Rezension

Federleicht trotz Schwergewicht

Das Gewicht eines Pianos - Chris Cander

Das Gewicht eines Pianos
von Chris Cander

Bewertet mit 4 Sternen

Hach ja...Ich glaube, jede(r) von uns kennt den sog. Zauber der ersten Seite. Wenn man dem bei einem Buch erliegt, kann man meist von einem Klassiker reden. Als Beispiel seien hier "Anna Karenina" von Lew Tolstoi und "Der Prozess" von Franz Kafka genannt *g*.

Okay, "Das Gewicht eines Pianos" von Chris Cander hat und wird (soviel sei schon verraten) nie den Klassikerstatus der beiden erstgenannten Bücher erreichen. Dafür ist die Story dann doch etwas zu konstruiert. Sie ist ab einem gewissen Punkt sogar recht vorhersehbar. Trotzdem hat das Buch Momente, in denen ich (ja, lacht ruhig über den gefühlsduseligen Mittvierziger-Mann) schmachtend meinen Reader in der Hand hatte und sich eine dicke Gänsepelle breit machte.

Es sind immer die Momente, in denen klassische Klavierstücke erwähnt werden (zu den im Roman genannten Stücken werde ich mir mal eine Playlist zusammenstellen) oder ich etwas über die Entstehung bzw. Entwicklung eines Klaviers lese. So war mir der Klavierbauer Julius Blüthner bisher völlig unbekannt. Ich kannte nur Steinway, Bösendorfer usw.

Aber auch der (tragische) Lebensweg von Katya, ihrem Klavier, ihre Leidenschaft, ihre Trauer - ich habe mitgelitten und mitgefiebert.
Dahingegen war mir die Geschichte um Clara zu konstruiert, zu beliebig...Auch sie hat ihr "Päckchen" zu tragen, keine Frage. Und trotzdem habe ich diesen Handlungsstrang weniger enthusiastisch verfolgt, wie den von Katya.

Und so kann ich nach Ende der Lektüre von "Das Gewicht eines Pianos" sagen, dass ich unter seinem Gewicht zwar nicht zusammengebrochen bin, ich aber nun eine etwaige Vorstellung davon bekommen habe, was ein Piano im Lauf seines "Lebens" erlebt und wie es den Menschen, die es lieben und achten, helfen kann ihren Weg zu gehen.