte seine Vice gehabt. Die Frau hat was, was Biden eindeutig fehlt. Traurig, dass sie in einem Land wie den USA keine Chance gehabt hätte weil sie eine Frau ist. 

Genau deswegen ist dieses Buch so wichtig. Es stößt Diskussionen an die wir traditionell nicht hätten. Es gibt Menschen die Frauen als Leitung ablehnen. Es gibt Menschen die in ihrer Blase leben und das nicht mal bemerken. Dieses Buch ist deshalb jeden Cent wert. Es bringt Menschen dazu nach zu denken. Dummerweise meist die, die noch nicht völlig geistig eingeschlafen sind. Wer von denen die sich wehren sollten würde so ein „langweiliges“ Buch lesen?

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 04. März 2021 um 00:09

Hundertprozent d'accord. Aber das Buch ist viel leichter zugänglich als ein Sachbuch und kann ganz leicht gelesen werden. Insofern gibt es eine Chance. Es soll auch verfilmt werden oder ist schon. Noch leichteren Zugang. Auf "unterhaltsamem" Weg muss es in die Köpfe derer, die es am meisten angeht.

Thema: Lektüre, Teil I
solveig kommentierte am 04. März 2021 um 11:44

Das waren nur zwei (krassere) Beispiele. Es gilt, denke ich, für die meisten Nationen.

Thema: Lektüre, Teil I
AhabsDaughter kommentierte am 02. März 2021 um 16:12

Ich bin gut in das Buch reingekommen, es lässt sich wirklich flüssig lesen. Ich sehe Jiyoung als die koreanische Musterfrau (daher das leere Gesicht auf dem Cover), deren Leben so abläuft, wie das Leben der Frauen, deren Rolle sie zu Beginn einnimmt: immer in der 2. Reihe, sich aufopfernd für die Männer, ohne Dank und Anerkennung.

Ich musste beim Lesen daran denken, dass meine Mutter (sie ist Jahrgang 1949) auch noch so aufgewachsen ist. Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch manchmal noch in ihrem Verhalten mir und meinem Bruder gegenüber wider. Mädchen wurden damals ja auch noch hauptsächlich auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet, sie hat keinen Beruf erlernt.

Zurück zum Buch: Ich stimme euch zu, diese Verhaltensmuster bei Männern und Frauen und ihre jeweilige Geschlechtsrolle, scheinen in Korea seit einigen Generationen weitergegeben worden zu sein. Jiyoungs Mutter weiß zwar, dass ihre Töchter es nicht leicht haben werden, sie alleine schafft aber nur kleine Verbesserungen, zum Beispiel die Zimmeraufteilung, ihr "Job" als Friseurin oder die größere Wohnung.

Jiyoungs Erlebnisse in der Schule empfand ich als ziemlich krass, vor allem die Situation beim Mittagessen. Immerhin hat der Lehrer ihr doch noch Glauben geschenkt. Ich hatte nicht damit gerechnet.

Ich finde es gut, wie die Autorin der koreanischen Gesellschaft den Spiegel vorhält. Der nüchterne Erzählstil liest sich wie ein Bericht. Mir gefällt es.

Thema: Lektüre, Teil I
Bibliophilia kommentierte am 02. März 2021 um 22:00

Mir hat der erste Teil auch sehr gut gefallen.
Zu dem "nüchternen und sachlichen" Stil möchte ich anmerken, dass er nur aus unserer westlichen Sichtweise so "nüchtern" erscheint. Er ist in meinen Augen eigentlich sehr typisch für den ostasiatischen Schreibstil. Wir sind vom westlichen Leseverständnis nur einfach eine sehr explizite Schreibe gewohnt, bei welcher man direkt mit der Nase auf alles gestoßen wird.
Allgemein sind die beschrieben Situationen mehr als schockierend. Vor allem, weil ich mich sogar in meiner Generation darin wieder finde. Und ich bin gerade mal Mitte Zwanzig. Leider ist mir, obwohl ich immer glaubte in unserer Gesellschaft bzgl. Gleichberechtigung sehr weit zu sein, schmerzlich bewusst geworden, dass dem leider überhaupt nicht so ist. Und das schockierte mich wirklich am meisten.
Ich bin sehr gespannt, was ich noch alles für Erfahrungen mit der Protagonistin erleben werden und wie dies ein Spiegel auch meiner selbst sein wird.

