Rezension

Ein wertvolles Buch eines zu früh verstorbenen Menschen, der viel zu sagen hatte

Bevor ich jetzt gehe - Paul Kalanithi

Bevor ich jetzt gehe
von Paul Kalanithi

Bewertet mit 5 Sternen

Manchmal sind die Irrungen des www unergründlich. Ich weiß nicht mehr, welchen Begriff ich ursprünglich gegoogled hatte, der mich dann zu dem  Buch von Paul Kalanithi führte. Eine kurze Leseprobe las ich auf Englisch und mir war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte.Allerdings wartete ich die deutsche Veröffentlichung ab.
Es ist ein dünnes Büchlein über 190 Seiten, von denen 5 Seiten auf das Vorwort entfallen. 21 Seiten entfallen auf das Nachwort der Ehefrau.Der eigentliche Text ist folgendermaßen unterteilt: Das Leben von Paul Kalanith als Arzt, gefolgt als Patient, der an Lungenkrebs im Stadium 4 erkrankt und daran stirbt.Provokativ stelle ich die Frage in den Raum: Benötigen wir noch ein Buch über Krebs? Noch ein Buch, in dem über das Leben mit dem Krebs und dem Überleben oder nicht Überleben des Krebs geschrieben wird. Normalerweise sage ich: Nein.In diesem Fall sage ich laut: UNBEDINGT!
Woran liegt es? Sicherlich an der ausführlichen Beschreibung des anstrengenden Arztlebens im ersten Teil des Buches. Mir imponiert die Art seines Schreibens. Oft hatte ich mich bereits beim Lesen gefragt: Was hätte er erschaffen, wenn er statt Arzt, Autor geworden wäre. Wenn er nicht gestorben wäre, sondern hätte weiter schreiben können?Mir gefällt die unsentimentale Betrachtungsweise, wie er über seine Krankheit und über sein Sterben schreibt. Dabei erinnert er sich auch an sterbenskranke Patienten, denen er nicht mehr helfen konnte.
Es erfolgt keine Abrechnung mit der Krankheit. Kein „Warum gerade ich?“ Buch, sondern ein Buch über das Leben und über dessen Endlichkeit. Ehrlich und mutig betrachtet er das Leben. Das macht das Buch für mich so wertvoll.Es ist ein unvollendetes Buch, da die Krankheit schneller war. Seine Ehefrau „beendet es mit einem Nachwort“.Abraham Verghese schreibt in seinem Vorwort: Hören Sie Paul zu. Und hören Sie auf das, was Sie in der Stille zwischen seinen Zeilen zu ihm zu sagen haben. Darin liegt seine Botschaft. Ich habe Sie erhalten. Ich hoffe, Sie bekommen Sie auch. Sie ist ein Geschenk. Dem ist nichts hinzuzufügen.