Rezension

Drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen -

Drei Kameradinnen
von Shida Bazyar

Bewertet mit 3 Sternen

Ein Haus brennt. Menschen sterben. Der Zeitungsartikel beschuldigt eine radikalisierte Islamistin, die Schüler zum Krieg aufruft. Es könnte so einfach sein oder? Nichts spricht dagegen oder? Wir alle kennen solche Artikel.

Ob es wirklich so einfach ist, darum geht es in diesem Buch. Denn die radikalisierte Islamistin ist eigentlich weder radikalisiert noch Islamistin und Krieg führen will sie wohl auch eher nicht. Saya ist einfach nur eine junge Frau wie du und ich. Und irgendwie doch nicht ganz so wie du und ich. Denn sie sieht anders aus und spricht anders, was sie im Auge der Gesellschaft anders sein lässt. Und sie ist unfassbar wütend. Auf die Gesellschaft im Allgemeinen, auf die Ignoranten die ihren Namen immer wieder falsch aussprechen und allen voran auf die Nazis, die ungestraft davon kommen, mit allem.

Drei Kameradinnen, das ist aber nicht nur Saya sondern auch Kasih und Hani, Freundinnen seit Kindheitstagen, alle mit unterschiedlicher Herkunft und Vergangenheit. Woher sie kommen, erfährt man als Leser nicht, das ist aber für dieses Buch auch gar nicht so wichtig. Kasih erzählt uns die Geschichte von Saya, die von Hani und ihre eigene. Sie erzählt von einer Kindheit, vom gemeinsamen Aufwachsen, von gemeinsamen Erfahrungen und sie erzählt wie es zum anfangs erwähnten Zeitungsartikel kommen konnte. Sie erzählt von Alltagsrassismus, vom vermeintlichen Nicht-Nazi, der trotzdem irgendwie alles nachplappert, von Arbeitslosigkeit und Verzweiflung, von Ausgrenzung und Wut.

Leider kann ich mich den vielen begeisterten Stimmen nicht so ganz anschließen und das "Problem" ist Kasih oder vielmehr ihre Art zu erzählen. Sie spricht mich die ganze Zeit mit Du an und doch fühle ich mich irgendwie nicht angesprochen, sie hält mich auf Distanz. Sie provoziert, sie will den Leser wütend machen und es ist ohne Frage wichtig, das was sie sagt laut in die Welt zu schreien. Und doch komme ich nicht immer mit ihrer Art und der Sprache zurecht, ihre Provokationen erreichen nicht das Gewollte bei mir.

Shida Bazyar kann ohne Frage sehr gut schreiben, sie spielt mit dem Leser, führt ihn an der Nase herum und setzt auf seine Sensationsgeilheit. Das funktioniert, denn man will natürlich wissen, wie aus der jungen Frau eine Brandstifterin werden soll. Man fühlt sich am Ende ertappt. Hat man aufgehört Dinge zu hinterfragen, anzuzweifeln, die man immer wieder überall hört und sieht?

"Drei Kameradinnen" ist ein gutes Buch, das uns allen in Erinnerung ruft, wie viel sich noch ändern muss in unserer Gesellschaft. Auch wenn ich fürchte, dass diejenigen, die solche Bücher wirklich lesen sollten, sie nie lesen werden. Ich mochte die Art zu erzählen nicht sonderlich, über weite Strecken war ich versucht, das Buch einfach abzubrechen und auch das Ende lässt mich etwas zwigespalten zurück. Ich hatte mir insgesamt mehr erhofft, dennoch ist es gut, dass es das Buch gibt.