Rezension

Die Jagd nach Vinyl

Murder Swing - Andrew Cartmel

Murder Swing
von Andrew Cartmel

Bewertet mit 3 Sternen

Aus einer Laune heraus hatte er sich als Berufsbezeichnung „Vinyl-Detektiv“ auf die Visitenkarten drucken lassen, aber niemals gedacht, dass jemand dies wirklich ernst nehmen könnte. Als jedoch eine Frau namens Nevada Warren vor seiner Tür steht und ihre Bitte vorträgt, er solle eine ganz bestimmte Platte finden, überdenkt der leidenschaftliche Sammler sein Geschäft nochmal. Das Angebot erscheint ihm allzu verlockend, weshalb er einwilligt den Auftrag anzunehmen. Welche Gefahren dies jedoch birgt, soll sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Allerdings steht schnell fest, dass die Gegenseite nicht zimperlich ist.

Als Ich-Erzähler tritt der selbsternannte Vinyl-Detektiv zwar umfangreich in Erscheinung, schafft es aber gleichzeitig immer ein bisschen mysteriös zu wirken, so als könne man ihn dann doch nicht so leicht durchschauen wie es zunächst den Anschein macht. Ebenso wird auch mit den weiteren Charakteren verfahren, die man als Leser ausschließlich aus Protagonisten-Sicht, und somit subjektiv betrachtet, kennenlernt. Nichtsdestotrotz bleiben auch sie mal mehr, mal weniger undurchsichtig.

Die Idee liest sich recht interessant und nebenbei erfährt man noch einiges über Platten und Musik allgemein – Jazz im Speziellen – letzteres nimmt jedoch ziemlich schnell Überhand und verdrängt den Spannungsaspekt immer mehr. Zwischenzeitlich kommt es zwar zu Konfrontationen mit den Gegnern, innerhalb derer das Tempo merklich angezogen und auch der Ton unlängst rauer wird. Recht bald allerdings ist man dann aber auch wieder zurück in einer eher ruhigen Erzählung, die Spannungselemente schmerzlich vermissen lässt. Eine Kürzung der immerhin über 500 Seiten hätte in diesem Falle wohl nicht geschadet, und es gibt durchaus die ein oder andere Passage, die handlungstechnisch nicht unbedingt relevant ist.

Lässt man den Aspekt außen vor, dass es sich um einen Thriller handeln soll und geht entsprechend ohne Erwartungen an die Lektüre, wird man dennoch gut und kurzweilig unterhalten – trotz des Umfangs. Einzig die Frage nach der Fortführung der Reihe drängt sich auf. Das Privatleben des Sammlers bietet dafür noch ausreichend Potential, wie aber sieht es inhaltlich mit seiner Passion und der eigentlich im Vordergrund stehenden Tätigkeit aus?

Kommentare

hobble kommentierte am 22. März 2020 um 07:40

was fürs wunschregal