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Leserunde zu "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" (Julia Jost)

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht -

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht
von Julia Jost

Bewerbungsphase: Bis zum 01.02.

Beginn der Leserunde: 08.02. (Ende: 29.02.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Suhrkamp Verlags – 20 Freiexemplare von "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" (Julia Jost) zur Verfügung. 

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Es ist das Jahr 1994. In einem Kärntner Dorf am Fuß der Karawanken sitzt die Erzählerin unter einem Lkw und beobachtet die Welt und die Menschen knieabwärts. Sie ist elf Jahre alt und spielt Verstecken mit ihrer Freundin Luca aus Bosnien. Zum letzten Mal, denn die Familie zieht um. Der Hof ist zu klein geworden für den Ehrgeiz der Mutter, die ausschließlich eines im Kopf hat – bürgerlich werden! Nach und nach treffen immer mehr Nachbarsleute ein, um beim Umzug zu helfen, und das Kind in seinem Versteck beginnt zu erzählen: von seiner Angst, im Katzlteich ertränkt zu werden, weil es kurze Haare hat. Weil es Bubenjeans trägt. Weil es heimlich in Luca verliebt ist. Dabei ist sie nicht die Einzige, die etwas verbergen muss. Sie kennt Geschichten über die Ankommenden, die in tiefe Abgründe blicken lassen und doch auch Mitgefühl wecken.

Julia Jost schildert in ihrem Debütroman das Aufwachsen in einer archaischen Bergwelt zwischen Stammtisch und Beichtstuhl – und wie man hier als querstehendes Kind überlebt und sich der vorgegebenen Ordnung widersetzt: dank einer zärtlichen Freundschaft und durch ein wildes, überbordendes Erzählen, das die Wirklichkeit besser macht, als sie ist.

»Wenn Sie einen Kübel Eiswasser über den Kopf kriegen und waschlnaß nach Hause gehen wollen, dann sind Sie hier richtig. Diese heitere Bösartigkeit führt vielleicht zur Verbesserung der Welt, vielleicht aber auch nur ins nächste Wirtshaus. Sie können ja beides ausprobieren.« Elfriede Jelinek

ÜBER DIE AUTORIN:

Julia Jost, geboren 1982 in Kärnten, Österreich, studierte Philosophie, Bildhauerei und Theaterregie. Sie arbeitete als Regisseurin und Dramaturgin in der freien Szene sowie u. a. am Thalia Theater Hamburg. 2019 wurde sie für einen Auszug aus Wo der spitzeste Zahn der Karawanken … mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Ihr Theaterstück ROM feiert im April 2024 am Volkstheater Wien Premiere. Julia Jost lebt in Wien und Berlin.

29.02.2024

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75
nikolausi kommentierte am 10. Februar 2024 um 14:06

Im Hinblick auf die Inhaltsangabe im Buchumschlag war ich gleich davon überzeugt, ein gutes Buch zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ein wenig erinnert mich die Geschichte an die Romane von Monika Helfer über ihre Familie ("Die Bagage" und Folgebände), die ja genau wie Julia Jost Österreicherin ist. Die Familie der 11jährigen Erzählerin, deren Namen wir nicht kennenlernen, deren Vorname aber die Initiale "J." (wie der Name der Autorin) hat, besteht aus vielen skurrilen Personen und ihre Geschichte habe ich mit Interesse verfolgt, vor allem die der Großeltern Bressel und der Mutter Margarete, die anscheinend manisch und kaufsüchtig ist . Gut gefallen haben mir die eingestreuten wörtlichen Reden in Kärnter Mundart. Auf diese Weise wirken die Personen recht bildhaft.

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Musiklexikon kommentierte am 11. Februar 2024 um 11:09

Mir gefällt der bildhafte Schreibstil sehr gut. Ich bin schon Teil der Geschichte geworden und kann mich sehr gut in die Figuren hineinversetzen. Die österreichischen Dialekte haben es mir sowieso angetan und ich beschäftige mich gerne mit Österreich und kenne mich mittlerweile auch ein wenig aus. Der Kärntner Dialekt hat die Geschichte für mich noch bildhafter gemacht, deshalb bin ich so begeistert von der Geschichte. Eine Playlist mit Austropop wäre noch schön gewesen, denn das ist mein hauptsächlicher Berührungspunkt mit unseren Nachbarn, weil ich sowieso Musik aller Art liebe. Aber die Musik von Wolfgang Ambros begleitet mich schon sehr lange und mittlerweile werden es mehr und mehr Interpreten, die mir gefallen.

