Rezension

ein emotionales Buch über Hass und Gewalt, über Freundschaft und Loyalität

Wir gegen euch - Fredrik Backman

Wir gegen euch
von Fredrik Backman

Bewertet mit 5 Sternen

Die Romane Fredrik Backmans sind nicht jedermanns Sache, sein Erzählstil ist manchmal sperrig, er braucht oft einige Umwege, um zum eigentlichen Kern der Sache zu kommen.

Mich hat er mit seinen Geschichten bisher jedes Mal mitten ins Herz getroffen, bei kaum einem anderen Autor liegen bei mir beim Lesen Lachen und Weinen, Gefühle wie Hass, Freude und Trauer so nah beieinander. Wie schon in „Kleine Stadt der großen Träume“ spielt auch in der Fortsetzung „Wir gegen Euch“ Eishockey eine zentrale Rolle, ein Sport, der mich ebenso wenig interessiert wie der in Deutschland populärere Fußball, dennoch hat mich auch dieser Roman wieder vollauf begeistert.

„Wir gegen Euch“ ist einerseits die Fortsetzung zu „Kleine Stadt der großen Träume“ und setzt kurz nach den dramatischen Ereignissen des ersten Teils ein, da es andererseits ein alleinstehender Roman sein soll, wird in den Anfangskapiteln viel wiederholt. So werden die vertrauten Charaktere schnell wieder lebendig, wenn man sie Geschichte kennt, für Neueinsteiger wird sich die Lektüre des ersten Bandes kaum lohnen, da die Schlüsselszenen dann bekannt sind.

Der kleine Ort Björnstadt ist immer noch geprägt von den Konflikten innerhalb der Gesellschaft, die rund um den Eishockeyclub eskaliert sind, und kommt auch in der Sommerpause nicht zur Ruhe.

Ana versucht, ihre Freundin Maya dabei zu unterstützen, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, die Ehe von Mayas Eltern schlittert in eine Krise, während Vater Peter versucht, Björnstadts Eishockeyclub zu retten. Ihr kleiner Bruder Leo mit seinen Problemen wird dabei übersehen und droht unter zu gehen. Benji ist ebenso wieder mit von der Partie mit seinem Kampf gegen sich selbst wie Ramona, die gute Seele aus der Bar „Bärenpelz“.

Die Gewalt droht zu eskalieren, nachdem einige Eishockeytalente in die Nachbarstadt Hed abgewandert sind, ein Politiker nutzt die Gunst der Gelegenheit, die verfeindeten Parteien gegeneinander auszuspielen, während die neue Eishockeytrainerin mit unorthodoxen Methoden Björnstadt Eishockey zu neuem Glanz zu verhelfen versucht.

Insbesondere in den ersten Kapiteln ist die Geschichte sehr düster, es dominieren Hass, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Backmans bildgewaltige Sprache und seine Fähigkeit, Gefühle und zwischenmenschliche Gefühle mit kleinen Gesten und Schilderungen auf den Punkt zu bringen, sorgen beim Lesen für ein Auf- und Ab der Gefühle.

Im letzten Drittel des Romans dreht sich die Stimmung, es kommt Hoffnung auf, als die Menschen beginnen, sich auf ihr Bauchgefühl zu besinnen, sich aus der Starre zu lösen und sich stark zu machen für ihre Überzeugungen.

Viele der Ereignisse in Björnstadt wirken auf die Spitze getrieben, sie spiegeln jedoch die Probleme innerhalb der schwedischen Gesellschaft wider, die durchaus auch auf Deutschland übertragbar sind. Es sind gerade die kleinen Details, die Feinheiten in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Backman in den Fokus stellt, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Mich hat der Roman an vielen Stellen zu Nachdenken bewegt, auch diesmal hat mich wieder beeindruckt, wie dicht Backman an seinen Charakteren dran ist, wie viel Gefühl und Liebe er in seine Geschichten zu stecken scheint.