Rezension

Aus einer guten Idee leider nichts gemacht

Das Auge von Licentia - Deana Zinßmeister

Das Auge von Licentia
von Deana Zinßmeister

Bewertet mit 1.5 Sternen

Licentia ist ein Dorf irgendwo in der Wildnis. Die Menschen leben hier wie im Mittelalter zusammen, von Errungenschaften moderner Technik ist weit und breit nichts zu sehen. Dass es eine andere Welt gibt, wissen aber nur die „Ältesten“, die Generation Einwohner, die vor mehr als 10 Jahren frei entschieden hat, die normale Welt hinter sich zu lassen und nach Licentia zu gehen, um dort ein zwar einfaches, aber auch friedliches Leben zu führen. Der Preis für dieses Leben ist die Privatsphäre, denn Licentia ist eine TV-Show und das Dorfleben somit Unterhaltung für Millionen Zuschauer. Davon wissen die dort geborenen und aufgewachsenen Kinder nichts, für sie gibt es keine andere Welt. So auch für Jonata, die Protagonistin, die gerade 15 Jahre alt ist. Als sie eines Tages mit den Jungen des Dorfes auf die Jagd gehen darf, erlebt sie etwas Unerwartetes und ihr Leben verändert sich: Sie begegnet einem Jungen aus dem Dorf der sogenannten „Wolfsbanner“, die in Licentia als regelrechte Bestien verschrien sind. Doch Tristan scheint genauso ein Mensch zu sein wie sie selbst.

Die Idee des Buches erinnert an Filme wie „Die Truman Show“. Die Umsetzung ist nur leider deutlich schwächer, ich hatte mir mehr erwartet. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Einblicke in die Gedanken der Macher der TV Sendung, aber es wird nie wirklich darauf eingegangen, dass hier mit Menschen Profit gemacht wird, die teilweise noch nicht einmal etwas davon wissen. Kritik an der Show schimmert höchstens indirekt durch, gerade bei einem Jugendbuch hätte ich mir eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema „Quoten um jeden Preis“ und Voyeurismus erhofft.

Die Liebesgeschichte wirkt auf mich leider sehr hölzern und unrealistisch. Die plötzlich aufkommenden Gefühle zwischen Jonata und Tristan konnte ich an keiner Stelle nachvollziehen.

Auch der Konflikt der beiden Dörfer hat eine interessante Grundidee, das Thema Angst vor Fremdem und daraus folgende Abschottung, aber es wird meiner Meinung nach nicht ausreichend herausgearbeitet, sondern einfach so dahingestellt.

Zudem gibt es mehrere Logikfragen, die sich mir einfach nicht erschlossen haben. Vieles wird zu sehr vereinfacht dargestellt, auch und gerade in einem Jugendbuch kann man den LeserInnen durchaus etwas mehr Komplexität zumuten, denke ich.

Gegen Ende lösen sich dann auch alle Probleme mehr oder weniger von selbst in Luft auf, eine wichtige Frage allerdings bleibt offen und unbeantwortet und insgesamt lässt mich dieses Buch somit leider ziemlich unbefriedigt zurück. Das Ende bietet Raum für eine Fortsetzung, wobei mir nicht ganz klar ist, ob eine solche bereits geplant ist. In jedem Fall werde ich dann nicht weiterlesen.