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LeserinL kommentierte am 18. Februar 2024 um 08:47

Hi, es gibt eine Playlist zum Roman auf der Seite von Suhrkamp: https://www.suhrkamp.de/hintergrund/julia-jost-und-der-spitzeste-zahn-de...

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 14:49

Durch den Dialekt wird es zwar bildhaft und authentisch, aber für mich auch schwer zu lesen.

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schaebelchen kommentierte am 11. Februar 2024 um 19:44

Für mich ist nicht so einfach, in dieses Buch reinzufinden. Inhaltlich finde ich es eigentlich gut, aber es schon schwer zu lesen. Das liegt für mich aber auch daran, dass es praktisch keine Absätze gibt und die Sätze teilweise endlos. Dadurch finde ich beim Lesen kaum Ruhepausen. Ansonsten ist die Geschichte schon sehr bildhaft beschrieben und amn kann sich die Familenmitglieder in ihren jeweiligen Zeiten sehr gut vorstellen.

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Xana kommentierte am 13. Februar 2024 um 12:03

Mir geht es so wie dir. Zusätzlich fühle ich mich vom österreichischen Dialekt leider ziemlich überfordert und stolpere da immer wieder darüber. An sich kommen die Charaktere aber sehr gut rüber.

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Dajobama kommentierte am 11. Februar 2024 um 20:10

Ein recht spezieller Roman wie ich finde. Extravaganter Schreibstil, generationenumfassend. Schon interessant, aber auch anstrengend zu lesen. MIttlerweile bin ich aber einigermaßen angekommen.

Ich mag die österreichischen Ausdrücke und Wendungen. Da komme ich als Bayerin ganz gut zurecht. Aber auch die Lebensweise ist sehr gut beschrieben finde ich. Auch wenn ich manches Mal schlucken musste. Beispielsweise als Franzis Tod so sachlich erzählt wurde. Uff. Gerade die kindliche Sichtweise finde ich da ganz erfrischend, wenn es um innerfamiliäre Differenzen mit der Großmutter oder zwischen den Eltern geht. Allerdings bin ich mir noch nicht so sicher, ob diese kindliche Erzählsicht mit der literarischen Sprache unbedingt zusammenpasst.

Es wird schon klar, dass das Mädchen seinen eigenen Kopf hat. Sie ist anders als andere Mädchen und lässt sich auch nicht unbedingt etwas sagen. Das wird sicher noch interessant.

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isalo kommentierte am 12. Februar 2024 um 12:37

"Auch wenn ich manches Mal schlucken musste. Beispielsweise als Franzis Tod so sachlich erzählt wurde. Uff."

Das fand ich auch heftig.

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Dajobama kommentierte am 12. Februar 2024 um 17:36

Oder auch die Spekulationen darüber, wie der Großvater wohl ums Leben gekommen ist. Lauter gruselige Szenarien!

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LeserinL kommentierte am 17. Februar 2024 um 19:46

Das macht aber auch noch einmal bewusst, wie viel Kinder eigentlich mitbekommen können, auch wenn man denkt, das sei nicht so - im Gegenteil: Spricht man nicht offen, macht sich die Fantasie selbstständig. Ich fand das gut getroffen!

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Xana kommentierte am 13. Februar 2024 um 12:04

Ich fand manch eine Beschreibung auch erstaunlich nüchtern. Franzis Tod und auch den Missbrauch davor...

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Naibenak kommentierte am 14. Februar 2024 um 12:42

Oh ja, die Szene mit dem Missbrauch war heftig... so nebenher erwähnt, als wäre das ganz was Normales auf dem Lande. War es wahrscheinlich auch. Waahhh... fürchterlich:(

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GAIA kommentierte am 15. Februar 2024 um 12:30

Allerdings bin ich mir noch nicht so sicher, ob diese kindliche Erzählsicht mit der literarischen Sprache unbedingt zusammenpasst.

