Leserunde

Leserunde zu „Schnee in Amsterdam“ (Bernard MacLaverty)

Schnee in Amsterdam - Bernard MacLaverty

Schnee in Amsterdam
von Bernard MacLaverty

Bewerbungsphase: 22.11. - 06.12.

Beginn der Leserunde: 19.12. (Ende: 09.01.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des C. H. Beck Verlags – 20 Freiexemplare von "Schnee in Amsterdam" (Bernard MacLaverty) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

Mit einem verlängerten Wochenende in Amsterdam möchten Stella und Gerry ihren Ruhestandsalltag in Glasgow unterbrechen. Die kleine Reise soll die beiden aufmuntern, sie wollen die Stadt erkunden und etwas für ihre Ehe tun. Sie lieben sich noch und ertragen gegenseitig ihre kleinen Fehler – aber in den vier Tagen treten tiefe Risse in ihrer Beziehung zutage. Und es wird klar, dass Stella einen ganz eigenen Plan verfolgt. Dieser Plan hängt mit einem der bezauberndsten Orte in Amsterdam zusammen, dem Beginenhof, und mit einem Gelübde, das Stella einst getan hat. Gerry dagegen, ehemaliger Architekt, hat weitgehend abgeschlossen mit seinem Leben, in dem der Alkohol eine zu große Rolle spielt. Während ihrer Reise drängt allmählich ein Ereignis aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Belfast, Nordirland, immer stärker an die Oberfläche, etwas, das ihr ganzes Leben geprägt hat. Am Ende zeigt sich, wie tief der Graben zwischen ihnen wirklich ist. 

Ein dichter, bewegender und aufwühlender Roman voller Lebensklugheit, Komik und Tragik.  

ÜBER DEN AUTOR:

Bernard MacLaverty, geboren 1942 in Belfast, erhielt u. a. den Scottish Arts Council Book Award und den Lord Provost of Glasgow’s Award for Literature für seine Erzählungen, Romane und Drehbücher. Seine Romane «Cal» und «Lamb – der Ausgeflogene» wurden erfolgreich verfilmt. Bernard MacLaverty lebt mit seiner Familie in Glasgow. Sein Roman «Midwinter Break» (Schnee in Amsterdam) wurde ausgezeichnet als Novel of the Year bei den Irish Book Awards 2017. Eine Verfilmung des Romans ist bereits in Planung.

05.01.2019

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 204 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 204 bis Ende
Langeweile kommentierte am 21. Dezember 2018 um 13:48

Es ist geklärt worden, was damals in Irland geschehen ist und warum Stella ein Versprechen gegeben hat. Schlimm, wenn man sowas sein ganzes Leben mit sich herumträgt.

Als Stella  Gerry  sagt,  dass sie ihn verlassen will, wird ihm bewusst, wie wichtig sie für ihn ist.  Sein spontaner Entschluss mit dem Trinken aufzuhören, ist ihm glaube ich ernst, hoffentlich schafft er es. Ich hoffe sehr, die beiden finden wieder eine Ebene miteinander zu leben.  Ich glaube, Stella hätte ihr Vorhaben auch nicht wirklich umsetzen können, sie hängt immer noch an ihrem Mann. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie sich Sorgen macht, wie er alleine zurecht kommen würde.

Die Sache mit den Blumenzwiebeln  fand ich sehr schön. 

Insgesamt gesehen, ein positiver Schluss. 

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Havers kommentierte am 22. Dezember 2018 um 06:07

Findest du? Finde ich gar nicht. Es wird sich doch nichts ändern. Ja, vielleicht hört er mit der Trinkerei auf, aber ihre Konzentration auf die Religion wird mit Sicherheit nicht nachlassen. Sie wird sich weiter grämen, dass sie ihr Gelübde nicht erfüllen konnte, wird weiter mit dem Lben, das sie führt, unzufrieden sein.

Ja, sie werden zusammenbleiben bis sie sterben. Aber Liebe? Für mich ist das eine Beziehung, die auf Gewöhnung basiert und für beide das "kleinere Übel" ist, verglichen mit einem Leben allein.