Thema: Lektüre, Teil I
Samara42 kommentierte am 02. März 2021 um 22:27

Ich bin nun auch zu dem ersten Abschnittsende gekommen und bin teilweise wütend und auch sprachlos gewesen. Keinesfalls auf die Autorin, denn ihr Stil ist gut so wie er ist, aber all diese Missstände hintereinander zu lesen, ist schlimm für mich. Auch ihre Erlebnisse in der Schule im besonderen. Traditionen, das Wort wird für mich leider immer negativ geprägter und ich hoffe ich kann meine Gefühle im Laufe des Lesens ablegen.
Natürlich kann man keinen einzelnen Personen Schuld geben, nicht den Männern im Einzelnen oder Allgemeinen, sie haben es so vorgelebt und eingetrichert bekommen. Es wird sich auch wohl in Zukunft wenig ändern.
Mir gefällt das Buch. Es ist wie es ist, schockierend und nervenaufreibend. Doch so wollte ich es ja.

Thema: Lektüre, Teil I
lebensbetrunken kommentierte am 03. März 2021 um 20:17

Stimme dir absolut zu! Ich finde den Einstieg bisher auch super - aber auch wirklich sehr nervenaufreibend. Ich werde meistens so wütend beim Lesen! Es ist einfach unglaublich, was für Ungerechtigkeiten normalisiert wurden, welche Erwartungen an die Frauen gestellt werden und wie den meisten (Männern) dabei nicht mal auffällt, wie unglaublich ungerecht alles ist!! Das Lesen wird glaube ich wirklich keine leichte Kost - aber es ist nun mal auch super wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und darauf aufmerksam zu machen!

Thema: Lektüre, Teil I
Rapunzels_Turm kommentierte am 05. März 2021 um 08:09

Ich habe gestern mein Buch bekommen und gleich mal den ersten Abschnitt gelesen. :D
Ich bin wirklich schockiert mit welchen Missständen schon die kleinen Mädchen konfrontiert werden. Am schlimmsten fand ich allerdings die Abtreibung des Kindes. Die Verzweiflung muss so groß gewesen sein.. und das nur weil sich die Großeltern einen Jungen erhofft haben!
Der Schreibstil ist sehr gut. Dass der Erzähler so sachlich und eher distanziert ist, passt gut. Und dazu noch die Untermauerung der fehlenden Gleichberechtigung durch die Fußnoten.

Thema: Lektüre, Teil I
herrzett kommentierte am 06. März 2021 um 13:00

Hmm. Ich bn ja schon nach dem ersten Abschnitt etwas hin und her gerissen. Cho Nam-Joo schafft es sehr nüchtern, klar und ohne Schnörkel von einer sehr traurigen zwei 'Klassengesellschaft' zu berichten. Irgendwie ist das Buch recht informativ und lässt mich immer wieder staunen, was in Korea für absurde Ansichten herrschen und sich über die Zeit fest verankert haben, sodass vieles einfach so hingenommen und kaum hinterfragt wird. Und wenn man dann so liest, dass 40% nun Klassensprecherinnen sind und die Mutter das schon als großen Fortschritt sieht. Ach, hmm. Auch diesen Punkt mit der Abtreibung bzw. dass Mädchen weniger wert sind als Jungen, finde ich immer wieder erschreckend, leider gibt es das ja in vielen Gegenden der Welt, von Zwangshochzeiten, Mitgiften und Co sind ja da auch nochmal so ein bescheidenes Phänomen. Und dass die Mütter und Schwestern das Geld verdienen sollen, damit ihren Söhnen/Brüdern ein gutes Leben 'auf dem Silbertablett' serviert wird und das alles so selbstverständlich ist... diese Fakten machen mich irgendwie so wütend und traurig zugleich. Und wenn man sich dann wieder bewusst wird, dass gerade das in den ärmeren, bevölkerungsreichenden Gegenden noch Gang und Gäbe ist.. puh.