Das würde zu meinem Empfinden passen, dass auf Seite 44 erwähnt wird, sie habe erst im Alter von 21 Jahren ihre erste Cola getrunken. Das würde eben bedeuten, dass wir es gar nicht mit einer kindlichen Erzählerin zu tun haben, sondern mit einer Erwachsenen, die rückblickend erzählt. Und das passt wieder nicht zum Präsens, in dem die "Unter dem LKW"-Szenen geschrieben sind.

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Dajobama kommentierte am 15. Februar 2024 um 13:10

Ah, das ist seltsam. Das ist mir gar nicht aufgefallen...

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LeserinL kommentierte am 17. Februar 2024 um 19:50

Danke für die gute Beobachtung! Dann ist das wohl eher eine erwachsene Erzählerin, die Zurückliegendes im Präsens erzählt, um die Wirkung von Unmittelbarkeit zu erzielen. Mir gefällt diese interessante Erzählweise gut, außerdem war ich erleichtert, dass nicht das naive Erzählen eines 11-jährigen Kindes nachgemacht wird.

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 14:51

Das mit Franzis Tod wird wirklich sehr emotionslos beschrieben, dabei ist es doch sehr tragisch und muss etwas mit den Kindern machen.

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Sommerkindt kommentierte am 11. Februar 2024 um 20:51

Ich bin zwar mit dem Abschnitt noch nicht ganz durch, aber der Roman ließt sich wirklich sehr ransant.

Was mir allerdings aufgefallen ist, dass alle die Großmutter nicht mögen. Aber mal ganz ehrlich die Großmutter hat zeit ihres Lebens nur Ablehnung erfahren. Ihr Vater hat sie quasi verschachert, an einen Mann der sie nicht mal liebte. Und für den sie offensichtlich nicht wirklich Gefühle hegte. Als dieser dann unerwartet stirbt und ihr ein unbedachter Satz über die Lippen rutscht, ist sie schon wieder abgestempelt, als die Frau, die froh ist das ihr Mann tot ist. Das er sie nie gut behandelt hat, daran denken sie nicht mal. Wie schlimm muss es für die Frau sein, das selbst die engsten Familienangehörigen , sie nicht mal mögen.  Ist es da verwunderlich, dass sie sich so einigelt und wie ein verwundetes Tier um sich beißt?

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 14:54

Das er sie nie gut behandelt hat, daran denken sie nicht mal. Wie schlimm muss es für die Frau sein, das selbst die engsten Familienangehörigen , sie nicht mal mögen. 

Aber sie ist auch nun mal keine Frau, die man mag und scheint sich - meiner Meinung nach - auch in dieser Rolle zu gefallen. Zumindest versucht sie nicht, entsprechend auf andere zuzugehen.

 

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Naibenak kommentierte am 13. Februar 2024 um 09:04

Hallo zusammen :) Bin gestern gestartet, aber erst bis Seite 28 gekommen. Ich muss zugeben, dass es mir anfangs nicht ganz leicht gefallen ist, mich einzulesen. Der Schreibstil ist enorm bildhaft (was ich grundsätzlich liebe) und es sind teils echt lange Sätze (was mir das Lesen wohl erschwert^^). Ich muss schon sehr konzentriert sein, vorallem auch dann, wenn die österreichische Umgangssprache hinzukommt. Aber es geht schon besser jetzt als ganz am Anfang. Und ich mag es auch recht gern. Dass gleich zu Beginn ein so tragischer Unfall passiert, hab ich aber nicht erwartet. Irgendwie hab ich mit sowas gar nicht gerechnet im Buch. Naja... schauen wir mal, was noch so kommt ;)

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LeserinL kommentierte am 17. Februar 2024 um 19:51

Das stimmt, ich musste auch erst einmal hineinkommen und konnte nicht von Anfang mein übliches, schnelles Lesetempo beibehalten.

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isalo kommentierte am 13. Februar 2024 um 13:30

Auch ich finde, dass das Buch schwer zu lesen ist, was nicht heißen soll, dass es mir nicht gefällt. Zum einen tu ich mich schwer mit dem Dialekt; wobei ich nicht die Kursivsätze meine, sondern die normalen. Da schleicht sich in den Satzbau auch so etwas wie Mundart ein. Zum anderen komm ich nicht so flott vorwärts, weil ich mir immer wieder die bildhaften Redewendungen noch einmal zu Gemüte führen muss.

Im ersten Abschnitt wird die Familie der unter dem Umzugswagen liegenden 11-jährigen bis ins kleinste Detail vorgestellt – mehrere Generationen zurück – angefangen als arme Dorfbauern – nunmehr emporgearbeitet. Bei der Vorstellung von Nachbarskindern und Schulkameraden läuft eine Mutprobe derart aus dem Ruder, dass ein Junge stirbt. Die Unaufgeregtheit mit der dieses Ereignis geschilderte wird, hat mich betroffen gemacht.

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Naibenak kommentierte am 14. Februar 2024 um 08:29

Ja genau. Dieser gesamte österreichische Sprachsound, wenn ich es so nennen will, muss erstmal sacken. Also bei mir hat es ein wenig gebraucht. Inzwischen habe ich weitergelesen (bin aber noch nicht durch mit dem Abschnitt) und ich bin wohl sprachlich jetzt angekommen und genieße. Es ist mittlerweile wie eine Art Kopfkino, was sich entwickelt. Weil die Sprache und auch die Beschreibungen der Personen und Umgebung sehr toll ein Bild schaffen. Passt prima zusammen.

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GAIA kommentierte am 15. Februar 2024 um 12:37

Bezüglich der Familie, die über mehrere Generationen vorgestellt wird: Hier finde ich es auch recht kompliziert konzipiert, dass sich die Erzählerin an eine Sache erinnert und innerhalb der Schilderung an dieses Vorkommnis (oder eben eine Geschichte, die vor ihrer Geburt passierte, die sie scheinbar aus zweiter Hand weiß) dann wieder ein Punkt auftaucht, der an ein anderes Vorkommnis erinnert und der dann innerhalb der Erzählung immer weiter verschachtelt wird. Als Beispiel die Sache mit dem Hochzeitskleid, die fängt mit dem Eintüten ins Auto an, geht auf den Spielenachmittag mit Luca zurück, geht weiter zurück zur Mutter, geht zurück zum Kennenlernen der Eltern, geht zum Stoff des Kleides und was es damit aufsich hat, geht zum Einkaufswahn der Mutter, geht noch über zehn weitere Ecken und landet wieder bei dem Spielnachmittag und letztlich wieder beim Verpacken des Kleides zum Umzug. Das ist zwar eigentlich recht cool gemacht, mir aber häufig zu viel, vor allem, wenn man das Buch mal zwischendurch weglegt und dann gar nicht mehr weiß, was jetzt die "Rahmenszene" überhaupt war.

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Dajobama kommentierte am 15. Februar 2024 um 13:14

Ja, damit hast du schon recht. Es ist manchmal etwas verworren. Vor allem, wenn man sich wie ich, nicht die Mühe macht, das alles so ganz genau aufzudröseln. 

Ich kann jetzt kein Beispiel nennen, weil ich es mir nicht rausgeschrieben habe, aber ich hatte ein paarmal den Gedanken: woher will/kann sie das jetzt wissen? 

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 14:56

Ich finde es manchmal auch ziemlich unübersichtlich und muss öfter mal zurückblättern und schauen.

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buecherwurm1310 kommentierte am 13. Februar 2024 um 14:35

 

Nach diesem Abschnitt kann ich nur sagen: Mir gefällt diese Art, wie die Erzählerin an ihren Beobachtungen teilhaben lässt. Die Beschreibungen sind bildhaft und durch den Dialekt auch sehr authentisch. Allerdings tue ich mich mit dem Dialekt auch etwas schwer, dann muss ich mehrmals lesen, um zu verstehen. Es ist kein Buch, das man einfach mal so herunterliest.

In ihrem Umfeld gibt es nur skurrile Personen. Ihre Mutter gleicht etwas aus, indem sie grenzenlos kaufsüchtig ist. Aber die Erzählerin selbst ist auch nicht das, was die anderen von ihr erwarten. Besonders liebevoll geht man in dieser Familie wohl nicht miteinander um. Besuche bei der Großmutter scheinen für alle eine Strafe zu sein.

Die Geschichte mit dem Franzi ist tragisch, wird aber ziemlich sachlich abgehandelt.

