Rezension

Eine verborgene Schuld

Bisduvergisst - Friederike Schmöe

Bisduvergisst
von Friederike Schmöe

Bewertet mit 3.5 Sternen

Bissduvergisst ist nach Schweigfeinstill und Fliehganzleis der dritte Kriminalroman der Autorin Friederike Schmöe rund um die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde.

Im Sommer 2009 erhält Kea den Auftrag die Erinnerungen der 82-jährigen Irma Schwand aufzuschreiben. Irma leidet an Alzheimer und möchte ihre eigenen Erinnerungen für ihre geliebte Enkelin Julika in Worte fassen lassen. Die alte Dame ist nicht nur krank, sondern ihr scheint auch ein Erlebnis aus der Vergangenheit auf der Seele zu liegen.

Während Kea noch mitten in den Gesprächen mit Irma steckt, wird deren Enkelin Julika tot aufgefunden und das mitten in den Vorbereitungen zur alle 4 Jahre stattfindenden Landshuter Hochzeit, an der auch Irma in der Vergangenheit meist maßgeblich beteiligt war. Bei der Leiche wird eine CD mit Daten gefunden. Schnell steht fest, dass Julika ermordet wurde. Sie ist ertrunken, in einer Pfütze. Mit der Aufklärung des Falles ist unter anderem Kea’ s Lebensabschnittsgefährte Nero Keller beschäftigt und so kommt es, dass sowohl Kea als auch Nero unbeabsichtigt auf den Spuren der Vergangenheit der „Schwandschen Famile“ wandeln, jeder auf seine Art.

Der Roman Bisduvergisst verknüpft hier Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Besonders gut gelingt dies durch  Irmas gedankliche Rückblicke auf die Kriegszeit. Irma und ihre Freundin Lisa hatten in den Kriegsjahren mit manchen Problemen zu kämpfen. Die Autorin schafft es durch die Einflechtung von Irmas Gedanken den Leser langsam zu Irmas verborgener Schuld zu führen. Diese hängt wohl mit ihrer Freundin zusammen. Aber was geschah damals wirklich? Und: Hängt dieses Geschehen mit dem jetzigen Tod von Julika zusammen?

Die Suche nach dem oder den Täter/n gestaltet sich recht schwierig, denn es gibt so viele Ansätze. Wo liegt das Motiv? Hat der Tod von Julika etwas mit der gefundenen CD zu tun, oder mit der Landshuter Hochzeit? Ein Nebenschauplatz des Buches ist selbstverständlich die Beziehung zwischen Kea und Nero. Beide zweifeln hier und da an ihrer Partnerschaft und werden auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur sie selbst fragen sich mehr als einmal, ob sie überhaupt zusammen gehören.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge sind jeder für sich ausgezeichnet ausgearbeitet. Am ausdrucksstarksten ist hier Irmas Gefühlswelt. Unter welchen Anstrengungen und mit welcher Kraft aber auch Angst und Verzweiflung haben Lisa und Irma die letzten Kriegstage verbracht. Der Leser erlebt diese Gefühle hier förmlich selbst. Aber auch Irmas heutige familiäre Beziehungen werden sehr genau unter die Lupe genommen.

Bisduvergisst ist mehr als ein Kriminalroman. Jedes einzelne Kapitel des Romans geht unter die Haut, nicht mit atemberaubender Spannung, aber durchgängig mit der Frage nach dem wie und warum. Die kurzen Kapitel halten den Leser so gefangen, dass das Buch einfach weiter gelesen werden muss.

Copyright © 2010 by Iris Gasper