Rezension

Ein zutiefst berührendes Buch!

Der Honigbus - Meredith May

Der Honigbus
von Meredith May

Bewertet mit 5 Sternen

Ein Buch über eine einsame Kindheit mit einem besonderen Grossvater!

Mein Mutter/Tochterherz musste über eine so lieblose Kindheit weinen. Trotzdem sind die Worte der Autorin nicht verbittert, der Klang des Buches ist zwar melancholisch, aber eigentlich steht der stille in sich gekehrte Grossvater im Zentrum der Geschichte. Ich mag nicht daran denken, was aus diesen Kinder ohne diesen Mann geworden wären.

Die Scheidung der Eltern in den 70er Jahre führt die kleine Meredith und ihren Bruder nach Kalifornien. Bei der Mutter und dem Stiefvater ihrer verzweifelten Mom kommen sie unter. Statt sich aber um ihre verwirrten und traurigen Kinder zu kümmern, versinkt sie in tiefste Depressionen. Die Kinder, mehr oder weniger sich selber überlassen, entdecken bald das besondere Mobil des Grossvaters - den Honigbus.  Besonders die kleine Meredith will dieses Universum unbedingt ergründen.

Schritt für Schritt macht der Grossvater sie nun mit dem Geheimnis der Bienen bekannt. Bald weiss die kleine Meredith, dass die Bienen ihr grosses Vorbild im Leben sind.

„Als ich älter wurde, hörte ich einen ernsteren Unterton in seinen Lektionen – einen leisen Anstoss, über die Via Contenta hinauszudenken und uns zu überlegen, was wir wollten, und ausser Acht zu lassen, was Mom brauchte. Er sprach in Metaphern und benutzte die Bienen als Beispiel für richtiges Verhalten. Was er gut und bewundernswert im Leben der Bienen fand, übersetzte er in einen Moralkodex für Menschen, und seine subtile Weise ermunterte uns, das Leben anzunehmen, und nicht zurückzuweisen.“  S.259f

So traurig und lieblos die Beziehung der Mutter zu ihren Kindern ist, so zart und beständig ist die Zuneigung des Grossvaters. Immer ist er da, bereit die Lebensweisheiten seiner Bienen mit Meredith zu teilen. Obwohl er fast nie eingreift, ist sein Rückhalt sehr stark.

Der Honigbus steht  für so vieles. Er ist ein Fluchtort und bietet Meredith Geborgenheit und Sicherheit. Hier muss sie sich nicht fürchten, sie ist nie einsam. Der Grossvater nimmt ihre Gedanken ernst und beantwortet ihre Fragen. Dieser Kokon der Geborgenheit und Liebe ist beständig und hier hat sie eine Auszeit vor der Mutter. Ihre kindliche Neugierde schafft einen wertvollen Raum mit dem Grossvater. So lernt der Leser auch viel über Honigbienen. Die liebevolle Verknüpfung von wertvollem Wissen über Honigbienen mit den Lebensweisheiten und Trost für Meredith, hebt das Buch aus allen anderen Bücher ab.

Fazit: Ein aussergewöhnliches Buch mit einer starken Botschaft ans Leben! Konsequent erzählt die Autorin in der Sprache der kleinen Meredith. Sie verwendet einfache Worte, die zur der Wahrnehmung eines Kindes passen. Der erwachsene Leser liest so manches zwischen den Zeilen. Dieses Buch ist mein besonderes Lesehighlight in diesem Frühling. Ich bin sicher, dass es auch Ende Jahr immer noch zu den besten dieses Jahres gehören wird.