Rezension

Ein ganz normales Mädchen

Mein Leben als Sonntagskind
von Judith Visser

Bewertet mit 4 Sternen

Jasmijn ist nicht wie die anderen Kinder in ihrem Alter. So oft fällt es ihr schwer, all die Dinge, die auf sie einprasseln, zu verarbeiten. Lange bleibt unentdeckt, warum Jasmijn nicht wie andere Kinder reagiert, nicht mit Fremden sprechen kann und sich in sich selbst zurückzieht. Dass sie Asperger haben könnte, wird erst spät erkannt. Und solange muss sich Jasmijn damit auseinandersetzen, als komisch zu gelten und auf wenig Verständnis zu stoßen.

Die Autorin Judith Visser leidet selbst am Asperger-Syndrom, das auch bei ihr erst spät diagnostiziert wurde. Sie weiß also, wovon sie spricht. Und so ist Jasmijns Geschichte mitunter witzig, aber immer mit einer Spur Unbehagen geschrieben. So gut konnte ich Jasmijns Verzweiflung verstehen, wenn sie zwar wusste, dass sie sich nicht „normal“ benimmt, aber daran nichts ändern konnte. Wenn sie mit den Kindern in ihrer Klasse nichts anfangen konnte, die Witze nicht verstand, sondern alles wörtlich nahm und dadurch wieder verzweifelter wurde.

Das Buch erzählt auf sehr einfühlsame Art über das Erwachsenwerden eines Mädchens, das anders ist als seine Mitschüler und auch anders, als so manch Verwandter und Freund der Familie sich ein Kind vorstellt. Schön fand ich, wie Jasmijn es trotzdem schafft, ein relativ normales Leben zu führen, in dem sie von ihren Eltern und ihrem Bruder geliebt wird und Freunde findet.

Eine schön geschriebene Geschichte über ein Mädchen, das anders ist, aber trotzdem ein normales Leben führen möchte – und gar nicht versteht, dass es so anders ist. Erklärt vieles und bringt einem das Leben mit Asperger näher.