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Hauptpreis mit Hindernissen

"Hast du schon beim Monatsgewinnspiel mitgemacht?" "Nein, da machen so viele mit, da gewinnt man doch eh nie."
"Na los. Mach mit. Es schadet ja nicht. Und wer weiß, vielleicht klappt es ja doch."
So oder so ähnlich spielte sich ein Dialog Ende Dezember ab. Ohne mir überhaupt große Chancen auszurechnen, ließ ich mich dazu überreden beim Monatsgewinnspiel mitzumachen und hatte es kurz danach auch schon vergessen.
Einige Tage später erklang aus dem Wohnzimmer: "Das gibt's ja nicht! Guck mal hier. Von wegen man gewinnt da nie!"
Ich hatte keine Ahnung wovon mein Liebster da sprach, fand es aber ziemlich bald heraus.
Ich hatte gewonnen. Beim Monatsgewinnspiel. Eine ganze Tasche voller Bücher! Unfassbar. Es dauerte eine ganze Weile bis ich realisiert hatte, dass da tatsächlich mein Name stand.
Und ich hatte auch schon eine liebe Mail von Aline im Postfach, die mich beglückwünschte.
Da der Urlaub Ende Februar schon gebucht war und die Lektüre dafür bereits besorgt, wollte ich den Preis eigentlich danach zu meinem Geburtstag im März einlösen.
Wollte ich...
So der Plan. Doch dann kam der Virus und das Einlösen rückte in weite Ferne.
Natürlich hätte ich statt der Tasche auch einen Gutschein nehmen können. Online hätte sich bestimmt auch was gefunden, aber das Erlebnis ist halt nicht vergleichbar. Einmal eine Tasche mit allem packen, was man haben will, so eine Gelegenheit kommt nie wieder. Also entschied ich mich zu warten. Und wartete. Und wartete. Und wartete.
Und dann war es endlich so weit! Der Termin stand fest. Hach was war die Freude groß.

Der Vorteil am Wohnen im Ruhrgebiet ist, dass ganz viele Städte in der Nähe sind. Und somit auch ganz viele Filialen in Frage kamen. Man überlegte hin man überlegte her, welche Filiale es denn werden soll. Letztlich habe ich mich für Dortmund entschieden. Schön groß und erreichbar.
Von Aline bekam ich einen Ansprechpartner vor Ort genannt und letzte Instruktionen per Mail. Und schon war der lang ersehnte Samstag gekommen.
Nach einem gemütlichen Frühstück am Phoenix-See, traf ich pünktlich um 14 Uhr mit meinem Freund, dem besten Taschenträger der Welt, in der Filiale ein.
Nach kurzer Begrüßung durch den Ansprechpartner vor Ort hatte ich auch schon die Tasche in der Hand. Ich sollte Bescheid geben, wenn ich fertig war. Und los gings.

Bevor der Beutel seinen großen Auftritt hatte, habe ich mir aber erst mal einen normalen Einkaufskorb genommen. Und noch einen ;-)

Zum Start wurde dann eine Runde durch die Belletristik auf der ersten Etage gedreht. Ein paar Wunschbücher hatte ich natürlich schon im Kopf, die unbedingt mit mussten. Und schon ging das Abwägen los. Das dicke Gebundene? Dafür passen doch auch zwei Taschenbücher rein? Aber das ist erst neu erschienen. Rein in den Korb, ans Tetris geht’s später. Nach gut einer Stunde hatten wir dann die ganze Buchhandlung einmal von oben nach unten durchstreift. Und ein gewisser jemand hatte ganz gut mit eingepackt ;-)
Zeit für ein bisschen Ausruhen in der Sitzecke. Und ein paar erste Pack-Versuche. Die meisten Bücher landeten später auch tatsächlich in der Endauswahl. Ich habe dann noch einen kleinen Abstecher zu den Kochbüchern gemacht und auch dort hat mich einiges angelacht (momentan habe ich die asiatische Küche für mich entdeckt), aber ich habs nicht übers Herz gebracht, dafür anderes auszusortieren. Außerdem waren die Kochbücher schon recht groß und hätten viel Platz weggenommen.
Also noch mal ein paar letzte Schritte zwischen Bestseller-Regal und Neuerscheinungs-Tischen. Weggelegt, was nicht mehr in Frage kam, dafür landete wieder anderes im Korb. Und dann gings zurück zur Sitzecke und ans finale Packen. Es wurden viele verschiedene Varianten durchprobiert, bis man schließlich einsehen musste, dass Volumen endlich ist und es auch für das schmalste Buch keinen Platz am Rand mehr gab. So mussten ein paar Titel an der Kasse zurück bleiben (auch davon gibt’s ein Foto, falls der Weihnachtsmann hier mitliest). Dafür durfte ich meine prall gefüllte Tasche abgeben.

