Rezension

gelungene Umsetzung in eine märchenhafte Geschichte

Das Labyrinth des Fauns
von Cornelia Funke Guillermo Del Toro

Bewertet mit 5 Sternen

Cornelia Funke ist bekannt für ihre zum Teil sehr märchenhaften Geschichten und ihre bildhafte Sprache. In „Das Labyrinth des Fauns“ hat sie zwar keine eigene Welt erschaffen, sondern Guillermo del Toros Film „Pans Labyrinth“ in Worte gefasst, dabei hat sie jedoch der Geschichte mit ihrem besonderen Erzähltalent auf einfühlsame Art eine persönliche Note gegeben.

Wer den Film kennt, dem wird die Handlung sehr bekannt vorkommen. Cornelia Funke ist eine Bewunderin des Films und hat den Verlauf im Kern nicht verändert, sondern durch kleine Geschichten um die magischen Figuren herum ergänzt, die der ohnehin märchenhaften Atmosphäre neue Impulse und Tiefe gibt.

Gegen Ende des 2. Weltkriegs zieht die 13-jährige Ofelia in Spanien mit ihrer hochschwangeren Mutter in die Berge zu ihrem Stiefvater, der als Offizier Francos dort mit großer Grausamkeit die Partisanen bekämpft. Ofelia spürt das Böse, das nicht nur von ihrem Stiefvater sondern auch von der alten Mühle auszugehen scheint, in der er sein Hauptquartier aufgeschlagen hat. Während sie bei ihrer Mutter auf Unverständnis stößt, findet sie in Mercedes, einer der Dienerinnen, eine Verbündete. Ablenkung bietet Ofelia ein verwunschenes Labyrinth in der Nähe der Mühle, in der sie auf magische Wesen trifft und vor eine besondere Prüfung gestellt wird.

Trotz des märchenhaften Charakters ist dieses Buch weit davon entfernt, eine Kindergeschichte zu sein. Der spanische Bürgerkrieg mit seinen dramatischen Auswirkungen auf das Leben der Bevölkerung spielt eine zentrale Rolle, drastische und brutale Szenen untermalen die Grausamkeit dieser geschichtlichen Epoche. Die Märchenwelt bildet eine Parallele zur Wirklichkeit, in beiden Welten ist nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich, was gut und was böse ist.

Um die bildhafte und fantasievolle Welt des Films herum, hat Cornelia Funke in ergänzenden Geschichten, die als solche in den Kapitelüberschriften deutlich gekennzeichnet sind, die märchenhafte Ebene weiter gesponnen, die Geschichte der Figuren verdeutlicht und auf teils spitzbübische Art weiteres Leben eingehaucht.

Mir hat das Buch inhaltlich und sprachlich sehr gut gefallen, man spürt, dass Cornelia Funke und Guillermo del Toro auf gleicher Wellenlänge liegen. In meinen Augen ist die Umsetzung der Geschichte in Buchform gelungen, es wurde ein modernes Märchen geschaffen mit einer zeitlosen sozialkritischen Botschaft.