Ich habe zum Ende hin regelrechte Aggressionen bekommen. Anstatt froh und dankbar zu sein, dass sie im Alter nicht allein sein müssen, treten BEIDE ihre Beziehung durch ihre Passivität mit Füßen. Sie sagt, sie will ausziehen, aber dann gibt es noch nicht mal eine Diskussion darüber, keinen Versuch von Gerrys Seite, ihr das auszureden. Und dieses "Ich will gottesfürchtig leben" von Stellas Seite...wenn sie eine Möglichkeit braucht, um ihr Gelübde zu erfüllen, soll sie sich doch karitative Arbeit suchen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Tage nützlich zu füllen, ohne weinerlich und in Selbstmitleid zu zerfließen, in der Ecke zu sitzen.

Ihr merkt, ich bin ziemlich geladen, weil ich mich über dieses egoitische Verhalten tierisch aufrege.

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Nala kommentierte am 22. Dezember 2018 um 08:34

Sie ist egoistisch, sind das aber nicht viele Menschen? Ich bin nicht genervt von ihr gewesen, gerade weil sie für so viele Menschen steht, die ähnlich sind. Man denkt doch immer zuerst an sich bzw meistens. Sie denkt daran, dass sie ein anderes Leben führen möchte aufgrund ihrer Erfahrung. Fehler dabei bei sich selbst zu suchen ist deutlich anstrengender, als jemand andrs für etwas verantwortlich zu machen. Das zeigt sich doch schon daran, dass so gern über andere teilweise fremd Menschen hergezogen wird, obwohl man selbst nicht perfekt ist.

Grundsätzlich muss ich aber zustimmen, dass sie sich ebenfalls ändern muss, bzw an sich arbeiten muss. Ich hatte ein ähnlichen Pärchen im Freundeskreis. Sie störte sich daran, dass er raucht, spionierte ihm aber immer hinterher. Er hat es sich gefallen lassen. Schließlich wollte sie das er mit dem rauchen aufhört. Er tat dies und bat sie ihm mehr zu vertrauen. Das Rauchen hat er beendet, sie aber das spionieren nicht, in jedem Streit wurde es vorgeworfen, bis die beiden sich schließlich getrennt haben. Die Beziehung ging damals zwar nur über knapp 9 Jahre, aber dies ist heutzutage auch schon eine lange Zeit. 

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Frieda-Anna kommentierte am 25. Dezember 2018 um 09:48

Ich denke, dass sich bei beiden nichts ändert und ich glaube auch nicht, dass er mit dem Trinken aufhört. Ich befürchte, dass diese Ehe unveränderrt weiter gelebt wird, bis einer von beiden stirbt. Der eine als Alkoholiker , die andere als ein Mensch mit einer unerfüllten Lebensaufgabe. So traurig wie das auch sein mag, so ist und wird es in vielen Partnerschaften. 

Soll das Buch jetzt vom Autor eine Warnung sein, oder eine Darstellung der Realität in vielen Ehen? 

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Odenwaldwurm kommentierte am 26. Dezember 2018 um 03:12

Genau das ist auch meine Vermutung. Aber ist das ein gutes und schönes Leben?

Wäre die Trennung doch besser?

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Frieda-Anna kommentierte am 27. Dezember 2018 um 17:53

Weiß ich auch nicht. Das ist so ungefähr, als wenn man zwischen Pest und Cholera auswählen müsste.

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Fornika kommentierte am 26. Dezember 2018 um 15:21

Ich glaube auch nicht, dass die beiden sich noch ändern können. Dafür ist das Verhalten zu festgefahren. Vielleicht schafft er es etwas weniger zu trinken, aber dafür wird er Hilfe brauchen. Von Stella sehe ich die nicht kommen. Sie wird bis zu ihrem Tod Verpasstem hinterher trauern. Kein versöhnlicher Schluss für dieses Buch.

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Frieda-Anna kommentierte am 27. Dezember 2018 um 17:54

Da stimme ich dir hier in allem voll zu! 

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 18:00

Sicher die Realität, wenn sich zwischen zwei Menschen das Schweigen breit gemacht hat. Sie werden zusammenbleiben, weil sie keine Alternative suchen wollen. Stella hätte eine finden können, aber da ihr erster Versuch gescheitert ist und sie fast 30 Jahre gebraucht hat um ihn zu unternehmen, wird es bei ihr wohl unverändert weitergehen. Bei Gerry sehe ich auch nicht sehr viel Hoffnung, dass er seine Sucht in Griff bekommt.

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 18:04

Und dieses "Ich will gottesfürchtig leben" von Stellas Seite...

