Rezension

Eine Reise durch die Zeit – Entschleunigung und Spannung vereint

Kastanienjahre - Anja Baumheier

Kastanienjahre
von Anja Baumheier

Alles in allem ist es aber ein sehr gelungenes Buch und ein empfehlenswerte Zeitreise in die DDR, in die es sich abzutauchen lohnt, auch wenn zwischendrin kurzzeitig der rote Faden verloren ging.

Eine Reise durch die Zeit – Entschleunigung und Spannung vereint

 

Ein Dorf im Wandel der Zeit und eine Frau, die unwiderruflich mit dessen Geschichte verbunden ist. Anja Baumheier schreibt in ihrem Roman „Kastanienjahre“ die emotionale Geschichte Peleroichs und damit auch die von Elise.

 

Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt.

 

Elise ist in die Jahre gekommen, lange Zeit lebt sie nun schon in Paris, fernab ihrer Heimat, doch eines Tages erhält sie einen mysteriösen Brief, der sie aufruft zurück in ihr Dorf an der schönen Ostsee zu kommen um die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften, bevor es zu spät und Peleroich nur noch eine Geschichte ist. Der Absender: Unbekannt. Welche Geheimnisse kommen auf sie zu? Ist der Brief von ihrer Jugendliebe Jakob, der vor langer Zeit aus heiterem Himmel verschwunden ist? War der Tod ihres Vaters wirklich ein Unfall oder steckte doch mehr dahinter?

 

Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.

 

Los geht die Zeitreise, denn während Elise in der Gegenwart mit den anonymen Briefen hadert, taucht der Leser ab in ihre Vergangenheit. Beginnend mit dem Jahr 1950, zehn Jahre vor Elises Geburt erfährt man in Ein-Jahres-Schritten allerhand über das beschauliche Dörfchen Peleroich und die einzigartigen Charaktere, die dort leben. Geprägt von den Gegebenheiten der DDR, Verzicht und den kleinen Freuden und Beschwerden des Alltags.

Durch die Wechsel nicht nur von Gegenwart zu Vergangenheit, sondern auch die schnellen Jahreswechsel bekommt man einen spannenden Einblick in eine große Zeitspanne und kann die Entwicklungen sowohl politisch als vor allen Dingen auch gesellschaftlich bis in die Neunzigerjahre mitverfolgen, ohne das Gefühl zu haben, in einem Geschichtsbuch zu blättern. Die Figuren sind nachvollziehbar und sympathisch, vor allem in ihrer Vielfalt.

Mir fehlte zeitweise der Antrieb das Buch in die Hand zu nehmen, auch wenn ich, wenn ich mich dann entschließen konnte weiterzulesen, die nächsten Seiten verschlungen habe und gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Vermutlich, weil mir zwischendrin der rote Faden verloren ging. Das Buch spielt zum Großteil in der Vergangenheit und das Ziel, herauszufinden, was mit Jakob und Karl passiert ist, geht so zwischenzeitlich etwas verloren.

Alles in allem ist es aber ein sehr gelungenes Buch und ein empfehlenswerte Zeitreise in die DDR, in die es sich abzutauchen lohnt.