Rezension

Belas langer, steiniger Weg

Verlockung - Janos Szekely

Verlockung
von Janos Szekely

Bewertet mit 3 Sternen

Bela wächst als Pflegekind bei einer ehemaligen Prostituierten auf, die sich um uneheliche Kinder kümmert, solange deren Mütter arbeiten gehen und Kostgeld für die Kinder zahlen. Unter diesem Bedingungen fängt Belas Leben schon steinig an, bevor er in der Lage ist, auch nur eine eigenständige Entscheidung zu treffen. Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr muss er unter scheußlichen Bedingungen in dem Heim ausharren, wird geschlagen und muss immer wieder Hunger leiden, wenn seine Mutter nicht pünklich zahlt. Die Winter in Ungarn sind hart und ohne Schuhe noch härter. Erst in der Schule lernt Bela, dass das Leben auch anders sein kann und dass es so viel mehr auf der Welt gibt, als das kleine Dorf, in dem er aufgewachsen ist. Mit 14 zieht er mehr unter Zwang als freiwillig zu seiner Mutter nach Budapest und fängt dort als Page in einem Luxushotel an und sieht endlich die Chance, seiner Armut zu entkommen und ein neues Leben zu beginnen. Als er ein amerikanisches Mädchen kennenlernt, das mit dem Vater geschäftlich in Budapest ist, steht für Bela schnell fest, dass er alles daransetzen muss, nach Amerika zu gelangen -  in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Entwicklungsgeschichte des Bela R. beruht zum Teil auf dem Leben des Autors und liest sich wie eine romanhafte Kritik an der Gesellschaft und der Politik der 20er und 30er Jahre in Ungarn.

Gewisse Längen sind zu verschmerzen und schmälern das Lesevergnügen an diesem wiederentdeckten Klassiker nicht besonders.