Rezension

Gut zu lesender Jugendthriller

A Good Girl's Guide to Murder - Holly Jackson

A Good Girl's Guide to Murder
von Holly Jackson

Bewertet mit 4 Sternen

Es ist fünf Jahre her, dass Andie Bell von ihrem Freund ermordet wurde. Alle sind sich sicher, dass der Fall abgeschlossen ist. Pippa fallen einige Ungereimtheiten auf. Deshalb macht sie aus dem Mordfall Andie Bell ein Schulprojekt für ihr Abschlussjahr. Dabei wühlt sie Geheimnisse der Vergangenheit auf. „A Good Girl’s Guide to Murder“ ist ein Jugendthriller, den die Autorin aufgrund des ungewöhnlichen Erzähltils und des spannenden Settings zu einer flott zu lesenden Lektüre macht.

Vor fünf Jahren wurde Andie Bell umgebracht. Der Täter - ihr Freund Sal Singh - ist bekannt und hat sich nach der Tat umgebracht. Alle sind sich sicher, dass es genauso abgelaufen ist. Nur Pippa überprüft die Zusammenhänge, recherchiert und deckt damit gefährliche Geheimnisse auf.

Pippa ist in meinen Augen ein Nerd, die sich für ihr Schulprojekt an eine fesselnde Fragestellung wagt. Stadt, Polizei und Bevölkerung haben den Fall Andie Bell längst zu den Akten gelegt. Doch Pippa fallen offene Fragen auf, die sie beantwortet haben will.

Pippa ist ein interessantes Mädchen und eine fesselnde Figur. Als überkorrekter Nerd möchte sie alle Details zu dem Mordfall aufklären, und schließt sich mit dem Bruder des Täters zusammen. Mit dieser Rückendeckung landet sie in einem gefährlichen Spiel, bei dem sogar die organisierte Pippa ins Schleudern gerät.

Als nerdiger Typ ist sie mir sofort ans Herz gewachsen. Ich mag Pippas nüchterne, gleichzeitig freundliche, Art, wie sie sich mit sich selbst und ihrem Umfeld auseinandersetzt. Zwar geht sie nicht auf Partys, trotzdem ist sie gut in das soziale Gefüge der Schule integriert. Aufgrund ihrer spannenden Familienkonstellation aus weißen und schwarzen Menschen hinterfragt sie Ungerechtigkeiten genauso wie sie ihr Verhalten anderen gegenüber reflektiert. Immer perfekt vorbereitet und wohl überlegt, schlittert sie dennoch in ein gefährliches Abenteuer, das bald mehr als ein Schulprojekt sein wird. 

Der Erzählstil sticht hervor und ist einfallsreich gewählt. Pippa transkribiert Gespräche mit damaligen Zeugen und fügt Notizen und Chatprotokolle an. Es wird gemeinsam mit ihr auf Facebook recherchiert, Gesprächsverläufe via sms sind dargestellt und mittendrin befinden sich ihre persönlichen Gedanken, die sich um den Fall Andie Bell genauso wie um ihr Leben drehen.

Besonders die Darstellung des Geschehens hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich mag es total, wenn man - gefühlt interaktiv - in die Handlung eintaucht. Auf diese Weise erhält man Gespräche, Dialoge und Situationen nicht nur erzählt, sondern bekommt ein eigenes Bild davon. Das ist ein Aspekt, der dem Thriller soghafte Dynamik verleiht.

Der Fall um Andie Bell ist exzellent eingefädelt. Pippa macht sich ein Bild der Ermordeten, lässt die Mordnacht Revue passieren und beschäftigt sich mit Details, die der Polizei entgangen sind. Denn nach und nach offenbart sich, dass Andie Bell mehr als das perfekt-beliebte Mädchen der Schule war. Wie durch ein Kaleidoskop entdeckt Pippa weitere Facetten des Mordopfers, die zu mehr Fragen führen, als sie Antworten bringen.

Damit ist der Verlauf von Pippas Ermittlungen richtig spannend, weil ständig neue Aspekte die Theorien zum Mord auseinandernehmen. Hinweise kommen hinzu, Ansätze werden verworfen, und langsam wird ein Rätsel gelöst, das für die Polizei längst als abgeschlossen gilt.

Mit dem Showdown war ich nicht ganz zufrieden, obwohl er durchaus zur Handlung passt. Mir ist es einen Hauch zu heroisch und überlegen geworden, was für mich nicht der Protagonistin entspricht. Dennoch münden Pippas Ermittlungen in einem runden Abschluss, der nachvollziehbar und unvorhergesehen war. 

Unterm Strich ist „A Good Girl’s Guide to Murder“ ein genial erzählter Jugendthriller, der aufgrund der nerdigen Hauptfigur und des dynamisch-ungewöhnlichen Erzählstils für fesselnde Lesestunden steht. Wer gern Jugendthriller liest, wird dieses Buch bestimmt mögen.