Rezension

Faszinierende, realistische und eindrucksvolle Welt mit tollen Perspektiven!

The Girl With All the Gifts - M. R. Carey

The Girl With All the Gifts
von M. R. Carey

Inhalt
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Melanie ist ein kleines Mädchen, das in einer Zelle lebt. Ihr einziger Lichtblick sind die Unterrichtsstunden, zu denen sie an einen Rollstuhl gefesselt und mit vorgehaltener Waffe geführt wird. Scherzhaft sagt sie ihren Bewachern, dass sie nicht beißt, doch das finden die nicht ganz so witzig. Sie weiß schon ganz genau, was sie alles unternehmen will, wenn sie erst einmal erwachsen ist. Doch sie weiß nicht, weshalb ihre Lehrerin Miss Justineau so traurig schaut, als Melanie ihr davon erzählt...

Kurzer Hinweis:
Am besten ist es, bei diesem Buch zuvor so wenig wie möglich zu wissen. Deshalb würde ich mir auch nicht einmal den deutschen Klappentext anschauen, der zwar knappgehalten ist, aber für meinen Geschmack auch schon zu viel verrät. Wie immer verrate ich nur das Allernötigste, um eine Vorstellung vom Buch zu bekommen.

Mein Eindruck
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Melanie kennt nur das Leben in ihrer kleinen Zelle. Ihre Mitschüler sind in Zellen um sie herum verteilt, doch es wird so laute Musik gespielt, dass sie sich nicht unterhalten können. Sie hatte sich eine Zeichensprache ausgedacht, doch die Lehrer hatten sich geweigert, sie den anderen beizubringen. Der Unterricht ist die schönste Zeit für Melanie. Sie wird aus ihrer Zelle geholt (an einen Rollstuhl gefesselt und unter vorgehaltener Waffe) und wird mit ihren Mitschülern unterrichtet. Geschichte, Geographie, Grammatik und alles was es sonst zu lernen gibt. Am liebsten ist ihr der Unterricht von Miss Justineau. Sie liest den Kindern auch Geschichten vor oder bringt Pflanzen mit in die Klasse!

Für Melanie ist dieses Leben so selbstverständlich, wie das Atmen. Als Leser ist man einfach nur entsetzt und geschockt davon, wie diese Kinder behandelt werden. Es ist klar, dass es einen Grund geben muss. Dass sie irgendwie gefährlich sein müssen. Doch es sind trotzdem Kinder! Dieser Konflikt spielt sich permanent bei der freundlichen Lehrerin Miss Justineau ab, in deren Perspektive man ab und an schlüpft. Im Vergleich dazu ist die Wissenschaftlerin Dr. Caldwell einfach nur abgebrüht und berechnend. Der stationierte Sargent ist auch nur auf seinen Dienst bedacht. Doch seine Fähigkeiten werden dafür umso wertvoller sein!

Mich hat es überrascht, dass es nach relativ kurzer Zeit schon einen gewaltigen Szenenwechsel gibt. Der erste Abschnitt ist geprägt von Routine, gleichlaufenden Abläufen und Melanies Gedanken. Doch schon kurz darauf blickt man über den gesamten Tellerrand dieser Welt. Ich fand es hervorragend, dass schnell präzise und logische Antworten präsentiert werden, wenn auch die entscheidenden Fragen ganz am Schluss geklärt werden. Und wie sauber der Autor diese Situation gelöst hat! Man würde es nie glauben und doch schließt er alles zufriedenstellend in wenigen Kapiteln ab. Es bleibt mir nur zu bemängeln, dass mir an manchen Stellen etwas der Erzählfluss gefehlt hat und mir die Perspektiven eine Spur zu oft gewechselt haben.

Der Leser wird in eine Welt hineingezogen, die mehr einem wahrgewordenen Albtraum, als allem anderem gleicht. Man schwankt ständig zwischen Abscheu, Mitleid, aber auch Pragmatismus. Es geht häufig um das nackte Überleben, auch wenn dafür hässliche Entscheidungen getroffen werden müssen. Diese grausame Welt sieht man wieder und wieder in Melanies Kinderaugen und sieht dabei auch wieder einen Hauch ihrer Schönheit. Menschen dieser Zeit sind Steh-auf-Männchen und doch müssen sie aufpassen, dass sie im Aufstehen nicht alles neu entstandene wieder zertrampeln...

Fazit
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"The Girl with all the Gifts" ist ein eindrucksvolles Buch, das man so schnell nicht wieder vergisst. Zwar beginnt es noch eher zaghaft mit Melanies kindlicher und naiver Sicht, zieht aber schnell deutlich an. Mit anderen Perspektiven kommen neue Schrecken dazu und ein Verständnis für das Verhalten einiger Figuren. Klasse fand ich, wie viel in gesunden Portionen erklärt wird und doch das große Ganze immer spannend bleibt. Durch einige wissenschaftliche Beschreibungen ist es sprachlich recht anspruchsvoll, doch zum Glück erscheint ja schon im Oktober die deutsche Übersetzung!