Rezension

Ein Buch, das noch einige Zeit nachgewirkt hat

Niemand liebt November - Antonia Michaelis

Niemand liebt November
von Antonia Michaelis

Bewertet mit 4 Sternen

"Zwei Fragen. Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben? Zweitens: Ist es sinnvoll, alleine Geburtstag zu feiern?" S. 9

"Niemand liebt November" war für mich ein sehr bedrückendes Buch, weswegen auch ein paar Tage vergangen sind zwischen Beendigung des Buches und dem Rezension schreiben. Aber der Reihe nach. Im Grunde ist die Handlung des Buches nur eins: Man begleitet Amber auf der Suche nach ihren Eltern in einer fremden Großstadt. Lange Zeit war das Buch für mich verwirrend und ich hatte zwischendurch nicht die gerinste Ahnung, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Das lag zum Teil auch daran, dass Amber während ihrer Suche mysteriöse Drohbriefe erhält, die die Spannung auf einem guten Level hielten. Obwohl ich Amber gerne auf der Suche nach ihrer Herkunft begleitet habe, hat die Handlung gerade zum Ende hin immer mehr abgenommen. Es kamen Wendungen und ein paar Szenen, die für mich einfach nicht nachvollziehbar waren und bei denen ich das Gefühl hatte, dass die Autorin nochmals krampfhaft versucht Spannung reinzubringen und einen Showdown zu liefern. Das war für mich überhaupt nicht nötig, weil ich so oder so wissen wollte, wie das Buch ausgeht. Das Ende selbst war sicherlich ein gutes Ende und trotzdem fand ich auch das sehr bedrückend, sodass ich einige Zeit überlegen musste, ob ich mich nun über das Ende freue oder nicht.

Die Charaktere waren mir größtenteils sympathisch. Mit November, oder auch Amber, hatte ich gelegentliche Schwierigkeiten. Sie ist kratzbürstig und zickt öfter mal die Leute an, die ihr helfen wollen. Dann ist sie andererseits wieder so verletzlich und kindlich, dass ich sie einfach nur in den Arm nehmen wollte. Oft wird die 17-jährige Amber zur 21-jährigen Lucy, denn Lucy kann besser mit den Menschen umgehen, was bei der Suche nach Ambers Eltern von Vorteil ist. Wenn ich mich entscheiden müsste, ist mir Amber aber 100x mal lieber als Lucy, denn so freundlich Lucy auch ist, lässt sie alles mit sich machen. Auf der Suche nach ihren Eltern trifft Amber zuerst auf den Barbesitzer Katja, den ich sehr mochte. Er war der einzige, der Amber auch mal die Meinung gesagt hat, wenn sie sich daneben benommen hat. Zwischendurch habe ich mich gefragt, warum er einem fremden Mädchen wie Amber hilft. Vielleicht war es einfach der Umstand, dass Katja selber vor ein paar Jahren einen Menschen verloren hat. Und dann ist da noch der Junge mit seinem Zelt, der genauso plötzlich wieder verschwindet, wie er auftaucht und man sich eigentlich die ganze Zeit fragen möchte, ob er überhaupt wirklich existiert?

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und passte sehr gut zu dem Buch. Besonders mochte ich die Gedichte an jedem Kapitelanfang, was der Geschichte etwas poetisches verlieh. Und dann war der Schreibstil wieder kalt und teils brutal, perfekt an Ambers Leben und Situation angepasst. Sehr gute Kombi, wie ich finde.

Abschlusswort

Ein düsteres, bedrückendes Buch über ein Mädchen, dass jahrelang ungeliebt und von niemanden wirklich gewollt war und dass nun auf der Suche nach ihrem persönlichen Happy End ihre Eltern finden möchte. "Niemand liebt November" ist ein Buch, das noch einige Zeit bei mir nachgewirkt hat. Auch wenn ich mit der Handlung zum Ende hin nicht ganz einverstanden war, so konnte mich das Buch aber in allen anderen Punkten überzeugen. Und nicht zuletzt wegen des besonderen Schreibstils der Autorin sollte man vielleicht doch mal einen Blick in das Buch wagen.