Rezension

Die düstere Zeugin

Melmoth - Sarah Perry

Melmoth
von Sarah Perry

Bewertet mit 3 Sternen

Helen Franklin lebt seit zwanzig Jahren in Prag und führt ein trostloses, schon fast graues Dasein. Dieses Leben führt sie als selbstauferlegte Strafe für eine Sünde, die sie in ihrer Vergangenheit begangen hat. Als sie von Karel, ihrem einzigen echten Freund, ein mysteriöses Manuskript ausgehändigt bekommt, scheint eine andere Form der Düsternis Einzug in ihr Leben zu halten.

Die "Melmoth"- Thematik, die auch mit der in vielen Kulturen bekannten " Frau in Schwarz" vergleichbar ist, weckt schnell das Interesse des Lesers und lässt auf eine düstere, spannende und gruselige Geschichte hoffen. Leider kommt es stattdessen zu langgezogenen Lebensberichten der einzelnen Charaktere, die den eigentlichen Handlungsstrang kaum vorantreiben und so immer wieder den Fortlauf der Geschichte unterbrechen. Wer oder was Melmoth genau ist, wird relativ schnell erklärt und sorgt für recht hohe Erwartungen, was den mystischen Aspekt der Geschichte angeht; aber auch hier hat die Autorin das gebotene Potenzial nicht genutzt und sich stattdessen immer wieder in langgezogenen und abschweifenden Beschreibungen der Umgebung und der jeweiligen Situation verloren.

Der herausragende und sehr literarische Schreibstil der Autorin sorgt zusätzlich dafür, dass "Melmoth" kein Buch für zwischendurch ist und man gelegentlich einzelne Sätze oder auch ganze Absätze zweimal lesen muss, um auch die kleinen Zwischentöne, die viel Aussagekraft besitzen, richtig wahrnehmen zu können. Auf literarischer Ebene ist Sarah Perry ganz vorne dabei; auf Ebene der Handlung und Spannung lässt dieses Buch jedoch sehr zu wünschen übrig.

Die Charaktere bleiben kalt und fern, egal wie ausführlich ihre jeweilige Lebensgeschichte erzählt wird und bis zum Ende konnte ich für niemanden echte Sympathie entwickeln.

Letztlich ist nicht wirklich klar, was die Autorin mit diesem Buch zu bezwecken versucht hat.