Rezension

Bewegende Reiseerzählunge

Anderswo Weit -

Anderswo Weit
von Ernst Kaufmann

Bewertet mit 5 Sternen

„...Vielleicht kehren wir nächtens immer wieder das Stück zurück, das wir in der fremden Sonne mühsam gewonnen haben?...“

 

Diese Strophe aus einem Gedicht hat der Autor bewusst seinem Buch vorangestellt. Dann lässt er mich in sechzehn kurzen Episoden an seinen Reisen um die Welt teilnehmen. Als Dokumentarfilmer hat er ein Blick für Besonderheiten und Details. Das merkt man den Erzählungen an. Außerdem ist er ein guter Zuhörer und Beobachter.

So unterschiedlich wie die besuchten Länder, so verschieden sind auch die Erzählungen. Mal stehen Begegnungen im Mittelpunkt, mal die weniger bekannten Sehenswürdigkeiten des Landes. Und in einigen der Berichte ergeben sich Situationen, die man so nicht planen kann.

Damit der zukünftiger Leser einen kleinen Einblick enthält, möchte ich ein paar Stellen genauer betrachten.

 

„...Zwischen den gigantischen Baumriesen, deren Stämme von Schmarotzerpflanzen dicht bewachsen waren, zogen Nebelschwaden, gaben die Sicht auf einen Teil der Landschaft frei und bedeckten einen anderen; fast gewann ich den Eindruck, es würden Bilder mit unterschiedlichen Ansichten für Besucher hin und her geschoben...“

 

Das Zitat ist eine Beispiel für exakte und bildhafte Naturbeschreibungen, wie sie sich in vielen der Geschichten finden. Der Autor beherrscht den Umgang mit Metaphern.

Eine der kürzesten Erzählungen ist „Der Penny -Mann“. Besucht wurde ein Ausstellung über die Geschichte des Geldes in den USA. Ein hagere Mann legt den Besuchern seine Sicht der Dinge dar.

 

„...Es gehörte schon immer zur Natur der Mächtigen, sich durch gegenseitige Diskretion und Gesetze einer persönlichen Verfolgung zu entziehen. So wurden Datenschutz und Staatssicherheit zu perfekten Instrumenten der Verschleierung...“

 

Sozialkritischen Elemente finden sich auch in anderen Geschichten. Natürlich gibt es ebenfalls amüsante Begegnungen. Auch ein Weitgereister ist nicht davor gefeit, auf die Tricks der Einheimischen hereinzufallen.

In vielen der Geschichten geht es um Gastfreundschaft. Ein Beispiel zeigtt das folgende Zitat:

 

„...Die Besitzerin der Pension, in der ich nächtigte, hatte mich auf den weg dorthin aufgelesen und kurzerhand mitgenommen. Der Anlass der Festlichkeit war der fünfzehnte Geburtstag ihrer Nichte...“

 

Viele der Geschichten regen zum Nachdenken an. Der Autor zeigt mir als Leser einen ganz eigenen Blick auf die Welt, sei es in Afrika oder bei den indigenen Völkern Amerikas. Doch auch in Europa gibt es noch manches zu entdecken.

Schwarz – Weiß -Fotos zeigen die Handlungsorte.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich könnte mir gut einen weiteren Band vorstellen.