Leserunde

Leserunde zu "Zum Paradies" (Hanya Yanagihara)

Zum Paradies
von Hanya Yanagihara

Bewerbungsphase: 17.12. - 06.01.

Beginn der Leserunde: 13.01. (Ende: 12.02.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des Ullstein Verlags – 20 Freiexemplare von "Zum Paradies" (Hanya Yanagihara) zur Verfügung. Eine Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem kühnen neuen Roman – dem ersten seit Ein wenig Leben – erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien.  

1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – so jedenfalls scheint es. Ein junger Mann, Spross einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien, entzieht sich der Verlobung mit einem standesgemäßen Verehrer und folgt einem charmanten, mittellosen Musiklehrer. 
1993, in einem Manhattan im Bann der AIDS-Epidemie: Ein junger Hawaiianer teilt sein Leben mit einem deutlich älteren, reichen Mann, doch er verschweigt ihm die Erschütterungen seiner Kindheit und das Schicksal seines Vaters. 
2093, in einer von Seuchen zerrissenen, autoritär kontrollierten Welt: Die durch eine Medikation versehrte Enkelin eines mächtigen Wissenschaftlers versucht ohne ihn ihr Leben zu bewältigen – und herauszufinden, wohin ihr Ehemann regelmäßig an einem Abend in jeder Woche verschwindet. 
Drei Teile, die sich zu einer aufwühlenden, einzigartigen Symphonie verbinden, deren Themen und Motive wiederkehren, nachhallen, einander vertiefen und verdeutlichen: Ein Town House am Washington Square. Krankheiten, Therapien und deren Kosten. Reichtum und Elend. Schwache und starke Menschen. Die gefährliche Selbstgerechtigkeit von Mächtigen und von Revolutionären. Die Sehnsucht nach dem irdischen Paradies – und die Erkenntnis, dass es nicht existiert. Und all das, was uns zu Menschen macht: Angst. Liebe. Scham. Bedürfnis. Einsamkeit. 

Zum Paradies ist ein Wunderwerk literarischer Erfindungskraft und ein Kunstwerk menschlicher Gefühle. Seine außergewöhnliche Wirkung gründet in seinem Wissen um den Wunsch, jene zu beschützen, die wir lieben: Partner, Liebhaber, Kinder, Freunde – unsere Mitmenschen. Und den Schmerz, der nach uns greift, wenn wir das nicht können.

ÜBER DIE AUTORIN:

Hanya Yanagihara wurde 1974 in Los Angeles geboren und wuchs unter anderem in Hawaii auf. Ihr zweiter Roman Ein wenig Leben war für den Man Booker Prize und den National Book Award nominiert. Ihr erster Roman Das Volk der Bäume wurde 2019 ins Deutsche übersetzt. Hanya Yanagihara lebt in New York.

05.02.2022

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
verbuechert kommentierte am 24. Januar 2022 um 11:59

Den letzten Teil des Buches (also die letzten beiden Leseabschnitte) mochte ich wirklich gerne! So langsam hat sich vieles zusammengefügt, so zum Beispiel, was mit David und Nathaniel passiert ist. Außerdem hat man in dem letzten Leseabschnitt noch mal mehr über die einzelnen Charaktere erfahren, wie über den Ehemann von Charlie, über den man vorher wenig wusste. 

Ich fand es unglaublich spannend, zu erfahren, was mit Charlie passieren wird und konnte gar nicht aufhören zu lesen. Ich finde es deshalb auch sehr schade, dass man auch am Ende nicht erfährt, wie es mit ihr ausgegangen ist. Aber wie auch bei den anderen Leseabschnitten, hört sich ihre Zukunft nicht sehr vielversprechend an, sondern eher so, als würde sie nicht das Paradies finden...

Die Darstellung dieser dystopischen Welt ist der Autorin unglaublich gut gelungen. In so einem Land würde ich nicht gerne leben wollen. Vor allem weil die Regeln, die dort gelten, teilweise wirklich unsinnig auf mich wirken. Warum wurden homosexuelle Ehen von einen auf den anderen Tag verboten? Die Gründe erschließen sich mir nicht so ganz, vor allem, wenn man sowieso keine Kinder von ihnen erwartet. Generell sind die Regeln, die dort gelten, eher menschenunwürdig. Und ich finde es sehr interessant, dass dies aber nur dort der Fall ist und in anderen Teilen der Welt ganz anders aussieht. Für mich bleiben viele Fragen offen: Wieso wird es dort so handgehabt? Wieso wusste David, an welchem Tag sie unbedingt weg müssen und hatte so viele Informationen, die noch gar nicht bekannt waren? Jede der Geschichten des Buches hatte so ein offenes Ende und das lässt mich eher unzufrieden zurück. Ich hätte mir gewünscht, zu erfahren, was noch passiert. Deshalb lässt mich das Buch gerade mit gemischten Gefühlen zurück.

