Rezension

Ein interessanter Ausflug in die Welt der Künste

Der Augenblick der Zeit - Stephanie Schuster

Der Augenblick der Zeit
von Stephanie Schuster

Bewertet mit 5 Sternen

Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Er gilt als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten. Auf seinen Spuren wandelt der Roman "Der Augenblick der Zeit" von Stephanie Schuster, er erscheint 2018 im Karl Blessing Verlag. Zwei Menschen verbindet ein und dasselbe Frauenportrait, Ida Kosmos entdeckt durch das Gemälde wieder ihr Talent am Malen und Georg Tannstetter, der 500 Jahre vor Ida zur Zeit der Renaissance lebte, erlebt die Entstehung des Bildes und versucht, die abgebildete junge Frau zu finden.

Ida Kosmos sieht bei einer Kunstauktion ein Gemälde, das Portrait einer jungen Frau und vermutet, dass es sich um ein Werk Leonardo da Vincis handeln könnte. Sie hat selbst Malerei studiert, aber vor Jahren das eigene kreative Ausüben aufgegeben. Dafür fördert sie nun junge Talente. Das Portrait weckt ihre Begeisterung, sie beginnt wieder zu malen und begibt sich auf die Spurensuche des Bildes. Dank Ida erhält der Leser nähere Einblicke über die Herkunft und Besonderheit der vielfältigen Farben, über Maltechniken und über die bezaubernde Wirkung von Farben und Gemälden. 

Fünfhundert Jahre früher erlebt Georg Tannstetter, Sterndeuter und angehender Leibarzt des Kaisers Maximilian I., die Entstehung des Bildes am Mailänder Hof, an dem auch Leonardo da Vinci Hofkünstler ist.

 

Der Roman erzählt in zwei Handlungssträngen von zwei Menschen, deren Leben durch ihre Begabungen und ihr Interesse für Kunst bzw. Medizin geleitet werden. Sie beide verbindet ein einzigartiges Gemälde, das Leonardo da Vinci zuzuschreiben ist.

Ida ist geblendet von der magischen Wirkung des Portraits, das ähnlich wie die Mona Lisa eine geheimnisvolle Ausstrahlung hat. Idas Schaffensdrang war lange Zeit unterdrückt, dafür gab es persönliche Gründe. Doch nun bringt dieses Bild ihr den nötigen Ehrgeiz zurück und sie führt den Leser in die Welt der Farben und Malkünste ein.

Georg Tannstetter erforscht die Sterne und die Medizin und wird an den Mailänder Hof geschickt, um ein Portrait der Braut Kaiser Maximilians 1. einzuholen. Tannstetter lernt schnell die Machenschaften am Hofe kennen und landet im Kerker. Es ist Leonardo da Vinci persönlich, der ihn rettet, sie freunden sich an und Tannstetter begleitet einige wissenschaftliche Untersuchungen Leonardos und erkennt in ihm den herausragenden Wissenschaftler und faszinierenden Künstler. Seine Suche nach der Braut ist ein Verwirrspiel sondergleichen, wie es ausgeht ist ein Rätsel.

 

Stephanie Schuster hat für diesen Roman umfangreiche Recherchen betrieben und gibt dem Leser neben speziellen Farben und ihrer besonderen Herstellung auch detailgenaue Einblicke in die radiometrische Altersbestimmung von Gemälden. Eine interessante Darstellung, die ich so noch nicht in einem Roman gelesen habe. Bislang kannte ich die Autorin eher als Verfasserin von Kriminalromanen unter dem Namen Stephanie Fey, aber dieser Roman macht deutlich, dass sie selbst reichlich künstlerisches Interesse besitzt. 

 

Mir hat der Roman mit seiner Darstellung von unterschiedlichem Zeitebenen, diversen Forschungsdetails und den Schauplätzen in Mailand sehr gut gefallen. Mit den bildhaften Beschreibungen und dem flüssigen Schreibstil kann man dem Roman gut folgen und schaut selbst dem Universalgenie Leonardo bei seinen bahnbrechenden anatomischen Untersuchungen über die Schulter. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, wenn man als Leser einiges Interesse für Kunst, Farbenlehre und historische Belange mitbringt.

Wer sich für Kunst und Wissenschaft interessiert und schon lange mal etwas über Leonardos Wirken lesen wollte, sollte sich diesen Roman vornehmen. Er zeigt die bahnbrechenden Gedanken des Genies in einigen Bereichen und kommt dabei einem Geheimnis aus der Renaissance auf die Schliche