Rezension

Eine besondere Zeitreise

A. S. Tory und das Spiel mit der Zeit -

A. S. Tory und das Spiel mit der Zeit
von S. Sagenroth

Bewertet mit 5 Sternen

„...Warum hatte sich Mama in den Kopf gesetzt, die gesamte Wohnung zu renovieren und das alles jetzt in den Sommerferien, die aber sowieso keine richtigen Ferien waren, sondern eher ein verlängerter Lockdown...“

 

Sids ganzer Frust kommt in diesen Zeilen zum Ausdruck. Nachdem er in den letzten Jahren drei spannende Reisen erleben durfte, geht nun, im Jahre 2020, gar nichts. Schon seinen 18. Geburtstag konnte er nicht wie gewünscht feiern. Dann aber kommt eine Mail von A. S. Tory. Er bietet Sid und Chiara an, in einem alten Haus in Frankfurt alles zu sichten, bevor der Entrümpler kommt. Damit beginnt für die beiden eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Die Autorin hat erneut einen spannenden und tiefgründigen Roman geschrieben. Dieses Mal steht das Thema Zeit im Mittelpunkt.

Der Schriftstil lässt sich gut lesen. Die Schrift hat eine angenehme Größe. Natürlich steckt die Geschichte trotz manch ernsten Themen voller Humor. Das geht schon bei Chiaras beschrifteten Masken los.

Der erste Eindruck vom Haus sorgt für eine Überraschung. Bei Tory war nur von zwei Schwestern die Rede. Es gibt aber ein Jungenzimmer. Und warum gibt es ab einen bestimmten Moment keinerlei Bilder und Dokumente vom Großvater mehr?

Natürlich reizen die Fragen die beiden, weitere Nachforschungen anzustellen. Ihre Reise führt sie durch Thüringen und Sachsen, bis es in Leipzig die letzten Antworten gibt. Es ist vor allem Chiara, die akribisch die vorhandenen Schriftstücke nach immer neuen Anhaltspunkten durchforstet.

Erneut spielt Musik eine besondere Rolle. Es gibt eine umfangreiche Playlist zum Buch.

Die Geschehnisse, denen Sid und Chiara nachgehen, führen sie in die zwanziger Jahre, die Zeit um 1938 und die Nachkriegsjahre bis nach der Wende. Gut wird aufgeschlüsselt, dass jeder dieser Zeitabschnitte nicht nur seine schönen Seiten hatte, sondern auch eine Reihe an dunklen Elementen.

 

„...Meine Eltern sind ja genauso alt wie deine. Manches war wirklich cool. Zumindest aus dem Abstand betrachtet. Die Musik auf jeden Fall. Ein paar Sachen aber auch nicht so wirklich. Also Kalter Krieg, Tschernobyl, AIDS...“

 

Natürlich dürfen Torys philosophische Betrachtungen nicht fehlen. Sie werden kursiv wiedergegeben.

 

„...Man kann mit ihr spielen und sie betrachten, doch die Zeit ist nichts, das man greifen und festhalten kann. Sie zerrinnt, sobald man es versucht. Wie Sand, der durch die Hände rieselt...“

 

Die Handlungsorte werden detailliert beschrieben. Von dem alten Haus hatte ich sofort ein Bild vor Augen. Auch der Besuch der Wartburg und der Aufenthalt im Elbsandsteingebirge ist für den Leser nachvollziehbar.

Jede Station führt Sid und Chiara ein Stück weiter an ihr Ziel, herauszufinden, welche Geheimnisse die Familie hatte.

Kursiv werden die Gedanken eines jungen Mannes wiedergegeben.

 

„...Durch Robert habe ich einiges vom Leben in der ehemaligen DDR erfahren. […] Damals (Anmerkung: im Jahr des Mauerbaus) war er zehn Jahre alt gewesen […] Das ist kein Alter, in dem man etwas hinterfragt. Du nimmst es, wie es ist, meinte er mal. Man war gut darin, zwei Leben zu führen, ein öffentliches und ein privates...“

 

Die Geschichte hat einen hohen Spannungsbogen, aber auch romantische Szenen. Es ist die Vielfalt des Geschehens, dass das Lesen zum Vergnügen macht.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen.