Rezension

eine brillant erzählte Geschichte verschiedener Frauenschicksale Kamtschatkas

Das Verschwinden der Erde
von Julia Phillips

Bewertet mit 5 Sternen

Das Verschwinden der Erde“ ist ein bemerkenswertes Debüt, dessen kraftvolle Sprache und Erzählung mich von Anfang an in den Bann gezogen hat.

Auf der Halbinsel Kamtschatka verschwinden an einen sonnigen Augustnachmittag die Schwestern Sofija und Aljona spurlos. Es gibt keinen Hinweis auf ihren Verbleib, ihre Geschichte bewegt einen großen Teil der Bevölkerung und weckt bei einigen Erinnerungen an einen ähnlichen Fall, bei dem knapp 3 Jahre zuvor weiter im Norden ein etwas älteres Mädchen verschwunden ist.

Das Schicksal der beiden Mädchen bildet den roten Faden des Romans, um den Julia Phillips verschiedene Geschichten rankt, die mal mehr mal weniger mit diesem verknüpft wird. Im Mittelpunkt stehen jeweils starke Frauen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und unterschiedlichen Alters, die in der von Männern dominierten Gesellschaft Kamtschatkas ihren Platz suchen. Bisweilen fragt man sich, was einige dieser Episoden mit dem Verschwinden der Schwestern zu tun haben, doch nach und nach schließt sich der Kreis und lose Fäden finden zusammen.

Der Klappentext hatte schnell meine Neugier geweckt, dennoch war ich skeptisch, wie eine Amerikanerin die Stimmung in dieser fernen Gegend einfangen kann. Nicht nur der Prolog, sondern auch die Erzählung selbst zeugen jedoch von einem feinsinnigen Gespür der Autorin für die Spannungen innerhalb der Bevölkerung und der oft schwierigen Situation insbesondere der Frauen in diesem noch jungen Staat. Ich wusste bisher nicht viel über das Land, beim Lesen hat sich ein deutliches Bild entfaltet von dieser weiten und faszinierenden Landschaft, die ihren Bewohnern einiges abverlangt. 

Die Geschichte ist geschickt konstruiert und fesselnd, die Sprache schafft eine Nähe zu den Hauptfiguren und wirkt brillant an deren Charaktere und Situationen angepasst.

Für mich ist dies ein Roman, der sehr positiv aus der Masse hervorsticht.