Rezension

Auf faszinierende Art verstörend

Alles okay - Nina LaCour

Alles okay
von Nina LaCour

Bewertet mit 4 Sternen

Ich habe mich von den sehr positiven Bewertungen dazu verleiten lassen, dem eBook ‚Alles Okay‘ eine Chance zu geben. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, wie eine 200-seitige Novelle solche Begeisterungsstürme auslösen sollte. 

In ‚Alles Okay‘ geht es um Marin, die in Upstate New York studiert und über die Weihnachtssemesterferien allein im Wohnheim zurück bleibt. Von Anfang an ist da diese unterschwellige Einsamkeit, die Marin ausstrahlt und die im Laufe der Zeit immer weiter zunimmt. Zunächst erfährt man nur, dass Marins geliebter Großvater gestorben ist, der sich nach dem Tod ihrer Mutter um sie gekümmert hat. Nach diesen Verlust hat sie alle Zelte in ihrer Heimat abgebrochen und ist ans College geflüchtet. Auch ihre beste Freundin Mabel hatte sie damals ohne eine Erklärung zurückgelassen. Nun steht ein Besuch eben jener Freundin an und Marin beginnt sich Stück für Stück zu öffnen und enthüllt ihre Geheimnisse.   

Ich weiß gar nicht so recht, was ich von Marins Geschichte halten soll. Einerseits konnte ich durch die schnörkellose Erzählweise und die nachvollziehbaren Gedankenwege mit der Protagonistin und Ich – Erzählerin Marin mitfühlen. Auch die vielen Geheimnisse, die Marin in sich verschlossen hatte und die sie in die Tiefe zu ziehen drohten, bis Mabel vor ihrer Tür auftaucht, haben mich neugierig gemacht und immer weiterlesen lassen. 
Auf der anderen Seite war es mir teilweise schon zu viel. Zu viel Schmerz, zu viel Einsamkeit, und zu viel Trauer. Als sei die Geschichte darauf ausgelegt, mich einfach nur zum Weinen zu bringen, mit allen erdenklichen Mitteln. 

Insgesamt war es eine sehr melancholische und traurige Geschichte über eine junge Frau, die langsam lernt, ihre Trauer und Einsamkeit mit anderen zu teilen und sich nach mehreren Schicksalsschlägen langsam aber sicher ins Leben zurück zu kämpfen. Die Botschaft dahinter macht Hoffnung, wegen der Art der Umsetzung würde ich es aber niemandem empfehlen, der sich gerade in einer ähnlich schlechten emotionalen Verfassung befindet. Obwohl die Geschichte an sich schön sein mag, hat sie mich gefühlsmäßig schon sehr runtergezogen. 

FAZIT 

Eine sehr bewegende Geschichte, die mir aber stellenweise zu trostlos und düster wurde, trotz der leichtern Hoffnungsschimmer, die ab und an aufblitzen.