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Naibenak kommentierte am 14. Februar 2024 um 08:31

Es ist kein Buch, das man einfach mal so herunterliest.

Definitiv. Ist bei mir genauso. Aber je mehr ich in diese "andere" Sprache eintauche, desto besser komme ich in den Lesefluss :-)

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Naibenak kommentierte am 14. Februar 2024 um 08:36

Die Großmutter Lone ist schon der Hammer. Wie sie ihre Tochter zusammenfaltet, als das Grundstück geräumt wird - holla die Waldfee! Schön, wie der Schwiegersohn dann reagiert und schlicht sagt: "Schleich di vom Grund" . Und weg ist sie mit ihrem neuen roten Fiat ;-)))

Spannend auch, dass die Großmutter dem mittleren Enkel 2x Süßes gibt: 1x für den großen Bruder und 1x für die kleine Schwester. Er selbst geht leer aus. Weil, das mittlere Kind ist ja sowas wie ein "Ersatzkind" (oder wie wurde es noch gleich bezeichnet?). Jedenfalls wird es komplett übergangen und nicht wahrgenommen.... boah, sowas ist schon heftig :(

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isalo kommentierte am 14. Februar 2024 um 12:07

Da bin ganz bei dir - genau diese Schilderungen machen das Buch zu etwas besonderen, auch wenn man schlucken muss.

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 14:59

Meine Großmutter war in solchen Sachen auch sehr eigenartig. Meine Cousins und Cousinen bekamen jedes Jahr ein Geburtstagsgeschenk, ich nur alle zwei Jahre im Wechsel mit meiner Schwester. Wäre das Geschenk kleiner ausgefallen und dafür jedes Jahr gekommen, wär's nicht aufgefallen.

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GAIA kommentierte am 15. Februar 2024 um 12:27

Mir passiert mit diesem Roman etwas merkwürdiges: Ich komme nicht so richtig voran. Heute lese ich schon den dritten Tag am Roman und habe erst 75 Seite geschafft. Das ist untypisch für mich. Normalerweise ist dies die Mindestseitenmenge pro Tag, wenn nicht gar das Doppelt- bis Dreifache. Woran liegt es also? An die regionale Sprache und auch den Sprachrhythmus habe ich mich schon nach wenigen Seiten gewöhnt. Das ist es also nicht. Jetzt nach Abschluss des ersten Leseabschnitts vermute ich (neben einer ganz eigenen Konzentrationsproblematik, die gerade eben allein in meiner Person und nicht im Roman liegt!), dass es an den Zeitformen liegt.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies so gewollt ist, aber mir erscheint die Erzählstimme in ihrer Position in der Zeit nicht konsistent. Soll heißen: Erst dachte ich, dass wir uns mit der 11jährigen Erzählerin in 1994 befinden. Diese Passagen, in denen sie unter dem LKW liegt, sind im Präsens verfasst, klingt also logisch. Dann dachte ich, dass somit alles Erzählte im Präteritum vor diesem bestimmten Zeitpunkt, nennen wir ihn "Unter dem LKW", in 1994 liegt. Bin aber immer wieder durcheinandergekommen und habe mich gefragt, ob alle Geschehnisse wirklich davor liegen. Die Familiengeschichten und -mythen sind ja schon sehr verstrickt und kompliziert. Und dann kommt die Stelle auf Seite 44, wo die Erzählerin meint: "...meine erste Cola habe ich mit einundzwanzig getrunken...". Also haben wir nun doch keine kindliche Erzählerin, sondern eine Erwachsene, die rückblickend erzählt. Dann passt für mich aber manchmal nicht die Sprache und die Glaubenssätze zu den Familienmythen, die ein Kind ja eher so widergeben würde. Ebenso die kuriosen Tode, die hier beschrieben werden (Franzi und der Opa). Diese Geschichten passen eher zu der Imagination bzw. den Erklärungsversuchen eines Kindes. Na mal sehen, ob sich das noch irgendwie erklären lässt.

Und noch eine Frage, falls ihr sie nicht schon beantwortet habt (ich lese mir gleich eure Kommentare durch): Wisst ihr, was es mit dem Ausspruch "Kritzi, kratzi." aufsich hat, der immer mal wieder (und vor allem so präsent am Ende des Leseabschnitts) auftaucht?

