Rezension

Flowerpower und Oktoberfest

Liebe machen
von Moses Wolff

Bewertet mit 5 Sternen

Buchbesprechung zu »Liebe machen« von Moses Wolff

Dieses Taschenbuch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gewonnen. Die 288-seitige Taschenbuchausgabe mit der EAN 978-3-492-30749-9 kostet 10.00 € und erschien am 3. August 2020 bei Piper.

Als die zwanzigjährige Dagmar in einer lauen Kölner Nacht im März 1970 aus dem Schlaf hochschreckt, ahnt sie nicht, dass in Hamburg ein junger Mann, Götz, ebenfalls wach liegt und denselben Traum träumt wie sie. Und vor allem ahnen weder Dagmar noch Götz, dass das Schicksal sie füreinander bestimmt hat. Noch im selben Jahr werden sie sich auf dem Oktoberfest begegnen, sich verlieben – und dann für lange Zeit aus den Augen zu verlieren, ohne zu wissen, wie nah sie sich eigentlich die ganzen Jahre über sind.

 

Meinung

Das Cover ist ein Augenschmaus. Da hat sich die Werbeagentur ZERO etwas richtig Originelles einfallen lassen. Der Titel klingt sexistisch, bezieht sich aber auf Make Love - not War, passt also gut zu den 1970er Jahren und erinnert an Hippies. Der Schriftzug ist ebenfalls typisch 70er Jahre. Zu sehen ist hier die von mir heiß geliebte Tapete im LSD-Optik, der geniale Rippenheizkörper und ein hübsches rotes Plastik-Radio mit Pril-Blumen. Köstlich!

Liebe machen handelt von einer schicksalhaften Liebe. Der Autor erzählt nicht nur eine fantasievolle und zauberhafte Liebesgeschichte, die sich über ein halbes Jahrhundert erstreckt, sondern macht daraus einen Gesellschaftsroman. Da mir in jungen Jahren etwas Ähnliches widerfahren ist, konnte ich mich ausgezeichnet in die Protagonisten hineinversetzen, was den Lesespaß steigerte. Durch den ruhigen, poetischen Schreibstil, der durch humorvolle Unterton gekennzeichnet ist, wurden die gut charakterisierten Figuren lebendig.

Wir schreiben das Jahr 1970. Dagmar träumt in Köln einen Traum. Götz träumt den gleichen Traum in Hamburg. Die Protagonisten begegnen einander das erste Mal beim Love-and-Peace-Festival auf Fehmarn. Ein zweites Mal am 19. September 1970 auf dem Münchener Oktoberfest. Ein dramatisch magischer Moment, der auf den Leser überspringt. Und nun begibt sich der geneigte Leser auf eine Zeitreise. Moses Wolff lässt fünf Jahrzehnte Revue passieren. Wir begleiten die Liebenden durch ihre Leben, das von Höhen und Tiefen, vom Suchen und Finden der Liebe geprägt ist. Spannend finde ich an dieser Geschichte, dass sich die Protagonisten in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln, in Gedanken jedoch immer beieinander sind. Bei Wolffs Streifzug durch die Jahrzehnte wird der Leser nicht nur Zeuge großer Weltgeschichte, auch Ereignisse aus der Musik-, Film- und Unterhaltungsbranche werden hier gut recherchiert in die Story eingebaut, dass ich mich im Nachhinein frage, was dem Autor eigentlich wichtiger war, und ob die Protagonisten nicht vielleicht nur ein Gerüst bildeten, um die Rückblende überhaupt zu ermöglichen? So ganz eindeutig erschließt sich mir das noch nicht, aber das ist jetzt auch völlig egal, denn der Roman liest sich einfach wunderbar!

"(...) da der Wiesn-Anstich im Jahr 1970 am Samstag, dem 19. September war und dieses Jahr zum selben Datum gewesen wäre, habe ich das Oktoberfest 2020 in meinem Buch einfach stattfinden lassen, trotz Absage. (...) Man muss sich auch nicht alles vom Virus diktieren lassen." [Quelle: Münchener Abendzeitung]

Da bin ich ganz Ihrer Meinung Herr Wolff. Trotzdem finde ich es saukomisch und gemein, dass sich die beiden 50 Jahre lang immer wieder verpasst haben und das Oktoberfest ausgerechnet 2020 ausfällt ... *lol* Diese Bemerkung erklärt dann auch den Ausgang der Geschichte.

 

Fazit

Eine wunderschöner Sommerlektüre, die man unbedingt gelesen haben sollte, denn - Obacht! - hier findet das Oktoberfest statt. 5 Sterne und eine klare Lese-, Kauf- und Geschenkempfehlung.

 

Gut zu wissen!

Moses Wolff, geboren 1969, ist Autor, Schauspieler und Komiker. Er schreibt regelmäßig für das Satiremagazin »Titanic« und ist Mitveranstalter der erfolgreichen Münchener Lesebühne »Schwabinger Schaumschläger Show«.

 

 

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