Aber ich muss leider auch sagen, dass mir die emotionale Bindung zum Text sehr fehlt. Momentan nimmt mich das Schicksal/Erzählte eigentlich kaum mit... und dann frage ich mich ist das für Korea jetzt in dieser Form, dass eine Frau über die vorherrschenden Umstände spricht, schon ein Tabubruch, der für so viel Aufmerksamkeit sorgte oder woran liegt es? Aber vllt. kommt da ja auch noch ein bisschen was. Mal sehen.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:12

Junge, Junge, (nicht Mädchen, Mädchen?), da gibt es schon im ersten Teil so viel, worüber ich mich aufregen kann...

Und ich kann mich nicht damit beruhigen, dass das ja Korea ist und bei uns alles viel besser ist. Ja, vieles ist anders, aber so einiges dann doch nur graduell und nicht prinzipiell.

Nehmen wir das Erntedankfest. Selbstverständlich fährt die junge Familie zu den Eltern des Mannes und nicht der Frau. Warum? Das wird nicht hinterfragt. Jiyoung macht das in der Rolle ihrer Mutter zum Thema, aber verstanden wird es nicht.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:18

Schon vorher: Die Familie fährt fünf Stunden mit dem Auto. Wer sitzt am Steuer? Der Mann. Wer kümmert sich um das Kind? Die Frau. Naturgegeben?

Schaut mal, wer bei uns am Steuer sitzt, wenn eine Familie zusammen verreist oder einkaufen fährt. Meiner Einschätzung nach ist es überwiegend der Mann, auch wenn die Frau genauso gut fahren kann. Und wer kümmert sich um die Kinder?

;-)

... weil sie das ja besser kann... Und meistens kann sie es ja tatsächlich besser, weil sie einfach viel mehr mit den Kindern zusammen ist und sie besser kennt. Da wäre so eine lange Fahrt für den Vater doch eine schöne Gelegenheit, sich mit seinem Kind zu beschäftigen...

Ich denke, das ist bei uns nicht viel anders als in Korea.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:26

Ankunft, Mittagessen.

Der Mann ist erschöpft von der fünfstündigen Fahrt und legt sich zu einem kleinen Schläfchen hin. Wie geht es Jiyoung nach fünf Stunden Kinderbespaßung? Das wird nicht gefragt. Sie macht gemeinsam mit der Schwiegermutter den Abwasch und "erholt sich kurz bei einer Tasse Kaffee" - also vielleicht zehn Minuten Pause. Einkaufen, kochen, Abendessen vorbereiten, essen, abwaschen und bestimmt zwischendurch sich um das Baby kümmern, die Windeln wechseln und so weiter. "Während sie die frisch zubereiteten Köstlichkeiten genossen, hatten sie alle zusammen eine unbeschwerte Zeit." Tatsächlich?

Wer sorgt dafür, dass alle genügend zu essen und zu trinken haben, holt den Nachschlag aus der Küche, gießt Getränke nach? Bei uns war das unsere Mutter. Und mein Vater sagte immer: "Ina, nun setz dich doch endlich!" Aber auf die Idee, selbst aufzustehen und die Kartoffelschüssel aufzufüllen, darauf kam er nicht.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:31

Suhyon spricht es deutlich an, dass die viele Hausarbeit nicht unbedingt sein muss. Ihre Mutter versteht das gar nicht - sie identifiziert sich mit ihrer Rolle als Hausfrau und holt sich so ihre Bestätigung. Ist Suhyon wirklich fortschrittlicher? Sie hat zwei Söhne und sagt, sie hätte gern ein Mädchen. Ist das dann ein nettes Püppchen zum Spielen, weil die Stammhalter ja schon geboren sind und die Pflicht erfüllt ist oder ist sie wirklich emanzipiert? Ich bin gespannt, ob wir in den folgenden Teilen mehr erfahren.

Thema: Lektüre, Teil I
Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 06. März 2021 um 19:38

Das sage ich auch immer ,dass vieles in der Hausarbeit nicht sein muss und man es lockerer sehen sollte. In der Generation meiner Mutter hat man sogar Unterhosen gebügelt und Handtücher. Warum?

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:44

Ich setze jetzt viele Einzelposts, weil man dann besser das jeweilige Thema kommentieren kann, als wenn ein riesenlanger Aufsatz so viel auf einmal beinhaltet.

