Rezension

Emotionale Achterbahnfahrt

Ziemlich wunderbares Leben - Katie Marsh

Ziemlich wunderbares Leben
von Katie Marsh

Bewertet mit 5 Sternen

Abi hat es geschafft. Sie hat den Kampf gegen ihre Krebserkrankung gewonnen. Doch was kommt eigentlich danach? Wenn die kräftezehrende Schlacht geschlagen, die Behandlung überstanden ist und man langsam in den Alltag zurückkehren muss? Abi merkt langsam, dass ihre Krebserkrankung auch Spuren in ihrer Familie hinterlassen hat. Finanzielle Probleme, emotionale Mauern, die sich langsam zwischen ihr und ihrem Sohn Seb und auch in der Beziehung zu ihrem Mann gebildet haben und die es einzureißen gilt. Abi hat sich zurück ins Leben gekämpft, jetzt muss sie für ihre Familie kämpfen. 
Von der ersten Seite an war ich von Abis Kraft und Willen begeistert. Es beginnt mit einem Abschiedsbrief an ihre Familie, den sie für den Fall geschrieben hat, dass sie gegen ihre Krebserkrankung nicht ankommt und in dem sie die guten und weniger guten Momente beleuchtet. Allein dieser Brief hat mich schon sehr berührt und im weiteren Verlauf von Abis Kampf zurück ins Leben und um ihre Familie musste ich schon die eine oder andere Träne verdrücken. 

Die Geschichte wird teils aus Abis und teils aus der Perspektive ihres Sohnes Sebs erzählt, was verschiedene Perspektiven auf Abis Erkrankung eröffnet und die Handlung ein wenig auflockert. Der Schreibstil hat etwas sehr melodisches und liest sich unheimlich angenehm, was den Umgang mit den doch sehr ernsten Themen nicht unbedingt einfacher, aber doch zugänglicher macht. 

Zusätzlich zu dem wunderschönen Cover und der berührenden Geschichte zeichnet sich dieser Roman auch durch Abis ‚Überlebens-Playlist‘ aus, die zwischen den Kapitel immer wieder auftaucht und Songs vorstellt, die eine besondere Bedeutung für die junge Frau haben. Eine sehr kreative und gelungene Idee, die für mich ein besonderes Highlight ist und die Protagonistin noch nahbarer und authentischer zeichnet. 

FAZIT 

Was passiert nachdem der Krebs besiegt ist? Wie findet man seinen Weg zurück ins alltägliche Leben? Wie wirkt sich eine ernsthafte Erkrankung auf die Liebsten aus? Kann alles so werden, wie es einmal war? 

‚Ziemlich wunderbares Leben‘ geht diesen und noch vielen weiteren Fragen nach und beschreibt dabei die Freude nach einem überstandenen Schicksalsschlag und die Ernüchterung, die darauf folgt, weil er doch mehr verändert hat, als man zunächst annahm, auf sehr gefühlvolle und emotionale Art und Weise. 
Eine authentische Geschichte die Mut macht und an die Nieren geht. Die den Leser immer wieder überrascht, zum Lachen und zum Weinen bringt, am Ende aber leider zu offen bleibt. Trotz dieses kleinen Mankos konnte mich ‚Ziemlich wunderbares Leben‘ aber dennoch mitreißen.