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
katzenminze kommentierte am 25. Januar 2022 um 16:32

Warum wurden homosexuelle Ehen von einen auf den anderen Tag verboten? Die Gründe erschließen sich mir nicht so ganz, vor allem, wenn man sowieso keine Kinder von ihnen erwartet.

Doch, man erwartet Kinder von ihnen. Von denen in bestehenden Ehen natürlich nicht. Aber noch unverheiratete Homesexuelle haben nach dieser Logik einen Vorteil wenn sie heiraten und Kinder bekommen - auch wenn das nicht ihrer Sexualität entspricht.

Aber das ist so ein bisschen eine Frage wie: Warum dürfen Frauen in Afghanistan von einem Tag auf den anderen nicht mehr in die Schule/Uni? Weil das Regime es so will. Und weil die meisten aus Angst mitmachen. Und irgendwann gibt es dann eine Generation, die es nicht mehr kennt, dass es Internet und Bücher gab / man gleichgeschlechtlich Heiraten durfte / man anderes Fleich hatte als Waschbär. Ich finde das eigetnlich ziemlich anschaulich dargestellt. Und traurig.

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
katzenminze kommentierte am 25. Januar 2022 um 18:10

Ah, das mit dem offenen Ende. Klar, ich bin neugierig. Aber ich finde es nicht schlimm. Musste gerade an den Report der Magd denken, da gibt es ja auch die Fraktion, die wissen möchte wie es weitergeht und die die ok damit ist wie es ist. Geschmackssache. (Vielleicht schreibt sie ja - wie Atwood - in 35 Jahren eine Fortsetzung! XD)
Was ich mich eher frage oder was mich eher stört, ist: Warum jetzt drei Geschichten in einem? Es hätte doch alles für sich auch funktioniert. Oder warum zumindest nicht größere Zusammenhänge? Hmm.

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
verbuechert kommentierte am 27. Januar 2022 um 11:29

Ja, das ist auch eine Frage, die in meinem Kopf herumschwirrt :D Wie du schon sagst, die Teile haben kaum Zusammenhänge, spielen wahrscheinlich in verschiedenen Universen. Ich kann mir auch nicht erklären, warum es dann gleich alle drei Geschichten sein mussten. Vor allem, weil mir der zweite nicht so gut gefallen hat :D

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Winterzauber kommentierte am 27. Januar 2022 um 19:58

Sehe ich absolut genauso

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
katzenminze kommentierte am 28. Januar 2022 um 10:54

Am rätselhaftesten finde ich eigentlich die finanzielle Entscheidung. Der Verlag hätte ja zwei oder drei Bücher rausbringen können. Als eine Art lose Reihe, die man aber auch einzeln lesen kann. Bei der Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen gab es ja auch drei einzelne Bände (wobei sich da mW eher beschwert wurde, dass es das nicht auch komplett gibt...).

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wandagreen kommentierte am 28. Januar 2022 um 11:25

Wie man es macht, ist es verkehrt!
 

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Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 21:12

Wanda, ich habe dich schon mal gefragt und keine Antwort bekommen. Liest du das Buch auch oder hast du es schon gelesen? 

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wandagreen kommentierte am 28. Januar 2022 um 22:51

Was willst du mir sagen, Sursu? Metabotschaft ?- ich habe hier nichts zu suchen, wenn ich das Buch nicht lese? ? So fühlt es sich an, aber es ist sicher nicht so gemeint ;-).

Ich schau hier in die LR, weil es mich interessiert, was zu diesem Roman geschrieben und gedacht wird - und glgt erlaube ich mir einen Kommentar. Das mache ich in vielen LR, die mich interessieren. Dafür brauche ich keine Rechtfertigung und keine Erlaubnis.
 

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 22:53

Ich wollte es ganz einfach wissen. Nicht mehr und nicht weniger. Ist das geheim? 

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wandagreen kommentierte am 28. Januar 2022 um 22:55

Dann freut es mich, dass deine Wissbegier jetzt gestillt ist.