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isalo kommentierte am 15. Februar 2024 um 13:26

"Wisst ihr, was es mit dem Ausspruch "Kritzi, kratzi." aufsich hat, der immer mal wieder (und vor allem so präsent am Ende des Leseabschnitts) auftaucht?"

Das habe ich mich auch schon gefragt.

Ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die Probleme mit dem Text und dem Inhalt hat und nur langsam voran kommt.

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Birte kommentierte am 16. Februar 2024 um 09:53

Ich habe nochmal zurückgeblättert - auf S. 48 kommt "Kritzi, kratzi" mit vor, im Zusammenhang mit dem Umzugsstress. Und auf S. 75 ist sie wieder zurück bei den gebildeten Stapeln. Für mich ist es einerseits eine lautmalerische Anlehnung an ein Herumwühlen in den gesammelten Sachen, zum anderen vielleicht auch eine Klammer für die Szene vor dem LKW? Ich habe das Kritzi, kratzi auch nur an den zwei Stellen wiedergefunden, habt ihr mehr?

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75
Birte kommentierte am 15. Februar 2024 um 17:26

Jetzt habe auch ich den ersten Teil geschafft, und bin vor allem eins: verwirrt. Zwischendurch hätte ich mir ein Personenverzeichnis gewünscht, habe aber im Buch keins gefunden.

Aktuell habe ich nur abends Zeit zum Lesen, vielleicht braucht das Buch auch einen frischeren Kopf? So richtig packen konnte mich die Geschichte noch nicht, vielleicht auch, weil erst wenige Fäden in die Vergangenheit abgewickelt wurden. Aber wenn die Mutter wirklich Vollzeit-Lehrerin ist und dann noch in der Küche und an der Theke des Gasthofs steht, ist es für mich kein Wunder, dass sie zusammenbricht - fast schon zynisch die Begründung, warum sie nicht befördert wird (aber wohl auch nicht ganz unrealistisch).

Lese mir jetzt mal eure Gedanken zum ersten Abschnitt durch und bin schon noch neugierig, was im zweiten Leseabschnitt folgt.

 

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buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:01

Aber wenn die Mutter wirklich Vollzeit-Lehrerin ist und dann noch in der Küche und an der Theke des Gasthofs steht, ist es für mich kein Wunder, dass sie zusammenbricht - fast schon zynisch die Begründung, warum sie nicht befördert wird (aber wohl auch nicht ganz unrealistisch).

Kein Wunder, dass sie kaufsüchtig ist. Das kann ja keiner auf Dauer leisten.

 

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SunshineBaby5 kommentierte am 16. Februar 2024 um 22:30

Der Prolog hat mir gar nicht gefallen. Da dachte ich erstmal: so redet doch kein Kind. Zum Glück hat sich das dann geändert und der Sprachstil ist viel eindrücklicher. Die vielen unwichtigen Details die beschrieben werden gefallen mir sehr. Man erfährt so viel über die Personen die sich im Umfeld des Kindes befinden mit ihren lustigen Geschichten. Bisher gefällt es mir sehr.

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Naibenak kommentierte am 17. Februar 2024 um 15:54

Zum Ende dieses ersten LA muss ich sagen, dass ich völlig hin und her gerissen bin. Inhaltlich finde ich den Roman bisher klasse, die Personen werden außerdem toll gezeichnet. Besonders, wenn Ereignisse beschrieben werden, dann passiert dies sehr bildhaft und intensiv, so dass ich da super mitgenommen werde und in die österreichische Welt auf dem Land eintauche. Nun kommt das ABER ;) und das wurde hier auch schon erwähnt. Die vielen Zeitsprünge, das ständige Abschweifen und wieder zurückkehren, der häufige Wechsel der Zeitformen, lange verschachtelte Sätze... all das macht die Lektüre auch mühsam für mich. Komme nicht richtig zügig voran. Ich bin noch nicht sicher, wo die Reise hingeht und wie ich das Buch am Ende bewerte...

