Rezension

Denkansätze zur Anpassung von Design auf weibliche Bedürfnisse

Das Patriarchat der Dinge
von Rebekka Endler

Bewertet mit 4 Sternen

Das Buch „Das Patriarchat der Dinge“ von Rebekka Endler zeigt auf, dass die Welt um uns herum zu großen Teilen von reichen, weißen cis Männern gestaltet wird. Darin zu spüren ist auch die Bestürzung der Autorin über das so vielfach geprägte Design von alltäglichen Gegenständen, die an den Normen und Werten von Männern angepasst sind. Unterschiede auf kultureller und generationsspezifischer Basis lassen sich aber auch nicht leugnen. Oftmals hat sich das heute vorliegende Ergebnis aus einer Entwicklung über viele Jahrzehnte hinweg ergeben und so verfestigt, dass es schwer ist, davon abzuweichen.

Rebekka Endler schreibt in ihrem Buch über sinnlos gegendertes wie auch über ungegendertes Design. Gerade letzteres kann verhindern, dass Frauen ihre Leistung voll entfalten können und ist im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich beispielsweise bei Medikamenten und dem Styling von Autozubehör. Wünschenswert wäre die Berücksichtigung der unterschiedlichen Körperphysiognomie von Menschen, weswegen grundsätzlich alle äußeren Erscheinungsbilder beim Designen zu berücksichtigen wären. Gestaltung sollte zur Lösung eines Problems ansetzen und nicht zu einem solchen führen.

Die Autorin nimmt unsere Sprache in Sachen Gendern unter die Lupe und betrachtet den öffentlichen Raum zum Beispiel in Hinblick auf Toiletten und Friedhöfen für Frauen, aber auch die Erwartungen an das Verhalten von Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit. Gegenstand des Buchs ist auch die Betrachtung von Dingen, die mit Funktionen und Eigenschaften versehen wurden, von denen man glaubt, dass sie dadurch für Frauen geeignet und deshalb von diesen gekauft werden. Hintergrund hierzu sind wirtschaftliche Aspekte. Aus dem gleichen Grund werden eine Reihe von Studien gar nicht erst angestrebt, weil die Kosten höher vermutet werden als der Ertrag.

Ich fand es einen interessanten Aspekt, dass Rebekka Endler bei ihrer ausführlichen Recherche festgestellt hat, dass es für einige Frauen schwierig ist, die für sie angepassten Dinge anzunehmen, weil sie jahrelang für Gleichbehandlung gekämpft haben und sich nun nicht durch die Nutzung von weiblichem Design von anderen unterscheiden möchten.

Rebekka Endler schüttet in ihrem Buch „Das Patriarchat der Dinge“ ein wahres Füllhorn von Handlungsbedarf in Bezug auf Design für Frauen aus. Ihre eigenen Erfahrungen streut sie immer wieder ein und ich spürte ihre Entrüstung über die festgestellten Mängel. Am Rande weist sie auch auf Diskriminierung vielfacher Art hin. Ihre Ausführungen sind Denkansätze, Design ist ständig im Wandel und kann auch hier nicht abschließend behandelt werden. Die Autorin verwendet in ihrem Buch zahlreiche Fachbegriffe, die nicht immer von ihr erläutert werden. Ihre zahlreichen ausführlichen Beispiele sind unterhaltsam ausgeführt. Ich empfehle das Buch gerne weiter.