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Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 21:11

Ich glaube, von dieser Autorin erwartet man Schinken. Das ist eben so. 

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Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 21:10

 Es hätte doch alles für sich auch funktioniert. Oder warum zumindest nicht größere Zusammenhänge? Hmm.

Das ist eine gute Frage. Vielleicht hatte die Autorin mehr den Paradies Gedanken im Fokus und wollte verschiedene Wege aufzeigen. Dann ist ihr der letzte Teil entglitten. :DDD
Hat schon jemand nach Interviews geguckt? Das ist bestimmt aufschlussreich. 

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
katzenminze kommentierte am 25. Januar 2022 um 16:36

So. Streichen wir Teil 2 und es ist ein Lieblingsbuch. Darf ich den Teil bei der Sternevergabe einfach ignorieren? XD

Kann mir irgendjemand sagen, ob er einen Link zum Hawaii-Teil gefunden hat? Ich habe keinen gesehen (und dass Kleinkind-David vor der Hochzeit seiner Eltern mit Lianenkrone "Nennt mich König David" gesagt hat, zähle ich NICHT. Das ist mir bei weitem zu schwammig.)?

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katzenminze kommentierte am 25. Januar 2022 um 16:47

Ich mochte die letzten beiden Leseabschnitte insgesamt an liebsten. Yanagihara schafft es immer, dass ich total mitfühle und die Figuren lieb gewinne. Das habe ich bei anderen Büchern nicht so krass.

Ich fand am Ende eigentlich weniger den Zustand der Welt interessant, als vielmehr Charles Entwicklung. Ich fand es so traurig, wie sehr er seine Enkelin liebt, sich aber auch ihrer Schwächen bewusst ist. Wie allein er am Ende ist und wie er für Charlie kämpft. Wie er Jahre zurückliegende Entscheidungen bereut. Das war so herzzerreißend irgendwie, weil ja niemand in die Zukunft sehen kann, was woraus entsteht und er ja immer das Beste im Sinn hatte.

Aber auch Charlies Zwiespalt, dass sie sich nach Liebe sehnt, das aber auch nicht wirklich kommunizieren kann. Da fand ich Charles Entscheidung krass: Sie mit jemandem zu verheiraten, der einen anderen liebt um sie zu schützen. Das ist hart aber ich hätte es wahrscheinlich nicht anders gemacht. So geächtet, wie sie in diesem Land offenbar ist und bei den zwei "Vorfällen" (ich habe das richtig gelesen als Vergewaltigungen, oder?). Puh.

Mich hat es jedenfalls sehr gefesselt und ich wünsche mir einfach, Teil zwei würde nicht existieren, dann wäre es perfekt. XD

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wandagreen kommentierte am 28. Januar 2022 um 11:27

Es wäre interessant zu erfahren, was sich die Autorin bei Teil 2 gedacht hat - den ihr insgesamt wohl alle nicht mögt. Ob es dazu wohl ein Interview gibt?

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Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 21:24

Yanagihara schafft es immer, dass ich total mitfühle und die Figuren lieb gewinne.

Ich muss unbedingt noch andere Bücher von ihr lesen. 

Ich fand es so traurig, wie sehr er seine Enkelin liebt, sich aber auch ihrer Schwächen bewusst ist. Wie allein er am Ende ist und wie er für Charlie kämpft. 

Und wie er sie vorbereitet auf das Alleinsein. Er hat sie ja regelrecht trainiert, das ist rührend und tragisch. 

(ich habe das richtig gelesen als Vergewaltigungen, oder?). Puh.

Ja, das habe ich auch so verstanden und das ist ganz furchtbar. Aber ist es nicht wunderbar geschrieben? Keine ekligen Details, Andeutungen, nicht zu viel und nicht zu wenig, gerade so, dass es dich graust. 

Thema: Lektüre, Teil IV; Seite 691 bis Ende
Sursulapitschi kommentierte am 28. Januar 2022 um 21:02

Au wei, was Ende! Ich habe bis zum Schluss an den Nägeln geknabbert.

Jetzt gab es doch noch reichlich Infos. Zu gerne hätte ich noch Peter persönlich kennengelernt.

Eine verstörende Geschichte, die mir vermutlich noch länger nachschleichen wird, so lebendig und plausibel war dieses Szenario.

Ich habe keine Ahnung, wie ich das bewerten soll. Der Mittelteil des Buches hat mich sehr geärgert, der Rest sehr beeindruckt. Wie findet man das?