Der Filialmitarbeiter hat sich übrigens gar nicht mehr die Mühe gemacht, die Bücher wieder so einzupacken und hat sie gleich auf zwei Taschen verteilt. Aber ich schwöre, die waren alle in einer drin :-)

So ein bisschen kenne ich das Gefühl, eine Mayersche mit Taschen voller Bücher zu verlassen, von den weißen Buchwochen früher oder den Taschenbuchtagen. Aber diesmal waren die Bücher nagelneu. Und ganz umsonst. Dafür vielen, vielen Dank!

Den Abend haben wir dann im schönsten spätsommerlichen Sonnenschein mit Biergarten-Atmosphäre auf dem Markt bei der Übertragung Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach ausklingen lassen. Nicht das mich Fußball auch nur im geringsten interessieren würde aber so war auch der Freund glücklich gestimmt, nachdem eines seiner Wunschbücher wieder weichen musste :-)

Inzwischen, gute drei Wochen später, während ich den Bericht hier schreibe, hat der Herbst Einzug gehalten. Aber ich bin ja jetzt gut mit Lesefutter für die kalten Tage versorgt.

Ich wünsche Euch einen tollen Winter und dass Ihr auch mal das Glück habt, einen der phantastischen Monatsgewinne abzustauben.

Erste Auswahl Finale Auswahl Wir haben es leider nicht geschafft

Kommentare

lesesafari kommentierte am 11. Oktober 2020 um 18:18

Danke, für den schönen Artikel. ;) Das ist echt ein besonderes Erlebnis, die Tasche vollmachen zu dürfen, und in Dortmund eh.
Was für eine tolle Auswahl. Den Winkelmann brauche ich jetzt auch dringend. Hab den ersten Teil ja vom Ladenausverkauf ein paar Häuser vorher mitgenommen. :D

Ich hatte echt Angst, dass du den Gutschein nicht einlösen konntest, weil er nicht tragen wollte. ;D

Ohja, die Taschenbuchtage *schwärm*. Da hab ich aber gleich alle Filialen rund um mich herum besucht. Waren ja nur 5.

schwadronius erwähnte am 11. Oktober 2020 um 18:26

Ich hätte ja freiwillig die Tasche nicht abgegeben! :).

Und nun viel Spaß bei der stundenlangen Auswahl: "Was lese ich jetzt als erstes?"

wandagreen kommentierte am 11. Oktober 2020 um 18:44

Gefällt mir! Besonders, dass das Kochbuch kein anderes Buch verdrängen durfte. Und dann das finale Abwägen, du darfst mit, du, du, du - und du nicht. Und das Herz bricht. Es ist wie ein Todesurteil für das Buch. Das ins Regal zurück muss. A propos Tod - hm, da bist du gut aufgestellt, einmal quer durch die Thrillerprominenz! Viel Freude!

Mei, kein Interesse für Fussball? Vllt kannst du das noch erwecken, dann erst wärst du die perfekte Gefährtin für den Richtigen. *ggg*.

Danke für den Artikel. Ich wollte schon mitstopfen kommen!

 

Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 12. Oktober 2020 um 17:45

Mit der Kochbuchentscheidung bin ich auch ganz deiner Meinung, auch wenn mein Mann jetzt sagen würde ,ich soll toleranter sein : ))

Petzi_Super_Maus kommentierte am 11. Oktober 2020 um 20:41

Hihi, der arme Freund, dessen Wunschbuch aussortiert wurde!  -  Aber: du hattest schon Recht. Es war ja DEIN Monatsgewinn ;)
Viel Spaß beim Lesen!! :D

lesesafari kommentierte am 11. Oktober 2020 um 23:14

dafür haben wir ja noch den märchengewinnthread. ;)

Gittenen Bücherfresserchen kommentierte am 12. Oktober 2020 um 17:43

Schöner Bericht, ich fühlte mich dabei, als ob ich selbst in der Dortmunder Mayerschen rumstöbern würde, sah mich  mit meinem Mann in der Sitzecke die Tasche immer  umsortieren. : )

Panem und Exit las ich schon . Criptos , Raum der Angst und The  Passengers , wäre definitiv noch was für mich. Den ein oder anderen Thriller, würde ich auch nicht von der Bettkante stoßen.

Vielen Dank, dass du uns an deinem Book Shop till you drop teihaben ließest. Ich liebe ja so etwas ,besonders wenn es noch mit Fotos bestückt ist.

Ridata kommentierte am 13. Oktober 2020 um 09:07

Vielen Dank für deinen netten Artikel. Bei der Entscheidung, welche Bücher letztendlich in der Tasche gelandet wären, hätte ich mich auch schwer getan - es gibt so viele tolle Bücher. Aber wahrscheinlich hätte ich auf ein Kochbuch nicht verzichtet. Genieße die Lesestunden mit deinem Traumgewinn.

Fromme Helene kommentierte am 16. Oktober 2020 um 12:58

Herrlicher Artikel! Vielen Dank fürs Teilhaben lassen. Ich musste beim Taschentetris laut lachen.

Viel Spaß beim Lesen der üppigen Ausbeute!