Nun also die Grundschulzeit. Über den Lehrer habt ihr ja oben schon einiges geschrieben. Das (langsame) Essen regt ihn bei allen Kindern auf; was der Grund dafür ist, erfahren wir nicht. Das Problem wird eigentlich nicht gelöst, nur die Ungerechtigkeit wird durch das Abwechseln beseitigt. Dass das für Jiyoung eine wichtige Erfahrung ist, glaube ich. Der Lehrer, ein Mann, hat ihre Schwierigkeiten mit dem Sitznachbarn zwar beobachtet, aber ganz anders interpretiert als sie. Schön, dass er das Mädchen dann doch ernst nimmt.

Aber wie ist das bei uns? Vordergründig sind Jungen und Mädchen in der Schule gleichberechtigt. Aber meines Wissens gibt es zahlreiche Untersuchungen, die belegen, dass Lehrer wie Lehrerinnen sich mehr um die Jungen kümmern, dass Jungen häufiger aufgerufen werden, dass sie den größeren Teil der Redezeit bekommen. Bewusst ist das den Lehrern nicht. Oder gehen wir noch eine Stufe zurück, in den Kindergarten: Wer hilft mehr beim Aufräumen, Jungen oder Mädchen? Wer übernimmt freiwillig hauswirtschaftliche Arbeiten, eher Jungen oder Mädchen? Wer hilft anderen Kindern beim Anziehen? Ich denke, auch hier sind es überwiegend Mädchen. Und wie kommt das? Ist das angeboren? Wird es, natürlich völlig unbewusst, anerzogen, von Eltern und Erzieher*innen? Da im Kindergarten weitaus mehr Frauen arbeiten als Männer - sind sie eher ein Rollenvorbild für Mädchen als für Jungen? Und wer macht in den Familien die Hausarbeit, die Frau oder der Mann? Wie viele "Hausfrauen" gibt es bei uns, wie viele "Hausmänner"?

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:51

Nur ganz kurz, sonst flippe ich aus: Natürlich wird ein Sohn gewünscht, ein Stammhalter. Und wenn es dann ein Mädchen ist? Dann ist die Mutter schuld. Was biologisch völliger Quatsch ist. Aber wie viele Königinnen, Fürstinnen etc. wurden von ihrem Mann abserviert, weil sie nur Töchter bekamen und keine Söhne! Dass Geburtenkontrolle mit Geschlechtsauslese Hand in Hand geht, hören wir hier ja oft von Asien, insbesondere wenn die Zahl der Kinder und damit der Versuche beschränkt ist.

Wo werden nur all diese Kronprinzen später eine Frau finden??

Thema: Lektüre, Teil I
wandagreen kommentierte am 06. März 2021 um 18:59

Das ist doch kein Problem, Firi, die werden all schwul.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 19:02

Wenn sie damit glücklich sind, ist es ja kein Problem. Aber auch sie haben den Auftrag, einen Sohn zu zeugen; das funktioniert bisher nur mit einer Frau.

Thema: Lektüre, Teil I
FIRIEL kommentierte am 06. März 2021 um 18:59

So, jetzt aber wirklich die letzte Bemerkung zum ersten Abschnitt: Ich finde Jiyoungs Mutter Misuk toll. Mit 14 Jahren muss sie als Fabrikarbeiterin unter gesundheitsschädigenden Bedingungen arbeiten. Da das zum Wohle der Familie ist, hinterfragt sie es nicht - erst zehn Jahre später, als sie merkt, dass es nicht zum Wohl der ganzen Familie war, sondern nur für ihre Brüder.

Jetzt opfert sie sich für ihre Kinder auf. Sie verhätschelt ihren Sohn, aber sie versucht auch, ihre Töchter zu stärken. Und sie ist eindeutig viel klüger und innerlich stärker als ihr Mann. Und wie geschickt sie dafür sorgt, dass ihre Töchter das Zimmer bekommen: Sie argumentiert mit der Großmutter. Und sie gibt den Mädchen eine weltweite Perspektive...

... bye the way: Als wir aus einer kleinen Etagenwohnung in ein Haus umzogen, gab es dort drei Kinderzimmer, aber wir waren vier Kinder. Wer hat sich ein Zimmer geteilt? Meine Schwester und ich. Meine beiden Brüder hatten jeder ein eigenes Zimmer. Der Gerechtigkeit halber muss ich allerdings auch hinzufügen, dass die beiden fünf Jahre im Alter auseinanderlagen. Was da nun ausschlaggebend war, Alter oder Geschlecht, weiß ich nicht.