Rezension

Die "Quiltfrauen" würden besser passen

Die Bücherfrauen -

Die Bücherfrauen
von Romalyn Tilghman

„Die Bücherfrauen“ – der Titel und der Klappentext versprachen eine Geschichte, in der es um starke Frauen, Gemeinschaft und vor allem um die Liebe zu Büchern geht. Eine Liebe, die jeder Bücherfreund in sich trägt. Eine Liebe, die auch völlig fremde Menschen miteinander verbinden kann. Kultur und Literatur haben schon immer Menschen verbunden, unabhängig vom Habitus, vom Geschlecht, von der Herkunft. Kultur ist wichtig und was für ein Verlust es wäre, wenn die Menschheit ganz ohne kulturelles Leben auskommen müsste, wird gerade in diesen schweren Zeiten der Corona-Pandemie schmerzlich bewusst. Kultur gehört zu uns, zu unserem Leben, unserer Sozialisation. Sie bietet Anlaufstelle für alle; Künstler, Träumer, Verlorene, Einsame und viele mehr. Jeder ist willkommen. Bücher sind Teil der Kultur. Gerade in Zeiten, in denen man von der Welt überfordert ist, in denen man nicht weiß, was die Zukunft bringt, sind Bücher für uns da und helfen uns für kurze Zeit der harten Realität zu entfliehen. Was jeder ab und an mal tun sollte.

Vor diesem Hintergrund war es klar, dass ich als Literaturfreund den Roman von Romalyn Tilghman lesen wollte. Mit großen Erwartungen fing ich an, das Buch zu lesen – und wurde enttäuscht. Der so vielversprechende Titel und Klappentext haben mir eine Geschichte versprochen, in der es genau darum geht: um die Liebe zur Kultur, besonders zur Literatur. Um die Kraft, die wir aus Kultur schöpfen und um den Zusammenhalt, der aus ihr entstehen kann. Ja, diese Themen kommen in dem Roman vor, allerdings oberflächlich und ohne Tiefe. So lässt sich alles im Buch zusammenfassen: Charaktere, Storyline, Setting – alles ohne Tiefe. Man liest eine Geschichte aus den Perspektiven von drei Frauen, die auch nach dreihundert Seiten nicht greifbarer werden. Sie hätten das Potenzial gehabt, mutig, stark, ja geradezu powerful zu sein, stattdessen überwog Selbstmitleid als einziges mehr oder weniger erkennbare Charakteristika. Doch hauptsächlich waren sie eins: blass und leer. Die Story, in der ebenfalls so viel Potential steckte, plätschert dahin und ja, man liest es ruckzuck durch, doch das liegt nicht an der Handlung, sondern an dem Schreibstil, der durchaus angenehm ist. Aber nur wegen eines schönen Schreibstils wird eine Story nicht zu einem Roman, den man gerne immer und immer wieder lesen und weiterempfehlen würde. In den man sich flüchten kann, wenn einem alles andere zu viel wird, oder wenn man einfach nur für einige Zeit in eine andere Welt abtauchen möchte. Enttäuschend ist auch das Ende, bei dem alles plötzlich Schlag auf Schlag ging und einfach nichts Greifbares zurückbleibt außer ein ausgesprochen rückständiges Frauenbild. Frauen wollen etwas für die Gemeinschaft tun? Nunja, das funktioniert, wenn ihre Männer das erlauben und unterstützen. So ein Frauenbild in einem Buch aus dem 21. Jahrhundert zu vermitteln, ist traurig. Die Autorin wollte vermutlich das Gegenteil erreichen und ein Statement für „Powerfrauen“, die was verändern, setzen, doch leider suggeriert die Story etwas anderes. Klar, dass die Abschnitte aus der Vergangenheit so ein zweifelhaftes Frauenbild vermitteln, ist historisch absolut in Ordnung. Aber der Großteil der Handlung spielt in der Gegenwart und selbst da scheinen die Frauen ohne ihre Männer keine weitreichenden, verändernden Entscheidungen treffen zu können oder zu wollen. Für ein neues Kulturzentrum müsse man erst seinen Mann überzeugen – mit so einer Einstellung schaffen Frauen nie etwas.

Auch die vielversprechende Geheimnisse entpuppten sich als absolute Nieten. Man erwartet einen Skandal, der das ganze öde Kleinstadtleben aufwirbeln würde und erhält eine Story, die so wirkt wie eine Packung Valium. Mein Fazit: netter Schreibstil, aber mehr auch nicht. Keine Tiefe, keine Handlung, keine Message – nichts. Und anstatt „Bücherfrauen“ hätte man den Roman eher „Quiltfrauen“ nennen sollen, denn die Quilts sind die Konstante, die wenigstens etwas Tiefe haben und auf fast jeder Seite erwähnt werden. Im Gegensatz zu den versprochenen Büchern.