Rezension

Genau hinsehen

Ein anderer Takt - William Melvin Kelley

Ein anderer Takt
von William Melvin Kelley

Bewertet mit 5 Sternen

Zeitlos und bewegend

          Mich haben schon das Vorwort und die Einführung mitgerissen und begeistert. William Melvin Kelley studierte in Harvard, brach das Studium jedoch im letzten Semester ab, denn er erkannte, dass das Schreiben allein seine Passion war. Selbst als sich nach den beiden ersten Büchern der Erfolg in dem Maße nicht mehr einstellte, schrieb er weiter. Wie schade, dass der Autor die Neuauflage von "Ein anderer Takt" nicht mehr erlebt hat, denn er starb 2017 in Harlem.

Ein anderer Takt, dieser Begriff ist einem Zitat entnommen und bedeutet, dass jeder seinen eigene innen Rhythmus in sich trägt, welcher von den anderen respektiert werden sollte.

Diesem inneren Takt folgen die Protagonisten des Romans, in dem sie alles was sie besitzen zurücklassen, um diejenigen, welche ihren Takt bisher bestimmten, zurückzulassen. 

Ich war bewegt und schockiert von den zuweilen grotesken Ausführungen und Betitelungen in der Geschichte. Die schwarze Bevölkerung wird überzeichnet-brutal und unberechenbar dargestellt. Die weiße Bevölkerung als selbsternannte Obrigkeit der Gesellschaft. Die Afrikanisch stämmigen werden vom Autor aus der Perspektive der Weißen, nicht als Bürger sondern Eigentum und "die Anderen" gezeichnet. Die Szenen ziehen sich und fordern mich als Leser heraus, genau hinzusehen und auszuhalten.