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75
LeserinL kommentierte am 17. Februar 2024 um 20:05

Mich hat der Roman, trotz seines, wie schon vielfach erwähnt, anspruchsvollen, dichten Erzählstils, von der ersten Seite an mit seiner ehrlichen und entlarvenden Erzählweise in den Bann gezogen. Erzählerin J. betrachtet mit scharfem Blick und entwaffnender Ehrlichkeit ihre Familie und deren Probleme. Da wir oft einem Gedankenstrom folgen, werden bereits viele Themen und Anekdoten angeschnitten und miteinander verwoben. Ein Tipp: Im ZDF Magazin Royale geht es diese Woche um Östereich, das passte gut zur Nazi-Vergangenheit des Großvaters hier im Roman.

Besonders interessant fand ich aber die Art und Weise, wie J. die Erwartungen ihrer Mutter an mädchenhaftes Verhalten reflektiert, ohne sie direkt anzusprechen. Die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen der Mutter und J.'s eigenen Interessen und Verhaltensweisen wird subtil, aber wirkungsvoll dargestellt. Ebenso werden die individuellen Probleme der Eltern - die überforderte Mutter, die ihre Leere mit Kaufsucht zu füllen versucht, und der Vater, der scheinbar Affären hat - schonungslos beleuchtet. Diese Schonungslosigkeit führte bei mir auch oft dazu, dass ich schmunzeln musste, weil die Beschreibungen so böse sind. So fließen Ironie und Spott mit ein, ohne dabei die Ernsthaftigkeit der Situation zu verlieren. 

Insgesamt ist der erste Abschnitt von "Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht" ein vielversprechender Auftakt, der mir Lust auf mehr macht und unterschiedliche Einblicke in die Welt der Protagonistin und ihrer Familie bietet. Ich freue mich darauf, mehr von Julia Josts Roman zu entdecken.

PS: Wegen dieses Romans musste ich über eine halbe Stunde in ein Hamburger Industriegebiet fahren (und dann auch wieder zurück), weil DHL es weder geschafft hat, bei der Lieferung zu klingeln, noch, das Paket in einen nahegelegenen Postshop zu bringen, noch die beantragte Zweitzustellung des Pakets auch durchzuführen. Immerhin hat die Reise sich gelohnt!

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leseleucht kommentierte am 19. Februar 2024 um 07:52

Ich hab mich mit dem Anfang etwas schwer getan. Das liegt nicht im Stil. Liest man einmal, liest es sich recht flüssig. Aber die Thematik und die Figuren sind doch recht sperrig. Das meiste bisher ist Beschreibung: von Orten, von Personen, von Vergangenheiten. Idyllisch ist es weder im Dorf noch in der Familie. Die Figuren sind recht exzentrisch in der Kompensation ihrer herkunfts- oder familiär bedingten Schwierigkeiten.

Der Tod des Mitschülers hat schon etwas Groteskes.

Die Erzählerin versteckt sich nicht nur unter dem Umzugswagen, sondern auch hinter den von ihr beschriebenen Figuren. Noch ist sie für mich nicht so recht greifbar. Und noch habe ich nicht so die rechte Ahnung, worauf hin das Ganze laufen soll.

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75
buecherwurm1310 kommentierte am 23. Februar 2024 um 15:04

Idyllisch ist es weder im Dorf noch in der Familie. Die Figuren sind recht exzentrisch in der Kompensation ihrer herkunfts- oder familiär bedingten Schwierigkeiten.

Es ist wirklich keine Gegend, in der man sich wohlfühlen muss.

 

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rike kommentierte am 22. Februar 2024 um 21:23

Der Schreibstil gefällt mir richtig gut. Aber ich komme manchmal mit den vielen Personen durcheinander. Erschwerend kommt hinzu, dass ich die Zeilen im Dialekt so gut wie gar nicht verstehe. Kritzi kratzi

Thema: Lektüre Teil I; Seite 1 bis 75
Mel0501 kommentierte am 25. Februar 2024 um 14:45

Das Format des Buches, ohne Absätze war manchmal etwas schwierig zu Lesen, da mir etwas die Pausen fehlten, sodass mir die Kapitel manchmal etwas lang vor kamen. Alles sehr bildlich beschrieben was mir gut gefiel, dennoch war der Dialekt manchmal etwas holprig im lesen (wo ich auch nachgucken musste, was mit manchen Wörtern gemeint wird.