Rezension

Gelungener Auftakt!

Das Profil -

Das Profil
von Hubertus Borck

Bewertet mit 4 Sternen

In Hamburg tötet ein perfider Serienmörder Menschen, die sich und ihr Leben mit Vorliebe auf sozialen Kanälen präsentieren. Ein gefundenes Fressen für den Täter, um an Informationen zu kommen, wie er seine Opfer am besten überwältigt. Sehr schnell erkennt die zuständige Kriminalkommissarin Frenka Erdmann die Parallelen der verschiedenen Mordopfer. Ein Mann spioniert seine Opfer aus, lauert ihnen auf und tötet sie. Ihr neuer Partner Alpay Eloglu, der frisch von der Ausbildung zum LKA stösst, glaubt seinerseits nicht an einen männlichen Täter.

 

Dieses Buch ist der Auftakt in eine neue Thriller - Reihe. Die Ermittler dieser neuen Serie machen eine gute Arbeit, auch wenn ich mit der Frau Kriminalkommissarin nicht unbedingt zusammenarbeiten möchte.

Frenka Erdmann hat nur noch ein paar Jahre bis zur Rente zu arbeiten und ist dementsprechend oft lustlos. Sie kümmert sich einen Deut um die Anliegen ihrer Mitarbeiter, qualmt regelmässig Mitfahrer und Büropartner mit ihrem Zigarettenrauch voll und wirkt auf mich sehr egoistisch. Parken auf ausgewiesenen Behindertenparkplätzen und ihre ewige Besserwisserei haben sie mir auch im Verlauf der Handlung nicht unbedingt sympathischer gemacht. Da die gute Frau keinerlei Privatleben hat, wird der Leser in dieser Hinsicht verschont.

Mir hat ihr neuer Assistent Alpay Eloglu oft leidgetan. Es muss nicht einfach sein, mit so einer Vorgesetzten arbeiten zu müssen. Die Ermittler sind sehr beschäftigt und im Verlauf der Geschichte wird Franka Erdmann umgänglicher.

Die Handlung hüpft hin und her. Bei den rasch wechselnden Perspektiven musste ich oft ein paar Sätze lesen, um zu wissen, welche Figur zu welchem Zeitpunkt gerade im Mittelpunkt steht. Dabei kommt es auch mal vor, dass zum Beispiel die Ermittler gerade am Tatort nach Auffinden eines Mordopfers sind und ein paar Perspektivwechsel und ein paar Seiten weiter, erfährt man, was das Opfer vor seinem Tod erlebt hat.

Die Handlung ist durch mehrere Mordfälle und zwei Cold Cases komplex und anspruchsvoll gestaltet. Es geschieht immer etwas und dadurch wird es nie langweilig. Dezent wurden aktuelle Themen wie zum Beispiel Überlegungen zum Frauenanteil bei der Hamburger Polizei und in Kaderpositionen eingewoben. Auch sehr authentisch und aktuell ist, wie sich Menschen und ihr Leben öffentlich zur Schau stellen. In sozialen Kanälen wird von der Wohnungseinrichtung bis zum Basteln eines Adventskalenders alles ins Netz gestellt.

Der Täter bekommt immer wieder eigene Passagen, in denen man erfährt, weshalb er zum Täter wird und wie er denkt, fühlt und seine Taten plant. Dieser hervorragend ausgearbeitete Einblick in die Psyche des Mörders war für mich das Highlight des Buches.