Rezension

Elins Wahlkampf

Sturmland - Die Gesetzgeber - Mats Wahl

Sturmland - Die Gesetzgeber
von Mats Wahl

Bewertet mit 4 Sternen

Elin befindet sich mitten im Wahlkampf für einen Sitz im schwedischen Reichstag. Ihre Tante Karin, die Justizministerin der neuen Regierung,  drängte sie zu diesem Schritt, weil Schweden im  21. Jahrhundert junge Leute braucht, denen Werte wichtiger sind als Posten.  Im Wahlkampf wird mit harten Bandagen gekämpft und Elin muss öffentlich Stellung nehmen, warum sie als Jugendliche zur Verteidigung ihrer Familie getötet hat. Ihre Eltern fühlen sich erpressbar, weil jeder inzwischen das Überwachungs-Video der Tat gesehen hat. Ohne Personenschutz kann sich Eli als Prominente in einer noch immer anarchischen Gesellschaft nicht mehr bewegen. Ihre kleine Tochter Gerda leidet sichtbar unter der Abwesenheit ihrer Mutter, doch Elin kann das normale Verhalten einer Vierjährigen nur schwer einschätzen. Sie glaubt, dass Gerda sich von ihr zurückzieht, weil ihre Mutter getötet hat.

Elin fällt es noch immer schwer, ihre Motive zu formulieren, warum sie in die Politik geht. Die Folgen des Klimawandels und die Veränderungen in der Arbeitswelt durch intelligente Roboter erfordern umfangreichere Kompetenzen, als eine inzwischen 20-Jährige erwerben konnte, die mit ihrer Familie abgeschieden im Wald überlebte, während die übrige Bevölkerung gezwungenermaßen in die Städte zog.  Elin wird damit konfrontiert, dass Betreuungs- und Service-Roboter kaum noch von Menschen zu unterscheiden sind und dass jeder Roboter ein effizientes, Daten sammelndes Kontrollmittel darstellt. Indessen bereitet Mård ein Attentat auf Elin vor, um seine ermordeten Verwandten zu rächen und um die Welt endlich von Elin zu befreien. Zentrale Themen dieses Bandes sind Verlust von Arbeitsplätzen durch Entwicklung von Robotern, die technischen Möglichkeiten zur Überwachung der Bevölkerung, der bisher noch schwache Staat mit mafiösen Strukturen und für Elin die Frage, was Karin damit bezweckt, ihre noch unerfahrene Nichte als Politikerin aufzubauen. Als sich die  Königin Elin  zuwendet, stellt die zwar richtige Fragen (was willst du selbst, was will Karin, was weißt du über deine Wähler?); doch die Frage, was bezweckt die Königin, macht die Dinge für Elin nicht  einfacher. Der Besuch einer japanischen Delegation schlägt den Bogen zurück zum Thema Robotik und Elin erfährt, dass sie inzwischen bei japanischen Jugendlichen als Scandinavian Samurai verehrt wird. Ein fieser Cliffhänger deutet an, dass über die Hierarchie, wer von wem abhängig ist, noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Der Erzählton wirkt auch in diesem Band für eine jugendliche Zielgruppe zu nüchtern beschreibend, ohne spürbare Spannungskurve. Elins Unsicherheit, wie sie die gesellschaftlichen Entwicklungen beurteilen soll und wem sie überhaupt trauen kann, besteht unverändert. Nicht gefallen hat mir die personifizierte Darstellung von künstlicher Intelligenz, die in der Ichform von sich spricht. Vom Problem der lebenslangen Datenspeicherung und dem noch nicht funktionierenden Staat lenkt das m. A. nach zu stark ab.