Rezension

Ein Stück Zeitgeschichte, das man gerne vergessen würde

Die andere Hälfte der Hoffnung - Mechtild Borrmann

Die andere Hälfte der Hoffnung
von Mechtild Borrmann

Bewertet mit 4.5 Sternen

Tschernobyl – Zeitgeschichte, an die ich mich eigentlich noch gut erinnern kann. Über die Folgen der Katastrophe aber denke ich nur sehr ungern nach.

Ich gebe es zu, Tschernobyl in die Geschichtsecke zu verdrängen fällt nicht schwer! Das Buch hat deshalb auch unangenehme Erinnerungen in mir geweckt und mir aufgezeigt, dass Atomkatastrophen nicht einfach irgendwann mal ausgestanden sind.

 Aus diesen Gründen hat der Roman mich aufgewühlt! Und auch die zweite Hauptgeschichte über den Mädchenhandel war schlüssig mit Tschernobyl und dessen Folgen verknüpft.

 Die Autorin lockert die Geschichte nicht auf. Jeder Hauptstrang steht für ein wichtiges Thema. Gemeinsam mit Walentyna kehren wir in die Entfremdungszone rund um Tschernobyl zurück. Hier schreibt sie ihre Erinnerungen für ihre vermisste Tochter Katharina auf. Seit Kateryna nach Deutschland für einen Studentenjob ging, ist sie verschwunden.

In der Gegenwart bangen wir um das Leben der jungen Frau Tanja, die ebenfalls nach Deutschland gelockt und so Opfer von Mädchenhändler wurde. Leonid arbeitet bei der Miliz in Kiew und sucht zwei junge Frauen, deren letzten Spuren nach Deutschland weisen. Seine Ermittlungen werden stark behindert. Seine Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Aufklärung zu haben. Eines der Mädchen ist Kateryna.

Grundsätzlich hat mir der Aufbau des Buches so gefallen. Gestört hat mich dagegen, dass wirklich alle handelnde Figuren eine Beziehung zueinander hatten. Dass wäre nicht nötig gewesen und wirkte extrem konstruiert.

Obwohl das Buch mich fesseln konnte, haben mir die neueren Bücher der Autorin besser gefallen (Trümmerkind, Grenzgänger).