Rezension

Ein Wohlfühlbuch

Die Mitternachtsbibliothek -

Die Mitternachtsbibliothek
von Matt Haig

Als Nora beschließt ihr Leben zu beenden, landet sie nicht im Jenseits, sondern in der Mitternachtsbibliothek - ein Schwellenort zwischen Leben und Tod, an dem die Zeiger der Uhr immer auf 00:00 stehen. In hohen Regalen türmen sich unendlich viele Bücher, deren Inhalt sich um ziemlich genau ein einziges Thema dreht: das Leben Noras in zahlreichen Variationen. Jedes Leben, das sie hätte führen können, ist hier zu finden und in greifbarer Nähe - sowohl die vorstellbaren, als auch die eher unwahrscheinlicheren Lebensläufe Noras. Denn jede noch so kleine Entscheidung im Leben birgt sowohl das Wunder als auch die Gefahr in sich, ein Leben in eine komplett andere Richtung zu lenken, vom Pfad abzukommen und neue, nie zuvor erdenkliche Wege aufzuzeigen.
An die Hand genommen wird Nora an diesem besonderen Ort von ihrer ehemaligen Schulbibliothekarin, denn hier kann sie selbst aus all diesen verschiedensten Lebensentwürfen einige auswählen und selbst ausprobieren, um vielleicht den Weg zu finden, mit dem sie dem Glück und der Zufriedenheit näher kommt als in ihrem Ausgangsleben. Dazu liest sie die Bücher nicht, sondern wird komplett in sie hineingesogen, nimmt den Platz einer anderen Version ihrer Selbst ein und versucht sich in diesem ihr teils fremden, teils bekannten Leben zurechtzufinden. Und hier zeigt uns das Buch, wie nah Traum und Albtraum beieinander liegen können, dass doch nicht alles im Leben so bedeutend ist wie wir denken und dass das Glück auch in den kleinen Dingen zu finden ist - die man aber auch erstmal erkennen muss!

Bei mir hat sich rasend schnell ein angenehm leichter Lesefluss eingestellt. Das Buch besticht zwar nicht gerade aus allzu viel charakterlich-ausgefeilter Tiefe, aber es ist Lebensbejahend und ich bin einige wirklich schöne Lesestunden darin versunken.
Eine altbekannte Idee ist hier wirklich schön umgesetz worden - denn schließlich haben wir uns doch alle schon mal gefragt, wie unser Leben heute aussehen würde, wenn wir uns an einem gewissen Punkt in der Vergangenheit für einen anderen Weg entschieden hätten. Klare Leseempfehlung von mir für eine seichte Geschichte über das Leben, ein perfekter Wohlfühlroman für den Herbst, in toller Übersetzung von Sabine Hübner.