Das hat mich auch genervt, dieses Gelübde muss bei Stella für alles herhalten, was in ihrem Leben nicht glücklich gewesen ist. Aber vieles liegt auch bei ihr. Warum hat sie Gerrys Trinkerei in den Anfangsjahren ignoriert? Ist das nicht auch eine Form von Bequemlichkeit?

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Chapialis kommentierte am 03. Januar 2019 um 20:29

Ich sehe das "leider" genau so wie du. Habe mich auch ziemlich aufgeregt zum Ende hin und hätte mir da doch etwas anderes gewünscht. Irgendwie ist man so unzufrieden, weil man eben davon ausgeht, dass es genau so weitergeht bei den Beiden. Schade! 

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Odenwaldwurm kommentierte am 26. Dezember 2018 um 03:10

Das Ende sieht zur Zeit zwar Positiv aus. Aber ist es das auch? 

Denn ich denke das es schwer sein wird, dass sich beide ändern. Aber dass ist die Voraussetzung das es einge gute Zukunft für beide gibt. Sonst geht alles weiter wie es bisher schon war.

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 17:56

Die Blumenzwiebel und die Werthers Echte waren einfach vergessene Einkäufe. Aber ich sehe nicht viel Positives bei den Beiden. Sie werden sich nicht ändern und selbst wenn Gerry die Sauferei in Griff bekommt, es bleibt immer noch die Leere zwischen ihnen.

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Fornika kommentierte am 30. Dezember 2018 um 16:11

Ich fand den Zwiebelkauf gar nicht so spektakulär, auch gar nicht unbedingt ein Zeichen seiner Zuneigung. Die Situation war eher so ein ach-ich-könnte-ja-mal, vergleichbar mit Blumen von der Tankstelle, in letzter Sekunde gekauft ; )

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Frieda-Anna kommentierte am 25. Dezember 2018 um 09:40

Stella und Gerry stehen für die meisten Paare unserer Gesellschaft behaupte ich jetzt einfach.

Die Kinder sind aus dem Haus, der berufliche Weg ist beendet und jetzt ist nicht mehr viel übrig, außer der Partner, der im !aufe der Zeit so selbstverständlich geworden ist und der jetzt bei der Selbstverwirklichung, wie realitätsfremd sie auch sein mag, stört. 

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Havers kommentierte am 26. Dezember 2018 um 12:20

Das kann, muss aber nicht so sein. Und wenn es denn so wäre, scheint mir das doch schon sehr deprimierend.

Bei Stella und Gerry trifft das zu, aber ich denke, das ist ein schleichender Prozess. Wenn Paare schon im Laufe der Ehe stumm nebeneinander her leben, mag das schon so enden.

Aber gerade dieser Lebensabschnitt bietet doch so viele Chancen. Endlich genügend Zeit füreinander, keine Verpflichtungen mehr den Kindern gegenüber, ist doch prima. Jetzt kann man gemeinsam die Projekte angehen, für die im Laufe des Berufslebens die zur Verfügung stehende Zeit zu knapp war.

 

 

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 18:08

Das würde ich jetzt nicht unterschreiben wollen. Es wird solche Ehepaare geben, aber es ist wohl nicht die Mehrheit. Ich denke, es liegt auch an Stellas übersteigerter Religiosität.

Verstehe mich richtig, nichts gegen gläubige Menschen - aber Stella benützt ihr Gelübde und ihren Glauben wie einen Panzer durch den sie Gerry nicht mehr einlassen möchte.

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Odenwaldwurm kommentierte am 26. Dezember 2018 um 03:06

Als Stella Gerry sagte, dass sie die Beziehung enden will, ist Gerry endlich bewusst geworden. Das sie es erst meint und dass er etwas ändern muss, wenn es sie halten will. Sein spontan Entschluss, dass er mit dem Trinke aufhören will, finde ich gut und er meint es sicherlich auch ernst. Aber ich bezweifelte es das es so einfach geht. Ich wünsche es beide, dass er es schafft. Denn ohne diesen Punkt wird er sie nicht halten können, auch wenn sie noch an ihm hängt. Aber dass habe ich auch, als ich mich nach 9 Jahren getrennt habe.  Da ich nicht aus hass gegangen bin, sondern wir haben uns nur auseinander gelebt habe. Eigentlich wie die beiden. Aber beide haben Angst vor dem Alleinsein, deshalb glaube ich sie werden doch zusammen bleiben. Dann sollte sich Stella auch etwas ändern. Vielleicht kommt ja dann sogar die liebe zurück. Ob das gut für beide ist, weiß ist nicht.

