Rezension

Dieses Buch muss man aushalten können

Kukolka - Lana Lux

Kukolka
von Lana Lux

Bewertet mit 4.5 Sternen

Die generierten Bilder sind für den Leser heftig. Auch einzelne Sätze beeindrucken und machen fassungslos: „Ich wurde so ein bisschen wie unsere Waschmaschine. Ganz viele Programme, alle laufen automatisch ab.“

Über 375 Seiten beeindruckt dieser Debütroman, der die Geschichte von Samira erzählt. Semira ist sieben Jahre auf und wächst ein einem Waisenhaus auf. Das Leben dort ist hart. Da sie nichts anderes kennt, hat es akzeptiert. Sie hält sich an die Regeln, im Gegensatz zu ihrer Freundin Marina. und bunkert Brotrinden unter ihrer Bettdecke.
Die Waisenkinder träumen davon adoptiert zu werden. Ihre Freundin Marina schafft es und verspricht Samira nach Deutschland nachzuholen.
Dies geschieht nicht, so dass Samira sich auf den Weg nach Deutschland macht. Schon am Bahnhof scheitert sie, wird von einem „netten Rocky“ aufgegriffen und lebt mit anderen Kindern in einem schäbigen Haus. Von nun an bettelt sie. Obwohl das Haus mehr als schäbig ist, ist Samira glücklich. Sie hat ein eigenes Sofa und eine ältere Freundin. Tatsächlich stumpft sie hier bereits ab. Rocky nennt sie Kukolka „Püppchen“, die aufgrund ihres Äußeren von vielen als niedlich betrachtet wird.
Die Charles Dickens Atmosphäre hält nicht sehr lange an. Kukolka träumt weiter davon nach Deutschland zu kommen.
Von dem schäbigen Haus geht es weiter zu Dima, der letztendlich mit ihr nach Berlin geht. Er richtet sie zur Prostituierte ab und nun beginnt Kukolkas Weg als Prostituierte. Durch Menschenhändler wird sie weiter gereicht. Mit 13 Jahren hat sie bereits mehrere Freier täglich, ihr 14. Lebensjahr verbringt sie bernebelt durch Tabletten.
Die generierten Bilder sind für den Leser heftig. Auch einzelne Sätze beeindrucken und machen fassungslos: „Ich wurde so ein bisschen wie unsere Waschmaschine. Ganz viele Programme, alle laufen automatisch ab.“
Das muss man aushalten können. Trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen. Die Nüchternheit mit der die Geschichte erzählt wird, trägt dazu bei. Man hofft stets, dass die Raserei auf den Abgrund gestoppt wird. Dass die verzweifelte Suche nach Liebe erfüllt wird.
Und dass es ein Happy End geben wird.