Rezension

Gutes Thema, aber leider zu langatmig

Im siebten Sommer - Rowan Coleman

Im siebten Sommer
von Rowan Coleman

Bewertet mit 3 Sternen

Auf Rowan Coleman und ihre wirklich guten Bücher kann man sich eigentlich immer verlassen. Auch „Im siebten Sommer“ hätte großartig werden können, aber diesmal lag dieser Roman etwas hinter ihren bisherigen Büchern zurück.

Das Buch begann großartig und Rowan Coleman nimmt sich hier einem wichtigen Thema, nämlich der häuslichen Gewalt und Missbrauch an. Das Leben von Rose und so vielen anderen Frauen, die diese Gewalt erleiden müssen, war gut dargestellt und wirkte einfach nur traurig, erschreckend und demütigend. Es geht zudem um Selbstentdeckung, Familie und  die Liebe. Da kommen natürlich viele und intensive Emotionen ans Licht. Dennoch hatte ich einige Probleme mit dem Buch. Zum einen hat mich die Langatmigkeit gestört. Oft wurden die Gedankengänge von Rose endlos in die Länge gezogen. Außerdem gab es ziemlich viele Wiederholungen in diesen Gedankengängen innerhalb von wenigen Seiten. Es hat mich leider ziemlich genervt, dass ich Dinge, die ich erst vor 5 Seiten gelesen habe dann erneut gelesen habe bzw. lesen musste.

Mein zweites Problem bestand in den Charakteren, denn zu keinem konnte ich wirklich einen Bezug aufbauen. Zunächst wäre da Rose. Ich finde es unglaublich mutig von ihr, dass sie der Gewalt ein Ende bereit hat und geflüchtet ist. Aber sie klammert sich an Frasier und diese eine kurze Begegnung vor 7 Jahren wie eine Ertrinkende an ein Schiff. Klar, gegen ein bisschen Träumerei ist nie etwas einzuwenden. Aber auf der Suche nach irgendwas Besonderem lebt Rose leider in einer Fantasiewelt und kam mir teilweise sehr naiv vor. Frasier selbst, der angebliche Ritter in weißer Rüstung, war auch ziemlich merkwürdig. Er ist auf jeden Fall besser als Rose gewalttätiger Ehemann Richard. Jeder ist in dieser Geschichte besser als Richard. Aber letztlich schiebt auch Frasier Rose von einen auf den anderen Tag umher wie einen abgenutzten Gegenstand. Warum Frasier in Rose Augen so wundervoll sein soll, konnte ich nicht verstehen. Shona, die beste Freundin von Rose, war einfach nur nervig und zu aufgedreht mit einem zu vulgären Wortschatz für ihr Alter. Ich wollte eigentlich noch etwas zu der Person sagen, die Rose in Millthwaite statt Frasier trifft. Aber erstens würde das langsam den Rahmen sprengen und zweitens würde ich damit nur unnötig spoilern. Denn mit wem sich Rose da plötzlich auseinandersetzen muss, ist ziemlich überraschend und für Rose ein langer und teilweiser nervenaufreibender Weg zu sich selbst.

Den einzigen Charakter, den man irgendwie noch mögen kann. ist Rose Tochter Maddie. Die 7-Jährige ist ein sehr eigensinniger, schrulliger Charakter und kam mir oft eher wie eine altkluge Frau vor. Manchmal dachte ich mir, dass kein 7-jähriges Kind auf dieser Welt so ist und hätte mir für Maddie einfach mehr Kind sein gewünscht. Aber das Schöne an Kindern ist ja oft, dass sie immer die Wahrheit sagen und noch keinen Filter besitzen, der ungewünschte Worte aussiebt. Maddie ist schonungslos ehrlich und zwingt Rose damit, sich mit vielen Dingen in ihrem bisherigen Leben auseinanderzusetzen. Das war der Punkt, den ich wiederrum mochte – dass Rose sich dadurch entwickelt und zu einer Art Persönlichkeit wird, die bei ihrem Ehemann immer unterdrückt wurde.

ABSCHLUSSWORTE

„Im siebten Sommer“ greift ein wichtiges Thema, dass nicht verschwiegen werden sollte, denn häusliche Gewalt ist heute leider noch viel zu oft präsent. Das Thema an sich wurde gut umgesetzt und bietet intensive Emotionen. Leider war das Buch an einigen Stellen für mich zu langatmig und verlor sich zu sehr in den Gedankengängen von Protagonistin Rose. Auch hatte ich einige Probleme mit den Charakteren, zu den ich leider kaum eine Bindung aufbauen konnte. Das Buch ist nicht unbedingt schlecht und kann durchaus gelesen werden. Aber leider war es für mich auch nicht ganz so gut, wie Colemans bisherige Bücher.