Die Idee mit den Blumenzwiebeln fand ich toll. Man merkt dass er sich trotz Alkohol Gedanken um Stella macht.

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superlesehelden kommentierte am 26. Dezember 2018 um 17:07

Dass Gerry Stella die Blumenzwiebeln geschenkt hat, fand ich auch eine sehr schöne Geste. :-) Irgendwie habe ich das als Metapher für ihre Ehe empfunden - vielleicht gibt es doch noch Hoffnung, vielleicht kann ihre Beziehung doch noch wieder "blühen".

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3KatzenMama kommentierte am 26. Dezember 2018 um 16:21

Stella, die angesichts der nicht-aufnahme in der Glaubensgruppe desillusioniert ist ; Gerry, der plötzlich trocken werden will, weil er nur so die Chance haben kann, dass Stella bei ihm bleibt.
Es tun auch also angesichts der nun reflektiert denkenden Eheleute Perspektiven auf, wenn diese auch lediglich sehr fragil& vage erscheinen.
Ob die Ehe tatsächlich bestand haben wird, ist nicht sicher.
Aber was ist schon sicher...

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superlesehelden kommentierte am 26. Dezember 2018 um 17:20

Ich habe das Buch nun auch beendet. :-) Im letzten Teil hat sich die Handlung - d.h. vielmehr die Beziehungsprobleme der beiden Protagonisten - so richtig zugespitzt. Endlich sind einige Sachen auf den Tisch gekommen: Als Leser*in hat man intensiver an Stellas traumatischer Erfahrung des Angeschossen-werdens teilgenommen und man hat den Grund für ihre Religiösität erfahren; Stella hat ihrem Mann offenbart, dass sie ihn verlassen möchte und Gerry hat - nachdem sein Alkoholspiegel gesunken war - darauf reagiert. Außerdem hat er endlich begriffen, wie wichtig Stella ihm ist und dass er (darum) mit der Trinkerei aufhören muss.

Ob die Ehe der beiden besser wird, ob Gerry und Stella glücklicher werden, steht am Ende nicht fest. Aber meiner Meinung nach gibt es Hoffnung für sie als Paar, auch wenn es vielleicht nur ein Hoffnungsfunken ist ... Jedenfalls fand ich die letzten Sätze des Buches sehr positiv - eine kleine Liebeserklärung von Gerry an Stella. :-) 

Dass das Ende ein Stück weit offen ist, gefällt mir übrigens sehr gut. Ein Happy End wäre absolut unglaubwürdig und kitschig gewesen und hätte außerdem nicht zum Stil des Buches (und des Autors) gepasst. 

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 18:12

Da stimme ich dir zu, nur mit einem offenes Ende kann dieses Buch enden. Denn der Autor lässt ja zwischen den Zeilen viel Raum für Interpretation.

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Bibliomarie kommentierte am 27. Dezember 2018 um 17:54

Ein Gelübde in Todesangst gegeben - das ist es, was Stellas Leben überschattet hat. So relegiös sie erzogen wurde und auch fühlt, ist dieses nicht eingelöste Versprechen wahrscheinlich eine schwere Last für sie gewesen. Aber sie hat wohl nie mit jemandem darüber gesprochen, warum nicht? Ein Beichtvater wäre bei ihr doch sicher immer in Reichweite gewesen.

Gerry ist ein haltloser Trinker, die Nacht auf dem Flughafen beweist es. Bevor er einen Tropfen wegschüttet, trinkt er lieber alles. Stella spricht in dieser Nacht zum ersten Mal seinen Trinken an. Warum erst jetzt? Wegschauen hat auch was mit Bequemlichkeit zu tun!

Ob diese Ehe noch eine Chance hat? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht. Ich fand, das beide Personen einfach nur larmoyant waren. Stelle ging mir auf die Nerven. Sie kann das Ave Maria in 4 Sprachen und ist stolz darauf - so what.

Eine einfache Geschichte in geschliffenen Sätzen, das ist sicher richtig. Aber interessant könnte auch eine einfache Geschichte sein und das war diese hier nicht !

