Rezension

Düster, aufwühlend und Magisch ...

Das Labyrinth des Fauns
von Cornelia Funke Guillermo Del Toro

Bewertet mit 5 Sternen

Ofelia muss mit ihrer Mutter in die Berge ziehen, dort ist ihr neuer Stiefvater mit seinen Truppen stationiert. Aber von glücklicher Familienzusammenführung kann man hier wahrlich nicht sprechen. Der Ort ist überaus dunkel, kalt und unheimlich und trotzdem zieht es Ofelia mehr in den Wald, als im selben Haus zu sein, wie ihr unbarmherziger Stiefvater. Ihre neue Zufluchtsstätte hat nämlich noch mehr zu bieten, hier gibt es einen geheimnisvollen Faun und er stellt Ofelia drei Aufgaben. Kann sie diese erfüllen, ist sie die lang verschollene Prinzessin des Reiches. Ofelia ist begeistert und lässt sich auf dieses phantastische Abenteuer ein und wird immer mehr in diese Welt hineingezogen. Aber wird ihr der Mix aus wundervoll und grausam zugleich gefallen? Kann sie die Aufgaben meistern? Und was wird der Stiefvater dazu sagen?

Das Labyrinth des Fauns ist eine Hommage an den Film, Pans Labyrinth. Guillermo del Toro hat sich nämlich schon immer gewünscht, dass es zu seinem Film auch ein Buch geben soll und für ihn gab es nur eine, die dessen Aufgabe gewachsen ist. Nämlich Cornelia Funke. Ich kann ihn da absolut verstehen, diese Frau hat es nämlich drauf und ist ein Sprachgenie. Natürlich füllte sich Frau Funke geschmeichelt, geehrt, aber der Aufgabe nicht wirklich gewachsen, da sie den Film kennt und sehr liebt, aber wie soll man da Nein sagen können. Somit schlug sie vor, 10 Geschichten zu schreiben, die den Schlüsselszenen des Films mehr Hintergrundwissen geben sollten. Und nun liegt uns dieses Werk vor und ich muss vorab gestehen, ich hab immer noch nicht den Film gesehen, mich schrecken immer noch diese Bilder vom bleichen Mann ab. Aber gelesen habe ich es nun und davon mag ich euch erzählen.

Die Geschichte spielt in Spanien des Jahres 1944, also einer Zeit, die alles andere als fröhlich war. Ofelia ist die Tochter eines Schneiders und hatte eine ganz besondere Bindung zu ihren Vater. Beide liebten das Magische und Schöne, nun ist er nicht mehr da und ihre Mutter hat neu geheiratet. Völlig zum Unverständnis der Tochter, aber die Mutter ist der Meinung, ohne einen Mann geht es halt nicht. Aber dann so ein kalter, grausamer und unbarmherziger Soldat, ist einfach, nicht nachzuvollziehen. Die Mutter steht unter Druck und will ihren neuen Mann gefallen, und zwar mit samt Tochter und Ofelia möchte Liebe, Freiheit und ein zu Hause. Deshalb ist sie lieber im Wald und begegnet dort einen Faun, der ihr eine Geschichte über sein Reich und der verschollen Prinzessin erzählt. Ofelia, die hinter der Geschichte nichts Böses vermutet, ist Feuer und Flamme und nimmt die drei Aufgaben an, damit sie als Prinzessin des phantastischen Reiches helfen kann. Allerdings hatte sie nicht vermutet das diese so faszinierend und grausam zugleich sein können.

Diese Geschichte ist wie ein Spiegel, auf der einen Seite, bei ihrer Mutter herrscht Krieg, Gewalt und Grausamkeit. Die Rebellen wollen zuschlagen, aber ihr Stiefvater zerschlägt alles und lässt keine Gnade walten. Zu seiner Frau ist er auch nicht sonderlich nett, sondern sehnt sich nur nach der Ankunft seines Sohnes, seines einzigen Erbens. Welches Kind will sich solch einer Welt nicht entziehen und lieber in Märchenbücher und Geschichten hinein flüchten. Da ist es doch genial, wenn einem plötzlich ein Faun begegnet, der Hilfe benötigt und man sich somit nützlich machen kann, ohne an die Gefahren zu denken. Ofelia nimmt allen Mut zusammen, verpflichtet sich, zu helfen, und übernimmt Verantwortung für sich und einer Welt, die sie nicht kennt und doch steht sie dafür ein. Aber auch bei ihrer Mutter versucht sie, das Gleiche zu unternehmen.

Cornelia Funke schafft hier eine sehr düstere Atmosphäre mit grausamen und brutalen Einschlägen. Aber Krieg ist nicht schön und auch auf der phantastischen Ebene ist nicht alles heile Welt. Sehr lebendig und mit der Kraft von Worten schafft sie eigene Bilder, setzt die Grenzen zwischen Gut und Böse ganz klar und gestaltet aus einer schon bestehenden Welt ihre eigene. Für mich ist die Geschichte absolut gelungen, ich finde die Idee mit den 10 Geschichten klasse und konnte trotzdem dem roten Faden des großen und ganzen folgen. Der Schluss ist höchst dramatisch und gerade deshalb auch was sehr besonderes. Obwohl ich den Film noch nicht kenne, habe ich nicht das Gefühl, was verpasst zu haben oder nachholen zu müssen. Ich glaube, die Idee, aus einem Film nun ein Buch zu machen und das 13 Jahr nach dem Kinostart ist gelungen.

Das Labyrinth des Fauns, ist packend, faszinierend, aufwühlend, dunkel und sehr traurig. Aber auch ein unglaublicher Schatz an Worten und Bildern die einen Mitreißen und einen mit einem erlebten Abenteuer zurücklassen. Großartig.