Rezension

Durchwachsener Auftakt

Trauma - Kein Entkommen
von Christoph Wortberg

Bewertet mit 3 Sternen

Der aktuelle Fall lässt Katja Sand schier verzweifeln. Sie glaubt einfach nicht an einen Suizid, auch wenn alle Anzeichen dafür sprechen. Und warum wird Druck von ganz oben ausgeübt, die Akte endlich zu schließen, wenn sie auf dem Holzweg ist? Unmissverständlichen Arbeitsanweisungen widersetzt die Mordermittlerin sich zwar nicht, aber als eine zweite Leiche auftaucht, sieht sie sofort Parallelen und ist gleich wieder mittendrin. Auf dem Weg, die Wahrheit ans Licht zu bringen, begegnet Katja Sand einmal mehr dem Grauen …

Traumata sind ein extrem weitläufiges Feld und vermutlich weder von Betroffenen noch Experten auf dem Gebiet in Gänze zu greifen. Gleich im Auftaktband der Trilogie wird der Leser mit diversen traumatisierten Figuren konfrontiert. Zunächst jeweils als eigenständiger Handlungsstrang, werden die Fäden im weiteren Verlauf mehr und mehr verwoben, so dass sich Berührungspunkte oder gar echte Verbindungen ergeben.

Was dabei ziemlich schnell offensichtlich wird sind die tief verankerten Ängste der Ermittlerin, die ihre Vergangenheit nur allzu gerne unter Verschluss hält. Dabei nimmt ihre private Situation so viel Raum ein, dass die Fälle, an denen sie arbeitet, leider zunehmend verblassen. Entsprechend lässt die Erzählweise kaum eine andere Interpretation zu, als dass die Rahmenhandlung den Hauptaspekt der Trilogie darstellt. Passend dazu wird natürlich nur an der Tür gerüttelt, die zunächst weiterhin verschlossen bleibt. Allerdings scheint es als hätten die subtil eingeflossenen Hinweise bereits alles offenbart, zumindest meint man schon jetzt ein ziemlich klares Bild davon zu haben was vor 15 Jahren geschah.

Ähnlich vorhersehbar – und im Gegensatz zum vorherigen Punkt tatsächlich verifiziert – gestalten sich die Ereignisse rund um die zwei Leichen. Zumindest was den Täter angeht, legt man sich ziemlich schnell fest und fragt sich immer wieder weshalb die Ermittler das Offensichtliche nicht wahrnehmen. Ist es das Phänomen den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen oder ist es, weil sie womöglich zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind? Was Tathergang oder Motiv angehen, stochert man als Leser jedoch ähnlich im Dunkeln. Ansatzpunkte sind zwar vorhanden, vielleicht aber fehlt einfach ein bisschen der Blick aus der richtigen Perspektive.

Spannungsaufbau und -bogen sind eher durchwachsen, bringen den Leser aber doch immer wieder zum Weiterlesen, denn trotz allem möchte man wissen welche Entwicklung Geschichte und Charaktere noch durchmachen werden – auch bezogen auf die Folgebände. Zudem legt der Autor den Blick frei auf die menschliche Seele und das was mit ihr geschehen kann. Fachtermini werden zwar an geeigneten Stellen eingestreut, nehmen aber keine Überhand, so dass die Thematik für jeden verständlich und nachvollziehbar beschrieben wird.