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dj79 kommentierte am 27. Dezember 2018 um 21:56

Das ganze Buch über scheint Stella sich selbst nicht im Klaren darüber zu sein, ob sie mit Gerry Klartext reden soll oder sich von ihm trennen. Zunächst ist sie in meinen Augen allerdings auf Flucht gepolt, traut sich aber nicht auszusprechen, was ihr unter den Nägeln brennt. Das führt zu ziemlich langwieriger Rumeierei. Beides scheint ihr schwer zu fallen, was ich nach so vielen Ehejahren und so vielen gemeinsamen Erinnerungen auch nachvollziehen kann.

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AnnBee kommentierte am 28. Dezember 2018 um 11:14

Hm, also meine Begeisterung für dieses Buch hat mit jedem Abschnitt abgenommen. Überflüssig und viel zu lang fand ich den Abschnitt, wo Gerry seitenweise auflistet, was Stella alles weiß. Ich glaube nicht, dass er mit dem Trinken so einfach aufhören wird. Er wird es versuchen, wieder anfangen, es vor ihr verheimlichen zu versuchen...mir ist auch nicht klar, ob der Autor den Alkoholismus durch Stellas Schussverletzung vor 42 Jahren erklären will? Das war sicher furchtbar, aber Frau und Kind haben überlebt, das scheint mir keine hinreichende Erklärung.

Stella tut mir leid, ich kann sie schon verstehen. Kind und Enkelkind weit weg, Berufsleben vorbei, und ihr Partner für den Lebensabend säuft immerzu. Für sie fühlt es sich so an, dass sie ihr Leben lang seine "Gärtnerin" war, ihn bekocht und den Haushalt besorgt hat, sich um ihn sorgte, das Kind großzog, pipapo. Von ihm kommt nur "Was gibt es heute zum Abendessen" und Lügen über seinen Alkoholkonsum. Kein Wunder, dass sie sich da nach einer Alternative sehnt, die ihrem Leben wieder einen Sinn verleiht. Diese Religiösität geht mir auch auf die Nerven, aber insgesamt bin ich "Team Stella". 

 

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dj79 kommentierte am 29. Dezember 2018 um 15:40

Mein Herz schlägt insgesamt auch mehr für Stella, da der Alkohol-Exzess von Gerry einfach nur unerträglich für mich ist. Insgesamt gingen mir aber beide derart auf die Nerven, dass ich den Roman trotz des schönen Schreibstils nicht richtig gut finden kann. Ausgehend von den anfänglich noch fast sympathischen Neckereien haben sich die Verhaltensweisen der beiden, die gegenseitigen Gedanken übereinander und damit einhergehenden, unausgesprochenen Schuldzuweisungen zu einer großen Nerverei ausgewachsen. Leider, denn Lesefluss und Sprache haben mir schon gefallen.

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Bibliomarie kommentierte am 29. Dezember 2018 um 15:52

Mir geht es ähnlich. Die Sprache, der Stil - das hat mich beeindruckt. Der Autor drückt so viel zwischen den Zeilen aus, aber es hat mich letztendlich auch genervt. Dieses ständige Kreisen um sich selbst. Dieses Jahrzehnte alte Gelübde, das Stella nun auf der Seele drückt ohne dass sie bisher sich ernsthaft damit auseinander gesetzt hat.

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Lester kommentierte am 31. Dezember 2018 um 10:54

Ich sehe das alles auch so. Der letzte Abschnitt wurde langweilig. 

Insgesamt aber ein gutes Buch. Sicherlich bin ich auch auf Stellas Seite. Man darf ihren Religions Wahn nicht mit seiner Trinksucht gleichsetzen. Eine Ehe kann funktionieren wenn nur einer glaubt, wenn aber einer trinkt, wird das Trinken immer wichtiger sein als der Partner. 

Ich habe beim Lesen immer eine Verbundenheit der beiden gespürt. Sie haben soviel zusammen durchgemacht, das ich auf ein gutes Ende hoffte.

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superlesehelden kommentierte am 06. Januar 2019 um 18:25

Der Begriff "Verbundenheit" gefällt mir in Bezug auf die beiden. Das habe ich auch herausgelesen. :-) Denn trotz all der Probleme, die Gerry und Stella haben, gibt es da doch diese Verbundenheit, diese Vertrautheit (wenn auch oberflächlich), die sie noch immer zusammenhält.

