Rezension

Ein sehr gelungenes Debüt!

Die Hochhausspringerin
von Julia von Lucadou

Bewertet mit 5 Sternen

Einfach lesen. Abschalten. Genießen. Richtig gut geschriebene Dystopie ohne jede Verwendung von Phrasen. Geht doch.

Als ich das Buch vornehme, weiß ich überhaupt nicht, was mich erwartet. Manchmal reicht mir das Cover. Oder die Farbe. Der Mensch ist ja ein sinnliches Dingelchen; oder eine Empfehlung.

Ah, eine Dystopie, sage ich nach den ersten Seiten. Die xte. Ob mich diese hier wohl noch in den Bann ziehen kann? Schließlich kenne ich schon gefühlt 100 Dystopien. Die beste Dystopie ever ist natürlich die Maddaddam Trilogie von Margaret Atwood. Kann man noch etwas Neues schreiben? Schlechte Dystopien von Schreibern, die auf den Zug aufspringen, las ich ebenfalls zuhauf. Zu welcher Kategorie wird "Die Hochhausspringerin" gehören?

Die Autorin fokusiert sich auf einen Teilaspekt. Sie beschreibt eine futuristische Stadt. In der alles durchgetaktet ist. Eine ihrer Personen, Riva, die Hochhausspringerin, funktioniert nicht mehr. Die Erfindung der Hochhausspringerei, nicht ganz utopisch, da es Ähnliches bereits gibt, ist apart!

Hitomi, die Psychologin, soll Riva wieder zum Funktionieren bringen. In dieser Welt ist alles auf Funkion ausgerichtet. Auf Optimierung. Auf Perfektion.

Und vieles davon kennen wir bereits im Real Life: Das Ränking for everybody and everything. Für Politiker ist  es die Sonntagsumfrage, für Produkte gelten die Amazonklicks, für Castingserfolge Anruferzahlen. Polls everywhere.

Ich möchte vom Inhalt mehr nicht preisgeben. Für die Leser, die das Buch wirklich lesen werden, will ich jedoch verraten, dass die Rezension der Zeit.Online eine so präzise Inhaltsangabe macht, dass man den Roman nicht mehr lesen braucht. Sogar nicht mehr lesen kann. Denn man weiß ja schon alles. So nicht, meine Journalistenfreunde!

Das Ende. Das Ende des Romans hat mich völlig überzeugt. Es war nämlich gut. Der Anfang hat mich sehr überzeugt. Er war spannend. Und das Mittelteil hat mich auch überhaupt kein bisschen gelangweilt, weil die Funktionsweise in der Futurstadt darin deutlich wurde.

Die Kürze des Buchs hat mich überzeugt. Es ist dennoch alles darin, der Konflikt, wie es zu der Entwicklung kam, wie die Stadt ist, die Problematik, die sie enthält. Die Personen haben mich überzeugt, weil sie sind, wie sie sein müssen, wenn man sich vollkommen in ein System ergibt. Sich ihm beugt.

Sicherlich hat Julia von Lucadou manches aufgegriffen, was man von anderen Dystopien bereits kennt, zum Beipiel, dass nur die Topmenschen in der Stadt leben, während der Rest sich in den Peripherien aufhält. Das tut dem Roman keinen Abbruch, im Gegenteil. Denn die Autorin kann sich auf bekannte Details berufen und eine Andeutung reicht aus, um entsprechende Bilder und Informationen beim Leser abzurufen. So bleibt der Roman dicht und eng an dem gewählten Ausschnitt des Stadtlebens.

Fazit: Ein rundum gelungenes Romandebüt.

Kategorie: Dystopie
Verlag: Hanser, 2018
 

Kommentare

Emswashed kommentierte am 03. November 2018 um 18:23

Wollteste wahrscheinlich nicht, aber jetzt muss ich erst MaddAddam lesen...

wandagreen kommentierte am 03. November 2018 um 19:06

Auf jeden Fall. Best of best.