Rezension

Die Spionin, die keine war

Die Spionin - Paulo Coelho

Die Spionin
von Paulo Coelho

Bewertet mit 1.5 Sternen

Mata Hari. Schon der Name spricht von Exotik, ihr Leben und ihre Spionage für angeblich mindestens drei Staaten gibt noch immer Anlass zum Spekulieren. Doch wer war diese Frau? Coelho schreibt im Nachwort, die Geschichte beruhe auf wahren Begebenheiten, erhebe jedoch keine Ansprüche, eine Biographie zu sein. Ein wirklich cleverer Schachzug! Denn bis auf die ersten paar Seiten, wo er sich wirklich bemüht hat, etwas Interessantes zu liefern, liefert er nichts, was man nicht auch von Wikipedia raussuchen könnte, und selbst das ist dort spannender geschrieben.

Im Prolog geht es um eine beeindruckend starke Frau, die cool und gelassen auf das Erschießungskommando wartet. Diese Frau konnte ich nach dem Prolog nicht einmal mehr mit der Frau in Verbindung bringen, über die geschrieben wurde. Coelho benutzt zwar den Namen Mata Hari, aber er hätte auch über Martha Müller schreiben können. Nach ihrer Zeit auf Java, als sie nach Paris kommt, lässt er Lücken über ihr Leben, von denen der Leser nichts erfährt. Man kann sich noch zusammenreimen, dass sie um 1904/1905 dort aufschlägt, weil verwundete russische Soldaten erwähnt wurden. Als Geschichtsstreber wusste ich, dass zu dieser Zeit der japanisch-russische Krieg stattgefunden hatte. Aber sonst? Eben noch ging es um Mata Haris Aufstieg als Ikone in Paris, im nächsten Moment sitzt sie heulend an irgendeinem Strand, es ist zehn Jahre später, und sie auf dem absteigenden Ast und wäre es heute, ein Kandidat fürs Dschungelcamp. Dazwischen? Egal. Auch ihre "Rekrutierung" wird eher zwischen Tür und Angel beschrieben, genauso ihr Umgang damit. Was also soll dieses Buch sein? Mir kam es wie ein unfertiges Manuskript vor, als hätte Coelho irgendwann auf seinen Terminkalender gesehen und gedacht: Ups. Heute ist Deadline. Ach, egal, kriegt eh keiner mit, ich werfe diese paar Seiten jetzt meinem Verleger vor.  1,5/5 Punkten.

Noch eine Bemerkung, die mir auf der Seele brennt, auch wenn ich das nicht in die Buch-Bewertung einfließen lasse: Das Buch ist kaum so groß wie meine Hand, und ich habe nun wahrhaftig keine Holzfällergriffel. Die Eigenleistung von Coelho umfasst keine 150 Seiten, der Rest besteht aus Werbung für seine anderen Bücher oder Auszügen von Zeitungen der damaligen Zeit sowie ca. 3 Seiten über den Inhalt von Mata Haris Schrankkoffern. Und dafür 20,- Euro? Echt jetzt, Diogenes? Der alte Grieche würde sich in seinem Tonnengrab umdrehen, wenn er wüsste, was ihr abzieht.

Kommentare

wandagreen kommentierte am 12. November 2016 um 16:22

Von P. Coelho halte ich ja sowie so nicht viel, als Autor wohlgemerkt, ich kenne ihn ja gar nicht persönlich, und bin erneut in meiner Auffassung bestärkt worden. Ein neuer Versuch mit ihm kommt also nicht in die Tüte.

e-möbe kommentierte am 12. November 2016 um 17:27

Mein erster und letzter Coelho. Sein Esoterikgedöns interessiert mich sowieso nicht, aber ich dachte, bei Mata Hari kann er nicht viel falsch machen.

wandagreen kommentierte am 12. November 2016 um 17:40

Als ich "Brida" las, engl. glaub ich, konnte ich es nicht glauben *g* und dachte, es ist die Fremdsprache, "so was kann man nicht schreiben", genau, Esoterik vom Schlimmsten. Furchtbar. War ebenfalls der erste und vermutlich letzte. "Veronika darf nicht sterben" wird sehr gerühmt, aber ich trau mich nicht.

lesesafari kommentierte am 11. Dezember 2016 um 15:29

"Die Spionin" kann ich dann also getrost weglassen. Die "Veronika" fand ich auch sehr mühsam. Ich hörte doch von jemanden, dass es das Beste sei, was er je gelesen habe. Hat mich dann aber bis auf ein paar Sätze sehr enttäuscht.

e-möbe kommentierte am 11. Dezember 2016 um 23:52

Vielleicht hatte derjenige vorher noch nie was anderes als den Einkaufszettel seiner Frau gelesen. ;)

Ich glaube, man muss voll an Esoterik(quatsch) glauben, um so was gut zu finden.

wandagreen kommentierte am 11. Dezember 2016 um 23:57

Auf der Suche oder auf dem Trip, je nachdem, wie man es betrachtet.