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Bouquiniste kommentierte am 01. Januar 2019 um 15:47

Der dritte Teil hat nun einige Antworten gebracht. Ich verstehe Stellas Beweggründe besser. Nachdem sie durch einen Schuss fast gestorben war, hatte sie ein Gelübte gegenüber Gott abgelegt, dass sie aber nie eingelöst hat. Das belastete sie die ganze Zeit. Ich bin bei weitem nicht so gläubig, wie Stella und habe manchmal in diesen Sachen ein wenig Verständnisprobleme. Sie drehte sich für meine Begriffe schon sehr oft um sich selbst, anstelle auch mal von sich aus in die gemeinsame Beziehung zu investieren.

Trotzdem konnte ich Gerry und Stella gut mögen. Auch wenn sie eine Menge Fehler haben. Aber wer hat die nicht. Bei anderen fällt es uns immer einfacher, diese zu erkennen, aber wie leicht kann es sein, in eine ähnliche Situation wie die beiden zu geraten.

Das Buch zeigt sehr gut, wie eine Beziehung nicht sein sollte. Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Das Ende hat mir persönlich sehr gut gefallen. Kein Happy End sondern offen, aber mit einem Schimmer von Hoffnung. Die gesamte Zeit über war alles sehr negativ bis depressiv gehalten. Da war es richtig schön, diese positive Note am Ende zu haben. Ob die beiden es wirklich schaffe, dass ist schwer zu sagen. Leicht wird es nicht und jeder Leser hat hier bestimmt eine eigene Anschauung, wie es enden mag. Ich wünsche es den beiden, dass es ihnen gelingt, denn für mich hatten sie trotz all den Differenzen immer noch eine Bindung zu einander.

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Frieda-Anna kommentierte am 01. Januar 2019 um 17:59

Du hast das richtig gut auf den Punkt gebracht. So ging es mir am Ende des Buches auch und ich kann dir in allem voll zustimmen. 

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Michelly kommentierte am 03. Januar 2019 um 15:35

Ich bin nun auch durch mit dem letzten Teil. Für mich hat das Buch kein positives Ende. Ich befürchte, die beiden treten weiterhin auf der Stelle oder aber Stella zieht ihren Entschluss durch. Dass Gerry aufhören will zu trinken, ändert vermutlich gar nichts, irgendwann ist es einfach zu spät. 

Sehr schön fand ich aber, als Gerry aufzählt, was Stella alles kann und worin sie gut ist. Vielleicht hätten die beiden etwas früher über diese Dinge nachdenken sollen...

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Frieda-Anna kommentierte am 03. Januar 2019 um 18:28

Ich hatte die Aufzählung von ihm eher ironisch und ein wenig sarkastisch empfunden. 

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Michelly kommentierte am 03. Januar 2019 um 18:57

Wirklich, das habe ich gar nicht so  empfunden. Eher so, als hätte er sich an große und kleine Dinge erinnert, die Stella ausmachen und die liebenswert sind.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 204 bis Ende
Frieda-Anna kommentierte am 03. Januar 2019 um 20:23

Ich habs gerade nochmal gelesen und festgestellt, dass man es tatsächlich so und so auslegen kann. Irre, wie unterschiedlich wir wahrgenommen haben :-). Mich würde jetzt interessieren, wie es bei unseren anderen Mitlesern angekommen ist!!??

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superlesehelden kommentierte am 06. Januar 2019 um 18:40

Ich stehe gerade ein bisschen auf dem Schlauch ... Welche Textstelle meint ihr genau? Könnt ihr vielleicht noch mal die betreffende Seite nennen - vielen Dank! :-)

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Frieda-Anna kommentierte am 06. Januar 2019 um 19:06

Na, klar! Es geht los auf Seite 245 unten mit: Sie wusste alles.

Thema: Lektüre, Teil III; Seite 204 bis Ende
superlesehelden kommentierte am 09. Januar 2019 um 23:40

Vielen Dank!

So, ich habe die Seiten jetzt auch noch mal gelesen. :-) Und ich glaube, dass Gerry es schon ein bisserl sarkastisch gemeint hat, was er alles über Stella "Fähigkeiten" schreibt. Das ist ja wirklich eine endlose Liste und ich musste beim Lesen noch mal schmunzeln. Allerdings denke ich, dass das Sarkastische u.a. Gerrys Alkoholpegel geschuldet ist. An dieser Stelle ist es MacLaverty mal wieder gut gelungen, einen alkoholisierten Gerry darzustellen, bei dem die (britische) Spottlust durchbricht. ;-) Und ein möglicher Subtext könnte lauten: "Ach, sie weiß sowieso immer alles besser!"