Rezension

Die Welt am Abgrund …

Draconis Memoria 02. The Legion of Flame - Anthony Ryan

Draconis Memoria 02. The Legion of Flame
von Anthony Ryan

Bewertet mit 4 Sternen

Die Welt steht am Abgrund. Und ich denke hier in erster Linie nicht an den Klimawandel oder Trump, sondern an den Weißen, der zusammen mit roten, grünen, blauen und schwarzen Drachen und einer Horde Verderbter die Welt bedroht. Auch Gebiete wie das Corvantinische Kaiserreich müssen lernen, dass ihre Scharmützel mit anderen Staaten oder Organisationen angesichts dieser Bedrohung unwichtig sind.

An der Front der Auseinandersetzung stehen mal wieder die Blutgesegneten, d. h. jene Menschen, welche mit Hilfe von Drachenblut besondere Fähigkeiten entwickeln. Sie sind besonders gefährdet – entweder weil sie auf der richtigen Seite sind und deshalb einen besonderen Beitrag zur Rettung der Welt leisten, oder weil sie auf der falschen Seite sind und damit in Gefahr sind, von denen auf der richtigen Seite umgebracht zu werden. Man hat’s eben nicht leicht als Blutgesegnete(r)! Da können auch die Fähigkeiten wenig drüber hinwegtrösten – etwa, dass man sich vor dem Absturz an einer Wand retten kann, indem man eine Platte aus dem Felsen löst, hochspringt, die – in der Luft schwebende – Platte unter sich anhebt (mithilfe von Schwarz), darauf landet, wieder hochspringt, die Platte anhebt, landet, hochspringt etc., bis man die gewünschte Höhe bzw. das rettende Seil erreicht hat.

Aber der Reihe nach: Der Roman ist die Fortsetzung von »The Waking Fire« (Dt.: »Das Erwachen des Feuers«) und knüpft direkt daran an. Wieder ist der Roman in Abschnitte unterteilt, welche die Geschichte aus der Perspektive unterschiedlicher Personen erzählen: aus der von Clay Torcreek, dem Blutgesegneten und früheren Kleinkriminellen, dem längst eine wichtige Funktion beim Kampf gegen den weißen Drachen zukommt; von Lizanne Lethridge, Blutgesegneter und Aktionärin des Eisenboot-Handelssyndikats; von Kapitän Corrick Hilemore – und (gegenüber dem ersten Band neu als Erzählperspektive) Sirus Akiv Kapazin, der im letzten Band schnöde von Tekela Akiv Artonin, der Tochter des corvantinischen Burggrafen Artonin, abgewiesen wurde. Indem Ereignisse abschnittweise aus den verschiedenen Perspektiven erzählt werden, entsteht Spannung, da der betreffende Ausschnitt von einer der anderen Perspektiven abgelöst wird; so wartet man immer schon auf die Fortsetzung des unterbrochenen Erzählstrangs.

Clay, der im ersten Band dem weißen Drachen begegnet war, folgt mit Hilfe von Hilemore seiner Vision; Lizanne ist erneut auf den Spuren des Verrückten Tüftlers, dessen Erfindungen irgendwie die Welt retten sollen. Leser und Leserin begegnen vielen der Personen des ersten Bandes, einige treten in den Hintergrund, neue kommen hinzu. Gefallen hat mir u. a., dass nun auch das Erleben der Verderbten – die nach der Umwandlung durch die Macht des Weißen hässliche Knochenfortsätze bilden und auch sonst optisch weniger hergeben als zuvor, zudem dem Willen des Weißen unterworfen sind – geschildert wird und diese keine gesichtslose Masse von Ungeheuern mehr sind. Ob Drache, Verderbte(r), Corvantiner, Eisenboot-Syndikats-Leute, Kriminelle, Revolutionäre – die Bereitschaft zu morden ist ziemlich »perfekt« ausgebildet.

Ich bin normalerweise kein Fantasy-Leser und nehme diese Literatur nicht wirklich ernst. Dennoch: Ich wollte bei diesem Buch immer wissen, wie es weitergeht – Anthony Ryan ist hier eine spannende Fortsetzung von »Das Erwachen des Feuers« gelungen. Auf die Rettung der Welt werden wir aber noch bis zum Ende von Band 3 der Reihe »Draconis Memoria« warten müssen.

Die deutsche Ausgabe von »The Legion of Flame« erscheint im September 2018 bei Klett-Cotta, unter dem Titel: »Das Heer des weißen Drachen«.

Kommentare

wandagreen kommentierte am 09. Juni 2018 um 19:29

Höchst verwirrend. Da blicken nur Jugendliche durch.

Steve Kaminski kommentierte am 10. Juni 2018 um 21:33

Das dürfte in diesem Fall an meiner Rezi liegen; wenn man Band 1 kennt, ist sie wahrscheinlich besser verständlich.